Die Anschaffungskosten sind nur die Hälfte der Preis-Wahrheit - Was Sie beim Einkauf wissen müssen
Spielkonsolen versprechen gegenüber PCs Videopielen zu vergleichbar niedrigen Preisen. Eine aktuelle Konsole kostet gerade einmal so viel wie eine bessere Grafikkarte, wobei über die Jahre hinweg nicht aufgerüstet werden muss. Zwar überflügelt die Technik des PCs zwangsläufig die Leistung einer Konsole, für den Konsumenten ist die Nutzung dafür wesentlich unkomplizierter.
Gerade zur allmählich beginnenden Hauptgeschäftssaison vor Weihnachten werden Konsumenten mit Angeboten überhäuft. Wer günstig eine Konsole erwerben möchte, sollte vor allem darauf schauen, was er wirklich braucht und mit welchen Folgekosten er zu rechnen hat. Denn der Kaufpreis von PlayStation 3, Xbox 360 und Wii macht nur einen Teil der Gesamtkosten aus. Alle Angaben sind "Unverbindliche Preisempfehlungen" (UVP) der Hersteller:

(Anm: Sollte der Preis der Wii, wie erwartet auf 200 Euro fallen,
werden wir Sie auf dem Laufenden halten und die Übersicht
aktualisieren!)
All-inclusive oder nach Maß
Ein kurzer Vergleich der inkludierten technischen Funktionalitäten zeigt, dass etwa die Anschaffungskosten der PS3 zwar höher sind, als jene der anderen Konsolen, doch der Unterschied rasch aufgewogen wird, sobald man beispielsweise für seine Xbox 360 Elite einen WLAN-Adapter braucht oder seine Xbox 360 Arcade einmal mit einer Festplatte für Download-Games oder -Videos nachrüsten möchte.
Die Wii bietet als einzige Konsole keine HD-Spiele und Filme. Nur die PS3 unterstützt HD-Filme auf Blu-ray, die zurzeit die höchste Qualität liefert. Wer HD-Spiele und Filme voll auskosten möchte, sollte allerdings beachten, dass hierfür ein entsprechender HD-Fernseher vorausgesetzt wird.
Zubehör und Online-Gaming
Zusätzlich zu den Anschaffungskosten kommen noch Kosten für gebräuchliches Zubehör. Die Basis stellen hierbei meist ein zusätzlicher Controller oder etwaige Kabel:

Zwar unterstützen PS3 und Xbox 360 HD-Spiele und -Filme, zum Anschluss an den HD-TV benötigen beide Konsolen aber ein entsprechendes HDMI-Kabel, das nicht beiliegt.
Die Controller von Xbox 360 und Wii werden über gewöhnliche Batterien betrieben. Auf Dauer kommt der Einsatz von Akkus günstiger. Beide Hersteller bieten optionale Pakete an.
Einer der integralen Funktionen der Konsolen ist Online-Gaming. Bei PS3 und Wii fallen für Spielerbegegnungen über das Internet keine gesonderten Gebühren an. Xbox 360-Spieler benötigen für Online-Matches eine Xbox Live Gold-Mitgliedschaft und erhalten dafür etwas mehr Funktionen wie Spiel-übergreifende Chats. Der monatliche Preis liegt bei 5 Euro, auf ein Jahresabonnement gibt es einen kleinen Nachlass.
Daneben gibt es noch reichlich weiteres Zubehör. Kamera, kabellose Headsets oder der Motion Plus-Controller für Wii werden Spielen beigelegt und müssen im Idealfall nicht separat gekauft werden.
Grundkosten
Aus den vorangegangenen Kosten für Konsole und empfohlenes Zubehör ergeben sich je nach Zusammenstellung folgende Grundkosten:

Der Top-Wert stellt alle Konsolen, sofern dies möglich ist, auf eine ähnliche Ausstattungsstufe. Daraus ergibt sich, dass die PS3 mit 299 Euro den höchsten Anschaffungspreis hat, aber die geringsten Folgekosten nach sich zieht. Bei der Xbox 360 Elite sorgen vor allem WLAN-Adapter und Online-Gaming für einen empfindlichen Preisaufschlag, sofern dies benötigt wird. Die Xbox 360 Arcade rechnet sich nur, sofern man nicht vor hat, die Konsole jemals für, Demos, Download-Games oder -Filme fit zu machen. Die proprietären Festplatten Microsofts werden deutlich über dem Marktpreis standardisierter SATA-Festplatten angeboten. Die Wii bietet zwar mit Abstand am wenigsten Leistung und Funktionen, ist aber auch billiger, als die Konkurrenz - wenngleich nicht um vieles.
Online-Dienste und Spiele
Einen wesentlichen Teil der Gesamtkosten machen natürlich die Inhalte aus. Hier bieten alle Hersteller sowohl Vollpreistitel als auch günstigere Download-Software an.

Wii und PS3 bieten die Möglichkeit über die Konsole im Internet zu surfen und damit Webseiten und Online-Portale von der Couch aus zu besuchen. Die Xbox 360 wird Ende 2009 für Xbox Live Gold-Mitglieder die sozialen Netzwerke "Facebook" und "Twitter" zugänglich machen. Ein vollwertiger Browser ist nicht angekündigt.
Die Xbox 360 wird Ende 2009 als erste Konsole auch in Österreich kostenpflichtige Download-Filme bieten, heimische PS3-Spieler müssen sich noch bis 2010 gedulden. Auf der PS3 lassen sich ab Ende 2009 über Vidzone kostenlos Musikvideos ansehen. Xbox 360 Arcade-Nutzer können Microsofts Online-Angebote nur bedingt nutzen, da für Demos oder Videos eine Festplatte benötigt wird.

Xbox 360 und PS3 haben deutlich teurere Vollpreistitel. Wer sich
etwas gedulden kann, profitiert von empfindlichen Preisnachlässen nach
den ersten paar Monaten. Besonders erfolgreiche Spiele erscheinen
danach auch in "Best-of"-Editionen, die nur mit 20 bis 30 Euro zu Buche
schlagen.
Kostenfaktor: Persönliche Bedürfnisse
Unterm Strich hängt der tatsächliche Preis für eine Konsole stark von den eigenen Bedürfnissen ab. Will man etwa "nur" DVD-Games spielen und kann auf Gratis-Downloads, Download-Games oder Zusatz-Inhalte verzichten, steigt man mit einer Xbox 360 Arcade am billigsten aus - das Upgrade wird jedoch teuer. Möchte man das volle Programm, gibt es derzeit keine günstigere Konsole als die PS3. Darüber hinaus findet man manche Spiele und Funktionen nur auf der einen oder anderen Konsole. Beispielsweise gibt es HD-Games nur bei PS3 und Xbox 360, Blu-ray nur bei PS3 und vollwertiges Motion-Gaming bisher nur bei Wii. Letzteres wird 2010 aber auch bei PS3 und Xbox 360 Einzug halten.
Bei Spielen ist es natürlich eine Frage des Geschmacks. Alle drei Hersteller haben exklusive Titel im Sortiment. Anbei eine aktuelle Übersicht zu viel versprechenden kommenden Games.
Schnäppchenjagd
Interessierte sollten im Laufe der kommenden Monate nach "Bundles" Ausschau halten. Dabei werden den Konsolen Spiele oder andere Inhalte zu einem subventionierten Preis beigelegt. Wie immer lohnt der Preisvergleich im Internet, wobei eine vertrauenswürdige Quelle einer sehr günstigen in jedem Fall vorzuziehen ist.
(Zsolt Wilhem, derStandard.at, 15.9.2009)