Kommissionspräsident

Barroso lässt sich Zeit mit EU-Kommission

16. September 2009, 19:16

"Informell" will er beraten, aber alles hänge davon ab, auf welcher rechtliche Grundlage - ob Nizza-Vertrag oder Lissabon-Vertrag - gearbeitet wird

Der alte neue EU-Kommissionspräsident José Manuel Barroso kann sich auf eine deutliche Mehrheit imEU-Parlament stützen. Bei der Nominierung der künftigen Kommissare tritt er auf die Bremse.

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Weniger Stimmen als bei seiner ersten Wahl im Jahr 2004, aber deutlich mehr, als seine schärfsten Gegner im Europäischen Parlament ihm zugetraut haben: So ist die Wiederwahl von EU-Kommissionspräsident José Manuel Barroso einzuordnen.

382 von insgesamt 736 EU-Abgeordneten stimmten am Mittwoch in Straßburg für den Christdemokraten aus Portugal, 219 votierten gegen ihn. 117 Mandatare enthielten sich der Stimme. Vor fünf Jahren, als Barroso überraschend als Kandidat an der Spitze der europäischen Institutionen aufgetaucht war, hatte er noch 413 von insgesamt 732 Abgeordneten für sich gewinnen können.

Aber nur zahlenmäßig wiegt das mehr. Damals hatte er die Unterstützung der beiden großen politischen Lager in Europa, der Christdemokraten wie der zweitstärksten Fraktion der europäischen Sozialdemokraten (SPE). Letztere lehnten ihn nun heftig ab, fassten einen Fraktionsbeschluss auf Wahlenthaltung gegen "die Fehlentscheidung Barroso" , so SP-Fraktionschef Martin Schulz.

Dazu kommt: Seit den EU-Wahlen im Juni ist das versprengte Lager der deklarierten EU-Skeptiker und Nationalisten in Straßburg deutlich größer geworden. Barroso trat diesen entschieden entgegen - und für einen europäischen Integrationskurs ohne Wenn und Aber ein. Politisch gesehen kommt der Wiederwahl daher vermutlich wesentlich mehr Bedeutung zu als dem Votum von 2004.

Die Demokratie auf europäischer Ebene habe deutlich an Qualität gewonnen, freute sich der Grüne Daniel Cohn-Bendit. Er ließ auch am Mittwoch kein gutes Haar an Barroso, war aber einer der Ersten, die ihm nach der Wahl im Plenum demonstrativ die Hand reichten. Barroso musste wochenlang hart kämpfen, ging in die Fraktionen, stellte sich hitzigen Konfrontationen mit EU-Abgeordneten - vor allem von den Grünen, Linken und Sozialdemokraten.

Das hat es so in der Union bisher nicht gegeben. Erstmals musste ein Kommissionspräsident vor der Wahl auch ein politisches Leitprogramm vorlegen und öffentlich verteidigen. Barrosos Vorgänger Romano Prodi, Jacques Santer oder gar Jacques Delors mussten das nie.

Dementsprechend zufrieden zeigte sich der alte neue Kommissionschef unmittelbar nach der Abstimmung vor Journalisten: Er sei nun "absolut motiviert" , ja sogar "stolz" , erklärte er. Das Votum gebe ihm Kraft, er sei auch "zutiefst berührt" , es sei "eine große Ehre und eine große Verantwortung" . Auf Spekulationen, wer ihn in der geheimen Wahl gewählt habe, ob er sich auf die EU-Feinde stützen müsse, wollte er sich gar nicht erst einlassen.

Wichtig sei, dass nun Klarheit herrsche und die Kommission handlungsfähig bleibe, wenn auch nach dem Auslaufen ihres Mandats am 31. Oktober nur als Übergangskommission. Nun, sagte Barroso, wolle er wie angekündigt mit allen proeuropäischen Partnern, auch seinen Kritikern, zusammenarbeiten: "Meine Partei ist Europa. Es ist kein Zeichen der Schwäche, einen Konsens zu finden" , erklärte er, Konsens sei im europäischen Prozess Ausdruck der Stärke.

Dazu gehöre auch die Zusammenstellung der neuen Kommission, die Nominierung der weiteren Kommissare im Einklang mit den Regierungen der Mitgliedsländer.

