Mehr als 2,5 Millionen Menschen werden zur Arbeit gezwungen, besagen Statistiken
Wien - Laut US-Außenministerin Hillary Clinton sind mindestens zwölf Millionen Menschen Opfer von Menschenhandel, Tendenz steigend. "Der wirtschaftliche Druck wird das Problem wohl weiter verschärfen", sagte die Ministerin in einer Videobotschaft, die am Montag der Auftakt zu einer Konferenz der Organisation für Sicherheit und Zusammenarbeit in Europa (OSZE) in Wien war. Die jährlich veranstaltete, zweitägige Konferenz zum Menschenhandel trägt den Titel "Moderne Sklaverei vermeiden - gegen den Schmuggel von Menschen".
Statistiken der Internationalen Arbeitsorganisation (ILO) besagen, dass mehr als 2,5 Millionen Menschen zur Arbeit gezwungen werden, knapp die Hälfte davon Minderjährige. Allerdings beziehen sich viele Zahlen auf Erhebungen aus dem illegalen Grenzverkehr. "Da gibt es aber eine große Unbekannte. Denn für Menschenhandel muss nicht illegal eine Grenze überschritten werden", sagte Eva Biaudet, OSZE-Sonderbeauftragte und Koordinatorin für die Bekämpfung des Menschenhandels. Gulnara Shahinian, UN-Sprecherin für Moderne Formen der Sklaverei, führte diesen Aspekt genauer aus: "Menschenhandel ist ein sehr dynamisches Phänomen. Er findet auch innerhalb der Länder statt, zum Beispiel von der Peripherie in die Städte." Dieses Problem gebe es beispielsweise in Russland oder China, aber auch in kleineren Ländern.
"Menschen geraten in Verzweiflung"
Die Expertinnen sind sich einig, dass die Zahl der Opfer von Menschenhandel in Zeiten der Wirtschaftskrise steigen werde. "Es gibt immer weniger Arbeitsplätze, vor allem für Frauen. Und gleichzeitig gibt es immer weniger öffentliche und private Unterstützung für Arme", sagte Shahinian. Biandet pflichtete der UN-Sprecherin bei: "Weit verbreitete Arbeitslosigkeit, ein drastischer Rückgang an Möglichkeiten und der Rückgang von Auslandsüberweisungen von Arbeitsmigranten führen dazu, dass Menschen in Verzweiflung geraten und in Situationen, in denen es an Alternativen mangelt." (Gudrun Springer/DER STANDARD-Printausgabe, 15.9.2009)