78 Prozent der Österreicher fühlen sich als Europäer - EU-Kommissionsvertretung Kühnel bestätigt "positiven Trend"
Wien - Erleichterung bei der EU-Kommissionsvertretung in Wien: Die jüngste "Eurobarometer"-Umfrage förderte zutage, dass mittlerweile 41 Prozent der Österreicher die EU-Mitgliedschaft „für eine gute Sache" halten. Immerhin 47 Prozent der mehr als tausend Befragten meinen, dass das Land davon, insgesamt gesehen, Vorteile hat. Und sogar 78 Prozent fühlen sich als Europäer.
Richard Kühnel, Leiter der Kommissionsvertretung in Österreich, führt den „positiven Trend" unter anderem auf die Wirtschaftslage zurück. Denn die Österreicher hätten gesehen, dass diverse Maßnahme in Brüssel gesetzt wurden, um der Krise zu trotzen. Die Stimmung in Österreich steige an und stabilisiere sich, bestätigte Harald Pitters vom Gallup-Institut.
Zur Erinnerung: Von Herbst 2005 bis zum Frühjahr 2007 erreichte das Vertrauen in die EU den Tiefststand. Nur mehr 32 bis 36 Prozent der Landsleute hielten in diesem Zeitraum die Mitgliedschaft beim europäischen Klub für "eine gute Sache". Zum Vergleich: Im EU-Schnitt liegt die Zustimmung bei dieser Frage stets über 50 Prozent. Kühnel angesichts der jüngsten Umfrage, die nur mehr eine Kluft von 11 Prozent zum Durchschnittswert von 53 Prozent ausweist: "Die Zeit der großen Empörung ist vorbei - aber großes Feiern ist auch nicht angesagt."
20 Prozent für einen Austritt
Frauen und ältere Semester sind gegenüber der EU nach wie vor skeptischer eingestellt als Männer und junge, gebildete Leute. Als wichtigste Probleme, die die EU anpacken möge, gaben 43 Prozent die "wirtschaftliche Situation" und die Bekämpfung der "Arbeitslosigkeit" an, 30 Prozent "die steigenden Preise und die Inflation" sowie 14 Prozent die "Einwanderung".
Interessant auch, was die Österreicher mit der EU assoziieren: 55 Prozent verbinden die Union mit dem Euro, 46 Prozent mit der Reisefreiheit - und gar 46 Prozent mit steigender Kriminalität. Laut Pitters würden aber nur mehr 20 Prozent einen Austritt befürworten. (Nina Weißensteiner, DER STANDARD, Printausgabe, 11.9.2009)