GeldStandard

Platten als wohlklingende Geldanlage

16. September 2009 17:03
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    Foto: apa

    Platten werden meist von Männern, quer durch alle Genres, aber nach unterschiedlichen Gesichtspunkten gesammelt. Geht es dem einen um das vollständige Werk seiner Heroen, reiht der andere Scheibe um Scheibe des gleichen Labels aneinander.

Vinyl erfreut sich eingeschworener Liebhaber und neuer Entdecker. Für Sammler dreht es sich dabei nicht nur um den Hörgenuss

Der "Tod der CD!" , wie ihn der Musiker und Produzent Hans Platzgumer trotzig im Titel seiner 1987 erschienenen Langspielplatte forderte, ist nach wie vor außer Sichtweite. Als durchaus lebendig erweist sich auch das in jenen Anfangsjahren der CD "toter als tot" genannte schwarze Vinyl-Rund. "Ein Prozent des österreichischen Musikmarktes wird mit Platten erwirtschaftet - aber das dafür seit Jahren stabil" , erklärt Thomas Böhm vom Verband der Österreichischen Musikwirtschaft (IFPI). Nicht mitgerechnet sind dabei Verkäufe aus zweiter Hand über Plattenläden, Fachmagazine, Börsen, Flohmärkte oder Onlinehändler.

Gerade dort tummeln sich aber audiophile Vinyl-Sammler, international auf der Suche nach begehrten Raritäten. Oder weil das eine oder andere Stück wieder liquide gemacht werden muss, wenn das Gewicht des Plattenschranks erste statische Bedenken aufwirft.

Einzelne Sammlerstücke erzielen mittlerweile Preise, um die ganze CD-Lager erstanden werden könnten. "Klar gibt es Leute, die Platten wegen des erwarteten Wertzuwachses sammeln" , sagt Tom Epple, Sammler und Betreiber des Online-Handels Vinyltom. Er schränkt aber ein: "Traumrenditen von regelmäßig 20 Prozent pro Jahr lassen sich nur im absoluten Top-Segment einfahren." Dazu zählt er unter anderem bei Decca erschienene Rolling-Stones-Originale oder Black-Sabbath-Erstaufnahmen bei Vertigo Swirl. Nach oben hin sei keine Preisgrenze auszumachen: Erstpressungen vom White Album der Beatles wechseln heute um 20.000 Dollar (13.600 Euro) den Besitzer - Tendenz steigend.

Große Namen, kleine Details

Von den Gustostückerln abgesehen seien die Plattenpreise jedoch auch modischen Schwankungen ausgesetzt, gibt Peter Giretzlehner von Moses Records in Wien zu bedenken: "Sammlungen sind zu 90 Prozent - monetär - wertlos, die anderen zehn Prozent machen es aus." Angebot und Nachfrage bestimmen den Preis, es gehe längst nicht nur um Musik: "Die andauernde Bekanntheit der Band bei Sammlern und die Seltenheit der einzelnen Platte sind entscheidend" , nennt Giretzlehner die wichtigsten Kriterien.

Neben Nischenbands aus Kraut-rock, Progressive oder Jazz mit treuen Fan-Kreisen sind es nach wie vor Namen wie Beatles, Stones, Hendrix und Presley, die - einen gewissen Seltenheitswert vorausgesetzt - Sammlerohren zum Klingen bringen. "Nicht nur Vinylklang-Nostalgiker, sondern überraschend mehr junge, bestens informierte Kunden legen mir ihre mit allen Details versehenen Suchlisten vor" , sagt der Händler. Auf Detailwissen, Gespür und vertrauenswürdige Händler komme es an, wenn es um Sammlerwert geht.

Nach Genre in Reih und Glied

Platten werden meist von Männern, quer durch alle Genres, aber nach unterschiedlichen Gesichtspunkten gesammelt. Geht es dem einen um das vollständige Werk seiner Heroen, reiht der andere Scheibe um Scheibe des gleichen Labels aneinander. Dann werden die Unterschiede feiner: "Die höchsten Preise erzielen immer Erstaufnahmen aus den Erscheinungsländern; das absolute Optimum ist eine noch ,sealed‘, original verpackte Platte" , erklärt Giretzlehner. Weitere Kriterien seien der Zustand von Vinyl (höchste Bewertung: "mint" , perfekt) und Cover, die Covervariante, Poster, nachgewiesene Signaturen oder das Herkunftsland.

