Kritische chinesische Autorin doch nach Frankfurt unterwegs

11. September 2009, 06:46

Flugticket war trotz doppelter Bestätigung storniert worden

Peking - Die kritische chinesische Autorin Dai Qing ist am Freitag trotz der Ausladung durch die Organisatoren zu einem Symposium im Vorfeld der Frankfurter Buchmesse geflogen. Vor ihrem Abflug aus Peking gab es allerdings neue Probleme, weil ihr Flugticket trotz doppelter Bestätigung am Vortag mit dem Reisebüro auf rätselhafte Weise storniert worden war. Die 68-Jährige kaufte sich allerdings spontan ein neues Ticket und konnte in letzter Minute doch einen Platz an Bord der Lufthansa-Maschine bekommen.

"Jetzt haben sie sich so viel Mühe gegeben, mich daran zu hindern, dass ich nach Frankfurt fliege", sagte Dai Qing telefonisch vom Flughafen der Deutschen Presse-Agentur dpa in Peking. "Was ich erlebt habe, gibt mir das Gefühl, das meine Rechte missbraucht worden sind." Zuvor hatte bereits die oberste Zensurbehörde, die Verwaltung für Presse und Publikationen (GAPP), versucht, die kritische Autorin an einer Teilnahme an dem China-Symposium im Vorfeld der Frankfurter Buchmesse zu hindern, wo China vom 14. bis 18. Oktober Ehrengast ist.

Ausladung auf Druck der chinesischen Regierung

Auf Druck der chinesischen Seite hatten die Organisatoren die prominente Aktivistin neben dem exilchinesischen Schriftsteller Bei Ling am Mittwoch ausgeladen. Die offiziellen chinesischen Teilnehmer hatten mit einem Boykott gedroht. Dai Qing und Bei Ling entschieden sich aber am Donnerstag, trotzdem nach Frankfurt zu reisen. Die Ausladung hatte auch innenpolitisch heftige Kritik ausgelöst, die Buchmesse unterwerfe sich chinesischer Zensur.

In welcher Form beide Autoren jetzt teilnehmen können, war unklar. Buchmessenchef Juergen Boos teilte am Donnerstag mit, Dai Qing komme nun wohl als "Besucherin" zu dem Symposium nach Frankfurt, ohne dass die ursprünglich geplante aktiven Teilnahme erwähnt wurde. Auch dem Exilchinesen und Verleger Bei Ling, der in Boston lebt, war nach eigenen Angaben nach Rücksprache mit Projektleiter Peter Ripken noch nicht klar, wie er sich an den Diskussionen beteiligen kann. (APA)

 

10 dag Meinungswurscht - dünn aufschneiden bitte!
 
00
11.9.2009, 13:01
Bin dann mal schnell wiegen ...

... auf die eine Waagschale leg ich die hehren Interessen chinesischer Dissidenten und Kämpfer für die Menschenrechte und ...

... auf die andere Waagschale kommen die wirtschaftlichen Interessen der deutschen Verlagsindustrie, Medienindustrie, politischen Gaukeleien usw...

... ups, jetzt schlägt sie aber ganz schön aus die Waage - und zwar in Richtung ... ;-)

chris hopeman
02
11.9.2009, 11:32
nicht unterkriegen lassen

Bravo, dass Regimekritiker trotzdem nach Frankfurt kommen um den heuchlerischen Politikern und Veranstaltern die Stirn zu bieten. Nur leider wird dies wahrscheinlich von den Bürgern nicht deutlich wahrgenommen und somit auch nicht deutlich genug honoriert werden. Ich wünschte, dass wenigstens die Frankfurter Bürger Rückgrat zeigen würden und z.B. Tibetfahnen hissen würden, mittlerweile ein bekanntes Synonym für Protest gegen das menschenrechtverachtende Regime in China. Eine Schande, wie deutsche Politiker und Veranstalter vor China kriechen und sich davon wirtschaftlich Vorteile erhoffen. Ergebnis, nicht Deutsche als Weltmarktführer der Solartechnik bauen das grösste Solarkraftwerk in China, sondern die USA. Dumm gelaufen.

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