Personalknappheit

Betriebsrat kritisiert rigiden Sparkurs

16. September 2009, 11:02

Zentralbetriebsratsobmann Moser für Mischfinanzierung, Refundierung und Gebührenanteile von Bund- und Ländern für ORF - Völlige Neukonstruktion der Gremien

Wien - Der ORF hat "bereits jetzt zu wenig Personal", findet ORF-Zentralbetriebsratsobmann Gerhard Moser. Im Vorfeld der parlamentarischen Enquete zum Thema ORF gibt der Belegschaftsvertreter Medienpolitikern und Stiftungsräten zu bedenken, dass der ORF sein Programmangebot in der bisherigen Vielfalt und Qualität nicht halten kann, wenn die Geschäftsführung weiterhin ihren rigiden Sparkurs fahre. Moser fordert nicht nur die Refundierung der Gebührenbefreiungen sondern auch den Gebührenanteil von Bund und Ländern für den ORF. An der "Mischfinanzierung" des Senders sei nicht zu rütteln, "es sei denn, man will den ORF umbringen".

Die Forderung der Zeitungsverleger nach einem rein gebührenfinanzierten ORF lehnt Moser strikt ab. Am Ende dieser Strategie "steht eine kaputte österreichische Medienlandschaft, ein tatsächliches 'Medien-Albanien' mit einem filetierten und bedeutungslos gewordenen öffentlich-rechtlichen Rundfunk, einer Medienkonzentration in privater und vor allem in ausländischer Hand". Die "Mischfinanzierung" des ORF aus Gebühren und Werbung sei "nicht nur historisch gewachsen, sie ist der besonderen Lage eines eher kleinen Landes in einem großen Sprachraum geschuldet. Daran ist nicht zu rütteln."

Weder Sargnägel noch Betonschädel

Den Ruf der ORF-Belegschaftsvertreter, Sargnägel des ORF zu sein, kann Moser nicht nachvollziehen. "Wir sind weder 'Sargnägel' noch 'Betonschädel', die die Zeichen der Zeit nicht erkennen können oder wollen." Daher führe der Betriebsrat seit Monaten "sehr ernsthafte und harte Verhandlungen" über die Reduktion der Personalkosten. Allerdings seien weite Bereiche des ORF schon jetzt "am Stehkragen angelangt", nachdem bereits seit zwei Jahren massiv Personal abgebaut und nicht mehr nachbesetzt werde.

Im Gegenzug zum Beitrag der Belegschaft zum Sparprogramm erwartet sich der Betriebsratsobmann die Refundierung der Gebührenbefreiungen sowie die Bund- und Länderanteile bei den Gebühren. "Ebenso rasch ist das ORF-Gesetz zu novellieren, sind unsinnige Werbebeschränkungen zu beseitigen." Von ORF-Generaldirektor Alexander Wrabetz fordern die Mitarbeiter, "endlich ein detailliertes und brauchbares Konzept für Strukturen, Finanzen und Programm des ORF inklusive nachvollziehbarer Personalentwicklungspläne zu erstellen". Die jüngsten programmlichen Entscheidungen, wie etwa "Sommergespräche", keine "Europa League", Heinzls Rückkehr in den ORF, "haben die Belegschaft nicht beruhigt, sondern erbost", so Moser.

Völlige Neukonstruktion der Gremien

In punkto ORF-Gremien erwartet sich der Betriebsratsobmann eine "völlig neue Konstruktion": "Ein kleiner, effizienter Aufsichtsrat, für den die einschlägigen gesetzlichen Bestimmungen Anwendung finden sollen. Also ein Drittel Betriebsräte, Mitwahl des Vorstandes beziehungsweise der Geschäftsführung, falls es keine Mehrheit der 'Kapitalvertreter' gibt." Stiftungsrat und Publikumsrat seien zu fusionieren, aber mit entsprechender Repräsentanz der Belegschaftsvertretung. Kompetenzen und Entsendungsmechanismen seien neu zu definieren, die Verantwortlichkeiten zu stärken und Parteipolitik zugunsten von breiter gesellschaftlicher Interessenvertretung in den Hintergrund zu rücken. (APA)

Knut Ogris
21
16.9.2009, 14:39
Und Herr Moser, was meinen Sie, machen die Menschen "heraussen" anderes? Die feiern Parties und trinken Champagner - haben Sie schon mal was von Armut gehört - und unter der leidet auch ein ausgeschiedener ORFler Gottseidank - nicht - und wir ...

sollten auch bedenken, dass es auch Veränderungen geben muss - Kollegen müssen das akzeptieren und SIE werden das - Leider oder Gottseidank - auch akzeptieren müssen - die einzige Konstante ist die Veränderung! Das ist meine Erfahrung!

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