Forscher basteln an Roboter mit menschlichen Gehirnzellen

10. September 2009, 15:24

Erste Versuche mit Gehirnzellen von Ratten vielversprechend - Forscher erhoffen sich Erkenntnisse, die auch Therapie für Epilepsie verbessern könnte

Reading - Erste Tests mit Gehirnzellen von Ratten verliefen vielversprechend, doch damit wollen sich die Forscher der britischen Universität Reading nicht zufrieden geben. Derzeit arbeiten die Wissenschafter auf einen Roboter hin, der von menschlichen Gehirnzellen gesteuert wird. Bald schon soll ein entsprechender Prototyp durch das Labor von Kevin Warwick und Ben Whalley fahren.

Bei den momentan laufenden Tests wurde ein einfacher Roboter mit 300.000 in einer Nährlösung gezüchteten Rattenhirnzellen ausgerüstet. Die Zellen waren an die Abstands-Sensoren des Roboters angeschlossen und erwiesen sich als fähig, den Roboter durch einen Raum zu steuern. Dabei zeigte sich der Rattenroboter erstaunlich agil und wich Hindernissen geschickt aus. Nun sollen in einem nächsten Schritt ähnliche Versuche mit menschlichen Gehirnzellen unternommen werden.

"Bursting"

Die Beobachtung, wie die menschlichen Neuronen auf Stimulation reagieren, könnte unter anderem auch wichtige Erkenntnisse in der neurologischen Erforschung von Krankheiten wie Epilepsie liefern, erklärten die Forscher. Ein als "Bursting" bekanntes Phänomen, welches das gelegentliche gleichzeitige "Steckenbleiben" zahlreicher Neuronen beschreibt, ähnelt den Vorgängen, die im menschlichen Gehirn bei einem epileptischen Anfall vorkommen. Gelingt es den Forschern, dieses Phänomen bei ihren Robotern mithilfe chemischer, elektrischer oder physischer Reize zu verändern, könnte dies einen entscheidenden Fortschritt im Bereich der Epilepsietherapie bedeuten.

Die Verwendung menschlicher Gehirnzellen soll auch helfen, Unterschiede in den Funktionen der Gehirne von Menschen und Ratten festzustellen. "Wir werden versuchen, herauszufinden, ob sich die Lernfähigkeit und das Gedächtnis unterscheiden", sagt Warwick. Dabei sollen Roboter jeweils von Gehirnzellen der verschiedenen Spezies kontrolliert werden. Anschließend wird untersucht, ob es Unterschiede gibt.

Keine ethischen Vorbehalte

Die ersten Versuche mit menschlichen Gehirnzellen sollen starten, sobald die Tests mit dem Ratten-Äquivalent abgeschlossen sind. Um ethische Vorbehalte machen sich die Forscher indes keine Sorgen, da die Gehirnzellen-Kulturen frei erhältlich sind. "Ethische Fragen muss sich die Firma stellen, von der wir die Gehirnzellen beziehen", sagt Whalley. (red/pte)


Link
Cybernetic Intelligence Research Group - University of Reading

Kommentar posten
Posting 1 bis 25 von 70
1 2
saoTan
00
13.9.2009, 21:26
Frage: Warum Gehirnzellen von Lebewesen?

Mit allen dazugehörigen Nachteilen (Verwesungsprozess des Materials, geringe Adaptierbarkeit,...). Es gibt doch schon seit geraumer Zeit künstliche neuronale Netze, die auch bereits Roboter steuern. Warum versucht man nicht, ein künstliches neuronales ähnlicher Komplexität wie ein menschliches Gehirn zu konstruieren?
Würde die Forschung mMn weiter bringen... schließlich kann man am künstlichen Netz ja wesentlich leichter Adaptionen für bestimmte Aufgaben vornehmen.

M L3
01
15.9.2009, 00:00
Ich bin sicher, man versucht das

Aber das menschliche Gehirn hat eine weit größere Komplexität, als man heute künstlich realisieren kann.

hlg
10
15.9.2009, 19:58
... und gleichzeitig einen viel geringeren kühlbedarf

das ist vermutlich gerade bei militärischen einsätzen ein grosser vorteil...

