"Terroranschlag"

Mit gefälschten Websites Medien hereingelegt

10. September 2009, 15:21
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Angeblicher Selbstmordanschlag in den USA sorgte für Schlagzeilen - "Das war reine Satire. Wir ziehen den Film in die Realität"

Mit gefälschten Websites und einer geschickten Inszenierung hat der deutsche Regisseur Jan Henrik Stahlberg am Donnerstag die Öffentlichkeit hereingelegt. Er hatte mehrere, aufeinander verweisende Internet-Seiten produziert und so vorgegaukelt, in einer amerikanischen Kleinstadt habe es einen Selbstmord-Anschlag gegeben. Auch einer ersten Überprüfung hielt die Fälschung stand.

"TV: Anschlag in kalifornischer Kleinstadt"

"Das war reine Satire. Wir ziehen den Film in die Realität", kommentierte der Kinoregisseur seine Aktion im Gespräch mit der dpa. Es dauerte 28 Minuten lang, bis die dpa-Meldung "TV: Anschlag in kalifornischer Kleinstadt" unter dem Stichwort "USA/Terrorismus" durch die Eilmeldung ersetzt wurde "Polizei: Bericht über Anschlag in Kalifornien war Scherz". Aber auch der zitierte Polizist in der fiktiven Stadt Bluewater war nicht echt, die Inszenierung ging weiter. Nun hieß es, Berliner Rapper hätten den Überfall vorgetäuscht. Erst nach weiteren Recherchen kam die dpa der Fälschung auf die Schliche.

"Muxmäuschenstill"

Stahlberg ist mit subversiv-satirischen Kinoproduktionen wie "Muxmäuschenstill" bekannt geworden. Sein neues Werk "Short Cut To Hollywood", aus dem der Grundgedanke und das gesamte Material für seine Fälschung stammen, läuft am 24. September in den Kinos an. Stahlberg bezeichnete seine Inszenierung als "PR-Versuch, ganz nah an unserem Film". Da gehe es um drei "vollkommene Nichtskönner" aus Berlin, die in den USA dadurch berühmt werden wollen, dass sie den Medien ein Selbstmordattentat versprechen.

"Ich wollte sehen, ob so etwas tatsächlich in der Realität passieren kann", meinte Stahlberg. Der Journalismus in Zeiten von Twitter und Webrecherche sei zunehmend von Schnelllebigkeit geprägt.

In seiner Inszenierung hatte ein Sender namens "vpk-tv" zunächst berichtet, es gebe einen Selbstmordanschlag in einem Lokal in der Innenstadt von Bluewater. Eine Stunde später berichtete der Sender, es handle sich nicht um "arabisch-stämmige" Männer, wie zunächst berichtet, sondern um drei deutsche Rapper einer Gruppe mit dem Namen Berlin Boys. Die Berlin Boys sind auch die Hauptfiguren in "Short Cut To Hollywood".

"Short Cut To Hollywood"

Ein angeblicher deutscher Hospitant des Senders hatte am Vormittag unter anderem die dpa auf den "Anschlag" aufmerksam gemacht. dpa berichtete nach kurzer Überprüfung der Websites und Anrufen bei Polizeinummern, die auf einer ebenfalls gefälschten Website des Ortes Bluewater standen, über den Fall.

Auf den Bildern auf der Website des "Senders" - die dem Film "Short Cut To Hollywood" entstammen - war zu sehen, wie Menschen aus einem Lokal rannten, eine Nachrichtensprecherin berichtete aufgeregt und stockend über das Ereignis. Das ganze Ausmaß der Inszenierung inklusive der Webseite einer Kleinstadt namens Bluewater, Telefonnummern der zuständigen Polizei und Feuerwehr (die mit amerikanischen "Mitspielern" Stahlbergs besetzt waren) und eines falschen Medien-Informanten wurde erst Stunden später deutlich. Nicht nur die Website des TV-Senders war gefälscht, auch der Webauftritt des Ortes Bluewater stimmte nicht.

Falsch

Dort angegebene Telefonnummern von Polizei und Feuerwehr waren ebenfalls falsch. Auf telefonische Anfrage der dpa hatten die Mitspieler als Sprecher von Polizei und Feuerwehr bestätigt, dass es einen Vorfall gegeben habe, und später, dass drei Deutsche festgenommen worden seien. Erst ein Anruf bei der übergeordneten Polizeistation in San Bernardino ergab, dass dort niemand von einem derartigen Vorfall oder von Festnahmen wusste.

