Initiative stellte zwei eckige rote Klammern als Mahnmal für Wehrmachtsdeserteure auf
Denkmäler gehören den HeldInnen, Mahnmäler den Opfern. Da jene Männer und Frauen, die während der NS-Zeit vors Militärgericht geschleppt, gefoltert, verurteilt, eingesperrt oder sogar hingerichtet wurden, sehr lange nicht einnmal als Opfer, bis heute aber nicht als HeldInnen anerkannt worden sind, setzte eine Handvoll engagierter WienerInnen ihnen selbst ein Denkmal: Freitagmorgen enthüllten sie am Wiener Heldenplatz ein "Deserteursdenkmal".
Fehlendes Gedenken
Zwei rote, eckige Klammern wurden vor der Erzherzog Karl-Reiterstatue aufgestellt. Die Botschaft ist so klar wie vieldeutig: Die Klammern selbst symbolisieren den Gedenkprozess an sich, der in Österreich in Form der Kriegs-Heldendenkmäler in jedem noch so kleinen Dorf ritualisiert ist. Die Leerstelle zwischen den Klammern symbolisiert das Nicht-Gedenken jener, die sich dem Wehrdienst entzogen oder andere dabei unterstützten.
"Das ist die österreichische Geschichtsschreibung, wie wir sie kennen", kritisierte auch am Freitag der Wiener grüne Gemeinderat David Ellensohn, der zur Unterstützung der Aktion der Denkmal-Initiative namens "AK Denkmalpflege" gekommen war.
Fehlende Rehabilitation
So steht die Leerstelle zwischen den Klammern auch für das Fehlen einer umfassenden Rehabilitation der DeserteurInnen und "KriegsverräterInnen". Von OpfervertreterInnen und den Grünen wird ein solches Gesetz seit langem gefordert.
Das Klammern-Denkmal sei nur als "temporäre Kunstinstallation" gedacht, so die InitiatorInnen. Nach einer Stunde wurde es angesichts der Aufbauarbeiten fürs ÖVP-"Erntedankfest" wieder entfernt. Was nun damit geschehen soll, ist ungewiss. Man denke aber an ein jährliches Event dieser Art – "so lange, bis ein offizielles Denkmal gesetzt wird". (mas, derStandard.at, 11.9.2009)