Oberösterreich

Kampf um eine eigene Medizin-Uni

11. September 2009 14:36
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    Foto: apa/austria tabak

    Auf dem leerstehenden Gelände der Austria Tabakwerke, soll eine neue Medizin-Uni entstehen, wünschen sich sämtliche oberösterreichische Landespolitiker.

Alle Landesparteien sind sich einig: Oberösterreich braucht eine eigene Medizin-Uni - Auch nach einer Absage des Bundes will man daran festhalten

Widerspruchsfreie Einigkeit ist eine Seltenheit in der Politik. Aber es gibt sie, auch im oberösterreichischen Landtagswahlkampf. Ausnahmslose alle Parteien sind der Meinung: "Linz braucht eine eigene Medizin-Universität." Nur der Bund sieht das ein bisschen anders. Schon im Jänner dieses Jahres machte deshalb Wissenschaftsminister Johannes Hahn den oberösterreichischen Träumen ein Ende, indem er einen zusätzlichen ärztlichen Bedarf in Abrede stellte. Empörung unter den Oberösterreichern war die Folge, die Reaktionen reichten von "inakzeptabel" bis "kurzsichtig". Landeshauptmann Josef Pühringer sprach von einer "Ungeheuerlichkeit", weil ein Ministerialbeamter gemeint hatte, dass für eine Verwirklichung 300 Millionen Euro nötig seien.

Mittlerweile versuchen die Oberösterreicher allerdings das Projekt zu reanimieren - auch im Wahlkampf. Wie es dem Minister dabei gehe, wenn seine Parteikollegen in Oberösterreich seine Machtworte nicht ernstnehmen? "Wir haben kein Problem damit, dass diese Forderung im Wahlkampf artikuliert wird", sagt Nikola Donig, Sprecher des Wissenschaftsministeriums, gegenüber derStandard.at.

"Lassen uns nicht entmutigen"

Eine vollständige Absage hätte es von Seiten des Ministeriums nie gegeben. "Jetzt werden erst einmal Zahlen ausgetauscht", berichtet Donig. An diesen Zahlen sei eine Übereinkunft bisher gescheitert, denn während Oberösterreich einen großen Bedarf an Ärzten in Zukunft sieht, beschwichtigt das Ministerium und erklärt, dass dieser derzeit noch nicht gegeben sei. 

Doch die oberösterreichischen Landespolitiker wollen sich mit dieser Argumentation des Bundes nicht abspeisen lassen. Thomas Stelzer, Klubobmann der oberösterreichischen Volkspartei (OÖVP), dazu im Gespräch mit derStandard.at: "Wir kämpfen sehr darum. Wir sind es gewohnt, uns von einer ersten negativen Reaktion nicht entmutigen zu lassen. Auch um die Kepler-Uni haben wir uns sehr lange bemühen müssen."

Wenige ausgebildete Mediziner kommen zurück

Stelzer verweist auch auf das österreichische Regierungsprogramm, in dem steht, dass es bis 2015 2000 zusätzliche Ausbildungsplätze für Mediziner braucht. Außerdem gibt es auch "hauseigene" Gründe, um Oberösterreich zum Medizin-Uni-Standort zu machen: "Derzeit gehen jährlich rund 1500 oberösterreichische Studierende in die Standorte Wien, Graz und Innsbruck, aber nur sehr wenige kommen wieder zurück", sagt Stelzer. In 10 Jahren sei die oberösterreichische Gesundheitsstruktur, wie sie derzeit vorhanden ist, nicht mehr bedienbar.

Auch der Linzer Bürgermeister Franz Dobusch (SPÖ) ist ungeduldig: "Jedes weitere Jahr, das hier vermplempert wird, macht die Situation nicht besser." Bei einem provisorischen Start der Medizin-Uni im Jahr 2011/2012 wären die ersten Abgänger frühestens im Jahr 2020 zu erwarten.

Dass sich die Bewegung für eine Medizin-Uni mittlerweile "sehr verfestigt" hat, wie Thomas Stelzer meint, zeigt die Gründung eines Proponentenkomitees, das derzeit an neuen Konzepten arbeitet. Unter anderem soll geprüft werden, ob eine Medizin-Uni räumlich in die alten Austria-Tabak Werke passen würde. "Wenn diese Unterlagen dann vorliegen, werden wir mit Gesprächen beginnen", sagt Franz Dobusch gegenüber derStandard.at.

"Wir haben zig Sachargumente"

Warum Minister Hahn einem neuen Uni-Standort in Linz bisher eine Absage erteilt hat, kann sich Dobusch nur so erklären: "Es ist bewiesen, dass wir in Zukunft einen Ärztemangel haben werden, also kann es nur am Finanziellen liegen." Ganz nachvollziehen kann er Hahns bisherige Reaktionen trotzdem nicht: "Wenn ich Bundesminister für Wissenschaft und Forschung wäre, würde ich mich stark machen für dieses Projekt und mehr Geld vom Finanzminister für mein Ressort verlangen, aber das tut Hahn nicht." 

