Europaweit

Magna will bei Opel 10.500 Jobs streichen

13. September 2009, 17:52

Neben Produktions- entfallen auch Verwaltungsstellen, Debatte im EU-Parlament bereits am Montag

Berlin - Bei Opel werden nach der Übernahme durch Magna mehr Menschen ihren Arbeitsplatz verlieren als bisher bekannt. Neben 3000 Stellen in der Produktion sollen auch 1500 Verwaltungsjobs gestrichen werden. Der deutsche Bundeswirtschafsminister Karl-Theodor zu Guttenberg sagte am Wochenende, das sei allen Beteiligten vorher klar gewesen. Der Opel-Betriebsrat forderte als Gegenleistung für den Stellenverlust mehr Mitbestimmung. Der von der Politik eingefädelte Verkauf sorgt in der EU für Unmut.

"Insgesamt fallen 10.500 Stellen weg, davon etwa 4500 in Deutschland", zitierte die Frankfurter Allgemeine Sonntagszeitung einen Magna-Sprecher. Das Unternehmen wollte sich am Sonntag nicht weiter zu dieser Aussage äußern. Allerdings kündigte Magna für heute, Montag, in Frankfurt eine Pressekonferenz zusammen mit der russischen Sberbank an, auf der Details zu Opel zu erwarten sind. Opel beschäftigt an den vier deutschen Standorten mehr als 25.000 Mitarbeiter.

Nach monatelangem Poker hatte der österreichisch-kanadische Autozulieferer Magna gemeinsam mit der Sberbank von der früheren Opel-Mutter General Motors den Zuschlag für 55 Prozent an Opel bekommen. Verträge sind aber noch nicht geschlossen.

Magna müsse nun seine Seriosität unter Beweis stellen, forderte IG-Metall-Chef Berthold. "Wir erwarten von Magna die Einhaltung der gemachten Zusagen. Das gilt vor allem für die Zahl der Arbeitsplätze und den Erhalt der Standorte", sagte er der Bild am Sonntag. Der Bochumer Opel-Betriebsratschef Rainer Einenkel meinte in der Welt am Sonntag, die Belegschaft sei bereit, einen Sanierungsbeitrag von 1,2 bis 1,6 Mrd. Euro in den nächsten fünf Jahren zu erbringen. Das Geld solle über Lohneinbußen oder Stellenabbau aufgebracht werden. "Dafür verlangen wir ein Vetorecht bei Themen wie Stellenabbau, Verlagerungen von Produktion oder Werkschließungen."

Unmut in anderen EU-Staaten

In anderen EU-Ländern mit Opel-Standorten wie Belgien, Polen oder Großbritannien herrscht indessen großer Unmut über das Vorgehen der deutschen Regierung. Laut Spiegel erwögen diese Länder bei der EU-Kommission Beschwerden gegen die deutschen Beihilfen. Diese überschritten mit 4,5 Milliarden Euro die zulässige Größenordnung, da als Obergrenze für gewöhnlich die Lohnsumme gelte, die bei Opel aber geringer ausfalle. Zudem habe die EU-Kommission festgestellt, dass das Werk in Antwerpen, das geschlossen werden soll, wirtschaftlicher sei als das in Bochum, das erhalten bleiben soll. Eine solche betriebswirtschaftlich unsinnige Entscheidung sei aber nach EU-Recht untersagt, wenn der Staat mit Bürgschaften eingreife.

Nach Auffassung des Auto-Experten Ferdinand Dudenhöffer ist Opel wettbewerbsfähig. Er widersprach damit Opel-Treuhand-Vertreter und Ex-Conti-Chef Manfred Wennemer. Mit dem Insignia zeige Opel die Fähigkeit, sehr wettbewerbsfähige Fahrzeuge zu bauen.

Das Europäische Parlament will am Montag über den Verkauf debattieren. Liberalen-Fraktionschef Guy Verhofstadt sagte, es verstoße gegen EU-Recht, dass ein Staat Finanzhilfen gewähre gegen die Zusage, dass Fabriken in dem Land nicht geschlossen würden. Er habe Kommissionspräsident José Manuel Barroso aufgefordert sicherzustellen, dass durch die deutschen Hilfen GM-Werke in anderen EU-Ländern nicht benachteiligt würden.