JAXCUBE
00
11.9.2009, 21:39

Wenigstens die Briten sehen ein - dass Information ein zu aufwendiges Verhältnisspiel ist, im Sinne der Assimilation. KI hin oder her - Cyborgs weisen die Zukunft.

http://www.youtube.com/watch?v=1QPiF4-iu6g

pman
 
20
11.9.2009, 15:40
Sehr bedenklich und erschreckend

Ich finde das alles sehr bedenklich, was da in letzter Zeit so alles gemacht wurde, um Menschen vollständig durch Maschinen zu ersetzen. Und zu menschenähnlichen Kampfrobotern, die vor nichts zurück schrecken, ist es dann auch nicht mehr weit. In welcher Welt werden wohl meine Kinder leben???

Davidoff et cetera
00
13.9.2009, 02:57

lesen sie das cyborg manifesto von donna haraway!

JAXCUBE
00
15.9.2009, 12:56

Ironie ist für sie selbstverständlich. Eins ist zu wenig und Zwei sind nur eine Möglichkeit :-)

Johann van der Smut
10
11.9.2009, 19:54

Derzeit hackeln die Gehirnzellen in Fleischhülle stupide ihre 40 oder wenige Stunden ab. Wenn eine Generation von Maschinen kommt, mit logischen nachvollziehbaren, emotionslosen Entscheidungen ginge es der Welt besser. The next Generation.

saoTan
01
13.9.2009, 21:31
Roboter mit Menschengehirnen

...würden ganz bestimmt keine kühlen emotionslosen Entscheidungen treffen, sondern oft genug affektierte, beeinflusste und unüberlegte. Wie Menschen eben. Was ja auch nicht verwunderlich ist, wenn sie den gleichen Denkapparat haben.

Sie sollten sich ein wenig mit der Technologie dahinter vertraut machen - dass alle bisher bekannten Maschninen emotionslos und perfekt nach Programmierung agieren heißt das nicht, dass dies ein intrinsisches Merkmal von Maschinen wäre, sondern bloß, dass wir bis jetzt noch keine anderen Maschinen gebaut haben (bauen konnten)...

Wolfgang Keim
20
11.9.2009, 15:30
hört sich verstiegen und sorglos an

gibts glaub ich schon Bücher über so Krankheiten, ist man blos zu faul zu lesen - na ja, ob AIDS oder sowas hauptäschlich verstiegen und dekandent verrecken. Die einen verdienen ihren Uni-Pfrund die anderen glauben dumm dran und verrecken wie so eine Vorschungsmaus. Ein Welt wie bei Hironymus Bosch - Wahnsinn als Gaukelspiel

gastrosoph
00
11.9.2009, 15:17
Wunsch

Erst einmal das menschliche Gehirn in seiner Komplexität verstehen, dann akzeptieren und dann überlegen, ob sich das 'nachbauen' lässt. Bis dahin Geschwafel oder Lem lesen.

axeman
01
12.9.2009, 13:26

genau so lernt man das menschlige gehirn verstehen.
ich weiss nicht was sie an der methode stoert

gastrosoph
00
12.9.2009, 14:21
Kaum

wird man unser Gehirn dadurch verstehen, weil einzelne Prozesse nicht von ein paar Tausend Gehirnzellen und und noch mehr Verbindungen - Axiome - gebildet werden, von Millionen... Verteilt in den Gehirn-Arealen. Das nachzubauen? Mit welch einem Energieaufkommen? Und woher?
Was immer mehr hilft, zu verstehen, sind die Gehirnscans; weniger, was der einzelne macht und vor allem warum, sondern, wo befinden sich Zentren für bestimmte Sinneswahrnehmungen. Und helfen vor allem als Gesundheitsvorsorge/Therapien als für den sozialen Boulevard, der eh immer alles besser weißt. Der Mensch leidet unter einem fatalen Irrtum: er weißt immer erst alles besser in der nächsten Generation.

saoTan
00
13.9.2009, 21:34
Heutige Prozessoren

...haben bereits weitaus mehr Transistoren als unser Gehirn Neuronen (und dies noch dazu auf kleinstem Raum). Würde man ähnliche Energie in die Entwicklung künstlicher Neuronen stecken, was spräche dagegen, dass man irgendwann ähnlich komplexe künstliche neuronale Netze mit akzeptablem Aufwand konstruieren könnte?

