Sie haben uns mit der Absage des Tribute-Konzerts für Michael Jackson vor der Kulisse des Schlosses Schönbrunn das brutale Finish einer amüsanten Woche geliefert...
...aber der heutige Tag wird trotzdem nicht als 9/11 der Wiener Kulturszene eingehen. Vielmehr ist der peinliche Rückzieher des mit Pomp angekündigten "weltweit einzigen" Gedenkkonzertes für den verstorbenen "King of Pop" das unwürdige Ende einer mit Dilettantismus geführten Vermarktungsstrategie. Kein einziger Superstar hat sich verpflichten lassen, nach und nach ist auch die zweite Garde abgesprungen, die Hinhaltetaktik der Veranstalter hat auch nicht funktioniert.
Wir Medienvertreter wissen es zu schätzen, dass Sie uns die Schuld dafür umhängen wollen. Die "bizarre österreichische Berichterstattung" - O-Ton Jermaine Jackson - muss fürwahr abschreckend für die Stars gewesen sein. Kaum vorstellbar, wie der weltbekannte Akon bei Frühstückskaffee und Sichtung von orf.at erbleicht: In Österreich würde er nicht einmal die Stadthalle füllen? Das ist bitter, wir fühlen mit ihm. Jetzt, wo es zu spät ist. Oder Mary J. Blidge vor der Vitrine mit ihren acht Grammys. Ok, herumspukende - und natürlich nie offiziell genannte - Namen wie U2 haben es auf 22 Grammys gebracht, aber ein 518 Euro-Ticket müsste sie schon wert sein. Unverständlich, dass auch nur ein Konzertbesucher für diesen Preis an Madonna, Lionel Richie & Co. gedacht haben könnte.
Wir hätten liebevoller mit den Stars umgehen und die Dramaturgie der "No-Name-But-Cash-Linie" jubelnd mittragen sollen. Wir haben das Potenzial nicht erkannt, das mit diesem "Thriller" zu holen gewesen wäre. London als künftiger Austragungsort für das Tribute-Konzert wird mitspielen. Nicht, weil die dortigen Kollegen weniger böse sind als hierzulande, sondern weil die Veranstalter aus der Blamage in Wien hoffentlich dazu lernen. Unseren Glückwunsch an das Wembley-Stadion. Wir bleiben mit der traurigen Erkenntnis zurück, dass Michael Stadien noch mehr liebte als Schlösser. Mit dieser Schmach gilt es, fortan zu leben. Schlimm auch. (Sigrid Schamall, derStandard.at, 11.9.2009)