Umfrage: Sechs Prozentpunkte in zwei Monaten verloren
Rom - Nach der Serie von Skandalen rund um sein Privatleben sinkt die
Popularität des italienischen Ministerpräsidenten
Silvio Berlusconi laut einer Umfrage der regierungskritischen Tageszeitung "La
Repubblica". Im August fiel die Popularität des Premierministers und Medienzaren
um zwei Prozent auf 47 Prozent, ergab eine vom Meinungsforschungsinstitut IPR
durchgeführte Umfrage, die am Mittwoch von "La Repubblica" auf ihrer Webseite
veröffentlicht wurde.
Schon im Juli war die Popularität des Premierministers laut IPR um vier
Prozent rückgängig. Laut der Umfrage liegt die Popularität Berlusconis weit
hinter seinem Rekordhoch von 62 Prozent, das er vor Beginn der Skandalserie im
vergangenen April erreicht hatte.
Der populärste Minister in der Regierung Berlusconi ist mit 61 Prozent
Innenminister Roberto Maroni, der sich in den vergangenen Monaten stark, aber
mit umstrittenen Maßnahmen gegen die Kriminalität und die illegale Immigration
engagierte. Zu den populärsten Ministern des Kabinetts Berlusconi zählt außerdem
Sozialminister Maurizio Sacconi, der sich stark für Anti-Krisen-Maßnahmen
einsetzt.
Berlusconi, der am Dienstag als Stargast der von RAI 1 gesendeten Talk-Show
"Porta a Porta" aufgetreten war, hatte versichert, dass er wegen der Skandale
rund um sein Privatleben nicht an Popularität verloren habe. "Die Italiener sind auf meiner Seite. Meine Popularität liegt
bei 68,4 Prozent", versicherte Berlusconi.
Premier schließt Neuwahlen aus
Berlusconi schließt trotz der Skandale rund um sein Privatleben einen
Rücktritt entschieden aus. "Ich habe niemals an Neuwahlen gedacht. Die Italiener sind auf meiner Seite. Meine Popularität liegt
bei 68,4 Prozent", versicherte Berlusconi, der am Dienstagabend als Gast der von
RAI 1 gesendeten Polit-Show "Porta a Porta" aufgetreten ist.
Berlusconi rechtfertigte sich wegen der millionenschweren Entschädigungen,
die er von regierungskritischen Tageszeitungen wie "La Repubblica" und "L'Unita"
verlangt. Diese hatten ausführlich über die Sexskandale rund um Berlusconi
berichtet und ihn scharf kritisiert. "Ich bin fünf Monate lang auf ärgste Weise
diffamiert worden und habe geschwiegen. Jetzt habe ich reagiert. Meine Reaktion
ist absolut legitim", sagte Berlusconi.
Der 72-jährige Premierminister bestritt vehement, dass die Medienfreiheit in
Italien gefährdet sei, da er als TV-Zar und
Ministerpräsident ein Großteil der Presse und des Fernsehens kontrolliere. "Es
ist ein Verbrechen, zu behaupten, dass es in Italien keine Medienfreiheit gibt. In der Politik, in
den Medien und im Fernsehen gibt es zu viele Schurken", erklärte Berlusconi.
Der Premierminister sparte nicht mit Kritik an der öffentlich-rechtlichen
TV-Anstalt RAI. "Die RAI, die mit den Fernsehgebühren der Bürger finanziert
wird, attackiert ständig die Regierung. Es gibt Sendung, die ausschließlich
meine Koalition und mich angreifen", sagte Berlusconi. Er zitierte dabei
Programme mit politischem Inhalt wie "Anno Zero", "Report" und "Ballaró". (APA)