Rot ist backbord, und steuerbord ist grün!

Was bis jetzt geschah: Zurück aus Wien, nahmen Sven und Richard den Zille-Expreß nach Hause. Das Versöhnungswerk scheint getan. Aber wo ist Hamburg-Heiner?

Donnerstag, 10.9., 15.10 Uhr, Berlin

Herr Pappik und ich saßen gerade im Prater-Biergarten und dachten darüber nach, ob wir später noch in die Vienna-Bar gehen sollten, als Hamburg-Heiner endlich anrief.

Sven: Hamburg, wo warst du?
HH: Seid ihr eigentlich wahnsinnig?
Sven: Wieso?
HH: Oder soll ich sagen: Bist deppat? Ist es schon so weit?
Sven: Was soll das denn jetzt? Und wieso hast du nicht angerufen, wie soll ich diesen Schwachsinnsblog weiterführen, wenn du nicht anrufst? Ich glaub sowieso, ich brech den jetzt ab. Die Sache mit dem ß ist prima gelaufen, Österreich ist versöhnt und wie das Leben eines Rockmusikers im Vorfeld einer Veröffentlichung verläuft, das interessiert doch sowieso...
HH: Sven! Halt mal kurz die Luft an. Ich frag doch nicht, ob ihr wahnsinnig seid, weil du Kongreß mit ß am Ende schreibst. Oder Haß. Oder Uli Hoeneß.
Sven: Natürlich nicht.
HH: Ich sag dir, wo ich war und warum ich dich nicht anrufen konnte: Im auswärtigen Amt war ich, und nicht freiwillig, und nicht oben beim Frank-Walter, sondern unten, im Keller, beim Krisenstab, wo die Handys nicht gehen, und ich sag dir mal, was die mir gesagt haben: Sagen Sie Ihrem Hobby-Gorbatschow, daß er seine unegalen Finger aus der deutsch-österreichischen Frittatensuppe nehmen soll, das haben die gesagt.
Sven: Wieso das denn?
HH: Weil du denen die ganze schöne jahrelange Arbeit zunichte machst. Jetzt kriegen die die ganzen Presseanfragen und diplomatischen Noten wegen Schleswig-Holstein und Sachsen und müssen alles dementieren und nur, weil du die Pappen nicht halten kannst!
Sven: Kein Problem, ich wollte sowieso mit dem Blog aufhören, mir doch egal, Schluß, aus, oder vielleicht sogar: Schluß, auß!
HH: Nix! Gerade jetzt mußt du weitermachen, das sagen die vom AA auch, wenn er jetzt nicht weitermacht, fliegt uns der ganze Laden um die Ohren, dann wollen die Bayern und die Hessen auch noch rübermachen, die sind doch so trendbewußt, und am Ende, haben die gesagt, geht auch noch das Saarland an die Franzosen flöten und dann gute Nacht, Herr Strudl.
Sven: Das mit den Franzosen wäre ja nicht so schlimm, dann wären die Saarländer wenigstens noch in der Nato.
HH: Schluß jetzt. Schluß mit dem ganzen Versöhnungsschmäh, kein Königgrätz, keine Geopolitik mehr, keine harten Fakten, nur noch weiche Ziele ab jetzt!
Sven: Aber das mit Schleswig-Holstein, das war doch dein Idee!
HH: Schon, aber das wissen die ja im Auswärtigen Amt nicht.
Sven: Aber was soll ich denn sonst machen? Kochrezepte aufschreiben?
HH: Zum Beispiel. Du sollst was für dein Land tun, haben sie gesagt. Sagen Sie ihm, haben sie gesagt, daß er was für sein Land tun soll. Also ab jetzt: Tourismus. Du bist doch sowieso ab jetzt immer unterwegs, oder was?
Sven: Schon, aber...
HH: Nix! Jetzt tust du mal was für dein Land, Sven. Österreich ist des Deutschen liebstes Urlaubsland. Du sollst nicht ruhen, bevor nicht auch Deutschland das liebste Urlaubsland der Österreicher ist.
Sven: Aber wie soll ich denn...
HH: Die denken da unten doch, daß wir hier alle mit Pickelhaube rumlaufen und aushecken, wie wir ihnen das Burgenland wegnehmen können, bloß weil wir mehr Weiß- als Rotwein haben.
Sven: Ja nun, das stimmt ja auch. Aber gegen das österreichische Bundesheer haben wir natürlich keine Chance, das ist ein bißchen wie mit China und Taiwan.
HH: Ja, aber das soll jetzt mal nicht mehr dein Thema sein. Hast du die Kommentare zu deinem Blog gelesen?
Sven: Waren die schlimm?
HH: Natürlich. Die Leute sind anspruchsvoll, wenn sie was umsonst kriegen!
Sven: O weih! So schlimm?
HH: Ich kann dir sagen, ich bin froh, daß du da heil rausgekommen bist. Du bist doch rausgekommen, oder?
Sven: Ja, ich bin jetzt zwar im Prater, aber in Berlin. Also in Sicherheit.
HH: Okay, also die wollen, daß du den Österreichern dein Land erklärst.
Sven: Was jetzt, Deutschland?
HH: Hast du noch ein anderes?
Sven: Nein, natürlich nicht!
HH: Na also. Wo bist du in nächster Zeit unterwegs?
Sven: Hamburg, Bremen, Wuppertal, Köln, Saarbrücken, München...
HH: Das sind sechs Städte und 5 Bundesländer, das dürfte für den Anfang reichen.
Sven: Was soll man denn da schreiben?
HH: Alles. Sprache, Kultur, Weichbild, Geschichte, der ganze Scheiß. Aber bitte positiv. Nicht wie der Matthias Hartmann. Der könnte sich überhaupt vom Peymann mal eine Scheibe abschneiden.
Sven: Ja, der Peymann, den vermissen sie sehr in Wien, weil der immer so positiv war.
HH: Überall, den vermissen sie überall.
Sven: Wir schweifen ab. Tourismus, da hab ich keinen Bock drauf, Hamburg.
HH: Um Bock geht das nicht mehr. Hier ruft die Pflicht. Tu's für dein Land, Sven!

Und weg war er. Herr Pappik auch. Er kam aber zurück mit zwei Berliner Weiße mit Schuß, eine rot, eine grün.
"Zeit für ein bißchen Folklore", sagte er.
Was würde man ohne ihn machen?!

Lebensfreude pur: Der Prater-Biergarten in Berlin!

(Sven Regener, derStandard.at, 11.09.2009)

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