Hessens Ministerpräsident Roland Koch sagte, das Magna-Konzept sei europatauglich. Er erwarte, dass ein Teil der 4,5 Mrd. Euro an Bürgschaften von anderen EU-Staaten übernommen würden. Österreich hat bereits deutlich gemacht, den Opel-Kauf durch Magna nicht mitsubventionieren zu wollen. Es gäbe aber die Möglichkeit für Magna, um Staatshaftungen für die Industrie anzusuchen. (Reuters, DER STANDARD, Printausgabe, 14.9.2009)

Kommentar posten
17 Postings
Gramurcki
03
13.9.2009, 01:28
Wenns gut geht

ist Strohsack der Mann des Jahres (inkl Bundesverdienstkreuz in Mithril) und noch reicher als er ohnehin schon ist...

... wenns schief geht, zahlens die Steuerzahler, oder deren Kinder, Enkel ...

lustreich
00
12.9.2009, 11:30
kapitalbedarf - russland - konkurrenz

das sind alles sachen, wo ich sage, hoffentlich geht es gut. allein russland ist immer ein großes fragezeichen. selbst medwedew bezichtigt sein land als korrupt, rückständisch und träge!

was, wenn die restrukturierungsmaßnahmen nicht greifen? dann könnte der ganze kapitalbedarf (zinsen) zum trojanischen pferd mutieren.

fraglichlich wie die konkurrenz reagiert? was ist dann mit graz und anderen produktionsstätten! weiters gibt es ein verkaufsverbot für opel in amerika und asien!!!!

mutig ist er, der stronach! Viel glück!!!

sir osis of liver
 
00
12.9.2009, 15:50

der strohsack ist nicht mutig - dafür werden wir alle noch zahlen.

NO : ID
 
00
11.9.2009, 16:27
Perestroika!

also dann ...
03
11.9.2009, 14:52
naja ... hier wird m a g n a...gerettet - nicht aber opel.

- negaitver cash flow 3,5 mrd
.... zuschüsse von 4,5 mrd + Ö ( ? )
... fin. bedarf für die kommd. jahre 5 mrd (!)
und
das geld regenet vom himmel ...

magan hofft wohl, dass wenn sie diesmal - um die deutschen wahlen zu retten... - einsrpingen, sie bei der nächsten forderung auch wieder mit staatsgeld zugeschüttet werden.

magna...
wirds nicht schaffen, da sie nun herstellen und nicht mehr zulieferer sind - d.h. VW + chrysler (fiat) werden verträge stornieren.
wo...da die strategie ist, wissen nur die zampanos...
von magan selbst ?!
oder auch nicht ...

Thomas Wetschnig
00
11.9.2009, 14:13
Nur eine technologische Revolution ............

.......... kann die weltweite KFZ-Industrie retten:

http://tinyurl.com/l26drz

ja aber
02
11.9.2009, 12:47
kein steuergeld fuer opel ...

bis sie wieder ihre patente haben. ansonst ist das ganze geld zum fenster hinausgeworfen. um die millionen kann man alle oesterreichischen opelarbeiter gut umschulen.

zittersepp
00
11.9.2009, 12:40
Wenn ich diese Sätze lese

"Opel hat schon lange keinen Profit mehr gemacht, und die Wirtschaft ist zurzeit auch nicht so blühend. Es wird für alle Beteiligten ein harter Weg werden"

"Magna ist ein harter, kantiger Arbeitgeber angelsächsischer Prägung.Die holen jetzt sofort die Motorsäge raus."

"Die Übernahme wird eine schwierige Operation für die Mitarbeiter und Lieferanten"

"Das ist alles kein Spaziergang, es handelt sich zur Zeit um ein krankes Unternehmen"

"Wenn man nach dem Kleingedruckten fragt, steht nichts fest bisher. Ich fürchte, das dicke Ende kommt nach der Wahl"

Alles Zitate von magna, Opel-Betriebsräten und Polithanseln

dann schwant mir Böses. Für die Arbeiter und die Steuerzahler in einigen Ländern.

nirf
00
11.9.2009, 11:53
1,2 Mrd. Euro an "sonstigem Mittelbedarf"

freudendamen für berlusconi?

manager gehälter bzw abfertigungen?

geld für einen neuen fc opel?

rechtsverdreher - ich habs gleich gesagt ich war es nicht!

