"Deserteurs-Denkmal" auf dem Heldenplatz enthüllt

11. September 2009, 13:00
  • Artikelbild

Initiative stellte zwei eckige rote Klammern als Mahnmal für Wehrmachtsdeserteure auf

Denkmäler gehören den HeldInnen, Mahnmäler den Opfern. Da jene Männer und Frauen, die während der NS-Zeit vors Militärgericht geschleppt, gefoltert, verurteilt, eingesperrt oder sogar hingerichtet wurden, sehr lange nicht einnmal als Opfer, bis heute aber nicht als HeldInnen anerkannt worden sind, setzte eine Handvoll engagierter WienerInnen ihnen selbst ein Denkmal: Freitagmorgen enthüllten sie am Wiener Heldenplatz ein "Deserteursdenkmal". 

Fehlendes Gedenken

Zwei rote, eckige Klammern wurden vor der Erzherzog Karl-Reiterstatue aufgestellt. Die Botschaft ist so klar wie vieldeutig: Die Klammern selbst symbolisieren den Gedenkprozess an sich, der in Österreich in Form der Kriegs-Heldendenkmäler in jedem noch so kleinen Dorf ritualisiert ist. Die Leerstelle zwischen den Klammern symbolisiert das Nicht-Gedenken jener, die sich dem Wehrdienst entzogen oder andere dabei unterstützten.

"Das ist die österreichische Geschichtsschreibung, wie wir sie kennen", kritisierte auch am Freitag der Wiener grüne Gemeinderat David Ellensohn, der zur Unterstützung der Aktion der Denkmal-Initiative namens "AK Denkmalpflege" gekommen war. 

Fehlende Rehabilitation

So steht die Leerstelle zwischen den Klammern auch für das Fehlen einer umfassenden Rehabilitation der DeserteurInnen und "KriegsverräterInnen". Von OpfervertreterInnen und den Grünen wird ein solches Gesetz seit langem gefordert.

Das Klammern-Denkmal sei nur als "temporäre Kunstinstallation" gedacht, so die InitiatorInnen. Nach einer Stunde wurde es angesichts der Aufbauarbeiten fürs ÖVP-"Erntedankfest" wieder entfernt. Was nun damit geschehen soll, ist ungewiss. Man denke aber an ein jährliches Event dieser Art – "so lange, bis ein offizielles Denkmal gesetzt wird". (mas, derStandard.at, 11.9.2009)

Kommentar posten
Posting 1 bis 25 von 214
1 2 3 4 5
Karl Kraus
 
00
11.12.2009, 12:05
idee ist gut...

die umsetzung wie oft geschmackssache. nichts gegen zeitgenössische kunst aber im groben erkennbar sollte die verbindung mit dem inhalt schon sein und was sollen zwei klammern aussagen? tja

Fmax
00
22.9.2009, 13:58

Sind dem Künstler da zwei Kanalrohre vom Hausbau übrig geblieben? Künstlerisches Recycling, quasi.

just my two cent
00
16.9.2009, 13:31

100 Jahre Büroklammer in Österreich

Lord Schaumloeffel
00
14.9.2009, 15:33
abgesehen vom heiklen thema deserteure...

... das ding sieht aus wie eine skulptur zum andenken an die entdeckung des lichtbogens.

mkt
01
13.9.2009, 14:38
"Die Botschaft ist so klar wie vieldeutig"

Das bezweifle ich.

Blau sein heißt sich lächerlich zu machen!
36
13.9.2009, 11:48
Diese Menschen, die Desserteure waren...

die Mutigsten die es gegeben hatte im 2. Weltkrieg!
Erstens weil man auch an die Front hätte gehen und in die Luft schießen, so wie es viele getan haben und zweitens weil sie ja auf der Flucht kaum Chancen zum Überleben hatten!
Aber Ihre Meinung haben sie vertreten, sich nicht von einem Hitler, der ein Nichts und sicher kein normaler Mensch war, als Mörder an unschuldige Menschen anstiften zu lassen, für einen sinnlosen und durch falsche Tatsachen angezettelten Krieg!
Aber falsche Tatsachen werden ja auch heute noch gerne verbreitet!

sommerwind
14
14.9.2009, 12:14

Sie verwechseln Deserteure mit Kriegsdienstverweigerern wie zB Franz Jägerstätter.

