Auftakt

Über 7.000 Aussteller in Frankfurt

10. September 2009, 06:40

Zensurskandal um ausgeladene exilchinesische Schriftsteller: Dai Qing kommt dennoch

Frankfurt - Trotz der Wirtschaftskrise rechnet die Frankfurter Buchmesse mit über 7000 Ausstellern aus 100 Ländern. An der Spitze liegt Deutschland (über 3000 Anbietern), gefolgt von den USA und Großbritannien. Rückgänge gibt es bei den Anbietern aus Osteuropa. Ehrengast der Messe (14. bis 18.10.) ist China, das wegen der Ausladung zweier regierungskritischer Autoren, die nicht an einem China-Symposium an diesem Wochenende in Frankfurt teilnehmen dürfen, bereits für erheblichen Wirbel gesorgt hat - DER STANDARD berichtete

Visum für Dai Qing

Ungeachtet der Boykottdrohung der chinesischen Seite wird die kritische Autorin Dai Qing doch an einem Symposium an diesem Wochenende in Frankfurt teilnehmen. Statt der Organisatoren der Buchmesse, die mit ihrer Ausladung an die Autorin auf die chinesische Seite Rücksicht nehmen wollten, machte das deutsche PEN-Zentrum die Reise der prominenten Aktivistin nach Frankfurt mit einer Einladung möglich.

Unter massivem chinesischen Druck haben die Organisatoren allerdings auch den exilchinesischen Schriftsteller Bei Ling von dem Treffen über "China und die Welt - Wahrnehmung und Wirklichkeit" ausgeladen. China ist vom 14. bis 18. Oktober das Gastland auf der diesjährigen Buchmesse.

   "Ich habe gerade das Visum bekommen", sagte Dai Qing am Donnerstag in Peking. In welcher Form die Autorin an dem Symposium teilnehmen wird, blieb offen. "Wenn die Organisatoren glauben, ich eigne mich nicht als Vortragende, nehme ich aktiv in den Diskussionen teil und stelle meine Fragen." Das Auswärtige Amt in Berlin begrüßte die Vergabe des Visums durch die Botschaft in Peking. "Wir freuen uns, dass Dai Qing an dem Treffen teilnehmen kann", sagte eine Sprecherin. "Mit meiner kleinen Aktion will ich meiner Regierung beibringen, nicht willkürlich zu handeln", sagte Dai Qing.

Bei Ling bleibt ausgeladen

Die Organisatoren der Frankfurter Buchmesse hatten ähnlich wie Dai Qing auch den in den USA im Exil lebenden Schriftsteller und Verleger Bei Ling ausgeladen. Projektleiter Peter Ripken habe ihn am Mittwoch "sehr besorgt" angerufen. "Er sagte, bitte komm nicht", berichtete Bei Ling telefonisch der dpa. Es würde sonst zu einer Konfrontation kommen, die das Symposium und die Frankfurter Buchmesse schädigen würde, gab er die Begründung Ripkens wieder. Sein Flug von Boston nach Frankfurt war bereits gebucht. Erst vor einer Woche sei er gebeten worden, seinen Beitrag über Zensur und Selbstzensur vorzubereiten.

Wie die Journalistin Dai Qing sei er gebeten worden, lieber im Oktober zu einer anderen Veranstaltung zur Buchmesse zu kommen. "Ich kann bis Oktober warten, aber das heißt nicht, dass ich mit der Entscheidung der Frankfurter Buchmesse übereinstimme", sagte Bei Ling. "Hier geht es um Meinungsfreiheit." Immerhin habe die Buchmesse ihre Tradition zu verteidigen, für Rede- und Publikationsfreiheit einzutreten. "Diese Vorfälle jetzt sind kein guter Anfang."

In Frankfurt sagte Ripken hingegen, er habe ursprünglich mal über eine Teilnahme von Bei Ling nachgedacht. Er habe ihm dann aber vor mehreren Wochen bereits mitgeteilt, dass dies nicht gehe. Das Symposium sei nicht als als Tagung mit "Dissidenten und Sinologen" gedacht, sondern es gehe um den "Dialog" mit China mit Wissenschaftlern und auch Diplomaten. Der Exilchinese beschrieb den überraschenden Anruf Ripkens am Vortag ausführlich. Der Projektleiter habe ihn über die "sehr schwierige Lage" informiert. Die Offiziellen aus China und selbst der bekannte chinesische Schriftsteller Mo Yan wollten nicht in einem Raum mit ihm sein, zitierte er Ripken.