....

Thomas Wetschnig
00
11.9.2009, 10:57
Seien wir ehrlich.

Die KFZ Märkte sind überall gesättigt. Für die meisten Menschen stellt das Auto längst kein Prestigesymbol mehr dar. Daher wird die KFZ Industire weltweit gesundschrumpfen müssen, es sei denn, es kommt eine grosse technologische Revolution.

Thomas Bayer
00
11.9.2009, 11:13
Diese einfache Erkenntnis wird sich in einigen Jahren

auch zu den Regierungen durchschlagen. Bis dahin werden noch etliche Mrd. Euros an Opel verschleudert.

Armando Fishone (oh baby balla balla)
13
11.9.2009, 11:12

Ich brauch bald ein neues Wagerl, mein alter Japaner rostet mir unterm Hintern weg. Bei den herrschenden Autopreisen muss man sich leider auf den Kopf greifen, da man um 15.000 Eier nur mehr Kleinwägen mit guter Ausstattung oder nackerte Autos in annehmbarer Größe bekommt. Rein subjektiv hab ich den Eindruck, dass sich die Autopreise in den letzten 10 Jahren verdoppelt haben.

Karl Krammer
01
11.9.2009, 16:05
vor 20 Jahren stand ein Subaru Justy

mit ATS 140.000 in der Liste, macht ca. 10.000 Euro. Dafür gab es 55 PS, 4 Räder und sonst fast nichts. Heute steht ein Dacia Sandero mit 75 PS und besserer Ausstattung (zB Airbag) für 8000 Euro zum Verkauf. Und ich bin sicher, daß der Dacia auch in Crashtests weit besser abschneidet und weniger verbraucht als der Subaru vor 20 Jahren. Das ist nur ein Einzelbeispiel, aber man braucht ja nur auf den KFZ-Bestand schauen: in den letzten 50 Jahren ist er laufend gestiegen, Autos werden also immer leistbarer. Nur wer jedes Ausstattungsmerkmal wie Navi oder Telefon geschenkt haben will, der glaubt, daß Autos teurer geworden sind.

wer wenn nicht er
00
11.9.2009, 15:20
Ganz im Gegenteil

Wenn Sie einen rostenden Japaner fahren haben Sie wohl seit gut 10 Jahren kein Auto mehr gekauft.

Wenn Sie die Ausstattung von damals wünschen, werden Sie auf Preise von damals finden (zB Dacia).

Die herkömmlichen Marken "flüchten" hingegen alle in das Hochpreissegment und machen den Billig-Osteuropäern und -Asiaten Platz.

Und wenn Sie einen Kleinen wollen können Sie sogar europäisch kaufen, zB Opel Corsa laut Liste ab 11.000, die lassen locker 10% nach, wenn Sie keine Spezialbestellung wünschen sondern den nehmen der beim Händler steht ist noch mehr drin.
Somit sind Sie ab 9.000 dabei, und für den Alten bekommen Sie auch noch mindestens 2.000 (selbst wenn er 20 Jahre alt ist und Sondermüll).

Billiger wars nie.

wodol
00
14.9.2009, 11:21
ganz genauso rechnen meine kunden auch

11000 minus 10% sind 9000. wegen der 900 euro soll doch der händler net so kleinlich sein. sind ja nur 900. hihi

Thomas Wetschnig
02
11.9.2009, 14:08
Servolenkung, ABS, Klimaanlage ..............

........ Zentralverriegelung mit Funkfernbedienung, elektische Fensterheber, elektrisch verstellbare Aussenspiegel und allen sonstigen Schnickschnack hatten in früheren Zeiten nur die ganz teuren Luxuslimousinen; heute dagegen ist jeder Kleinwagen damit ausgestattet. Dass es all das nicht umsonst gibt, muss wohl klar sein. Und wer mit dem spartanischen Komfort der 70er Jahre zufrieden ist, kann sich immer noch einen Logan kaufen. Einparken mit Muskelkraftlenkung ist gewöhungsbedürftig, aber bis in die späten 80er Jahre hatte ich gar nichts anderes.

just my two cent
00
11.9.2009, 15:12
doppelter Gewinn

da spart man sich auch gleich das Fitnessstudio mit ein

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