"Kevinismus und Chantalismus - das sagt alles"

17. September 2009, 14:49
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Vornamen haben einen Einfluss auf die Bildungschancen und sind bei Lehrern stark vorurteilsbelastet

Vornamen können geglückt oder weniger geglückt gewählt sein. So auch im Bildungsbereich. Studien beschäftigten sich bislang mit den sozialen oder ökonomischen Ungleichheiten bei Bildungsfragen. Die soziale Herkunft und der Bildungsgrad der Eltern stehen im Vordergrund der Untersuchungen. Doch nicht nur diese Faktoren sind entscheidend für den späteren Schulerfolg und den Anklang der SchülerInnen beim Lehrpersonal. Schon die Namensgebung hat einen Einfluss auf die Bildungschancen: LehrerInnen haben bei gewissen Namen Vorurteile und Vorannahmen positiver wie negativer Natur.

Diese Problematik wurde nun in einer Studie, die im Rahmen einer Master-Arbeit an der Universität Oldenburg entstanden ist, untersucht. 2000 VolksschullehrerInnen wurden in einem Online-Fragebogen befragt und eine detaillierte Auswertung von 500 Fragebögen wurde für die Studie herangezogen. Dabei ergab sich, dass Schülerinnen mit Vornamen wie Charlotte, Sophie, Marie, Hannah sowie Schüler mit Namen wie Alexander, Maximilian, Simon, Lukas oder Jakob als "eher freundlich, leistungsstark und verhaltensunauffällig" unter LehrerInnen gelten.

"Kevin ist kein Name, sondern eine Diagnose!"

Besonders mit Leistungsschwäche und Verhaltensauffälligkeit assozieren LehrerInnen namen wie Mandy, Chantal, Kevin, Justin oder Maurice. So sahen Beispielsweise 84,4 Prozent der Lehrer Schüler mit Namen Kevin als "eher leistungsschwach" an, für 81,8 Prozent sind Kevins "eher verhaltensauffällig" und für 83,8 Prozent sehen in Schülern mit Namen Kevin einen "eher frechen" Schüler.

64 Prozent der befragten LehrerInnen würden ihr Kind nicht Kevin nennen. In Fragebogen war gar zu lesen: "Kevin ist kein Name, sondern eine Diagnose!" oder "Kevinismus und Chantalismus - das sagt alles". Anders sieht es beim Namen Jakob aus, der als leistungsstark (75,8 Prozent), verhaltensunauffällig (71,8 Prozent) und freundlich (71 Prozent) gilt.

Mediennennung wirkt sich auf Vorurteile aus

Die Autorin Julia Kube (24) kommt in ihrer Arbeit zum Schluß: "Es wird auch deutlich, dass augenscheinlich gerade Vornamen, die auch in den Medien im Zusammenhang mit dem 'Kevianismus' genannt werden, von Lehrkräften besonders negativ eingeschätzt werden."

Für die Studie wurden die beliebtesten 40 Namen aus dem Jahr 2003 als Ausgangsbasis herangezogen. Kube will nun weiter untersuchen, ob die Vornamen auch aufgrund einer assoziierten oder tatsächlichen Schichtzugehörigkeit in bestimmter Weise zugeordnet werden.  (seb, derStandard.at, 18.9.2009)

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    Die Autorin Julia Kube (24) kommt in ihrer Arbeit zum Schluß: "Es wird auch deutlich, dass augenscheinlich gerade Vornamen, die auch in den Medien im Zusammenhang mit dem 'Kevianismus' genannt werden, von Lehrkräften besonders negativ eingeschätzt werden."

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