Ein Wiener Start-up-Unternehmen will simple Internet-Unterhaltung für zwischendurch auf eine neue Ebene heben: Die soeben gestartete Plattform Platogo lädt zum Mitgestalten der Spiele ein.
Die Schlange stirbt nie. Seit Jahrzehnten steht "Snake" für unkomplizierte Spielunterhaltung. Mit einer nicht zu bremsenden Bildschirmschlange rechtzeitig abzubiegen und sich fressend zu verlängern ist leicht zu verstehen und macht schnell Spaß.
Veggie Snake
Ein junges Wiener Start-up schickt sich an, mit der nun gestarteten Website Platogo harmlose Puzzle- und Geschicklichkeitsspiele für jedes Alter auf eine neue Ebene zu heben (die Schlange heißt hier "Veggie Snake"). Die beiden Gründer Jakob Sommerhuber und Florian Landerl, beide 28, kombinieren dazu aktuelle Trends zum neuen Modell. Die Möglichkeit, in selbst gestalteten Levels Freunde herauszufordern, soll die Community bei der Stange halten. Sonys Playstation-Erfolg Little Big Planet und der Flash-Klassiker Fantastic Contraption lassen grüßen. Für Letzteres müssen Spieler zahlen, um Level bauen zu dürfen, und knapp 200.000 gibt es schon. Für Sommerhuber ein Argument, dass das Konzept aufgehen kann.
Ähnlich den aktuellen Spiel-Epidemien Mafia Wars oder Farmville knüpft Platogo an Facebook und Co an. Dabei soll Entwicklern, ähnlich dem "Youtube für Videogames" Kongregate.com, eine Plattform geboten werden. Programmierer aus Polen, Mexiko, Italien, China, USA und Österreich seien schon involviert. Pro Woche soll jeweils ein auf Platogo zugeschnittenes Spiel dazukommen.
Werbung und Mikrozahlungen
Geld verdienen will Platogo durch Werbung und durch Mikrotransaktionen: Spieler sollen online für bestimmte Features kleine Beträge zahlen. Funktioniert das? Apples App Store und der Online-Musikmarkt hätten viele Türen geöffnet, "wir werden hier auch in Europa im kommenden Jahr große Veränderungen erleben", geben sich die Gründer überzeugt.
Ein gutes Jahr hat die Entwicklung der Onlineplattform gedauert. Wiens Förderinitiative Departure und gewonnene Start-up-Wettbewerbe wie das deutsche Mini-Seedcamp trugen zur Finanzierung bei.
Gelddruck zwingt zu Freelance-Aufträgen
Über die Bedingungen für Start-ups in Österreich geben sich die beiden desillusioniert: Die Gründerszene sei wenig stark verankert, es gebe zu wenige Investoren: "Gelddruck zwingt uns zu Freelance-Aufträgen, was Zeitdruck für das Hauptprojekt bedeutet." Mittlerweile gibt es drei weitere Mitarbeiter, die auch Gesellschafter sind.
Sommerhuber erinnert sich, dass er mit Landerl schon als 15-Jähriger nächtens gemeinsam Spiele programmiert hat, um sie an Mitschüler zu verklopfen. Jetzt wollen sie das im größeren Stil wiederholen: "Wir haben das Ziel, 50.000 registrierte User bis Jahresende zu haben." (Alois Pumhösel/ DER STANDARD Printausgabe, 15. September 2009)