Cora bringt Ex-Chefs in Not

  • Ex-Kommunalkredit-Chef R. Platzer in der Bredouille.
    foto: heribert corn

    Ex-Kommunalkredit-Chef R. Platzer in der Bredouille.

Deloitte-Gutachten: Reinhard Platzer und Leopold Fischer haben ihre Pflichten verletzt - Bank klagt auf Schadensersatz

Die Kommunalkredit klagt ihre zwei Ex-Bank-Chefs auf Schadenersatz: Sie hätten ihre Pflichten verletzt - etwa "beim Verstecken von Verlusten" in der Cora KG. Im April 2008 gegründet, war sie acht Monate später kaputt

 

***

Wien - Die arbeitsrechtlichen Klagen der Ex-Kommunalkredit-Chefs Reinhard Platzer und Leopold Fischer haben für beide schwerwiegende Folgen. Die Ex-Banker wehren sich gegen die Beendigung ihrer Verträge (sie waren im September 2008 laut Bank "auf Drängen" der beiden vorzeitig um fünf Jahre verlängert worden) und fordern die Auszahlung. Platzer will zudem Urlaubsentschädigung, Abgeltung des Dienstautos (1300 Euro im Monat), private Krankenversicherung und Auszahlung seiner Pensionsansprüche samt Administrativpension. In Summe soll es um je zwei bis drei Mio. Euro gehen.

"Malversationen"

Die beklagte, notverstaatlichte Kommunalkredit hat nun eine Widerklage eingebracht. Die Bank will (zunächst einmal) je drei Mio. Euro Schadenersatz von Platzer und Fischer; sie hätten einen Schaden von zumindest 72 Mio. Euro durch "Spezialtransaktionen" (zur Auslagerung von giftigen Papieren aus der Bilanz) verursacht. Sie hätten Aktionäre und Aufsichtsrat nicht (ausreichend) informiert. Durch "Malversationen und Sorgfaltspflichtverletzungen" wäre die Bank fast bankrott gegangen, so die Argumentation, durch das "Verstecken von Verlusten" hätten sie verhindert, dass die Aktionäre oder der Aufsichtsrat Gegenmaßnahmen hätten setzen können.

Basis der Klage ist das von der Kommunalkredit beauftragte Gutachten der Wirtschaftsprüfer von Deloitte. Selbiges hat Platzer und Fischer eine zweite Strafanzeige eingebracht: Die Finanzmarktaufsicht FMA hat der Staatsanwaltschaft Wien nach Lektüre eine Sachverhaltsdarstellung wegen des Verdachts der Bilanzfälschung und Untreue geschickt. Es gilt die Unschuldsvermutung, Platzer weist alle Vorwürfe zurück.

Der Vorwurf des "Verlustversteckens" des Gemeindefinanzierers, der vor allem über die Kommunalkredit International in Zypern ein riesiges Rad im Wertpapier-Geschäft (Credit-Default-Swaps, Asset-backed Securities etc.) drehte, bezieht sich auf Geschäfte, durch die absturzgefährdete bzw. ausgefallene Assets ab Frühjahr 2007 aus der Gesellschaft ausgelagert wurden.

Die Schlechten ins Töpfchen

Laut Deloitte hat die Kommunalkredit ihren CDS-Bestand zudem noch im Krisenjahr 2008 um 2,5 Mrd. Euro erhöht, allein im Juni um mehr als eine Milliarde. Über Verluste und Liquiditätsprobleme aus Nachschusspflichten für die Deals sollen Aufsichtsrat und Aktionäre nicht informiert worden sein. "Dem Aufsichtsrat war die realistische Einschätzung der wirtschaftlich prekären Lage und der Risiken aus den CDS 2008 nicht möglich", so Deloitte. Zur Einordnung: Ende 2008 betrug die Finanzierungslücke 5,3 Mrd. Euro; die Bilanzsumme 37 Mrd. Euro.

Die Auslagerung der Papiere erfolgte in drei Schritten. Die Probleme der strukturierten Kreditprodukte waren laut Aussagen von Bankern bereits 2007 "existenzbedrohend" für die Bank. Sie wurden per "Repack"-Transaktionen ausgelagert - der erleichternde Effekt trat aber letztlich nicht ein: Laut Deloitte kostete Repack bis dato 15 Mio. Euro. Die Spezialtransaktion "Trafo" (Transformation) kostete bisher 11,8 Mio. Am meisten - 45 Mio. Euro - verschlang aber die "KG-Struktur", die laut Deloitte bewirken sollte, dass "Abwertungen und Marktwertverluste eines Pools von Wertpapieren nicht in der Bank bilanziert" werden mussten.