In diesem Zusammenhang fiel auf, wie stark Barroso dabei auf die Bremse stieg, was den Zeitplan betrifft. "Informell" werde er sicherlich über die neue Kommission beraten, erklärte er, aber alles hänge jetzt einmal davon ab, "auf welcher rechtlichen Grundlage" man arbeite - entweder auf dem bestehenden EU-Vertrag von Nizza oder auf dem Vertrag von Lissabon, über den die Iren in einem Referendum am2. Oktober abstimmen werden.

Barroso: "Die Kommissare werden bestellt, wenn Klarheit besteht, welchen Vertrag wir haben." Er könne nur auf Basis geltenden Rechts agieren. Man müsse also zunächst die Abstimmung in Irland abwarten, dann seien die Staats- und Regierungschefs am Zug zu sagen, auf welcher Basis die Kommission zu bilden sei. Aus heutiger Sicht sei das nicht vor November zu erwarten, betonte Barroso. (Thomas Mayer aus Straßburg/DER STANDARD, Printausgabe, 17.9.2009)

Kommentar posten
Posting 1 bis 25 von 177
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Sieh an
00
18.9.2009, 08:56
... erst Mal die Wahl in Deutschland abwarten und sehen, ob man mit Angie noch planen muss...

Thomas Wetschnig
00
18.9.2009, 22:16
Angie hat ............

.......... den Kanzlerbonus, den Ossibonus und den Frauenbonus. Man wird sehen, wie weit ihr das nützt. Aber Baroso hat eine Mehrheit im Parlament. Und das Parlament ist für 5 Jahre gewählt. Wenn man einen anderen Präsidenten gewollt hätte, hätte man dies vor den EP Wahlen kommunizieren müssen, aber das ist nicht geschehen.

weederstand für alle
00
17.9.2009, 15:45
135
 
00
17.9.2009, 11:03
Da werden sich die zahlreichen Lobbys,

Finazindustrie, Konzerne, Verkehrsfetischisten usw aber freuen....

Der Alte vom Berge
22
17.9.2009, 10:30
Das Europa der Bürger...

...wurde erwürgt,und dieser Vorgang den Menschen auch noch als Erfolgsgeschichte verkauft.

MERDÈ !

--

Acaloth
00
17.9.2009, 22:55

Wenn die SPÖ gewinnt und den Faymann zum Kanzler macht wurde die Demokratie auch erwürgt ?!

Der Alte vom Berge
00
21.9.2009, 12:10
Die Österreichische Sozialdemokratie...

...hat sich selbst Erledigt,ein politischer Erfolg der diesen Namen auch verdient hätte ist mit an Sicherheit grenzender Warscheindlichkeit in nächster Zukunft auszuschliessen,ja selbst einen Stimmenzugewinn einzubringen erscheint wenig realistisch,wenn auch nicht Verwunderlich,betrachtet ma die Politik der Sozialdemokraten etwas genauer.

Eine Linkspartei sieht anders aus.

Kehrt die SPÖ nicht nach Links zurück wird sie auf lange Sicht die Bezeichnung "Volkspartei" abzugeben haben.

Es reicht ned die sozialere ÖVP sein zu Wollen.

Habe die Ehre. ^^

Christoph ************
00
17.9.2009, 20:51

Wieso erwuergt? Die EVP hat klar in den Wahlen gesiegt und hat immer Barroso offen unterstuetzt. Nach der Wahl konnte Barroso mithilfe der Stimmen von Rechts der Mitte sich eine 2. Amtszeit sichern.

Die Folgen der letzten EP Wahl Ergebnisse waren absehbarer als bei so mancher Nationalratswahl.

Der Alte vom Berge
00
21.9.2009, 12:03
Die Idee eines Gemeinsamen Europa,...

...nicht der Ausgang dieses demokratiepolitisch fragwürdigen Flatus Präsidentenwahl welcher bereits im Jannuar feststand.

Fundament und Überbau,wenns mi ned falsch verstehen.

Das Gesamtwerk,wenns so wollen,bis hin zu Plato und dem Einfluss seiner Staatsphilosophie auf die Strcturen der Union.

