Wenn Mobiltelefone an Tankstellen explodieren...

26. März 2003, 13:12
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handelt es sich um eine "Urban Legend" - seit drei Jahren sorgen erfundene E-Mail-Warnungen für Verwirrung

Ein Indonesier erlitt 1999 schwerste Verbrennungen im Gesicht als sein Mobiltelefon an einer Tankstelle Feuer fing. Im gleichen Jahr explodierte ein Australier, da sein Handy in der Nähe einer Tankstelle zu läuten begann - diese Meldungen kursieren seit Jahren als E-Mails im Internet und sorgen für Verwirrung. Doch wie nicht anders zu erwarten war, handelt es sich dabei nur um weitere "Urban Legends".

Unternehmen beruhigen

Auch eine angebliche E-Mail des Ölkonzerns Shell, in dem vor der Verwendung von Mobiltelefonen an Tankstellen gewarnt wird, ist eine Fälschung, so Snopes.com, eine Webseite, die sich auf da Sammeln so genannter "Urban Legends" spezialisiert hat. Laut dieser angeblichen Shell-Mail würde ein läutendes Telefon genug Energie produzieren um eine Entzündung der Benzindämpfe auszulösen. Doch sowohl Telekommunikations- wie auch Öl-Konzerne beruhigen und versuchen seit Jahren gegen die E-Mail-Lawine anzukämpfen, doch bislang nur mit bescheidenem Erfolg.

Die Quelle ist unbekannt

Branchenvertreter zeigen sich in einem Artikel von Wired überrascht von der Wirkung der E-Mail und der nun mehr schon einige Jahre andauernden Zirkulation selbiger. Der Urheber der E-Mail ist, ebenso wie seine Beweggründe diese Nachricht zu schreiben und zu verbreiten, unbekannt. Laut Angaben von Sprechern diverser amerikanischer Öl-Gesellschaften gibt es keinerlei Indizien und Beweise für eine mögliche Gefahrenquelle von Handys an Tankstellen.

Nicht aussteigen

Robert Renkes, Sprecher des Petroleum Equipment Institute, hat in der Vergangenheit sämtliche Tankstellen-Feuer in den USA dokumentiert und untersucht und kommt zu der Erkenntnis, dass es keinerlei Hinweise auf ein Mobiltelefon als Auslöser einer Explosion gibt. Problematisch sei allerdings die elektrische Statik - allerdings gibt es auch hier keine Indizien für eine zusätzliche Gefährdung durch Handys. Eine Gefahrenquelle sind da schon eher die Autofahrer, die während des Tankvorgangs wieder in ihr Auto steigen und beim Aussteigen eine elektrostatische Entladung und damit einen Funken erzeugen.

Wahr oder erfunden

Die Tatsache, dass die E-Mail für Verwirrung unter den Mobiltelefonierern gesorgt hat und sich noch immer weiterverbreitet, dürfte aber nicht ganz ohne das Zutun der Industrie erfolgt sein. Immerhin haben namhafte Handy-Hersteller - wie etwa Ericsson, Nokia und Motorola - in ihren Benutzerhandbüchern Warnungen integriert wie - "Drehen Sie ihr Mobiltelefon ab, wenn Sie sich in einem Gebiet mit potentieller Explosionsgefahr befinden. Es ist zwar selten, aber ihr Mobiltelefon oder Zubehör können Funken erzeugen". In den USA haben Tankstellen der Firma Exxon mittlerweile Aufkleber, die vor dem Gebrauch vor Mobiltelefonen an der Tankstelle warnen. Allerdings so ein Sprecher von Nokia würden diese Warnungen nur deshalb im Handbuch zu finden sein, da das britische Recht dies bei allen batteriebetriebenen Geräten fordert - in England müssen auch Walkmen und Garagenöffner entsprechende Warnhinwiese tragen.

Doch keine Gefahr

"Die Annahme, dass eine Batterie in einem Mobiltelefon, Benzin entzünden kann, ist sehr verwegen, da Mobiltelefonbatterien dieselbe Spannung wie eine Autobatterie haben aber wesentlich weniger Strom erzeugen", so die Erklärung bei Snoopes.com. (grex)

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