Web 2.0

"Reklame-Propagandalügen funktionieren nicht mehr"

Maria Kapeller, 10. November 2009 16:49
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    BMW-TV auf YouTube. "Ein Seher eines TV-Spots von BMW steht im Vergleich zu einem Seher eines Clips auf youTube.com/bmw im Kostenverhältnis 10:1", so Rappold, "das obwohl Interaktionstiefe und Nähe zum Kunden auf dem Kanal YouTube deutlich höher sind."

Niko Alm und Dieter Rappold über den Dialog im Web 2.0 und die Gefahr, zum "ungeliebten Zuwanderer" zu werden

Das Web 2.0, also Facebook, Twitter, YouTube und Co., ist längst in aller Munde. Aber sich als Unternehmen derart interaktiv im Web zu präsentieren, hat sich in Österreich noch nicht durchgesetzt, wie Niko Alm von der Agentur Super-Fi erklärt: "Neue Tools werden nur von wenigen Unternehmen genützt, dafür aber in ihrer ganzen Bandbreite." Viele spannende Konzepte würden auch aus dem Marketing von Unternehmen heraus entstehen, "das meiste ist aber Schrott."

Auch Dieter Rappold von der Agentur Knallgrau schlägt in dieselbe Kerbe: Derzeit würden Web 2.0 und der verwandte Begriff 'Social Media' eher als Buzzword genützt um "auch was in dem Bereich zu machen". Es gebe aktuell vor allem im europäischen beziehungsweise deutschsprachigen Raum noch zu wenige Beispiele, in denen Unternehmen strategisch begründet und nachhaltig angelegt versuchen, ihre Zielgruppen mit Hilfe des Web 2.0 besser zu erreichen.

"Wo sich das Leben abspielt"

In Zukunft aber werde sich werbemäßig im Web 2.0 viel tun, sind sich die Experten einig: "Web 2.0 ist das, wo sich das Leben abspielt", sagt Alm. Dort werde kommuniziert, ein Großteil der Kommunikation über Unternehmen, Marken und Dienstleistungen finde in Foren, Facebook, Blogs, Twitter und Co. statt. Rappold erklärt, warum Firmen künftig auf das Boot Web 2.0 aufspringen sollten: "Web 2.0 ist nicht das zweite Internet, sondern jener Teil des Internets, der extrem erfolgreich funktioniert - hier finden die massiven Anstiege hinsichtlich Reichweiten, Zugriffe, etc. statt."

In diesem Umfeld würden sich hunderte Millionen Menschen aufhalten und immer mehr Zeit darin verbringen - die von anderen Medien abgezogen würde. "Aus diesen faktischen Gründen ist das Potenzial von Web 2.0 für Unternehmen sehr groß", so Rappold. Alm drückt es etwas drastischer aus: "Wer sich als Unternehmen entscheidet, da nicht dabei zu sein und Kommunikation auf TV-Spots und Pressemeldungen beschränkt, wird bald aus dem Relevant Set verschwinden." Die aktive Teilnahme an Web 2.0 sei für Unternehmen "kein Potenzial, das ist eine Notwendigkeit."

"Gekommen, um zu bleiben"

Trotz der noch zögerlichen Aktivitäten heimischer Unternehmen im Web 2.0 ist das Werben im Bereich "Social Media" auch hierzulande ein Thema. "Ich glaube nicht, dass Österreich weltweit eine Sonderrolle einnimmt und sich hier Menschen dazu entscheiden, das große Angebot im Internet nicht anzunehmen", so Rappold. "Das Internet wird nicht verschwinden. Es ist gekommen, um zu bleiben", bringt es Alm auf den Punkt.

Laut Rappold bestehe "eine betriebswirtschaftliche Notwendigkeit für Unternehmen, die sich in Zukunft entwickelnden Dialogmöglichkeiten im Web 2.0 zu evaluieren und anzuwenden." Anstatt "Werbeformate" solle man im Bezug auf Web 2.0 das Wort "Dialog" verwenden. "Denn es geht eben um Dialog und Gespräche - das ist auch die große Schwierigkeit und Herausforderung für Unternehmen." Üblicherweise würden Firmen nur Botschaften "senden", nicht aber ganzheitlich kommunizieren. Diese Fähigkeit müsse erst erarbeitet werden. Jene Anwendungen von Blogs, Twitter und Co., die nur darauf abzielen würden, "die selbe uninteressante Botschaft in einem anderen Kanal raus zu zum posaunen", bezeichnet er als Hype, der mangels Erfolg wieder verschwinden werde.

