"Krieg ist krank" als Motto beim Gehörlosen-Theaterfestival

26. März 2003, 15:45
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Erinnerungsschwerpunkt an Künstler im Ersten Weltkrieg wurde von Realität eingeholt - ab 4. April

Wien - Das vierte europäische und internationale ARBOS-Gehörlosentheaterfestival (4. bis 12. April) ist "leider sehr aktuell", wie der künstlerische Leiter Herbert Gantschacher heute, Mittwoch, bei einer Pressekonferenz in Wien sagte. Ein Erinnerungsschwerpunkt innerhalb der Festivalthematik "Begegnung der Künste" zu Künstlern aus der Zeit des Ersten Weltkrieges wurde durch den Irak-Krieg von der Realität eingeholt. "Krieg ist krank", ist nun eines der Mottos bei einem Festival, das in acht österreichischen Städten zeigen soll, dass die "Gebärdensprache die beste Sprache für das Theater ist", so Co-Leiter Horst Dittrich.

Wien: Hauptstadt des europäischen Gehörlosentheaters

Mit dem heurigen Festival wird auch ein Jubiläum gefeiert: Seit zehn Jahren gibt es durch ARBOS professionelles Gehörlosentheater in Österreich. "Wien hat sich in Bezug auf Gehörlosentheater zu einer europäischen Hauptstadt entwickelt", freute sich Produzent Dietmar Jäger. Mittelpunkt des Festivals ist das Wiener Theater des Augenblicks, weitere Veranstaltungsorte sind Salzburg, Krems, Amstetten, St. Pölten, Graz, Klagenfurt und Villach. Professionelle gehörlose sowie hörende Künstler aus sechs Staaten lassen bei der heurigen Ausgabe in insgesamt elf Produktionen die Künste einander begegnen. Zielpublikum sind sowohl hörende als auch gehörlose Menschen.

Aktualisierung der Produktion wegen des Krieges ist möglich

Im Kriegsschwerpunkt des Festivals findet sich u. a. die ARBOS-Produktion "Krankheit Krieg" (10. 4.), die Szenen, Texte und Gedichte von Künstlern aus der Zeit des Ersten Weltkriegs vereint. Unter diesen finden sich an den Schrecken der Schlacht zerbrochene Dichter wie Georg Trakl ebenso wie Kriegsbefürworter wie die italienischen Futuristen. Spannend soll die US-Produktion "Flügel" von "Quest" (12. 4.) werden, die sich mit der Geschichte des Fliegens beschäftigte und bisher mit den Anschlägen am 11. September 2001 endete. "Ich bin gespannt, ob unsere amerikanischen Freunde nun auch die letzten Tage einarbeiten", so Gantschacher.

Plädoyer für die offizielle Anerkennung der Gebärdensprache als Amts- und Minderheitensprache

"In der Kunst wird die Gleichberechtigung mühsam erkämpft. Im Leben gibt es keine Gleichberechtigung", so Dittrich, der betonte, dass es in Österreich rund 500.000 gehörgeschädigte Menschen - davon rund 10.000 von Geburt an - gibt. Die nicht offiziell anerkannte Gebärdensprache müsse "endlich sowohl als Amts- als auch als Minderheitensprache anerkannt werden", plädierte Gantschacher. (APA)

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    foto: festival
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