Trotz dem derzeitigen Stillstand sind die Oberösterreicher siegessicher. "Wir haben zig Sachargumente auf unserer Seite", ist OÖVP-Klubobmannn Stelzer überzeugt. Auf lange Sicht rechnet er auf jeden Fall mit einem Zuschlag. Und auch Bürgermeister Dobusch sagt: "Eine Absage werden wir nicht akzeptieren." (Teresa Eder/derStandard.at, 11.09.2009)

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Das Pumuckl
16.09.2009 03:21

Vielleicht könnte man die in OÖ benötigten Ärzte (ich vermisse den Terminus "händeringend gesucht"!) eventuell, rein theoretisch, auch weiterhin in Wien, Graz oder Innsbruck ausbilden?? Eventuell, rein theoretisch könnte man auch die bestehenden Strukturen mit einer großzügigen Finanzspritze versehen anstatt eine weitere Millionensenke á la Gugging aus dem Boden zu stampfen!? Oder braucht jetzt jeder Provinzkaiser zusätzlich zu den FH's eine "richtige" UNI, wenn er was gelten will??

mikromalist
 
14.09.2009 09:55
Der "Ärztemangel" heisst es .. ?

In OÖ haben wir eine Wirtschaft mit ausgezeichnetem Maschinenbau, Kunststofftechnik und wir produzieren den besten kaltgewalzten Stahl ...
Ohne Studium des Maschinenbaus, Kunststofftechnik. Montanwissenschaften ...
Wir haben, andererseits, ein ausladendes Studium der Rechtswissenschaften und Betriebswirtschaft.
Und wo sind die sehr, sehr wenigen herausragenden Persönlichkeiten, in diesen Gebieten? Im Ausland.

potz
14.09.2009 03:45

das adequate verhalten der medien im wahlkampf waere einfach *nichts* zu berichten, was politiker von sich geben.

... oder ausschliesslich zu reinen unterhaltungszwecken, dann aber entsprechend mit 'irrelevanter populistischer unfug ohne realitaetsbezug' gekennzeichnet.

tablespace65
13.09.2009 22:23
Was nützen "zig (angebliche) Sachargumente", wenn die Gegenseite "300 Mio. Gegenargumente" hat?

stolzaufholz
13.09.2009 21:35
...

ja, in Salzburg bräuchten wir auch eine! Wenn wir schon dabei sind, warum nicht in Leoben! Oder Oberwart...

johngillis
 
13.09.2009 22:29

weil das alles kleiner ist als linz und weniger ärzte braucht. davon abgesehen gibt es in linz tatsächlich jetzt schon zu wenige ärzte.
btw. gibt es in salzburg nicht eine private uni? oder verwechsle ich da was?

Somebody Someone
15.09.2009 10:01
karakal
14.09.2009 10:36
Tja...

...dann sollte man vielleicht überlegen, ob man nicht die Lebensbedingungen in Linz verbessert!

Vielleicht in dem man den Pühringer endlich in Pension schickt, oder noch besser, indem man endlich mal die Föderalismusdiskussion ernst nimmt und die Bundesländer in der jetztigen Form auflöst...

johngillis
 
14.09.2009 20:21

verbesserte lebensbedingungen heißt, dass man weniger ärzte braucht?
nur bedingt
zum zahnarzt wird ja hoffentlich doch noch jeder rennen und sportunfälle passieren dann auch noch

karakal
14.09.2009 22:37
Nein, das meinte ich nicht...

Es wird ja einen Grund haben, warum die Ärzte nicht in Oberösterreich bleiben wollen. An der Landschaft kanns net liegen, weil die ist ja ganz okay...

johngillis
 
15.09.2009 14:51

ich weiß nicht, ich empfinde die lebensbedingungen in oberösterreich eigentlich als ganz besonders gut

Mike Webman
12.09.2009 18:10
Was soll's werden ?

Wien, Graz und Innsbruck reichen doch! Die Salzburger Meduni ist ein Abzockinstitut für Kinder reicher Ärzte, die bei obigen Unis nicht aufgenommen wurden. Eine weitere Diplom Druckerei an der Donau brauchen wir schon gar nicht.

karakal
14.09.2009 22:37
Gibts ja eh....

Die Zahnarztkinderuni von der Donau-Uni Krems...

rubberduck
12.09.2009 11:10
wenn OÖ eine Med-Uni haben möchte

hindert doch niemand das Land OÖ und die Stadt Linz darann, eine auf eigene Kosten aufzumachen.
Hier gehts nur darum, daß OÖ das gerne aus Prestigegründen hätte und der Bund solls zahlen.

