Amadeus Awards 2009

Gachblond im Spottlicht

11. September 2009 18:16
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    Foto: heribert corn

    Michael Ostrowski überreicht einen Amadeus Award, Österreichs zentralen Popmusikpreis, an Suzy on the Rocks von der Elektronikband Bunny Lake. Kategorie Trendtanzen.

Die wichtigsten und einzigen heimischen Popmusik- und Beschwichtigungsschlagerpreise wurden im Wiener Museumsquartier verliehen

Musik muss nicht immer Spaß machen.

***

Wien - Draußen in der großen weiten Welt des Pop fällt gerade ein Sack mit Jermaine Jackson drin um. Er begräbt unter sich das geplante Tribute-Konzert für Bruder Michael in Schönbrunn, inklusive der Karriere von Finanzstadträtin Renate Brauner. Statt Bono und Madonna konnte kurzfristig allerdings Wolferl Ambros mit einer bluesrockigen Deutung von Beat It gewonnen werden: "Sie ham eam gsogt, sie woin eam do nimmer segn/ Mit seiner Pappn kann er beuli gehn/ Eana Hoss in die Augn und eanare Worte san kloar: Geh scheißn, geh einfach scheißn..."

Drinnen im Wiener Museumsquartier bei den Amadeus Awards 2009, der engen kleinen Popmusikpreisregensause der heimischen Musikindustrie, referiert inzwischen Austropop-Veteran Christian Kolonovits an der Bar über das Leben und den Rassismus der Japaner. Neulich in den 80er-Jahren waren wir nämlich mit Falco auf Fernweh. Wir fahren dort aber sicher nicht mehr hin!

Drei Meter weiter gönnt ein heimischer Privat-TV-Sender, der das Ganze zeitversetzt im Nebenabendprogramm im Sinne eines kulturellen Auftrags übertragen will, inzwischen jeder gachblonden Society-Sumse, die zum Thema irgend etwas mit dem Wort "ich" am Anfang sagen will, drei Minuten Weltruhm. Mit 500 Watt Spottlicht drauf. Wir wissen zwar nicht genau, um was es geht. Hey, aber super, dass wir da sind! Hast du übrigens gewusst, dass ich gerade mit dem Producer von DJ Hüttengaudi eine Single am Start habe?! Irgendwie so eine Mischung aus Beyoncé, Klostertaler Gfrastsackerln und Minimal Techno aus Börlin! Bam, Oida!

Preise und dazugehörige Frechheiten setzt es beim einzigen und wichtigsten Preis für Austropop weiter vorne im Saal auch. Die erlebnissoziologisch tief im Bad von Aussee getränkte Kombo Die Seer meint etwa im Rahmen der Pokalüberreichung für den von Radio Burgenland gestifteten Preis in der Kategorie Erbschleicherei, dass das mit dieser Ehrung schon okay ginge. Irgendein professioneller Act müsse ja mit seinen Umsatzzahlen die anderen heute auftretenden Freizeitmusikanten finanzieren.

Diesem Gedanken mag sich auch Newcomerin Anna F. nicht verschließen, die sich bei Raiffeisen, Red Bull und Novomatic für ihre Karriere bedankt und analysiert: "Viele schöne Dinge sind heuer passiert. Jetzt auch noch das."

Hinten im Saal steigt man jetzt von Wein auf Wodka, Gin, Galgenhumor und lange, selbstgedrehte Zigaretten um. Der Rastafari grenzt niemanden aus. Er ist ja kein Japaner. Vorne benötigt man für den zwangskomischen Michael Ostrowski, den neben Marilyn Weichselbraun gegenwärtig meisten Moderator und Schauspieler Österreichs, Geduld und gute Laune: "Rock und Pop sind immer ein Ausdrucksmittel, auch sexuell!"

Christina Stürmer, der tanzende Roboter aus dem Mühlviertel, rockt total live im bundesdeutschen Nena-Idiom. Eine steirische Lederhosenfetischband bellt das Heimatlob und darüber, dass die Japaner Ausländer beim Bestellen in Restaurants generell arrogant behandeln. Andere Ausländer wie AC/DC oder John Deere seien aber total okay. Zwei in der Sprache Nenas vortragende HipHopper aus Wien-Fünfhaus erklären den Unterschied zwischen Volksmusik und ervolksloser Musik. Die wie immer ungnädigen Grantscherben von Kreisky bedanken sich für den "FM4 Award". Christian Fuchs von FM4 siegt mit Bunny Lake im elektronischen Tanzfach, die den Duktus Nenas kennenden Linzer Rapper Texta in der Sparte Linzer HipHop: "Peace, eich do draußn!"

