Es bräuchte relevante Alternativen - Medienpolitik müsste Private fördern
Die Werbewirtschaft hält nichts von einem werbefreien ORF, wie er etwa der ÖVP auf mittel- bis längerfristige Sicht vorschwebt. "Aus heutiger Sicht, bei derzeitigen Rahmenbedingungen ist das sicher nicht vorstellbar", so Peter Drössler, Obmann des Fachverbandes Werbung und Marktkommunikation in der Wirtschaftskammer. Ein werbefreier ORF sei für die Werbewirtschaft "nur dann vorstellbar", wenn es "relevante Alternativen" gibt, die entsprechende Reichweiten bieten. Das würde bedeuten, dass es einen "veränderten Zugang zur Medienförderung für Private gibt", damit Privatfernsehen eine adäquate Größenordnung erreicht.
Auch eine werbefreie Primetime im ORF findet die Werbebranche nicht wünschenswert, erklärt Drössler. "Ohne Schaltung von Werbung im ORF ist es derzeit nicht nur unmöglich, genügend Reichweite in der Hauptsendezeit zu generieren. Auch die Akzeptanz ist - da keine Unterbrecherwerbung - messbar höher." International gehe der Trend zwar in Richtung reiner Gebührenfinanzierung öffentlich-rechtlicher Sender, Drössler warnt aber davor, diese Mechanismen auf den kleinen Markt Österreich umzulegen - "dies würde sicherlich nachteilig wirken."
Wichtig sei für die Werbewirtschaft auch die regionale Präsenz des ORF, die eine entscheidende Stärke des Senders sei. "Regionale Komponenten weiter auszubauen, ist eine wesentliche Option, die die Werbewirtschaft mit Interesse verfolgt. Ob dazu derart ausgestattete Landesstudios notwendig sind, ist jedoch zu hinterfragen."
Grundsätzlich plädiert der Obmann des Werbe-Fachverbands im Sinn der Wirtschaft für die Stärkung der dualen Rundfunklandschaft. Von der Medienpolitik erwartet Drössler, dass diese den öffentlich-rechtlichen Auftrag genauer definiert und wirtschaftlich faire Wettbewerbsbedingungen herstellt. "Durch die technologische Entwicklung und das Zusammenwachsen von TV, elektronischen Medien, Internet und Online hat der Gesetzgeber alle Bereiche zu regeln." (APA)