Also gründete die Kommunalkredit im April 2008 in Wien die Kommanditgesellschaft (KG) Cora, deren Komplementär sie bis Ende Juni war. Als solcher hat sie fünf Jahre Nachhaftung. Am 23. Juni verkaufte die Bank in 14 Tranchen gefährdete Wertpapiere (sieben Tranchen wurden am 1. Oktober wertlos) um rund 52 Mio. Euro, Cora finanzierte die mit einem Kredit einer deutschen Bank, der wiederum von der Kommunalkredit rückfinanziert wurde. "Wirtschaftlich gewährte sich die Bank den Kredit an Cora selbst, was aufsichtsratspflichtig gewesen wäre", heißt es dazu. Um die Verluste zu kompensieren und Kredite bedienen zu können, setzte Cora auf Alternative Investments: Selbige kaufte sie (wieder auf Pump) um 325 Mio. Euro; doch die nötigen Erträge von mehr als zehn Prozent im Jahr gab es nicht.

Am 1. Oktober übergab die Kommunalkredit nochmals Wertpapiere an Cora: Anleihen von Lehman (seit Mitte September pleite) zum Buchwert von acht Mio. Euro. Der Kredit für Cora, die inzwischen der holländischen Stiftung Stichting Cora Finance gehörte, kam diesmal direkt von der Kommunalkredit. Das Ende vom Lied: Mitte Dezember war Cora zahlungsunfähig. Bei der Liquidierung entstand ein Verlust von 97 Mio. Euro. Im Aufsichtsrat (AR) waren Cora und ihre Shopping-Tour nur am Rande Thema - obwohl die Anwälte der Bank die Information des Gremiums "unverzüglich oder im Rahmen des Quartalsberichts" empfohlen hatten - vor allem wegen der Nachhaftung. Es geht um 127 Mio. Euro, bis 2013.

"Existenzbedrohend"

Platzer laut AR-Protokoll: "Es werden Maßnahmen zur Reduktion des Fair-Value-Bestandes durch den Verkauf in KG-Strukturen und durch direkte Verkäufe gesetzt." Zudem war von Maßnahmen zu lesen, die einen "positiven Liquiditätseffekt bringen". Seine Untergebenen sahen es wesentlich kritischer. Per Mail hatte ein Involvierter schon im April mehr Infos urgiert, weil die Struktur "im Worst-Case-Szenario für die Bank existenzgefährdend wäre". (Renate Graber, DER STANDARD, Printausgabe, 11.9.209)

Share if you care
Posting 1 bis 25 von 83
1 2 3
Macht den Platzer fertig!

Der Platzer soll schweigen oder die Wahrheit sagen!

die Wahrheit wäre

Ich habe nicht gewusst, was für welche Wertpapiere das sind, die ich da kaufe und verkaufe ... ich wusste nicht was ich tat!

und dann werde ich Minister (eventuell Unterricht?)

Einmal mehr fühle ich mich veranlasst wider den Stachel zu löcken..

In der Tat hat die OeKK gemacht, was viele gemacht habe. Wohl gemerkt: das macht es nicht besser! Aber ich glaube dem Platzer, dass er die Eigentümer/AR korrekt informiert hat. Der Junge hat dort viele Jahre einen hervorragenden Job gemacht. Die Gegenklage der jetzigen Führung ist nur ein quid-pro-quo, als Spielmasse in der privatrechtlichen Auseinandersetzung. Ich traue es der Staatsanwaltschaft zu, dass sie auf diesen Zug auspringt, das macht es aber nicht richtiger. Die wisdom of hindsight derer die jetzt alles schon gewusst haben wollen ist ekelerregend. Ein Sündenbock muss her! Und wer ist da geeigneter, als ein geschasster Vorstand? Haltet den Dieb!

ich vermute, dass alle Vorstände in den Jahren vor der "Pleite" davon wussten

Gleich einsperren wie Elsner,oder sind die gleicher ?

der Fredy Reiter hatte immer schon gewarnt

"beware of the tyriolan guy"

... sprach's und ging als aufsichtsrat in die meinl bank ...

und als AR zur Flughafen Wien AG

und den Elsner habens eingetunkt

wenn schon, dann gleiches Recht für alle.

