"Ein bisschen weniger 'Scrubs', ein bisschen weniger 'Dancing Stars'"
Wien - "Ein unabhängiger ORF braucht eine stabile finanzielle Basis. Gleichzeitig ist es im ORF jetzt notwendig, ganz scharfe Maßnahmen zu setzen, weil viele der Maßnahmen in der Vergangenheit nicht gesetzt wurden." Medien-Staatssekretär Josef Ostermayer (S) gibt die Richtung für die Lösung der finanziellen Probleme des ORF vor.
"Die duale Medienlandschaft besteht aus einem starken unabhängigen ORF, den wir nicht infrage stellen, sondern stärken wollen. Sie besteht aber auch aus Privatunternehmen, die es noch zu stärken gilt". ÖVP-Mediensprecher Karlheinz Kopf weist neben dem öffentlich-rechtlichen auch auf die Bedeutung des privaten Rundfunks in Österreich hin.
"Rot und Schwarz haben systematisch den ORF über viele Jahre kaputtgemacht, weil sie nur auf Posten und Einfluss geachtet haben - jetzt steht der öffentlich-rechtliche Rundfunk vor der Pleite." BZÖ-Mediensprecher Stephan Petzner sucht und findet die Schuldigen für die Probleme des ORF.
"In den letzten zwei Jahren ist die Einmischung der Parteien massiv zurückgegangen, alle Parteien kommen recht gleichmäßig dran." Der Grüne ORF-Sprecher Dieter Brosz ortet hingegen Besserung.
"Ein bisschen weniger 'Scrubs', ein bisschen weniger 'Dancing Stars'". FPÖ-Mediensprecher Harald Vilimsky äußert unterdessen konkrete Programmvorschläge und kritisiert vom ORF eingekaufte US-Westküsten-Serienware.
"Der ORF darf den öffentlich-rechtlichen Auftrag nicht als Rucksack sehen, sonst werkt er an seinem Untergang." Auch ÖVP-Parlamentarier Wilhelm Molterer trägt zur ORF-Debatte bei - diesmal nicht via "Moltofon", sondern über die Parlamentsmikrofone.
"Entweder es sind große deutsche Senderketten - das ist der Weg in die deutsche Medienkolonie - oder es sind Gruppen, die heute in Österreich schon im Magazinsektor, im Zeitungssektor, im Radiosektor sehr stark medial tätig sind, und das führt unweigerlich in Richtung einer Art der Berlusconisierung." Der frühere Kanzler-Sprecher und SPÖ-Bundesrat Josef Kalina fragt, an wen der ORF im Fall einer Zerschlagung verkauft werden könnte, warnt vor einem Problem für die Demokratie und italienischen Verhältnissen.
"Eine Anstalt darf sich in ihrem Auftreten nicht wie ein Elefant im Porzellanladen benehmen". Philip Lowe, Chef der EU-Generaldirektion Wettbewerb, weist auf die Grenzen öffentlich-rechtlicher Sender hin und plädiert für eine Vorabprüfung bei der Einführung neuer Dienste öffentlich-rechtlicher Medienunternehmen.
"Zur Zeit braucht es in Österreich noch einen öffentlich-rechtlichen Rundfunk, das wird sich über die Jahre ändern. Der ORF muss relevante Bedürfnisse nach Information und Unterhaltung befriedigen, die von den übrigen Marktteilnehmern in ihren Angeboten nicht oder nicht ausreichend berücksichtigt werden." Horst Pirker, Präsident des Verbands Österreichischer Zeitungen (VÖZ).
"Ein Supertanker, der voll ist, und versucht, weiter aufzuladen, droht zu sinken". Christian Stögmüller, Präsident des Verbands der österreichischen Privatsender, warnt den ORF und gibt die Devise "Hollywood raus, Österreich rein" für das ORF-Programm aus.
"Wir haben keine Kosten fürs Programm und kassieren nur die Werbung ein. Das ist sozusagen die Idealform. Ganz ehrlich. Wunderbar." Der frühere RTL-Chef Helmut Thoma beschreibt vor der Parlamentsenquete das Abschöpfen von Werbegeldern durch deutsche Werbefenster in Österreich. Auf die Frage, ob er sich dafür schon mal bei österreichischen Politikern bedankt habe, meint Thoma: "Da braucht man sich nicht bedanken, die haben das bis heute nicht verstanden."
"Qualität statt Proporz!" heißt es auf Flugblättern, die Vertreter einer Plattform "PRO ORF" vor der Parlamentsenquete verteilt hatten. Dazu gab es Bananen, die offenbar auf Österreich als medienpolitische Bananenrepublik anspielen sollten.
"Ich bitte nun ORF-Generaldirektor Dr. Andreas Wrabetz zu Wort." Noch kein Personalwechsel an der Spitze des ORF, sondern ein Versprecher des zweiten Nationalratspräsidenten Fritz Neugebauer, als dieser ORF-Chef ALEXANDER Wrabetz ans Rednerpult bittet.
"Ich hoffe, dass am Ende dieser Enquete bei aller Unterschiedlichkeit der Standpunkte im einzelnen das Bekenntnis zu einem starken, ungeteilten, unabhängigen ORF steht, der mit klaren finanziellen Rahmenbedingungen seinen umfassenden Auftrag zur Sicherung der österreichischen und regionalen Identität zur Zufriedenheit der Zuschauer und Zuschauerinnen erfüllen kann." Letzte Worte des ORF-Chefs. (APA)