Nachlese

"System ist schlecht"

15. September 2009 20:37
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    Foto: robert newald

    Im Wiener Polizeigefängnis bekommen auch Hungerstreikende Essen in die Zellen - Ob gegessen wird, wird aber nicht kontrolliert

Der Tod eines 32-jährigen Inders während eines Hungerstreiks in der Schubhaftzelle startet eine Diskussion über die medizinische Versorgung der Flüchtlinge hinter Gittern

Wien - "6 HS", "8 HS" - Zelle um Zelle steht neben der Tür eine solche Abkürzung. HS steht für Hungerstreik, und hier im zweiten Stock des Polizeianhaltezentrums Hernals, eines der beiden Polizeigefängnisse der Bundeshauptstadt, sind jene Schubhäftlinge untergebracht, die nichts mehr essen. 34 von 173 Insassen sind das derzeit, sagt Walter Artinger, stellvertretender Kommandant der Haftanstalten, zur grünen Abgeordneten Alev Korun. Sie ist einen Tag nach dem Tod eines indischen Schubhäftlings zum Sterbeort gekommen, begleitet von Journalisten.

Vier, sechs oder acht Menschen liegen in den Zellen und warten auf die Möglichkeit zu duschen, in den Hof zu gehen oder mit Betreuern zu sprechen. "Das sind aber deutlich weniger als in den 80er-Jahren, als es noch ein Gefängnis des Justizministeriums war", sagt Peter Goldgruber, Leiter der sicherheitspolizeilichen Abteilung bei der Wiener Polizei. "Damals waren es acht bis zwölf Mann pro Zelle."

Deshalb würden auch die wenigsten Insassen wegen schlechter Haftbedingungen streiken, versichern die beiden Beamten der Politikerin. "Der Hungerstreik ist vielmehr eine systematische Methode, der Haft zu entgehen, indem man haftunfähig wird", meint Goldgruber. Es sei auch auffällig, dass Häftlinge aus bestimmten Ländern wie Georgien oder Russland deutlich öfter die Nahrungsaufnahme verweigern.

Mangelnde Betreuung will sich die Exekutive nicht vorwerfen lassen. "Jeder Betroffene wird täglich vom Amtsarzt untersucht. Es wird individuell ein kritisches Gewicht berechnet, fällt er darunter, ist er haftunfähig", erläutert Goldgruber. "Im aktuellen Fall wurde das nicht erreicht, wir haben derzeit keine Anzeichen, dass der Hungerstreik am Tod schuld war, das wird die Obduktion klären müssen."

Was Korun nicht recht glauben will. "Wenn ein junger Mann, der beim Haftantritt gesund war, während eines Hungerstreiks plötzlich tot umfällt, liegt es schon nahe, dass es einen Zusammenhang gibt." Sie sieht Personalmangel: "Der Menschenrechtsbeirat im Innenministerium kritisiert schon länger, dass es an Sanitätspersonal fehlt", betont die Nationalratsabgeordnete.

Dass sich das nicht ändern wird, zeigt ein Blick in den Jahresbericht 2008 des Beirates. Man habe "mit Bedauern zur Kenntnis nehmen müssen, dass eine Aufstockung der Sanitäterposten nicht vorgesehen ist", steht dort.

Doppelrolle der Amtsärzte

Ein weiterer Kritikpunkt in dem Bericht ist die Doppelrolle des Amtsarztes. Dieser sei gleichzeitig für Heilbehandlung und gutachterliche Tätigkeit zuständig. Manfred Nowak, Menschenrechtler an der Universität Wien, wird im Gespräch mit dem Standard deutlicher. "Das System ist schlecht, die Heilbehandlung müsste durch andere Ärzte durchgeführt werden." Ein Problem seien, wie im gesamten Haftalltag, auch die fehlenden Dolmetscher. "Die Häftlinge können ihre Beschwerden oft gar nicht richtig ausdrücken."

Im Innenministerium ist zu erfahren, dass derzeit an Pilotprojekten für eine Reform gearbeitet werde - offiziell hält Innenministerin Maria Fekter (ÖVP) aber an der Doppelfunktion fest. Im Fall des verstorbenen Inders müsse man die Obduktion abwarten, wiederholt man im Büro der Ministerin.

