Kärntner Ortstafel-Lösung: Das Zeitfenster nützen

13. September 2009 17:06

Sowohl die österreichische Bundesregierung als auch die Kärntner Landesregierung könnten die aktuelle Situation nützen und den Ortstafel-Konflikt beilegen, bevor sich die Fronten zwischen Slowenien und Österreich verhärten

Was hat das Ende des Piran-Konflikts zwischen Slowenien und Kroatien mit der Kärntner Ortstafelfrage zu tun? Möglicherweise viel. Denn auf der einen Seite sind derzeit eine Reihe von Auseinandersetzungen zwischen EU-Staaten am Kochen - die heftigste zwischen Ungarn und der Slowakei. Andererseits zeigt das, wie ungelöste Fragen plötzlich zum internationalen Zankapfel werden können.

Sloweniens Anspruch, Rechtsnachfolger von Jugoslawien in der Ortstafelfrage zu sein, ist umstritten. Österreichs jahrzehntelanges Zaudern bei der Umsetzung des Staatsvertrags schwächt die Position Wiens und Klagenfurts. Laibach hat das Grenzproblem weg und könnte gerade jetzt versucht sein, noch mehr Druck zu machen und einen EU-internen Zwist zu provozieren. Die forschen Erklärungen des Staats- und des Ministerpräsidenten deuten darauf hin.

Sowohl die österreichische Bundesregierung als auch die Kärntner Landesregierung könnten die Situation nützen und den innerösterreichischen Konflikt beilegen, bevor sich die Fronten zwischen den beiden Nachbarstaaten verhärten.

Am stärksten bewegen müsste sich das BZÖ, die Landeshauptmann-Partei in Kärnten.

Erinnern wir uns an das Sommergespräch mit dem BZÖ-Chef Josef Buchner. "Wir sind nicht mehr die FPÖ. Wir unterscheiden uns fundamental von der FPÖ" , sagte er am Salzburger Domplatz zu Ingrid Thurnher und Michael Köhlmeier. Jörg Haider habe ja schon eine Wende "hin zu einer konstruktiven Politik der Mitte eingeleitet" .

Eine Woche später erinnerte ihn die Kleine Zeitung in einem Leitartikel, dass Jörg Haider 2006 vor 200 BZÖ-Getreuen in Sachen Ortstafeln den "Weg der Vernunft" beschworen und hinzugefügt hatte: "Irgendwann muss man über die Brücke gehen." 141 Tafeln beinhaltete damals ein Kompromiss, dem sich jedoch der Rat der Kärntner Slowenen und die SPÖ verschlossen haben.

Die "informellen Gespräche" von Bundeskanzler Werner Faymann sind sicher gut gemeint. Aber sie könnten zu lange dauern. Vielleicht sollte sich eine ganz große Runde in Wien wie bei einem Konklave zusammensetzen und so lange miteinander reden, bis ein Kompromiss erzielt ist.

Die Regierung Faymann/Pröll hätte eine der ganz großen Fragen der Zweiten Republik positiv beantwortet, die große Koalition hätte eine Existenzberechtigung. Und in Kärnten würden die Haider-Nachfolger endlich einen liberalen (oder sagen wir: aufgeschlossenen) Weg beschreiten.

Die Vernunft war im Liberalismus immer eine starke Kraft. Bei den Wählern verfing das Irrationale natürlich besser.

Wenig mit Vernunft hat auch die Haltung der ÖVP-Spitze zu tun. Josef Pröll tritt deshalb nicht offen für eine großzügige Lösung ein, weil er angeblich seinem Kärntner Parteiobmann nicht schaden möchte. Das ist Taktik. Provinzielle Taktik, enges Denken.