Messbarkeit des Erfolgs

Die Messbarkeit des Erfolgs von Aktivitäten im Web 2.0 ist Rappold zufolge eine große Herausforderung. "Bisher hat man immer versucht 'Industriestandards' zu etablieren. Derzeit entwickelt sich der Markt dermaßen dynamisch, dass alte Währungen wie TKP oder PI nicht mehr valide anwendbar sind und neue Währungen noch nicht etabliert beziehungsweise anerkannt sind", so Rappold. Das sei auch ein Henne-Ei Problem: Eine Währung zu etablieren lohne sich erst bei großem Volumen, aber erst bei großem Volumen denke man darüber nach, dafür eine Währung zu etablieren. "Unsere Kunden gehen nun mit uns den Weg, individuelle interne Währungen im Sinne von Wechselkursen zu entwickeln. So können wir zum Beispiel feststellen, dass ein Seher eines TV-Spots von BMW im Vergleich zu einem Seher eines Clips auf youTube.com/bmw im Kostenverhältnis 10:1 steht - das obwohl Interaktionstiefe und Nähe zum Kunden auf dem Kanal YouTube deutlich höher sind."

Für Alm ist der Erfolg von Web 2.0 "wesentlich besser messbar als bei klassischer Werbung." Erstens könne man online über sehr viele Aktivitäten direkt Daten sammeln, zweitens würde der Erfolg direkt messbar, etwa wenn an die Werbemaßnahme ein Gewinnspiel oder eine Newsletter-Anmeldung angeschlossen sei.

Kommunizieren statt Reklame machen

Worauf sollten Unternehmen achten, wenn sie sich ins Web 2.0-Geschehen mischen? Es geht darum, in einem virtuellen sozialen Raum authentisch mit potenziellen Kunden zu kommunizieren. "Die Reklame-Propagandalügen der letzten Jahrzehnte funktionieren nicht mehr. Unternehmer sollten sich selbst dazu erziehen, die Kommunikation im Web 2.0 zu beherrschen", so Alm. Das könne von Agenturen bestenfalls unterstützt, aber nicht übernommen werden. 

Sich in den sozialen Raum Internet integrieren

"Das Internet ist ein sozialer Raum - soziale Räume dienen den Menschen um ihrem Bedürfnis nach Beziehung, Nähe und Austausch gerecht zu werden", sagt Rappold. Plattformen wie Twitter, Facebook & Co hätten diese Bedürfnisse nicht nur erkannt, sondern würden sie auch adäquat adressieren. Zusätzlich würden sich "Kulturtechniken wie das 'linken und verlinkt werden' als Ausdruck des sozialen Austauschs" bilden. Ein Unternehmen sollte, so Rappold, vor allem darauf achten, diese sozialen Räume zu verstehen. Die Menschen innerhalb dieser Räume hätten eine Sprache entwickelt, die es zu lernen gelte. Wer sich nicht integriere, würde zum "ungeliebten Zuwanderer". (mak, derStandard.at)

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23 Postings
t-bonesteak
12.11.2009 01:19
es gibt ja im web keine bezahlten poster

die für geld alles schreiben. im web ist alles super, edel und gut. wie naiv ist das denn bitte?

Knochenmann
12.11.2009 08:32

Kann man sich da eigenldich irgendwo bewerben? Ich poste gerne und habe ziel Zeit.

Mein Hund, die arme Sau, heißt Hojac.
11.11.2009 16:57
Was?

All die authentischen Werbebotschaften, die ich mein ganzes Leben freudig aufgesogen habe, sollen plötzlich perfide Propaganda sein?

Nein. Nein, das kann nicht sein.

kandesbunzler
11.11.2009 14:31
werbung vs. reklame vs. PR

ich sage mal so:
im web steuern leute aktiv marken an, etwa wenn sie erfahrungen zu einem produkt von anderen usern suchen. das ist auch der grundlegende unterschied zu herkömmlicher werbung, die ja bekanntlich von der anderen seite kommt. werbeformen, die den klassischen weg nehmen, auch im netz, sind bedeutend weniger erfolgreich, auch messbar, siehe CTR (= click through rates)...

wer also auf anfrage nicht gefunden wird, hat schon einen bedeutenden nachteil. die plattformwahl bzw. form der online Kommunikation is dann eher zielgruppenspezifisch, also ob twidda, Feesbook, oder MeiSpace...

soweit müsste man eigentlich von Online-PR sprechen, denn ein Werbeinhalt soll 2.0-artig zu Kommunikation anregen...

Zhdophanti
11.11.2009 13:56
Je häufiger die Anwendung ...

des Begriffes "Web 2.0", desto geringer der Informationsgehalt der Aussage.