Die Schubhaftbetreuerin des Toten vom Verein Menschenrechte Österreich, dem Kritiker ein Naheverhältnis zum Innenressort vorwerfen, glaubt nicht an einen Hungertod ihres Schützlings. Sie habe bei ihren Besuchen keine Hinweise auf gesundheitliche Probleme bemerkt, teilte der Verein in einer Aussendung mit. Der Mann habe auch zwischendurch etwas gegessen, soll er der Betreuerin gesagt haben.

Gleichzeitig verriet die Organisation auch die Lebensgeschichte des Mannes. Er sei nicht 20, sondern 32 Jahre alt gewesen, habe im Asylverfahren einen falschen Namen angegeben und wollte als minderjähriger Flüchtling anerkannt werden. Zurückkehren wollte er nicht, da er hohe Schulden bei Schleppern hatte. Ungewöhnlich sind Asylanträge von Indern übrigens nicht: 355 Personen suchten im Vorjahr in Österreich Schutz - aber auch ein Deutscher, ein Italiener und ein US-Amerikaner.

Im Polizeigefängnis wird unterdessen das Mittagessen serviert - Gemüsestrudel. Auch in den Zellen der Hungerstreikenden werden die Tabletts abgestellt. "Es steht jedem frei, etwas zu essen, wir kontrollieren das auch nicht", sagt Goldgruber. (Michael Möseneder/DER STANDARD, Printausgabe, 16. September 2009)

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Der Zaungast
16.09.2009 18:37
8 Dinge, die eigentlich selbstverständlich sein sollten:

1.: Wer hungerstreikt, gefährdet sich selbst und seine Gesundheit.
2.: Es wäre vernünftig, ihn davon zu überzeugen, damit aufzuhören.
3.: Niemand hat Interesse an toten Häftlingen.
4.: Um wen zu überzeugen, brauchst du sein Vertrauen.
5.: Amtsärzte bescheinigen tagtäglich die Haftfähigkeit, sie entscheiden damit wesentlich darüber mit, ob ein Schubhäftling weiter in Haft bleibt.
6.: Wer täglich über die weitere Haft mit entscheidet, kann kaum das Vertrauen eines Häftlings gewinnen, er ist eher sein Gegner als sein Verbündeter.
7.: Es wäre gescheit, für diese Überzeugungsarbeit andere Ärzte zu gewinnen (und ihnen Dolmetscher zur Verfügung zu stellen)
8.: Zu sagen "das ist uns einfach wurscht" ist keine Alternative - siehe Pkt.3.

Majestix
 
16.09.2009 15:07
Warum ist das System schlecht wenn jemand der freiwillig in den Hungerstreik tritt dann stirbt?

zippy
20.09.2009 14:37
Ist nicht freiwillig

Verzweiflungstaten sind nie freiwillig im Sinne des Wortes.

lagrima de oro
17.09.2009 01:43

weil das system nicht hinterfragt, warum er in den hungerstreik getreten ist, sondern völlig irrwitzig, selbstreferentiell bleibt, und gar nicht bemerkt, dass längst grenzen überschritten sind.

Iva
16.09.2009 14:50
Ha Ha Ha:

"Die Schubhaftbetreuerin des Toten vom Verein Menschenrechte Österreich, dem Kritiker ein Naheverhältnis zum Innenressort vorwerfen ..."

Gertrud
16.09.2009 14:46
System ist schlecht

@mitrovic dejan
Genial! Egal, ob Sie sich jetzt hier mit diesen mitunter ignoranten, ach so anständigen, und auf Recht, Sitte und Ordnung Pochenden einen fürchterlichen Scherz erlaubt haben oder ob es tatsächlich der Wahrheit entspricht, was Sie da über Ihre Situation schreiben. Alles alles Gute und viel Glück!

mitrovic dejan
17.09.2009 01:43
danke!

Grusoleum
17.09.2009 04:41

ihr gschichtl, sind sie fpö märchenerzähler ?

ibindes arbeitet
16.09.2009 12:37
was passiert eigentlich

wenn ich zu hause hungerstreike?
interessiert das irgendwem ?

sir osis of liver
 
16.09.2009 15:11

"irgendwen"

Lorelei Sonnenschein
16.09.2009 14:33
...

das nennt man dann Diat oder Fasten :-)

Er Guiri
16.09.2009 14:05
Natürlich...