Eine innerösterreichische Einigung würde der slowenischen Regierung klarmachen, dass man sich mit einer begründbaren Vermehrung der zweisprachigen Ortstafeln der europäischen Wirklichkeit angepasst hat. Wie es auch im Burgenland und in Westungarn der Fall ist. (Gerfried Sperl, DER STANDARD, Printausgabe, 14.9.2009)

 

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MondXicht
14.09.2009 18:26

Ich bin dafür, dass auch in Slowenien alle Ortsschilder auf Deutsch sind

gurke an cäsar, gurke an cäsar
14.09.2009 19:37
ich bin dafür,

dass auch in der ganzen welt alle ortsschilder auf deutsch sind.

Mucosaprolaps
14.09.2009 18:11

Während also die Rechtsextremen in einer Führungskrise stecken, eine kärnter Führer-Krise sozusagen, soll man rasch eine Lösung finden -- bevor der nächste Verhetzer sich als "starker Leader für heimische Deutschkärntner" aufführt und zu Pogromen aufruft wie damals gegen die Ortstafeln.

Das klingt vernünftig, aber ein bisschen feige gegenüber dem verfassungsfeindlichen Natzigesindel.

msm
12.10.2009 14:37
Unverständlich für mich

...wie Sie eine panslawistische Bewegung als NZ Gesindel bezeichnen können, obwohl ich Ihnen dabei inhaltlich fast, aber doch nicht ganz zustimmen könnte

4321
14.09.2009 17:44

hr. sperl verteidigt hier schüssels vorschlag, der letztllich aber auch keine lösung, sondern unrecht darstellt. es gibt (18?) entscheidungen von gericht dazu. als demokrat sollte man sich dazu bekennen, und nicht dieses unwürdige feilschen verteidigen, das letztlich wieder zu unrecht führt. zu dem thema ist längst alles gesagt und ausjudiziert. was fehlt sind konsequenzen für die nichtumsetzung.

franz-josef ferdinand
14.09.2009 17:24
In einem muss ich Gerfried Sperl recht geben:

Es ist schon vielzuviel Zeit vergeudet worden! Nicht reden, handeln!

Vielleicht merkt es bald der D&mmste, dass es von einigen nur ein Trick und Taktik ist? Mit dem Glauben, dass es eines Tages vergessen wird, dass es einen Vertragspartner des Staatsvertrages nicht mehr geben würde oder aber dass dann die "Minderheit" zu einer Miniheit werden würde. Vielleicht.

Nur jene, die ein reindeutsches Kärnten haben wollen, schreien und schreiben so laut. Es ist eine Mini-Mini-Minderheit, der von der ängstlichen Mehrheit angedient wird. Es könnte ja Wählerstimmen von rechts bringen.

Der Vogel, der da immer so laut brüllen möchte wie ein Löwe, der hätte es natürlich gar nicht gerne, wenn im Lande Vernunft einkehren würde ...

Versucht es, handelt

derfalke
14.09.2009 13:05
"Das Zeitfenster nützen" bedeutet im Klartext, dass man glaubt,

man könne die Kärntner Bevölkerung einfach über den Tisch ziehen, indem man drüberfährt.

Wer aber solch naiven Gedanken nachhängt, der unterschätzt die Abwehrbereitschaft des Kärntner Volkes gewaltig. Nachdem sich nun die slowenische Linksregierung in unflätiger Weise in diese Kärntner Angelegenheit eingemischt hat, wird sich erst recht niemand in Kärnten bewegen.

Der Zug für einen Kompromiss ist längst abgefahren.
Der erste Schritt muß jetzt eine exakte Volksgruppenzählung sein und danach werden wir sehen, dass es heute schon viel zu viel zweisprachige Ortstafeln gibt.

Es geht in Zukunft also um eine Reduzierung der zweisprachigen Ortstafeln und nicht um eine Vermehrung. Eine Zwangsslowenisierung wird es nicht geben können.

Occam
05.10.2009 02:49
Schlafen mit der Flinte im Bett

Ja, ich habe auch eine 80jährige Tante, der Haider eingeredet hat, die Slowenen könnten sie in der Nacht überfallen und Kärnten (lei ans) Österreich entreisst. Leider ist sie nicht die einzige in Kärnten, die im heutigen Europa solchen Schwachsinn glaubt! Hoffentlich bleibt uns wenigstens das von Kärnten verwaltete Osttirol. Das wäre echt schade!