Die Ausbildungsqualität an dieser Uni stell ich mir allerdings etwas mau vor.
Es gibt keinerlei "rundherum" Infrastruktur für eine Med Ausbildung.
In Graz, Wien und Ibk. gibts seit über 100 Jahren die Med Ausbildung, da wurde doch einiges an Wissen und Infrastruktur aufgebaut. In 100-200 Jahren hat dieses Wissen und Infrastruktur dann eventuell diese Neue Med Uni.

Außerdem mit einer Med Uni allein ists nicht getan, das AKH müsste zu einer Uniklinik (an der ja auch geforscht werden sollte) ausgebaut werden, was wiederum einige EUR kostet

pfs79
15.09.2009 10:08

Da gebe ich Ihnen völlig recht. Am Beispiel der Paracelsus Uni in Salzburg sieht man ja, dass es völlig lächerlich ist, ein Provinzkrankenhaus aus heiterem Himmel in eine Uniklinik umzutaufen. Wenn man das Ergebnis mit echten Unikliniken vergleicht, dann sieht man halt, das einzige, was dort Uni ist, sind eben die 3 Buchstaben auf den Namensschildern.

Somebody Someone
15.09.2009 10:02

Universitäten sind Bundessache. Ein Land oder Gemeinde kann sicher nicht eine Universität im Alleingang aufstellen. Nun gut, das Gebäude schon...

robert kock
14.09.2009 08:56

Ich erstarre in Ehrfurcht vor dem Pioniergeist der Österreicher. Das Kleinformat passt schon gut zum Kiengeist

mikromalist
 
14.09.2009 09:39
Sind wir schon so degenerieret und de-mobilisiert,

dass Studentinnen nicht mehr nach Wien, Graz, Innsbruck studieren gehen können?
Schon einmal etwas von Fokussieren zum Qualitätsgewinn gehört?
Wissen Sie wo die AT Medizinforschung einmal stand und heute steht?
Ich glaube, das Kleinformat ist eher in Ihrem Kopf?

Ph G
 
12.09.2009 10:14
Natürlich

1500 Med Studenten nur aus OÖ und das jährlich, das würde heißen dass in Inssbruck und Wien nur OberösterreicherInnen sitzen und lediglich in Graz ist der ganze Rest versammelt (Deutsche, Restösterreicher, Nicht EU-Länder).
Also da habens die Zahlen kräftig nach oben geschraubt....

luchmhor
13.09.2009 23:33

Vielleicht nicht pro Jahrgang sondern insgesamt --> 1500/6=250. Klingt eigentlich realistisch.

Aber wenn aus jeder Region in der es keine Medizinuniv. gibt keine oder zu wenig Ärzte zurückkommen, dann ist Linz das kleinste Problem.

Walter Fenz
12.09.2009 10:12
Der Ärztemangel in OÖ nimmt zu: In der

Peripherie sind Turnusärzte nur mehr schwer zu bekommen, gleichzeitig wandern Jungärzte ins angrenzende Bayern frisch von der Uni weg ab.

Daß man etwa in Braunau einen FA für Chirurgie nicht einmal mehr in Ö ausschreibt, weil man ihn schlicht nicht bekommt, spricht Bände.

Selbst wenn Linz eine Meduni bekäme: 25% der Plätze gehen an EU-Ausländer, also an Deutsche, die ohnehin nicht im Lande bleiben dürften.

Zudem: Sollen die doch eine "private" Uni wie die Salzburger mit rund 10 000€ Studiengebühren/Jahr gründen, da wird man schon sehen, wie groß der Zulauf sein wird.....

Orbit Ohne Zucker
12.09.2009 08:02
Wahn

könnte man mit dem Geld - das sich anscheinend trotz knappem Budget finden lässt - nicht was sinnvolles machen?
Es ist leider wirklich so wie Rauscher geschrieben hat: Ö ist unreformierbar geworden, weil sich jede kleinere Organisationseinheit von der nächstgrößeren verfolgt, unterdrückt und benachteiligt fühlt. Und deswegen braucht jeder ein Krankenhaus, eine Uni, eine Fachhochschule, eine Autobahn und eine Hochleistungsbahnstrecke.
Wann werden wir endlich gscheiter?

Thomas Bayer
13.09.2009 17:42
Mit 300mio Euros könnte man z.B. den Opel-Magna Deal unterstützen

man sollte auch die 500mio an die AUA nicht vergessen.

europa.eu
12.09.2009 07:59
Auf dem leerstehenden Gelände der Austria Tabakwerke, soll eine neue Medizin-Uni entstehen


Und ewig grüßt die Beistrichsetzung...

Fisch^^Fisch
12.09.2009 00:33
Vorschlag:

Wieso finanziert das Land OOe den Med UNis Graz, Ibk und Wien nicht einfach zusaetzliche Studienplaetze? Das waere doch wesentlich billiger. Dann braeuchte man in Linz nicht die Komplette Struktur (samt teurem Verwaltungsapperat) neu aufbauen.

Oder gehts hier nur darum, dass es nicht sein darf, dass das grosse Land zwischen Inn und Enns keine Med Uni hat?

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