Eine übliche kurze Überprüfung der Websites zu Beginn der Recherche hatte zunächst keine größeren Auffälligkeiten ergeben. Erst eine genauere Untersuchung mit dem Überprüfungstool whois.net zeigte, dass sowohl die Website des Senders http://www.vpk-tv.com/ als auch die angebliche Website der Kleinstadt http://bluewatercity.com erst am 29. Juni 2009 registriert worden waren. Bei beiden Anmeldungen war auch die selbe Faxnummer angegeben. Ebenfalls manipuliert war ein Wikipedia-Eintrag, wo erst seit dem 9. September ein Link auf die gefälschte Website der Stadt Bluewater führte. (APA)

Kommentar posten
13 Postings
aenema_lateralis
 
00
13.9.2009, 07:03
ob hier..

..alan abel auch seine finger im spiel hatte :)
der beste auf dem gebiet!

Grusoleum
00
12.9.2009, 19:13

In Österreich wäre der Notstand ausgerufen worden.

debian1
01
11.9.2009, 18:00

Titanic Wissen: So funktioniert die Informationsgesellschaft http://www.titanic-magazin.de/wallpapers.html

z0rn_
03
11.9.2009, 01:30
film

hab den film schon in der sneak-preview gesehen!
lohnt sich echt - guter film. regt zum nachdenken an - und ist zum teil echt witzig gemacht!
schaut euch den film an *thumbs up*

Simplicius Simplicissimus
12
10.9.2009, 22:46
Witzig kann ich derlei ...

... nur in Hinblick auf die Erfinder und Meister solcher Fakes, nämlich von 911, finden. Allerdings unterscheidet sich der Betrug mit den attackierten USA insofern, als dieser ernst gemeint war und letztlich über eine Million Tote forderte und fordert. Es hat auch 8 Jahre gedauert, bis "seriöse" Medien diese Lüge entdeckten. Schön schwach auf der Brust, unsere hochnäsigen Journalisten ... die dem Lesevieh nur ausgesuchtes Futter in die Schei*e mischen ... Nein, ich finde es doch nicht witzig, sondern beschämend.

sei la persona piu cara del mondo
 
31
10.9.2009, 17:56
Leonardo Basil
02
11.9.2009, 10:44

versteh' nicht wieso man fürs Posten des Links um den's in dem Artikel im Prinzip geht rote Stricherl bekommt ;)

Lew Ashby
17
10.9.2009, 15:34
genialer mindfuck!

Systemadministrator
18
10.9.2009, 15:26
Qualität des Journalismus

Gerade dieser Beitrag zeigt, wie wichtig qualitativ hochwertiger Journalismus ist, bei dem erst einmal genau recherchiert wird, bevor was veröffentlicht wird.

so go
04
10.9.2009, 17:54
sie scherzen!

qualitätsjournalismus kann/will sich heute doch keiner mehr leisten. hier gehts nicht um aufklärung in diensten der menschheit, sondern ums geld scheffeln... mit verlaub!

Mac1984
00
10.9.2009, 17:01

naja, dem kann ich jetzt nicht beipflichten, denn dann wären Reuters & Co wohl bald pleite und aktuelle Nachrichten kämen mit Tagen Verzögerung, weil man alles Kontrollieren, Ausschließen und Verifizieren mußte.

Maria Weber
21
10.9.2009, 15:32
Und warum glaubst Du, dass das so

ist.

Systemadministrator
02
10.9.2009, 15:55
Naja,

die Informationsflut im Internet ist natürlich gewaltig, auch soll alles möglichst schnell gehen. "Eine übliche kurze Überprüfung der Websites" bestätigt genau das, üblich heißt eben kurz. Wenn man sich die Webseiten anschaut, dann, so glaube ich, entsteht auch bei unbedarften Benutzern der Eindruck, dass die Seite eher dürftig ist, für einen Sender. Auch die Wikipedia, so praktisch der Service ist, ist eben auch nicht zuverlässig. Ausserdem sind wohl alle ein bissl “sensationsgeil“, vor allem beim Thema Terror.

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