Graph Bobby
28.09.2009 12:00
Wie will denn das "Kärntner Volk" hier etwas abwehren?

§ 242 Hochverrat
(1) Wer es unternimmt, mit Gewalt oder durch Drohung mit Gewalt die Verfassung der Republik Österreich oder eines ihrer Bundesländer zu ändern oder ein zur Republik Österreich gehörendes Gebiet abzutrennen, ist mit Freiheitsstrafe von zehn bis zu zwanzig Jahren zu bestrafen.

(2) Ein Unternehmen im Sinn des Abs. 1 liegt auch schon bei einem Versuch vor.

Folgedessen: Tonnenschwere Tafeln mit Fundament HINBETONIEREN, die versetzt niemand. Bewachung durch Cobra oder Jagdkommando, Saboteure sofort verhaften und der Justiz zuführen.

4321
14.09.2009 17:40

glauben's nicht dass langsam an der zeit wäre sich in die zivilisierte demokratische welt einzugliedern? dort gesteht man auch minderheiten rechte zu. und erst recht, wenn unzählige male vom verfassungsgerichtshof bestätigt. das hiesse demokratisches bewusstsein beweisen und auch andere respektieren. oder fühlen sie sich wirklich so von tafeln bedroht?

x aeins
14.09.2009 16:05

da hilft nur mehr ein guter Psychiater,und die sind selten
überleg einmal,falke,wovor du wirklich Angst hast - vor den Tafeln selbst? ist das so wie bei Naturvölkern,die sich vor Spiegeln fürchten?

France Preseren
14.09.2009 15:02
Sehr schlau

Als ob auch nur einem einzigen Kärntner irgendetwas weggenommen werden würde, wenn die im Staatsvertrag zugesicherten zweisprachigen Ortstafeln angebracht werden.

Oh ja, da müssen dann die Kinder der Nazikollaborateure aber schnell aufbegehren, denn dann ist Kärnten wirklich in Gefahr! :-P

www.slowenien-forum.info

Helmut Hagen Plakolmer
14.09.2009 14:52
es ist.....

einfach nicht zu fassen, dass heute immer noch erwachsen sein wollende leute so ein daemliches gefasel von sich geben, das inhaltsmaessig nahtlos an das in kaernten ja so geschaetzte politik der naziverbrecher anknuepft. liege ich falsch, wenn ich dahinter nur von den umstaenden (demokratie etc.) verhinderte nazischweine vermute.

Angelika Mlinar
14.09.2009 14:41
Minderheitenfeststellung

Zu Ihrem Statement kann ich nur sagen, dass sie eine Gruppe von reaktionären Kräften präsentieren, die dem Land schon genug Schaden zugefügt haben. Es reicht!
Ich habe als Generalsekretärin des Rates der Kärntner Slowenen klar gestellt, dass wir nich a priori gegen eine Minderheitenfeststellung sind, die Art und Weise in welcher diese durchgeführt werden soll aber nur im Einvernehmen mit der Volksgruppe geschehen kann. Was war die Reaktion? Um Gottes Willen, Klagenfurt soll nicht Celovec werden. Es wird keine Minderheitenfeststellung geben. Also, was jetzt?
Und nur für Ihr Stammbuch: über meine Rechte als Volksgruppenangehörige wird seit Jahrzehnten drübergefahren. Wem genau nützt das? Niemandem.
Südkärnten wird zu Südtirol!

Seria
14.09.2009 16:35

wie soll den, korrekter Weise, eine Minderheitenfestellung durchgeführt werden, die auch die Minderheit mittragen kann. Welche Kriterien sollten herangezogen werden? Sprachgebrauch im täglichen Leben?

sukisouk
14.09.2009 14:27

Nach hundert Jahren „Zwangsgermanisierung“ von Zwangsslowenisierung zu faseln kann bloß nem rechtsextremen Vogel einfallen.