Wie sie hätten sein können, wie sie tatsächlich sind, und wie sie waren bevor Männer wie Barosso ans Licht gehoben wurden.

Die Union giebts ja ned erst seit zwanzig Jahr, ned wahr ?

^^

khaleb
21
18.9.2009, 01:23
wie hoch war die Wahlbeteilung

abzüglich der ungültigen Stimmen so 42 %.
Die Mehrheit ist schon weg.

dr.no3
00
17.9.2009, 10:25
wieder einmal zeit für

das eu organigramm
http://zur-zeit.ch/europa/bi... igramm.jpg

klar ist es vorstellbar bei der wahl des eu kommissionspräsidenten auch demokratie in homöopathischer dosis zur wirkung kommt

bleibt aber völlig wirkungslos

und ich mein demokratie im sinne von demokratie

Thomas Wetschnig
00
18.9.2009, 22:18
Ja, die Demokratie ist nicht einfach ............

........... und kann und darf es auch nicht sein, denn sonst haben wir Volksdiktatur. Und da ist dann für Querdenker und Minderheiten kein Platz mehr.

Der Alte vom Berge
00
21.9.2009, 11:56
Im Gegenteil,...

...denn das verknöcherte,durch Korruption und Gier verfaulte Skelett des derzeit herrschenden Systems ist nicht mehr als die pervertierte Form des Grundgedankens,welche man auch als administrative Demokratie bezeichnen könnte,nacktes Placebo,ein Wahlritual das Ikonengleich hochgehalten von Allen bewundert,aber von Keinem berührt werden darf,behält die "Elite" es sich seit geraumer Zeit doch vor den Souverän auszuschliessen,Schrittweise den Wahlberechtigten zu einer Art statistischem Beiwerk der Richtungsentscheidung zu machen,der das Placebo Redefreiheit mit dem durch die Politik oft bemühten Mitspracherecht verwechselt. Mitsprache der Bevölkerung als Basis für einen modernen,offenen "Volontè general" der auch in diese Epoche passt. ^^

Der Alte vom Berge
20
17.9.2009, 10:16
Der Nickesel...

...von Hochfinanz und Nationalisten wurde ohne Widerstand der so genannten "Linken" in die zweite Amtszeit getragen.

Diese Art von Politik und Demokratieverständniss liefert die Union der in Ansätzen bereits wahrnehmbaren Sezession ans Messer.

Nur weiter so. ^^

Thomas Wetschnig
00
18.9.2009, 22:22
Sehen Sie nur mal ins kleine Österreich .............

............. wo 2x in der Nachkriegsgeschichte eine grosse Volkspartei auf die Aufstellung eines Gegenkandidaten für die Bundespräsidentenwahl verzichtet hat, weil es verlorener Aufwand gewesen wäre, einen aussichtslosen Wahlkampf zu führen. Wie es im Kleinen läuft, so läuft es auch im Grossen.

Der Alte vom Berge
00
21.9.2009, 11:48
Tatsächlich ist,...

...das die beiden grössten politischen Fractionen auf
europäischer Ebene sich für den Wähler kaum unterscheiden,ähnlich mit Lobbyisten und Konzernen vernetzt sind und die Interessen der Bürger nicht mehr angemessen zu Vertreten in der Lage sind ohne diese Brücken abzubrechen,auf Milliarden Spenden und Zuwendungen zu verzichten.Die Politik hat sich Kaufen lassen.Die Erkenntniss das kein Gegenkandidat aufgestellt wird fusst weniger auf der Einsicht über kein wirklich tragendes Programm zu verfügen sondern mehr auf der Tatsache das die "Sozialistische Fraction" in einer Art Selbsthypnose versucht die verprellten Millionen über Themen zu erreichen die mit Sozialismus nicht das geringste Gemeinsam haben. Solche "Sozialisten" brauch ma ned. ^^

Der Alte vom Berge
11
17.9.2009, 10:09
Au dessus du la melee,...