In Zahlen gefasst: Während die englische Zweitpressung von Jimi Hendrix' 1968 erschienenem Album Electric Ladyland mit dem skandalumwitterten, barbusige Frauen zeigenden Cover 200 Euro einbringe, könne man für die Erstpressung zurzeit mit 800 Euro rechnen, zeigt Giretzlehner auf.

Preisentwicklung bleibt Rätsel

Aber nicht nur alte, auch pressfrische Platten versprechen Gewinne: "Vinyl-Sonderauflagen der White Stripes kommen um 15 Euro auf den Markt und werden Stunden später um das Fünffache über Ebay verkauft" , beobachtet Epple den Spekulationserfolg von Limited Editions. "Wie sich der Sammlerpreis entwickelt, lässt sich aber kaum voraussagen" , weist Epple auf das von Band zu Band unterschiedliche Risiko hin.

Ebenfalls nur für kurzfristige Bewegungen in der Preisentwicklung sorge das Ableben eines Künstlers, sind sich Epple und Giretzlehner einig. Bei seltenen Thriller-Ausgaben von Michael Jackson schnellte der Preis nach dem Tod des Sängers zwischenzeitlich um 25 Prozent nach oben, Tage später stabilisierte er sich wieder.

Seit Jahren nachgefragt und als teuerste Sammlerplatte österreichischen Ursprungs nennt Peter Giretzlehner das 1971 erschienene Album Paternoster der gleichnamigen Progressive-Rock-Band. Momentan würden rund 2000 Euro dafür geboten, tauchte es denn wieder auf. Hans Platzgumers Tod der CD! wurde übrigens neu aufgelegt - als "Download only". (Martina Bachler, DER STANDARD, Print-Ausgabe, 17.9.2009)

 

Veranstaltungstipps:

Die größte Börse in Wien: Sa. 14. Nov. 2009 - So 15. Nov. 2009 10-17 Uhr, 1. Internationale Schallplattenbörse in Wien MGC Halle, Modecenterstrasse 22, 1030 Wien

Schallplattenbörse: Samstag 26. September 2009, Rohrbacherstraße 21, Gasthaus zum lustigen Radfahrer, 10-16 Uhr, fünf Minuten von der U4-Station Ober St. Veit

Webtipp

 

Kommentar posten
Posting 1 bis 25 von 39
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Horst Obermaier
17.09.2009 16:38
Lohnend

darum immer die Sondereditionen Kaufen. bei SACDs ist es das selbe! Bei Amazone werden für eine vielzahl von SACDs teilweise über 130euro verlangt (pro Stück!). Wertsteigerung einige 100%. Mittlerweile hab ich schon 100,davon ca. 30-50 SACDs mit einem wertzuwachs im oberen 2stelligen bereich!

Knüppel Dick
 
17.09.2009 17:08

na wenn sie da mal nicht auf's falsche pferd setzen!

Horst Obermaier
17.09.2009 20:54
das richtige Pferd

angesichts dessen das die mehrzahl der SACDs sondereinspielungen mit stark limitierter Auflage sind denke ich nicht das sie im Preis verfallen! Ausserdem, die die schon mal eine SACD auf einer guten HI-FI Anlage gehört haben wollen ohnehin nichts anderes mehr. Und Raubkopien gibs von der HD schicht keine da die SACD Hardware codiert ist und der DSD Stream nochdazu inkompatibel mit dem vielbitsystem ist.Somit sind alle vorrausetzungen erfüllt zur Wertsteigerung.

Flash Gordon
17.09.2009 15:57
Frage ans Forum:

Ich habe eine ganze Menge (auch noch original verpackte) LP´s von und rund um Robert Stolz geerbt. Gibt es für so etwas einen Markt ?
Für Rückmeldungen wäre ich sehr dankbar.
LG.
flash

cgau
17.09.2009 16:52
na dann: toi toi toi !!

Ehrlich gesagt, ich fürchte, dass RS platten fast unverkäuflich sind d. h. um vielleicht 1-2 euro.
aber ich würds trotzdem über e-bay versuchen, vielleicht findet sich ein japaner o. ä. der bereit ist, mehr zu zahlen.
vielleicht täusche ich mich aber auch...