Ben Vassy
20.11.2009 11:31

hehe... sowas in der art wollt ich auch grad schreiben. kaum sagt einer "2.0" weiß ich schon: null ahnung, aufgeplusterter selbstdarsteller, nächster bitte.

funktioniert in der praxis sehr gut. ;)

kruazimuageli
11.11.2009 13:07
also

macht alle mit! wir stellen ein paar leute von unserer agentur ab, die für euch 24h/d dialogisieren, aber bieten auch schulungen an "wie sich zuwanderer beliebt machen können". damit in 5 jahren die kosten tv-gleich sind. und jetzt alle!

uinsel
11.11.2009 13:03

ich denk, das is genau der punkt.

firmen waren bisher gewohnt, ihre nachricht einfach so gut wie möglich verpackt zu verteilen. das war zwar kommunikation, aber kein dialog.

auf facebook und co. findet aber ein dialog statt. man gibt von sich selbst preis. man geht auch ein risiko ein, da es um einen selbst persönlich geht.

wie kann es bei einem unternehmen bzw. einer produktmarke um etwas persönliches gehen? wie ist ein dialog möglich?

ich würde ja auch nicht meinen bankberater auf facebook adden... was geht den mein leben an?

loundy
 
11.11.2009 20:34
persönlichkeit einer marke oder eines unternehmens kennen sie nicht...?


wow, da haben sie sich ihre geistige gesundheit aber verdammt gut behalten in den letzten 20-30 jahren.

fragen sie einen heutigen jugendlichen wie er sich nike vorstellt, oder gucci oder starbucks.

nicht nur dass sie richtige menschliche charaktereigenschaften hinter den marken erkennen wollen (nike=cool,gucci=elegant,...), sie betrachten diese marken und unternehmen auch als teil der eigenen persönlichkeit oder zumindest als ein wichtiges mittel diese persönlichkeit auszudrücken.

denken sie an produkte wie tv-serien, welcher sex and the city typ sind sie und welches produkt spiegelt diese persönlichkeit wieder...?

Commander Worf
11.11.2009 12:39
süß die beiden.

Hoheprediger der beschaulichen Web 2.0 Landschaft. Institutionelle, die sich so tarnen als wären sie eh auch user, sind der Sargnagel von web2.0. So ziemllich alle viralen Kampagnen, die Kunden in den letzten Jahren verkauft wurden sind gefloppt. Und die wenigen Erfolge waren Verkaufshebel für alle Trittbrettfahrer. Mittlerweile nimmt "virale Kampagne" keiner mehr in den Mund, jetzt muss das so klingen wie oben.

Mensch ärgere dich.
11.11.2009 08:56

Lasst uns doch um Gottes Willen endlich in Ruhe!

to mate
11.11.2009 10:32

Warum klicken Sie dann drauf? Oder geht's hier um die Message im Nick?

Mensch ärgere dich.
11.11.2009 15:43

Sie haben Recht. Wenn ich auf der Straße geh´brauche ich meine Augen ja auch nicht aufmachen... und meine Ohren... und mein Herz...

her wig
11.11.2009 08:38

Will er damit etwa sagen, dass wir bisher von der Reklame belogen wurden?

ElisaHa
11.11.2009 07:32
Wir Menschen tratschen einfach gerne.

Sehr viel früher saßen wir rund ums Feuer gehüllt in Fell, heute sitzen wir am Computer und plaudern, kommen so zu Informationen und lernen uns kennen.

Nichtsdestotrotz wird Internet nie das persönliche Treffen ersetzen. Dafür sind wir viel zu soziale Wesen.

Martin Major
 
11.11.2009 08:12

also ich höre immer wieder, wie asozial ich bin ...

P Reb
10.11.2009 23:20

unternehmensspam ist am besten weg die neuen plattformen wie twitter und facebook wieder zu zerstören. ich hasse werbung, warum investieren die firmen das geld nicht in vernünftige produktentwicklung - wirklich gute produkte verkaufen sich auch ohne werbung.

Georg Scholz
11.11.2009 10:09

Sie hassen Werbung, aber benutzen dennoch Facebook & Co. Wie denken Sie, werden diese finanziert?

Voronwe
11.11.2009 03:12

Werbung in der Form stört mMn nicht (und wäre wohl auch nicht zu verhindern). Was hingegen wirklich stört sich überquellende Postfächer, wobei 90% des Inhalts direkt in den Müll wandern. Solche Werbung, bzw solcher Spam, gehört verboten, allein auf Grund des Umweltschutzes...

uinsel
11.11.2009 13:00

is eh.

to mate
11.11.2009 10:31

Spam ist ja keine Werbung!

Georg Scholz
10.11.2009 22:43

Die Reklame-Lügen funktionieren nicht mehr, aber dabei wird übersehen, daß Facebook selbst eine riseige Reklame-Maschine ist. Die 250 Millionen Benutzer sind freiwillige Werbeträger und lieferten gratis 300 Mio USD Werbe-Umsatz an Facebook ab.

hans wurst
 
10.11.2009 22:33
Selten so viele sinnleere Phrasen gelesen

Könnten Politiker werden, die Burschen.

"Das Internet wird nicht verschwinden. Es ist gekommen, um zu bleiben"

Gut dass man hierbei einen "Experten" gefragt hat.

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