...stellen sich für Demokraten lediglich drei Fragen.Wird diese selbst ernannte "Elite",welche die "politisch vernünftige Entscheidung" über die Grundwerte der Demokratie stellen durch Strick,Kugel oder Gouilloutin zu beseitigen sein um aus dieser von Finanz und Politbourgeoisiè pervertierten Union wieder zu jenem Project zu machen das einst Millionen begeisterte?Ein Europa der Bürger.Die Demokratie in dieser Union ist nicht mehr als ein Placebo für die Masse.Soziale Linien sind abgewürgt,Konzerne,Technokratie,Banken
und Militär hofiert.Die Idee eines Gemeinsamen Europas wurde vergewaltigt und mit Expansionismus beschmutzt.Leeres Gefasel des bestätigten Komissionspräsidenten über soziale Zielsetzungen wird dieses Construct nicht retten.^^

Thomas Wetschnig
00
18.9.2009, 22:30
Nein, nicht die Konzerne, Technokraten und Banken sind es ..............

........... die das Europa der Bürger/innen verhindern, sondern die nationalen Regierungen, die vor Medien, die von greisen Egozentrikern gelenkt werden in die Knie gehen. Die Politiker/innen sitzen alle auf einem Schleudersitz und haben keinerlei Absicherung für den Fall, dass sie in Ungnade fallen. Folglich können sie auch kein Rückgrat haben, bis auf die wenigen Ausnahmen, die zur Selbstaufgabe bereit sind. Da ich mich nicht zu denjenigen zähle, verlange ich das auch nicht von anderen.
Conclusio: Hinter schlechten Politiker/innen steht immer ein schlechtes Volk.

Der Alte vom Berge
00
21.9.2009, 12:15
Dieselbe Bagagé,...

...ob Unionspolitiker oder Angehöriger einer Regionalregierung:

Wo ist der Unterschied ?

^^

Der Alte vom Berge
00
21.9.2009, 11:41
Die Zukunft...

...hat weder Verständniss,noch Bedarf für eine derart von ihrer ureigensten Aufgabe entfernten Politik,diese selbst ernannte "Elite" welche in den letzten Jahrzehnten an der Bevölkerung und ihren Bedürfnissen vorbeigezüchtet wurden dienen nur dem Selbstzweck der Legitimation durch bestätigung aus den eigenen Reihen,dem Machterhalt und zur Sicherung des Systems.Ist die Politik nicht in der Lage oder Willens veränderung herbeizuführen verliert sie und ihre Vertreter jeden Anspruch auf Privilegè,auf die Basis ihres Daseins,dem Vertrauen der Bevölkerung.Entscheidung und Entscheidungsfindung zum Nachteil der Mehrheit auszurichten um der Minderheit einen Vorteil zu Schaffen ist in unerträglichem Masse zu beobachten, sind deutlich bourgeoisè Züge.

Der Alte vom Berge
00
21.9.2009, 11:29
Die Bürger verlangt nach Freiheit,...

...einer "bürgerlichen Freiheit", die erst gegeben ist wenn staatlicher Zwang ausschließlich auf die Gesetze beschränkt wird,der Staat nur noch gesellschaftlich unbedingt notwendigen Zwang ausübt.Die erste Bedingung für bürgerliche Freiheit ist also die Politik an Gesetze zu binden.Die zweite Bedingung,welche über Jahrzehnte ausgehöhlt,der Politik selbst erschwert,ja sogar verunmöglicht wird,ist es den Regierenden auch die Macht über die Gesetze zu NEHMEN.Im derzeit praktizierten System auf das sich "Brüssel" stützt ist das nicht möglich,wählbar sind lediglich Abgeordnete,sodass also Willkürakte zwar in Gesetze gekleidet werden, doch trotzdem Willkürakte sind. Europa braucht keine Politiker,Europa braucht Gemeinsamkeit,echte Demokratie. ^^

Der Alte vom Berge
00
21.9.2009, 13:18
Ein Gemeinsames Europa...

...braucht vor allem anderen Gemeinsamkeit. ^^

ilrio xxxxx
 
00
17.9.2009, 09:03
Absolute Mehrheit für Barroso

wo sind jetzt die medien, die ständig eine wahlschlappe für barroso profezeit haben ?

135
 
00
17.9.2009, 11:04
no wo weit, von einer Wahlschlappe war B. nicht...

Prequel
01
17.9.2009, 08:28

Mei do gfreit er sich da José!

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