Taji Soron
17.09.2009 15:54
Ui,

da lagern ja womöglich noch ungehobene Schätze in meinen Regalen ;-)

Turam Bar
17.09.2009 14:16
Platte von Josef K. - orig "Postcards Record" LP

Interesse???
Ich meine mal die einzige auf LP erschienene Platte vom legendären, schottischen Postcards Label...

cheers

richard lewis
17.09.2009 14:18
sorry for laughing

die hab ich auch - ist die was wert?
wurde doch alles wieder neu aufgelegt
was ich gerne hätte, wäre die "endless soul"-compilation auf platte, damals leider verpasst

georgesoros
17.09.2009 08:30
Noch ein Punkt zur Langlebigkeit

Meine Lieblingsplatte besitze ich seit ca. 20Jahren und traue mich zu sagen das ich diese bestimmt mehrere Hundert mal gehört habe und sie kling wie am ersten Tag und das nach 20Jahren!

Der Große von Gegenüber
17.09.2009 12:14

nicht zu vergessen, die Schellacks.

Teilweise mehr als 80 Jahre alt und klingen wie neu ...

= 8-b......
17.09.2009 07:48
geld?

was ist geld?

Heinz Anderle
 
17.09.2009 07:06
Die Schallplatte war nie mehr als eine Hilfslösung,...

... mit dürftigem Frequenzumfang, bescheidener Dynamik und mechanisch mäßiger Stabilität.

In der Klassik wurden viele ältere Aufnahmen auf CD wiederveröffentlicht. Diese bedeutete die Emanzipation von mechanischen Notlösungen.

Die Zukunft gehört voll auflösenden, trägerungebundenen Audioformaten wie FLAC.

Dr. Heinz Anderle, Freigeist

Flaschenpost
18.09.2009 18:39
@Heinz Anderle

Vergessen Sie´s hier jemandem eine logische Sache zu erklären!
Sie haben völlig recht, aber für die Plattenhörer steckt einfach mehr dahinter: Die Erinnerung an die gute alte Zeit: Wie war das damals als man mit dem guten Stück endlich in seinen vier Wänden war? Das Auspacken, das Knistern beim Senken des Tonarmes und dann endlich: DER SONG !!

Für viele Sammler besser als Sex.

Starke emotionelle Erinnerungen welche mit dem Sammeln der Dinger gehortet und abrufbereit konserviert werden.
Die größte österreichische Plattensammlung umfasst nach inoffiziellen Schätzungen ca 100 000 Stück. Den Typ dem diese gehören wollen Sie gar nicht kennenlernen: Arbeitslos, ungepflegt, ein armer irrer Gefangener seiner Sucht nach Vinyl.

Heinz Anderle
 
19.09.2009 08:38
Ich weiß, das ist wie...

... einen Knochen der Meute zuzuwerfen.

Jedem das Seine - wenn einer an den schwarzen Scheiben hängt und sie hegt und pflegt, bitte sehr. Nur "abrufbereit" wird eine Schallplatte nur in der Music-Box. Ein USB-Stick ist da deutlich kompakter.

Zum Glück halten analoge Studio-Tonbänder so lange, daß sie ins CD-Format digitalisiert werden können, wodurch schon viele klassische Schätze gerettet wurden.

Dr. Heinz Anderle, Freigeist

Marlon62
17.09.2009 14:23
Ich nehme an,

Sie haben Schallplatten immer nur mit Geräten im Low-end-Bereich gehört. Ein High-end Gerät ist eine ziemlich nützliche Anschaffung, um den Qualitätsunterschied zu erkennen. Dann werden auch Sie keine CDs mehr hören wollen.

helm.helm
17.09.2009 13:21
JEDE audioaufzeichnung ist nur eine hilfslösung.

weil sie immer nur eine annäherung ans original ist. digitale aufzeichnungsmethoden haben den nachteil, dass hier ein ursprünglich analoges signal einmal hin- und zur wiedergabe wieder zurückgewandelt werden muss, wobei zwangsläufig ebenfalls teile des signals verloren gehen.

was uns die schallplatte allerdings lehrt ist, dass das menschliche ohr offensichtlich weit anspruchsloser ist als viele annehmen. denn wenn eine lp mit all ihren mängeln immer noch "toll" klingen kann, dann stellt sich die frage, ob für eine "gute" aufzeichnung nicht ganz andere dinge wichtig sind als die genannten technischen daten? musik ensteht am ende immer noch im kopf des zuhörers, und NICHT am datenblatt des wiedergabegerätes.

vinyltom
 
17.09.2009 12:57
die hilfslösung

spielt seit hundert jahren und wird - zusätzlich zur cd, die sich ja schon nach rund 25 jahren auflöst - alle anderen tonträger überdauern!

parmigiano
17.09.2009 16:48

am anfang hat man gesagt, dass sich die CDs uU nach 5 jahren auflösen. weil das nicht passiert ist, waren's dann 10 jahren. und wenn derzeit manche 25 sagen, wird das wahrscheinlich auch nicht passieren. bei meinen CDs aus den 80ern merk ich jedenfalls noch immer nix.

