Ein Toter - Präsidentin Bachelet würdigt "Märtyrer"-Tod Allendes
Santiago de Chile - Zu Ausschreitungen ist es am 36. Jahrestag des Militärputschs von General Augusto Pinochet gegen den demokratisch legitimierten Präsidenten Salvador Allende in der chilenischen Hauptstadt Santiago gekommen. Laut Fernsehberichten ist ein junger Mann im Verlauf der Unruhen ums Leben gekommen. Der 23-Jährige habe einen tödlichen Kopfschuss erlitten, berichtete das staatliche Fernsehen am Freitag (Ortszeit). Wer geschossen hat, war nicht klar. Es war vorerst auch nicht bekannt, ob der Mann an den Protesten teilgenommen hatte.
Im Rahmen einer Gedenkfeier im Regierungspalast La Moneda würdigte Präsidentin Michelle Bachelet den bei dem Putsch ums Leben gekommenen sozialistischen Präsidenten Allende als einen "Märtyrer der Demokratie". Hunderte vermummte, zumeist jugendliche Demonstranten hatten in den Außenbezirken Santiagos Barrikaden errichtet. Rund 3.000 Angehörige der Sicherheitskräfte versuchten, die Menge unter Kontrolle zu halten. Vier Polizisten wurden laut Berichten mit Verletzungen in ein Krankenhaus eingeliefert. Demonstrationen zum Jahrestag des Putsches von 1973 sind häufig von Gewalt begleitet.
Während der Militärdiktatur in den Jahren 1973 bis 1990 waren in Chile mehr als 3000 Menschen umgebracht worden oder sind verschwunden. Der 2006 in geistiger Umnachtung verstorbene Pinochet war im Dezember 1998 in Spanien wegen Völkermordes, Terrorismus und Folter angeklagt worden. Er konnte in London vorübergehend festgenommen werden. Da ihm jedoch Prozessunfähigkeit bescheinigt wurde, konnte Pinochet nach 15 Monaten in seine südamerikanische Heimat zurückkehren. Menschenrechtsgruppen und Hinterbliebene beklagen, dass die chilenische Justiz die Verbrechen des Regimes zu langsam und nur schleppend aufarbeitet.(APA/AP)