Alle Landesparteien sind sich einig: Oberösterreich braucht eine eigene Medizin-Uni - Auch nach einer Absage des Bundes will man daran festhalten
Widerspruchsfreie Einigkeit ist eine Seltenheit in der Politik. Aber es gibt sie, auch im oberösterreichischen Landtagswahlkampf. Ausnahmslose alle Parteien sind der Meinung: "Linz braucht eine eigene Medizin-Universität." Nur der Bund sieht das ein bisschen anders. Schon im Jänner dieses Jahres machte deshalb Wissenschaftsminister Johannes Hahn den oberösterreichischen Träumen ein Ende, indem er einen zusätzlichen ärztlichen Bedarf in Abrede stellte. Empörung unter den Oberösterreichern war die Folge, die Reaktionen reichten von "inakzeptabel" bis "kurzsichtig". Landeshauptmann Josef Pühringer sprach von einer "Ungeheuerlichkeit", weil ein Ministerialbeamter gemeint hatte, dass für eine Verwirklichung 300 Millionen Euro nötig seien.
Mittlerweile versuchen die Oberösterreicher allerdings das Projekt zu reanimieren - auch im Wahlkampf. Wie es dem Minister dabei gehe, wenn seine Parteikollegen in Oberösterreich seine Machtworte nicht ernstnehmen? "Wir haben kein Problem damit, dass diese Forderung im Wahlkampf artikuliert wird", sagt Nikola Donig, Sprecher des Wissenschaftsministeriums, gegenüber derStandard.at.
"Lassen uns nicht entmutigen"
Eine vollständige Absage hätte es von Seiten des Ministeriums nie gegeben. "Jetzt werden erst einmal Zahlen ausgetauscht", berichtet Donig. An diesen Zahlen sei eine Übereinkunft bisher gescheitert, denn während Oberösterreich einen großen Bedarf an Ärzten in Zukunft sieht, beschwichtigt das Ministerium und erklärt, dass dieser derzeit noch nicht gegeben sei.
Doch die oberösterreichischen Landespolitiker wollen sich mit dieser Argumentation des Bundes nicht abspeisen lassen. Thomas Stelzer, Klubobmann der oberösterreichischen Volkspartei (OÖVP), dazu im Gespräch mit derStandard.at: "Wir kämpfen sehr darum. Wir
sind es gewohnt, uns von einer ersten negativen Reaktion nicht
entmutigen zu lassen. Auch um die Kepler-Uni haben wir uns sehr lange
bemühen müssen."
Wenige ausgebildete Mediziner kommen zurück
Stelzer verweist auch auf das österreichische Regierungsprogramm, in dem steht, dass es bis 2015 2000 zusätzliche Ausbildungsplätze für Mediziner braucht. Außerdem gibt es auch "hauseigene" Gründe, um Oberösterreich zum
Medizin-Uni-Standort zu machen: "Derzeit gehen jährlich rund 1500
oberösterreichische Studierende in die Standorte Wien, Graz und
Innsbruck, aber nur sehr wenige kommen wieder zurück", sagt Stelzer. In 10 Jahren sei die oberösterreichische
Gesundheitsstruktur, wie sie derzeit vorhanden ist, nicht mehr
bedienbar.
Auch der Linzer Bürgermeister Franz Dobusch (SPÖ) ist ungeduldig: "Jedes weitere Jahr, das hier vermplempert wird, macht die Situation nicht besser." Bei einem provisorischen Start der Medizin-Uni im Jahr 2011/2012 wären die ersten Abgänger frühestens im Jahr 2020 zu erwarten.
Dass sich die Bewegung für eine Medizin-Uni mittlerweile "sehr verfestigt" hat, wie Thomas Stelzer meint, zeigt die Gründung eines Proponentenkomitees, das derzeit an neuen Konzepten arbeitet. Unter anderem soll geprüft werden, ob eine Medizin-Uni räumlich in die alten Austria-Tabak Werke passen würde. "Wenn diese Unterlagen dann vorliegen, werden wir mit Gesprächen beginnen", sagt Franz Dobusch gegenüber derStandard.at.
"Wir haben zig Sachargumente"
Warum Minister Hahn einem neuen Uni-Standort in Linz bisher eine Absage erteilt hat, kann sich Dobusch nur so erklären: "Es ist bewiesen, dass wir in Zukunft einen Ärztemangel haben werden, also kann es nur am Finanziellen liegen." Ganz nachvollziehen kann er Hahns bisherige Reaktionen trotzdem nicht: "Wenn ich Bundesminister für Wissenschaft und Forschung wäre, würde ich mich stark machen für dieses Projekt und mehr Geld vom Finanzminister für mein Ressort verlangen, aber das tut Hahn nicht."
Trotz dem derzeitigen Stillstand sind die Oberösterreicher siegessicher. "Wir haben zig Sachargumente auf unserer Seite", ist OÖVP-Klubobmannn Stelzer überzeugt. Auf lange Sicht rechnet er auf jeden Fall mit einem Zuschlag. Und auch Bürgermeister Dobusch sagt: "Eine Absage werden wir nicht akzeptieren." (Teresa Eder/derStandard.at, 11.09.2009)