Ebenso kindisch, Trotz als politisches Mittel (haha) zu akzeptieren.

Hauptsache fest auf den Tisch hauen und besoffen seine Parolen grölen, dann ist die Welt schon ein bißchen weniger bedrohlich, gell.

gurke an cäsar, gurke an cäsar
14.09.2009 14:24
intelligenzfeststellung

das einzige, was festgestellt werden sollte ist der intelligenzquotient der deutschkärntner, respektive deren zurechnungsfähigkeit. im fall eines positiven feststellungsverfahrens sofortige besachwalterung der betreffenden personen. im falle, dass sich betreffende personen an 2sprachigen ortstafeln vergehen, einweisung in eine anstalt für geistig abnorme rechtsbrecher. so schauts aus!!!! teifl hudica, wie der windische sagt.

Baerald
14.09.2009 13:02
Einfach zum (nach)lesen:

http://i8t.de/p94m7sne

Hafner
14.09.2009 11:25
Nachdem der nächste Landeshauptmann ein Sozialist ...

... sein wird, brauchen wir uns nur zurücklehnen und warten.
Das schau ich mir an.
Wahrscheinlich drängen die Linken deshalb so auf eine Lösung, weil sie sich vor dieser Situation fürchten (man sieht ja, was die SPÖ Kärnten seit Jahren in dieser Frage macht - Nichts - und keinen störts).

Hafner
14.09.2009 11:23
Das ist halt dabei herausgekommen ...

... wenn man alles abgelehnt hat, nur weils der Haider gesagt hat.
Dabei ist sowohl die Menschlichkeit als auch die Sachlichkeit auf der Strecke geblieben.
Die Linken können halt nicht über ihren Schatten springen und zerstören lieber, bevor sie jemand anderem einen Triumph gönnen.

santiago nasar
14.09.2009 10:59
möglicherweise

wäre es ja langsam zeit für einen fenstersturz?

Seria
14.09.2009 10:50

Ö scheint ja recht ratlos zu sein wie man mit einem Entscheid des VGH umgehen soll. Ob es da eine Gesetzeslücke zu füllen gibt?
In der Zwischenzeit sollte sich sicher ein anderer Staat die ASchutzmachtrolle aneignen. Es kann SLO sein, da die Sprache ja recht ähnlich dem kärntner Kolorit ist, oder weil es eben freundliche Nachbarn sind.
Ethn. Minderheit wird aber wohl mehr bedeuten als Ortstafeln? Wie sieht es mit Unterricht, Amtssprache etc??

Tier40
14.09.2009 10:46
Zusammenhänge wahren!

Geschichtsaufarbeitung und juristische Ansprüche können nur beidseitig gelöst werden. Slowenien ist säumig, seine winzige duetsche Minderheit anzuerkennen und zu fördern. Gleiches gilt für die Kriegsverbrechen an unseren Leuten.

Daher:Sämtliche Ortstafeln laut VfGH aufstellen, neuen Prozentsatz kleiner 25 Prozent beschließen: Mein Vorschlag 24,5Prozent,! und Minderheitenfeststellung nach dem
Bekenntnisprinzip durchführen.
Recht muß schließlich Recht bleiben!

P.S. Slowenien liegt im Clinch mit 75 Prozent seiner Nachbarn, Österreich, Italien, Kroatien. Was sagt uns das?

4321
14.09.2009 22:20

Sie vergessen dabei, dass diese Tafeln Ihren österreichischen (!) Mitbürgern zustehen laut Gesetz.

France Preseren
14.09.2009 15:00
Goa nix

Das sagt uns lediglich, dass Slowenien engagiert ist bei diversen Fragen.
Kroatien hat mit allen Nachbarn offene Grenzfragen.
Mit Italien gibt es ebenso Minderheitenfragen auf italienischer Seite. Italien muss was tun.
Und Österreich hält sich nicht an die eigenen Urteile.

Aber es ist leichter einem Minnistaat für alles die Schuld zu geben.

www.slowenien-forum.info

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