Charlie Brown
17.09.2009 16:29

"die sich ja schon nach rund 25 jahren auflöst"

meine 20 jahre alten cds sind noch bitgenau gleich denen von anderen leuten, also wohl immer noch gleich wie beim kauf (vergleich mit hashwerten im internet).

vinyltom
 
17.09.2009 16:45
"die sich ja schon nach rund 25 jahren auflöst"

wenn sich der lack einmal durch die schutzschicht gefressen hat, ist es vorbei mit der bitgenauigkeit und es kann weder etwas gemessen, noch gehört werden! diese erfahrung machte auch das deutsche musikarchiv (eben nach rund 25 jahren....)!

Charlie Brown
17.09.2009 17:19

"Mittlerweile lagern dort über 373.000 CDs. Bereits bei rund 200 CDs, die in den ersten drei Jahren der Archivierung eingegangen sind, zeigt ein Messgerät Zersetzungserscheinungen."

Also deine Aussage ist schon eine starke Verzerrung der Realität imho. Klar, CDs halten wie alles nicht ewig. Aber dafür ist eine _exakte_ Kopie möglich. Viel Glück mit demselben bei LPs.

Jojo07
17.09.2009 12:04

Bleiben Sie bei Ihrer CD - nein, noch besser: MP3 *rofl*

Null Ahnung, aber posten!

Aber als Musikliebhaber freu ich mich, dass es so viele musikalische und klangliche Ignoranten gibt, denn sonst müßte ich mit noch mehr Leuten um das "schwarze Gold" rangeln (ich sammle nur um des musikalisch-klanglichen Gewinns wegen, nicht wegen des finanziellen!)

Aber im Ernst: Ich sammle Vinyl - aber auch CD (bluray etc. ist für mich noch wegen des fehlenden Angebots uninteressant). So manche Aufnahmen hab ich in beiden Medien - und der Vergleich macht absolut sicher: Der Vinyl-Klang wird von der CD so gut wie nie erreicht!

Heinz Anderle
 
17.09.2009 23:41
Nix MP3.

PCM-Audio (WAV) oder FLAC.

Und schon gar nicht grammelndes PVC - das ist für Abflußrohre sinnvoller.

Dr. Heinz Anderle, Freigeist

Jojo07
20.09.2009 14:16
:-)))) Sie haben wirklichen von Klang und Musik null Ahnung - danke für Ihr Outing :-))))

Vielleicht sind Sie Physiker und kennen die physikalischen Vorgänge bei der Klangproduktion? Dann wissen Sie, dass aufgrund des Digitalisierungsvorgangs Informationen verloren gehen, da Klangwellen eben NICHT eins-zu-eins digitalisiert werden. Und diese Codierung muß, wiederum mit Abstrichen in eine Analog-Signal gewandelt werden. Klar ist, dass Sie den Unterschied auf einer Sony(oder so ähnlich)-Anlage, Ipod, Iphone etc. nicht hören, die haben aber mit Hifi eben auch nix zu tun!

Aber was schreib ich ... ich muss Sie ja nicht von Ihren empiriefreien Vorurteilen befreien, denn auf einer guten Anlage haben Sie ganz offensichtlich noch nie Vinyl gehört!

PS: Von Abflußrohren haben Sie auch null Ahnung: Vinyl als Abflußrohr - OMG :-((((

vinyltom
 
17.09.2009 17:53

was kopierst du dann, wenn das ding hin ist und sich die informationen nicht mehr lesen lassen (die platte kann ich auch mit kratzern noch abspielen...)?!?
alle archive sind ja mit der digitalen realität konfrontiert, dass cds, dvds, festplatten, etc. nur begrenzt haltbar sind und irgendwann machst du nur mehr die kopie von der kopie von der kopie.....

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