M L3
00
15.9.2009, 00:15
Die modernsten Prozessoren die jetzt vorgestellt wurden haben ca. 900 Mio Transistoren

Ein künstliches Neuron braucht aber mehr als einen Transistor, zumindest einen pro Synapse. Nach dieser Rechnung müßte man mehr als 100000 Prozessoren zusammenschalten. Bis das auf einem Chip Platz hätte, würden nach dem moor'schen Gesetz (Verdopplung alle 1,5 Jahre) noch ca. 24 Jahre vergehen. Dieses Gesetz hat sich bisher erstaunlich lange gehalten, obwohl man schon mehrfach glaubte, an unüberwindliche physikalische Grenzen zu stoßen. 100 Billionen Transitoren auf 1cm² würde aber bedeuten, daß jeder nur mehr 1nm groß sein dürfte - inklusive aller Verbindungsleitungen. Ein Atom hat ca. 0,1nm Durchmesser. Ich habe keine Ahnung, wie sowas realisert werden könnte, selbst wenn man einen solarzellengroßen Chip von 10*10cm bauen könnte.

AlK
00
14.9.2009, 14:31

das menschliche gehirn hat ca 100 milliarden nervenzellen, die durch etwa 100 billionen synapsen verbunden sind. ein neuron ist mit rund 1000 anderen neuronen verbunden.

davon ist die fertigungstechnik noch ziemlich weit entfernt

gastrosoph
00
14.9.2009, 12:57
?

Wieviel und vor allem wo?!

Mamonas
00
14.9.2009, 03:07

All dies hört sich schön an, denkende Roboter wird es niemals geben. Nur denkende Cyborgs sind möglich.

Mamonas
40
11.9.2009, 14:15

Diese Forscher zeigen es den Roboter-Erbauer: nur Cyborgs können intelligent werden, Roboter NIEMALS. Die Forschung nach intelligenten Roboter (what an oxymoron!) ist absolut rausgeschmissenes Geld aber Salbei (und Lebensbrot) für ein paar IT-Größenwahnsinnige.

Raubkopierer
00
11.9.2009, 19:00

achja: lange nichts gehört. wie war der sommer?

Raubkopierer
00
11.9.2009, 18:58

ich weiß nicht ob es nicht eine intelligente künstliche lebensform geben könnte. schließlich ist das gehirn auch nur ein computer, wenn auch auf elektrochemischer basis, nicht auf elektronischer.

aber der ansatz ist eigentlich zu ketzerisch-materialistisch

AlK
00
11.9.2009, 16:51
die forscher des cirg gehören auch zu den "größenwahnsinnigen"

http://www.reading.ac.uk/cirg/

"Cybernetic intelligence describes theoretical, mathematical and philosophical aspects of consciousness and intelligence and their application to the design of INTELLIGENT MACHINES and the control of complex systems....The group has witnessed considerable success in the field of autonomous INTELLIGENT ROBOTICS."

Artischocke
 
01
11.9.2009, 13:39
"Ethische Fragen muss sich die Firma stellen, von der wir die Gehirnzellen beziehen"

Hehe, so einfach kann man es sich machen.

Ansonsten sag ich nur "Ghost in the Shell".

Raubkopierer
00
11.9.2009, 18:59

war bei uns im informatik-unterricht teststoff.

Finn McCool
11
11.9.2009, 12:45
I find that hard to believe

Wenn man einzelne Gehirnzellen aus einer Zellkultur zusammenmischt, soll sich daraus "spontan" ein funktionsfähiges Gehirn entwickeln, die Gehirnzellen (es sind ja mehrere Zelltypen, nicht nur Neuronen!) also die richtige Struktur und die richtigen Synapsen bilden? Das kann ich nicht glauben.

Ich tippe mal, dass die Abstandssensoren den Roboter direkt steuern und dass die Gehirnzellen zwar da, aber funktionslos sind oder allenfalls "uninteligent" die elektrischen Impulse weiterleiten, als eine Art biologisches Stromkabel.

Kommentar posten
Posting 1 bis 25 von 70
1 2

Die Kommentare von Usern und Userinnen geben nicht notwendigerweise die Meinung der Redaktion wieder. Die Redaktion behält sich vor, Kommentare, welche straf- oder zivilrechtliche Normen verletzen, den guten Sitten widersprechen oder sonst dem Ansehen des Mediums zuwiderlaufen (siehe ausführliche Forenregeln), zu entfernen. Der/Die Benutzer/in kann diesfalls keine Ansprüche stellen. Weiters behält sich die derStandard.at GmbH vor, Schadenersatzansprüche geltend zu machen und strafrechtlich relevante Tatbestände zur Anzeige zu bringen.