Diese Invasion geht unter die Haut

10. September 2009, 18:58
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    foto: sony

    Gerät unversehens ins Visier unterschiedlichster Interessengruppen: Wikus van der Merve (Sharlto Copley) in "District 9".

Neill Blomkamps "District 9" macht aus gebrauchten Genreelementen ein originelles neues Stück Science-Fiction - mit Video

Wien - Kaum sitzen wir im Kino, schon sind wir mittendrin: "District 9" gibt von Beginn an ein rasantes Tempo und eine Atmosphäre der Getriebenheit vor. Auf visueller Ebene sorgen eine wendige Kamera und die entsprechende Montage dafür. Dramaturgisch heizt der Film die Spannung dadurch an, dass von verschiedenen Talking Heads rückblickend Expertisen zu Ereignissen abgegeben werden, deren Eintritt fürs Kinopublikum noch aussteht. Was wissen sie, das wir nicht wissen?

Am Beginn jener gigantischen Rückblende, die uns darüber allmählich aufklären wird, steht eine überraschende Beförderung: Der Büroangestellte, der zuerst in Manier der TV-Serie The Office eine etwas lächerliche Figur vor der Kamera eines Filmteams abgibt, wird zum Leiter einer Operation bestimmt, die ihn und seine Mitarbeiter direkt auf das Terrain führt, das dem Film seinen Titel gibt: Im District 9 hat man jene Gestrandeten aus dem Weltraum angesiedelt und eingezäunt, die vor zwanzig Jahren plötzlich in einem Raumschiff über der Stadt Johannesburg aufgetaucht waren: aufrecht gehende Lebewesen, deren Panzerung und Kopf an Schalentiere erinnern und die man deshalb abfällig als "prawns" bezeichnet.

Aus dem Ghetto Nummer neun, in dem sie aktuell hausen, will man sie nun entfernen. Wikus van der Merve (Sharlto Copley) hat die erfolgreiche Zustellung der Räumungsbescheide zu verantworten. Der hochgerüstete Begleitschutz kann zwar herkömmliche Attacken abwehren. Als Wikus jedoch einen eigentümlichen Behälter findet und in Folge eine Ladung schwarzer Flüssigkeit mitten ins Gesicht bekommt, hat das schnell Folgen ungeahnten Ausmaßes.

Spiel mit Vorhandenem

Der Film operiert auf allen Ebenen geschickt mit Vorhandenem - und er kann vielleicht auch deshalb auf eine große Heldenerzählung verzichten, weil er andere Identifikationsangebote macht: "District 9" hat sich Stilistiken von Doku-Formaten und Ballerspielen produktiv angeeignet. Und eben- so Versatzstücke dystopischer Science-Fiction vom Body Horror bis zu Alien-Invasions-Szenarien. Nicht zuletzt schimmern fortwährend Anspielungen auf die (gegenwärtige) äußere Realität durch: Nicht nur die allmähliche Ablöse staatlicher Institutionen durch Privatunternehmen (die Superpolizei namens "Multi-National United", MNU, für die Wikus tätig ist) oder jenes Phasenmodell schleichender Stigmatisierung, Segregation und gezielter Vernichtung der "Anderen", welches die menschliche Bevölkerung an den Außerirdischen durchexeziert, kommen einem recht bekannt vor.

Zugleich hat man schon länger keinen so buchstäblich rohen Zukunftsentwurf mehr gesehen: Man wird mehr mit Fleisch und Blut konfrontiert als mit High-Tech und blitzblanken Oberflächen. Und offenbar reicht dieses kluge Spiel mit Bezügen in einer eigenwilligen Neufassung völlig aus, um ein Publikum anzusprechen.

Der Film hat keinen Star auf der Besetzungsliste, einzig Produzent Peter Jackson hat seit "Herr der Ringe" einen vermarktbaren Namen. Trotzdem platzierte sich das Spielfilmdebüt des gebürtigen Südafrikaners Neill Blomkamp (und seiner Ko-Autorin Terri Tatchell) beim US-Start Mitte August an der Spitze der Box-Office-Charts. Bis dato hat die 30-Millionen-Dollar-Produktion weltweit bereits rund 118 Millionen eingespielt. (Isabella Reicher / DER STANDARD, Print-Ausgabe, 11.9.2009)

 

Kommentar posten
Posting 1 bis 25 von 106
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Kein Gutmensch
 
05
15.9.2009, 18:33
Einer der besten Sci-Fi-Filme in letzter Zeit

Ursprünglich erwartet ich mir gar nicht so viel von dem Film, obwohl die Vorschau relativ interessant zu sein schien.
Letztendlich war ich aber sehr positiv überrascht. Den Film kann man sogar als ein neues Genre bezeichnen - eine Mischung aus dem Film Cloverfield (wegen den Kameraeinstellungen), Action, sowie auch anspruchsvollen und dokumentativen Elementen, wodurch die Szene noch viel realer wirkt.
Humor ist im Film geschickt verpackt, sowie man auch Betroffenheit erfährt, wenn man sieht, wie die Menschen die Alien als minderwertigere Wesen betrachten und auch so behandeln. Die Effekte kommen auch als sehr realistisch zur Geltung, v.a. das große Raumschiff.

Kreuzquerer Quintenzirkel
00
22.9.2009, 11:45
ja, der war genial

Wünsche mir mehr Sci-Fi-Filme, die nicht von Hollywood produziert werden. Meistens ist nur die Idee gut, die ersten 30 Min. nett und der Rest nur langweilig. Aber der Film hatte von Anfang bis Ende eine Story, die gut war.