Deserteure sind Soldaten, die sich von der Truppe entfernten. Darunter mag es bestimmt Leute mit heldenhaften Motiven gegeben haben - aber gegen Ende des Krieges bestimmt auch zB viele Feiglinge mit NSDAP-Parteibuch.

Jeden Deserteur pauschal zu einem Widerstandskämpfer oder Helden zu stilisieren wird der Sache sicher nicht gerecht.

dr toolittle
01
16.9.2009, 10:11
stimmt!

und gerade deswegen (wegen der auseinandersetzung mit den unterschieden, die sie aufzählen) wäre eine auseinandersetzung mit dem thema notwendig. also nichts mit "vergeben und vergessen" sondern mit erst einmal mit dem anfangen beginnen.

ceiberweiber.at
21
13.9.2009, 12:45
Das waren sie

auch wenn das viele vergessen haben...

erich loewy
 
43
13.9.2009, 04:42
Denken anstatt Denkmäler bauen

Wir haben zu viele Denkmäler & zu wenig Denken. Die Holocaust Denkmäler fürchte ich bewirken das Gegenteil daß sie sollten. Was wir, hoffe ich, wollen ist daß wir niemals wieder den braunen Sumpf zu lassen. Aber leider haben die Denkmäler nicht viel Gutes gebracht. Ausländer oder Andersdenkende werden weiterhin beschimpft, werden wenn es irgendwie geht abgeschoben & manchmal umgebracht. Wir sind auf unsere Toleranz & Hilfsbereitschaft stolz, den selben Leuten die wir heraus geschmissen haben kriegen ein Denkmal. Es errinert an die Freiheitsstatue: "give us your tired & your poor, your huddled masses yearning to be free" & dann baut man Grenzzeune.

Dr. E. Loewy
Prof & F'dg Chair, Bioeth (emeritus)
U of CA, Davis
ehloewy@ucdavis.edu

Jene Grüne Straßenkatze
11
13.9.2009, 15:32
...

In der Tat, vielen Dank!

Denkmäler sind ideal, um das Gewissen zu beruhigen; sie sind ein scheinbar manifester Beweis für Engagement: "Seht her, wie wir gelernt haben!".

Im Prinzip erinnern sie mich aber eher an die Beichte in der Kirche: Gewissensberuhigung, um dann unreflektiert weiterzumachen wie bisher.

heiliger strohsack!
13
12.9.2009, 23:21
Wenn der Heldenplatz schon diesen fragwürdigen Namen beibehalten soll, warum nicht

Namenstafeln mit allen Personen, die vom NS-Regime als politisch rassistischen Gründen vernichtet wurden?

Nachsatz:
Zu befürchten wäre höchstens, dass er bei Umsetzung dieses Gedankens mangels Platz gar nicht mehr betreten werden könnte.

Anyuser
 
4113
12.9.2009, 16:04
Wann kommt das Denkmal für Falschparker und Steuerhinterzieher?

Blau sein heißt sich lächerlich zu machen!
11
13.9.2009, 12:00
Talksalon-Poster????

heiliger strohsack!
414
12.9.2009, 23:29
Ich bin nicht ihrer Meinung. Ich sende Ihnen auch kein rotes Stricherl.

Denn das würde Sie überbewerten.
Aber ich bin sehr dafür, dass sich Menschen wie Sie auch äußern können.
Dass ich Ihre Ansichten stets aufs Heftigste bekämpfen werde, versteht sich aber von selbst.
Ganz im Sinne Voltaires.

ceiberweiber.at
21
13.9.2009, 09:42
Im sinne voltaires

ja, so gesehen haben sie recht. wäre schlimmer, auch solche meinungen zu unterdrücken, das würde sie erst recht bestärken, es wäre auch unangenehm, dass die gesellschaft dann nicht weiss, wie verbreitet sie sind, eben auch nicht die auseinandersetzung mit ihnen führen kann. halt bezeichnend, sind immer wieder gewisse themen, offenbar lernen da manche nichts dazu. dabei sollte es einfacher sein, weil der abstand zu den ereignissen größer geworden ist. es sind auch immer weniger großeltern und andere familienmitglieder am leben - hier fällt daher ein element weg, es ist ja dann schwerer, die vergangenheit kritisch zu sehen, solange wer betroffen ist. aber manche lernen eben auch dann nicht.

