Mythos: "CSR ist keine Fleißaufgabe"

11. September 2009, 17:30
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    foto: lgb/ tanzer

Das Ludwig-Boltzmann-Institut für Menschenrechte bringt im April 2010 ein (Online-)Handbuch zur Corporate Social Responsibility (CSR) heraus

Von Freiwilligkeit kann in Sachen Corporate Social Responsibility (CSR) keine Rede sein - sicher nicht, wenn es um Menschenrechte und um Arbeitsrecht geht, sagt Manfred Nowak, Ko-Direktor des Ludwig-Boltzmann-Instituts für Menschenrechte. Gemeinsam mit seinem Team, dem „Team Nowak", wie es an der Türglocke des Instituts steht, arbeitet er an einem CSR-Handbuch, das den Anspruch erhebt, für in der Europäischen Union angesiedelte Unternehmen eine Art "roter Faden" im CSR-Tool-Dschungel zu werden. 

Im Fall der Menschenrechte gibt es klare Inhalte, klare Richtlinien für Bereiche wie Mindestlohn, Arbeitsrecht oder Gleichbehandlungsrecht, so Nowak. Der Mythos von CSR als Fleißaufgabe sei aber noch stark verbreitet. 

Für den Labour Rights Responsibilities Guide (LARRGE) wurden zunächst CSR-Tools identifiziert und auf Umsetzung internationaler Standards im Bereich Menschenrechte und internationale Arbeitsrechte analysiert, sagt Barbara Linder, wissenschaftliche Mitarbeiterin. Fragen zum Verantwortungsbereich und der Einflusssphäre eines Unternehmens in einem bestimmten Land oder die Adaptierbarkeit eines Tools seien zentral, so Linder. 

Erfahrungsberichte erwünscht

Für die Arbeit am Guide werde zudem auf die Praktikabilität der Tools fokussiert. Dafür möchte man noch praktische Erfahrungen von Unternehmen und Organisationen einholen (siehe Link unten), sagt sie. Aus internationalen wie nationalen Initiativen wolle man einen repräsentativen Querschnitt erarbeiten, so Linder weiter. Ein schwieriges Unterfangen auf dem heterogenen Terrain einer europäischen Landkarte.

Es gebe allerdings einen Trend in Richtung Harmonisierung, vor allem von Unternehmen innerhalb eines Sektors, sagt Linder. Beobachtbar sei nämlich, ergänzt Teamleiterin Karin Lukas, dass Unternehmen verschiedener Länder sich zusammentun, und sektorelle Plattformen für den gegenseitigen Erfahrungsaustausch bilden. 

Nicht zuletzt soll sich der LARRGE Guide auch an kleine und mittlere Unternehmen (KMUs) richten, sagt Astrid Steinkellner, wissenschaftliche Mitarbeiterin. „Es gibt viele sehr gute Tools im CSR-Bereich, die für KMUs zu komplex sind", sagt sie. Schneller fassbare und einfacher handhabbare Lösungen sollen Einstieg in und Umsetzung von CSR-Tools vereinfachen. In der Online-Version des Guides soll mittels Kriterien - etwa Sektor, Größe, Aktivität - rasch eine Reihe passender Möglichkeiten gefunden werden können. Aber selbst die besten generellen Tools, ergänzt Nowak, können die individuelle Beratung von Firmen nicht ersetzen.

Unternehmen aller Größen und Sparten, NGOs und zivilrechtliche Organisationen sind aufgefordert, ihre Erfahrungen mit CSR-Tools einzubringen. Fragebögen stehen auf der Projektwebsite bereit: www.larrge.eu/en/survey.html (Heidi Aichinger, DER STANDARD, Printausgabe, 12./13.9.2009)

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