Vera Böhnisch kommentiert ihre tapfere Kylie-Minoguerei mit dem schönen Satz: "Wir haben uns bemüht." Hansi Lang erhält den Preis für sein Lebenswerk. Posthum, wir sind in Wien. Weitere Bands wie Wellblechica aus Xiberg heimsen Auszeichnungen für Donnergurgeln und Blutgrätschen ein. Am Ende singen alle Keine Angst. Hinten ist man inzwischen bereit, auch Japaner gelten zu lassen. Als Jamaikaner lässt man alle leben. (Christian Schachinger, DER STANDARD/Printausgabe, 12./13.09.2009)

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russiaTV
16.02.2010 21:02
herrlich, stimmt jedes wort !

gerald schuller
18.09.2009 11:08
konzertankündigungen und cd rezensionen

... und davon nicht einmal so wenig, das dominiert die printberichterstattung über unsere bands.

wieso aber wären konzertkritiken so wichtig?

- kritik verleiht relevanz.

- ansprechendes foto und tolles album schön und gut. aber ist die band auch ein guter live act? die antwort gibt nur... erraten.

- und ganz profan: veranstalter entscheiden über bands AUCH aufgrund ihrer pressemappe, vor allem im deutschsprachigen ausland. besteht diese nur aus ankündigungsschnipseln bleiben unsere bands zu hause. hat da jemand teufelskreis gesagt?

Einfach Gonzales
15.09.2009 14:05
Neulich bei Hütter

Jetzt les ich diesen Bericht schon zum zweiten Mal, weil es mir offenbar keine Ruhe lässt, an was dieses beachtliche Prosawerk erinnert.
Früh fiel der Verdacht auf Stuckrad-Barre.
Jetzt fällt er doch, der Groschen: Alfred Hütter (wo ist der jetzt?) zu Hansi Lang, neulich in der Musiklandesrundschau. Yep, so isses.

dietraeneallahs
15.09.2009 05:36
PT 2

ein paar dieser musiker:Martin Brandlmayr,Radian,
Glim,Lars Stigler,Contour,Dirac,Kutin,Groundlift,
Metamorphosis,Siewert,Tupolev,Slon,Vortex Rex,Mimi Secue,Trapist,Nitro Mahalia,bulbul,a thousand fuegos,dieb13,nsa,Wernerkitzmüllertrio,
Phillip Quehenberger,Didi Kern,Burkhard Stangl,Billy Roisz,Klaus Fillip,Daniel Lercher,Stefan Fraunberger,Pita,Lokai,Németh,Florian Kmet,Metallycée,Charmant Rouge,Liger,Tim Blechmann...
und das ist nur ein,trotz relativ grosser bandbreite, ganz kleiner teil der wiener musikszene.klar,ein paar bekanntere namen sind dabei,aber generell hör oder les ich nie was irgendwo von diesen,meiner meinung nach,doch äusserst interessanten und begabten musikern.vielleicht macht sich ja derdie eine oder andere auf die suche

thomislav
15.09.2009 15:42

naja, ganz so ist es nicht. Selbst wenn einige der von ihnen genannten wohl wenig bis gar keine öffentlichkeit hatten/haben, werden einige von diesen doch zumindest auch mal erwähnt, besprochen etc. (z.B. Stangl im Falter, Dieb13 im Standard vom felber, eine tupolevnummer auf ö1, Radian sowieso, und der Pita scheint sowieso ein spezi vom schachinger zu sein, so euphorisch wie er immer über den schreibt). egal, vielleicht sollten Sie mehr auf so heftln wie das skug zurückgreifen, das ist zwar auch nicht Die große bühne, die Sie hier fordern, aber immerhin etwas.

dietraeneallahs
17.09.2009 23:49
fortsetzung

weil,ich fordere ja keine grosse bühne,einfach nur eine wertschätzung dieser musiker,das wär schon was.
freut mich auf jeden fall,dass sie anscheinend diese namen kennen und wie mir scheint auch schätzen.

dietraeneallahs
17.09.2009 23:44

ja,stimmt schon und ich hab ja auch gemeint,dass ein paar bekanntere namen unter den von mir genannten sind,die man auch schon mal vereinzelt zu hören bekommt.aber ich wollte halt generell darauf hinweisen,dass es eine beachtliche anzahl von interessanten musikern in wien/Ö gibt,die qualitativ den "popstars" um nichts nachstehen,mMn diese ja sogar übertreffen(egal,geschmacksache) aber eben keine,so gut wie keine,publicity bekommen.und das ist doch schade,oder?
und das skug kenn ich natürlich,aber ausser einer plattenkritik hab ich da von den meisten der von mir genannten auch noch nix gelesen,aber das ist ja schon fast fachliteratur und der öffentlichkeit auch nicht zugänglich.
man muss sich halt auch dafür interessieren,ist eh besser so.

hellfast
15.09.2009 13:24

der martin siewert ist immer wieder im jeunesse abo. zu hören. da verdient man halt noch wenigstens etwas geld, aber gute publicity für einen jazz-gitarristen ist das halt kaum...