Und das offene Ende bietet ja genug Gelegenheit für eine Fortsetzung :-)

Kelborn
00
14.9.2009, 12:00
tolle Gesellschaftsparabel

Sehenswert, besonders im Subkontext!

ghandi2000
00
15.9.2009, 05:39

auf deeutsch?

Kein Gutmensch
 
00
15.9.2009, 18:34

Nur die Aliens =)

Dr.Shirota
04
13.9.2009, 14:24

Grandios-Film des Jahres!

Krtek
 
01
11.9.2009, 19:24
...nicht zu vergessen eine grossartige schauspielerische Leistung des Hauptprotagonisten

... ich jedenfalls habe mich totgelacht bei dem Film...

ghandi2000
00
15.9.2009, 05:41

ich fand die schauspieler garnicht sooo toll, der film war aber dennoch extrem genial

Francois23
 
00
9.10.2009, 13:27

muss dem zustimmen,...

van.der.stiege
00
11.9.2009, 17:26
also ich bin dabei....

... eingeschlafen :-/

livia anders
10
11.9.2009, 15:26
wackelkamera?

oh oh, ich les da in den postings von wackelkameras und vergleichen mit cloverfield etc. ... hab mich so auf film gefreut, aber mir wird bei diesem herumgewackle leider unglaublich schlecht, musst aus cloverfield raus, blair witch ging ohnehin gar nicht ...

können die, die den film schon gesehen haben, das bestätigen, geht es die ganze zeit so unruhig zu oder eh nur ab und an?

andreas lamers
 
00
16.9.2009, 16:36
habe den film gesehen

und es ist nicht so schlimm, klar wenn gelaufen wird oder die action richtig rund geht ist es wie wenn man mitten drinnen ist, man verliert schon mal fuer einige sec die orientierung (bei den nigerianer zb)

Kelborn
00
14.9.2009, 12:00

ist nicht so schlimm...

peter schmidt
 
10
13.9.2009, 18:03
es gibt eine herrliche szene bei "southpark"

wo die beiden schöpfer etwas sagen und plötzlich beginnt das bild zu wackeln.

die beiden brechen ab und fragen "was soll das?" daraufhin der kameramann "na ja wollte ein bisschen so MTV style machen ihr wisst schon".

kurzer kommentar "lass den scheiss halt einfach die kamera ruhig".

das hätte irgendwer bei clovervield und all den anderen filmen dieser art auch mal den leuten sagen sollen.

cloverfield im übrigen für mich heisser tipp auf einen der 10 schlechtesten filme den ich je sah.

ikarusianco
00
11.9.2009, 16:31

'steady as she goes' © the raconteurs

steady-cam incl. quick-zooms. die kamera ist bis auf sporadische stative immer in bewegung.

livia anders
00
11.9.2009, 21:48
oh ...

... dann entweder verzichten oder speibsackerl mitnehmen. schade - aber danke für die info! wieder ein paar euro gespart.

ikarusianco
00
11.9.2009, 23:17

-_- eigentlich wollt' ich ja einen link zu einem sample posten, alles was ich dazu fand war leider stativlastig.

lass dir die freude nicht verderben, aber um die diskussion dieses threads nooo o_O ooooooch einmal auf den '.' zu bringen: unbedingt im original!

ikarusianco
00
11.9.2009, 23:10

ganz so trist ist's vielleicht gar nicht.

http://www.youtube.com/watch?v=Y_50ivrgsfI
^^^^^^^^ steady vs. handheld ^^^^^^^^

auch wenn das beispielvideo im vergleich zu actionszenen seeeeeeehr sanft dahinschwenkt.
aber der vergleich dürfte die angst vorm sackerl entkräften. mich bringen ja eher unmotivierte zooms zum speiben. #_#

Der sich den Wolf tanzt
00
11.9.2009, 17:11
also ein kunstfilm! gerebildend ... hihi.

Der sich den Wolf tanzt
00
11.9.2009, 17:15
genrebildend

bevor wer meckert ;-)

Conan der Knusperkönig
21
11.9.2009, 14:23
Mit viel Liebe zum Detail gemachter Film,

der allerdings mit einer sehr einfachen, klischeehaften und manchmal unlogischen Story aufwartet, ähnlich wie der letzte Star Trek Film. Zur reinen Unterhaltung ist er gut genug, aber wenn man etwas zum Nachdenken haben will, dann ist man woanders besser aufgehoben.

Ihr Knusperkönig

andreas lamers
 
00
16.9.2009, 16:38
sorry kann ich nicht bestaetigen

bei saetzen wie das er ja selber schuld ist, was seine frau so bereit ist zu glauben oder der satz man hat ja nichts gegen die aliens, aber warum muessen die da leben und nicht wo anders, kommt es einem soooooooooooooooooo bekannt vor.

Der schleckrige Sven
04
11.9.2009, 14:34

Beim Sudoku der Krone?

harald6666
 
11
11.9.2009, 14:22
Thinking Man's Blockbuster

Das war eine ganz erstaunliche Mischung aus gut gemachtem Actionkrawall, Anspruch, politischer Haltung und schwarzem Humor.
"Wird er die Prozedur überleben?" - "Natürlich nicht!"

Diese Rezension ist auch nicht schlecht:
http://www.filmtipps.at/films/district9.php

Der sich den Wolf tanzt
00
11.9.2009, 14:07
...Stilistiken von Doku-Formaten und Ballerspielen...

gefilmt mit wackelkamera und mindestens 2 schnitte pro sekunde.

na servas!

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