Kamera in jedes Zimmer und als stream ins Netz. Dann bräuchtens net mal einen Grund;)

schwadronowski
16.09.2009 12:29
jeder schübling kann diese untragbaren zustände jederzeit selbst beenden

und in den flieger zurück ins herkunftsland einsteigen

p. langstrumpf
Stefanie Klamuth
16.09.2009 19:05

ich habe lange überlegt, ob ich auf dieses bescheuerte, verachtende posting überhaupt reagieren soll - aber ich kann nicht anders:

wer das glück hat in einem land wie österreich zu leben - nie das politische, soziale, wirtschaftliche elend in anderen teilen der welt erlebt hat und dennoch behauptet, dass menschen ihr land, ihre heimat, ihr umfeld leichtfertig verlassen und daher schleunigst heimgeschickt werden müssen, sollte tunlichst den mund halten und seinen verbalen dünnschi.ss anderswo (oder am besten gar nicht!) abladen.

wer sich in schubhaft für einen hungerstreik entscheidet, tut dies nicht, weil er eine art heilfasten praktiziert, sondern aus tiefster verzweiflung heraus - den eigenen tod in kauf nehmend. tragisch!

Lorelei Sonnenschein
16.09.2009 14:32
...bei soviel Dummheit

wundert es mich, dass Sie schreiben können..

Wernher von Braun
16.09.2009 12:09

"System ist schlecht"

das könnte man auf das ganze land beziehen!

wer nicht den mut hat etwas neues zu schaffen wird untergehen!

und seit dem kreisky hat man nur mehr versucht alles gut zu reden und keine veränderungen mehr gemacht. der kreisky war gut, jedoch ist das system seit beinahe 40 jahren still gestanden, welches zur folge hatte dass man die lücken im system benutzt hat um legale kriminalität zu schaffen!

liora
16.09.2009 12:06
Eine Idee!

Hungerstreikende als potentielle Selbstgefährdung einzustufen und ab dem 3. Tag des Hungerstreiks - zwangsernähren.

Orku5
 
16.09.2009 16:20

In UK werden auch inhaftierte, die Hungerstreiken wollen, einfach zwangsernährt.

Finde die sollten das genau so machen in AT und fertig.

Oder, noch schneller, aufgefangen, innerhalb von 24h abschieben, wird er wieder aufgefangen, wird dieser als Strafbestand angesehen und ist dann icht in Abschiebungshaft sonder bekommt gleich min. 1 jahr und dann geht das auch schön mit der Zwangsernährung.

Lorelei Sonnenschein
16.09.2009 14:31
...

...das war ein Scherz, oder? Bitte bejahen Sie?!

liora
16.09.2009 20:12
Nein!! Ich will nicht das Menschen sterben!

donaquijote
17.09.2009 01:11

und ich will nicht, dass menschen, die nichts verbrochen haben, die freiheit entzogen wird und die dann weniger als ein häftling, nicht einmal einen rechtsbeistand bekommen.

er wäre in freiheit nicht verhungert und wäre auch wahrscheinlich nicht - wie das ja schon öfter der fall war - aus angst gestorben.

nur leider hat das ach so kluge und menschliche österreich das noch nicht überrissen, dass man auch aus angst sterben kann. und wahrscheinlich sollten endlich wieder echte experten in den schubhaftgefängnissen ihren dienst aufnehmen dürfen - es ist ein recht der menschen, die man dort aus nichtigen anlässen festhält.

Herr und Frau Österreicher
 
16.09.2009 14:00
dazu müsstens aber in ein krankenhaus, weil das geht in diesen unwürdigen schubhäfn net!

mitrovic dejan
16.09.2009 11:20
Aoch das ist Österreich.

http://wien.orf.at/stories/354499/ Kinder und minderjärige landen sehr wohl in gefängnis es wird geschwiegen was das zeug hält ob und zu komt an tageslicht eine oder andere kraser fall.Jeder interpretiert gesetz an seine art und weise.Führ Arigona und Geschwiester gibts keine Schubhaft und führ andere gilt das gesetz "Humanismus von Frau Fekter" http://www.youtube.com/watch?v=jEPo7fBG6AE Und wehn jemand dort stierbt sehen das Kinder mit Kinder Augen.Traumatisierung in einen Land der Kinderrechte noch immer nicht im verffassungrang bringt. http://wien.kinderfreunde.at/index.php... e_ID=19888

fizzzzz
 
16.09.2009 13:02
apropos arigona

wo ist die denn inzwischen?

sir osis of liver
 
16.09.2009 15:12

ihre brüder sitzen bereits in schubhaft - freut sie das jetzt?

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