Ich erinnere mich noch an das dortige Gelächter, als die Austro-Bank-Dolme erstmals das Londoner Parkett betraten.

das problem in österreich ist,

dass sich offensichtlich vor jahren schon alle deix-vorlagen in seilschaften organisiert haben. dass das das nicht gut gehen kann ...

grüße

die beiden agieren genauso dumm und gierig wie vorher.

Nur wars halt vorher die Bank die die dumme Gier bezahlen musste und jetzt sinds die beiden selber.

Es gibt noch eine gewisse Gerechtigkeit :-)

ÖVP vielleicht doch verantwortlich??

Na da bin ich aber jetzt überrascht: Ist doch der ÖVP nahe Banker Platzer verantwortlich für die Misere bei der Kommunalkredt. Oder ist noch jemand der Meinung BM Schmied hätte etwas mit der Cora, die erst 2008 gegründet wurde zu tun?

Wie ich damals schon in meinem Posting festgestellt habe: Ein ganz eindeutiges Ablenkungsmanover der ÖVP.

klar hat Schmied viel damit zu tun

die ganzen "bestgeratenden" Deals wurden ja in ihrer Zeit kräftig ausgeweitet. CDS bringen zuerst Prämie, in den Folgejahren drohen dafür Risiken. In dem Jahr, wo man ein CDS abschließt, macht man immer Gewinn. Und bevor die Risiken schlagend wurden, hat sie die Bank verlassen.

ein schlaues Mädchen die Schmied Claudia ...

Leider waren die Herren Vorstände vor Gier geblendet ... ja die Gier, sie hat schon viel Unheil gebracht! Anstatt Reissleine zu ziehen, haben sie Sondergesellschaften gegründet um die Verluste zu verstecken.

In Wirklichkeit ist es egal ob ÖVP,SPÖ,KPÖ,FPÖ,BZÖ,....Das Geld ist futsch. Unwiederbringlich. Jetzt die Schuld irgendeinem politischen Lager anzurechnen ist hirnrissig.

ja klar, Schwamm drüber und so weiter werken lassen bis zum nächstn Desaster

Als es nur gegen Schmied ging, konnte man aber solche Postings nicht lesen!

BM Schmied hat sich ja selbst immer mit ihrer Kompetenz in der Banken-Privat-Wirtschaft gerühmt.

Dass das Risikokapital in ihrer Zeit VERVIELFACHT wurde und die Folgen eineinhalb jahre später in den Bilanzen auftauchen spricht aber ebenfalls für sich.

Doch nun hat der Faymann gesagt man darf darüber nicht mehr sprechen, denn das Thema in der Öffentlichkeit gefällt ihm nicht.

Also am besten unter den Teppich kehren

Nein, alles hat ausschließlich Schmied zu verantworten.

ÖVP-nahe????

Platzer auch nur in die Nähe der ÖVP zu rücken zeugt von grenzenloser Unwissenheit! Aber eigentlich sollte die politische Einstellung keine Rolle spielen - weder bei der Besetzung noch einer allfälligen Schuldzuweisung.

Wenn die "politische Einstellung" eine Rolle spielt, um solche Jobs zu bekommen,

dürfen Sie sich nicht wundern, wenn bei Fehlbesetzungen den besetzenden Parteien der Vorwurf gemacht wird.

Politische Einstellung

Darin unterscheiden sich die SPÖ und die ÖVP schon seit langem nicht mehr.

HAAALLOOO - wir leben in

Österreich!

Posting 1 bis 25 von 83
1 2 3

Die Kommentare von Usern und Userinnen geben nicht notwendigerweise die Meinung der Redaktion wieder. Die Redaktion behält sich vor, Kommentare, welche straf- oder zivilrechtliche Normen verletzen, den guten Sitten widersprechen oder sonst dem Ansehen des Mediums zuwiderlaufen (siehe ausführliche Forenregeln), zu entfernen. Der/Die Benutzer/in kann diesfalls keine Ansprüche stellen. Weiters behält sich die derStandard.at GmbH vor, Schadenersatzansprüche geltend zu machen und strafrechtlich relevante Tatbestände zur Anzeige zu bringen.