dietraeneallahs
15.09.2009 04:43
PT 1

ist den lesern/postern hier eigentlich irgendwie bewusst,was es allein in wien für eine unglaublich interessante musikszene gibt,so weit vom amadeus und mainstream entfernt wie es nur geht?und die auch so gut wie keine erwähnung in jeglichen medien erhalten?musiker aus der elektro-akustik,drone-ambientmusik,post
rock,punk,shoegaze u anderen unnötigen schubladisierungen,die teilweise mehrere alben veröffentlicht haben,teilw auf int.labels und auch internationale vergleiche nicht scheuen müssen?
ich denke nicht,von dem was ich hier so lese,weil eben nicht mal diese journalisten,die in den gleichen lokalen verkehren wo diese künstler auftreten über diese berichten.als einziges vielleicht beim hr ostermayer im sumpf gespielt werden.namen?

gerald schuller
14.09.2009 13:17
elfmetertor, gratuliere

ja klar, der amadeus ist peinlich, provinziell und unnötig. ABER er ist mitunter das einzige schaufenster, das unseren acts zur verfügung steht.

bringen die tageszeitungen etwa konzertkritiken heimischer bands? - fehlanzeige.
sieht man unsere popkünstler auf den titelseiten der wochenmagazine? - niemals (ausgenommen falter).
ist die musikindustrie jemals ein thema für den wirtschaftsteil? - aber woher denn.

lasst uns also den leidigen amadeus endlich entsorgen. nur: was bleibt dann noch?

christian schachinger
15.09.2009 09:19

diese behauptung stimmt schlicht und einfach nicht.
der standard berichtet regelmäßig über heimische bands und auch über die wirtschaftlichen aspekte.

Ich bin unschuldig, aber nicht ganz.
18.09.2009 03:14
HIER SIND NICHT abfällige Verrisse gemeint ...

Legibus solutus
15.09.2009 13:24

na wenn das so ist, dann sehen wir uns doch hoffentlich am 29.9. im cafe carina um den herzerwärmenden "neigungsgruppe sex, gewalt & gute laune" unsere referenz zu erweisen ... und am tag nach dem tag danach gibts dann eine erfreuliche rezension hier im standard zu lesen, ok ?!

Dumpstaphunk
14.09.2009 14:46

ich finde es auch erstaunlich, dass sich in den Österr. Printmedien rein gar nichts an Berichten über die lokale live-musik Szene finden lässt - vor allem vom Falter würde ich mir da schon mehr erwarten.
Tatsächlich sind einige international wirklich erfolgreiche Musiker (z.B. Raphael Wressnig, Meena Cryle) hierzulande, außer einer kleinen Gruppe an Interessierten völlig unbekannt.
Den Amadeus fand ich trotzdem entsetzlich - vor allem die Moderation hat bei mir fast körperliche Übelkeit ausgelöst.
Österreichische Musik ins Radio - jetzt!

da UE
14.09.2009 11:23

sehr leiwaund und treffend ... mit dem zurn von ana wochn quase in de tastatur ghaut oda?

presonic
13.09.2009 21:36
herr schachinger,

danke für den lacher!

The Jolly Roger_buccaneers choice
13.09.2009 18:37

inhaltlich - herr schachinger - bin ich ganz mit ihnen und ihrem artikel; stilistisch ist das jedoch eine ziemliche zumutung

elizabeth
13.09.2009 13:49
schach...

zum abbusseln!

postmaster
13.09.2009 10:27
der link geht auf den falschen fuchs

und zwar auf den fußballer, der weder mit fm4 noch mit irgendwelchen trendtänzen allzu viel am schuh haben wird, nehme ich zumindest an. und das muss - noch dazu unter engagierten kollegen - nun ja wirklich nicht sein: http://www.sra.at/archiv/li... io-cf.html

christian schachinger
13.09.2009 12:22

sorry, aber der link ist nicht von mir. ich kenne den christian fuchs ohne fußball, aber mit mikrofon ganz gut, ich habe mit ihm einige jahre in einer band gespielt.

Ich bin unschuldig, aber nicht ganz.
18.09.2009 03:16
"ich habe mit ihm einige jahre in einer [erfolglosen] band gespielt."

bitte bei der ganzen Qualitätswahrheit bleiben.

Hans Fuchs1
13.09.2009 14:21

Danke für den sehr amüsanten artikel :o

endlich einmal ein journalist, der nicht alles schönschreibt!

chapeau

cHL
13.09.2009 00:17

Jaja, und fußballspielen könn ma auch nicht ...


deadsoil
12.09.2009 23:13
die einzige gscheite band

des abends waren "the sorrow". endlich eine band, die diesen ganzen austro- pop, hiphop, möchtegern alternativ, deutschpop, fm4 ich bin so anders schrott, vergessen ließ. wenigstens eine kleine würdigung für eine band, die stellvertretend für viele bands des harten genres steht, die keinerlei airplay erhält, weder im gebühren hit schrott sender, auch nicht im freien radio und meines wissens nicht einmal in der wöchentlichen stunde im house of pain auf fm4 gespielt wird. gratulation der einzigen band des abend unter den nominierten, die diesen alibiaustrogrammy wirklich verdient haben.

Sono Rasila
12.09.2009 20:36
you made my day

daungschen schachinger

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