Erwin Brandstetter
21
13.9.2009, 00:42
So hat Voltaire das nicht gemeint.

Ein Widerling setzt seine Notdurft in ein öffentliches Forum. Sie vergeben kein Rot, weil sie ihn nicht überbewerten wollen? Indem Sie die Wortpisse allerdings zu "Meinung" oder "Ansicht" erheben, tun Sie, was Sie doch nicht wollten.

der tueftler
614
12.9.2009, 22:06
ich spreche ihnen...

...meine tief empfundene verachtung aus!

Placebo
 
28
12.9.2009, 20:12
Denk mal!

ceiberweiber.at
41
12.9.2009, 22:30
Der verein...

hat ja auch einen passenden namen....leider haben sie die aktionen heute gemacht, wo das denkmal gleich wieder weggeräumt wird....es ist schade, man hat es aber wohl aufgehoben und nicht weggeschmissen? oder ist vorstellbar, dass es beim aufbau für dieses fest einfach entsorgt wird? gerade das sähe ungut aus, eben nach wegräumen einer unangenehmen erinnerung....nicht so gut bei diesem lange verdrängten thema....

Grusoleum
11
13.9.2009, 00:59

der namen ihres vereines ist noch passender

Shadow
76
12.9.2009, 15:34
Opfer oder Helden? Vielleicht auch keins von beiden.

Warum sind alle Deserteure automatisch Helden? Ehrlich, ich als Pazifist verstehs nicht. Widerstandskämpfer waren es, auch einige im Militär, der bekannteste wohl Staufenberg. Aber desertieren im Angesicht eines übermächtigen Feindes? Selbst wenn man für ein Unrechtsregime marschiert ist. Wieso ist man dann überhaupt mitmarschiert? Man kann mitmarschieren aber dann nicht glauben besser zu sein. Jägerstätter ist zum Schaffot gegangen. Militärs haben verfolgte gerettet. Das waren Helden.

Und sind die Deserteure anderer Armeen auch Helden(gewesen)? ZB jetzt Leute die nicht in den Irak/nach Afghanistan wollen?

Ausserdem, wenn man schon denkt es wären Helden, wieso kein permanentes Denkmal (bei dem man sich auch Mühe gibt)...

friedrich wilhelm voigt
10
15.9.2009, 22:01

jeder mensch, der unfreiwillig in den krieg ziehen muß, ist allein aufgrund dieser tatsache allein schon mal ein opfer. wer dann aufgrund der drohenden gefahr wegläuft (was ich auch machen würde, wenn mir dadurch das risiko geringer erscheint), ist kein held, aber ein opfer auf jeden fall. weil wie kommt man dazu, sich zwischen lebensgefahr und strafe entscheiden zu müssen?

schmeiser
50
13.9.2009, 07:53
stell dir vor, es ist krieg, und keiner geht hin.

dazu bedarf es größeren mut, als dazu, sich einziehen zu lassen.
und diejenigen, die freudig in die schlacht ziehen, gehören ohnedies angezeigt.

m akpoko
00
22.9.2009, 17:53

Du koenntest das Zitat durchaus vervollstaendigen:

"Stell Dir vor, es ist Krieg und keiner geht hin - dann kommt der Krieg zu Euch! Wer zu Hause bleibt, wenn der Kampf beginnt, und läßt andere kämpfen für seine Sache, der muß sich vorsehen: Denn wer den Kampf nicht geteilt hat, der wird teilen die Niederlage. Nicht einmal Kampf vermeidet, wer den Kampf vermeiden will, denn er wird kämpfen für die Sache des Feindes, wer für seine eigene Sache nicht gekämpft hat."

Kommentar posten
Posting 1 bis 25 von 214
1 2 3 4 5

Die Kommentare von Usern und Userinnen geben nicht notwendigerweise die Meinung der Redaktion wieder. Die Redaktion behält sich vor, Kommentare, welche straf- oder zivilrechtliche Normen verletzen, den guten Sitten widersprechen oder sonst dem Ansehen des Mediums zuwiderlaufen (siehe ausführliche Forenregeln), zu entfernen. Der/Die Benutzer/in kann diesfalls keine Ansprüche stellen. Weiters behält sich die derStandard.at GmbH vor, Schadenersatzansprüche geltend zu machen und strafrechtlich relevante Tatbestände zur Anzeige zu bringen.