Nach Ansicht des Generalsekretärs der Schriftstellervereinigung PEN, Herbert Wiesner, ist China noch nicht reif für eine Ernennung als Gastland der Frankfurter Buchmesse. Auf eine entsprechende Frage sagte Wiesner am Donnerstag im rbb-Kulturradio: "Das hätte man bei der Olympiade lernen können. Ich finde es etwas übereilt. China ist in vieler Hinsicht sehr reif, aber in dieser offenbar nicht." Die Achtung der Menschenrechte und auch der Eindruck, den es damit in anderen Ländern mache, "scheint China völlig gleichgültig zu sein - sie nehmen auch gar keine außenpolitische Rücksichten, das kennen sie gar nicht". Man habe aus dem jetzigen Fall gelernt, meinte Wiesner, dass China "uns in diese Situation der Erpressbarkeit versetzen kann".

Bei Ling war 2000 in China wegen "illegaler Veröffentlichungen" festgenommen worden und nach kurzer Haftzeit mit Hilfe der USA freigelassen und ausgewiesen worden. Er lebt heute als amerikanischer Staatsbürger in Boston, betätigt sich aber auch von Taiwan aus als Verleger für exilchinesische Literatur. Auch die Ansichten der Exilschriftsteller müssten in Frankfurt gehört werden, forderte er. (APA)

 

Kommentar posten
Posting 1 bis 25 von 43
1 2
Mr. Spock
03
10.9.2009, 17:47
Ich wuerde es nicht mit dem abgenuetzten Wort "Skandal" betiteln. Denn ... es ist eine riesige SCHANDE!

leib yggdrasilovic
22
10.9.2009, 17:25
wo ist byron sully,

der sich vor kurzem darüber alteriert hat, daß alessandra mussolini einen film verbieten ließ, der sie beleidigte ? vor den chinesischen kommunisten zu kriechen ist in seinen augen offentlichtlich kein verstoß gegen die kunst- und meinungsfreiheit. denn die linken haben bekanntlich immer recht; immer unrecht haben alle anderen.

Quasis Herr Karl
10
10.9.2009, 19:58
Verfolgungswahn?

Dr. Lari and Mr. Fari
 
00
11.9.2009, 12:45
ich denke, es ist kein unbilliges Verlangen,

von einem A-Sager auch ein B hören zu wollen.

Quasis Herr Karl
00
11.9.2009, 15:32
Kann mich an keine Beiträge von b.sully erinnern,

in denen er vor den chinesischen Kommunisten auf den Knien gekrochen wäre. Zur Zensur selbst - eine solche ist unerträglich!

byron sully
00
10.9.2009, 18:08
absurde unterstellung,

ich finde die ausladung genauso skandalös wie sie. nur daß im unterschied zu ihnen für mich sowohl linke wie auch rechte kunstzensur verurteilenswert ist, da unterscheide ich nicht. ihre unterstellungen können sie sich sparen, ich denke, ich hab mich schon in genug postings über das chinesische kp-mörderregime ausgelassen.

Dante Alighieri
00
10.9.2009, 17:36

Wo sehen Sie da "Linke"? Ist die Frankfurter Buchmesse links? Wohl eher ein Hort des Kommerzes. Und dass jeder innerhalb von kürzester Zeit zu jedem Artikel postet ist auch eine etwas absurde Annahme... ich habe diesen Artikel gerade erst zum ersten Mal gesehn, und byron sully gehts vielleicht genauso. Also bitte hören Sie mit Ihrem antilinken Verfolgungswahn auf.

spiderpig
01
10.9.2009, 17:09
tja die buchmesse

hatte die wahl zwischen einem skandal der auf die buchmesse zurückfällt und einem eklat der auf chian zurückfällt - sie haben sich für den skandal entschieden ;)

bunter wimpel
00
10.9.2009, 16:48
die frankfurter buchmesse ist ein kommerzzirkus.

alles wieder typisch.

Panda123
12
10.9.2009, 16:33
Danke PEN !!!

Wir sollten nicht nur das Negative sehen, sondern auch, wer aktiv gegen diese Missstände vorgeht und diese offen kritisiert.

Danke PEN, danke Herr Wiesner!

schmeiser
00
10.9.2009, 15:18
"China und die Welt - Wahrnehmung und deren Steuerung"

das mit der wirklichkeit lassen wir lieber sein.

alte frau
01
10.9.2009, 15:02

hinterhältiger kommunismus. nichts weiter.

Mr. Spock
00
10.9.2009, 17:49

Wenn Sie mal in China waren, dann wissen Sie, dass dieses Land alles andere als kommunistisch ist.

Timagoras
 
00
10.9.2009, 16:19
welcher kommunismus?


in China herrscht eine antiliberale national-kapitalistische nomenklatura
(gut, vielleicht kann man das als synonym für "kommunsismus in der realität" gelten lassen).

Dr. Lari and Mr. Fari
 
00
11.9.2009, 12:47
OFFIZIELL nennen sie sich noch Kommunistische Partei CHinas.

Nun... wie legte schon Fritz Löhner-Beda einem Chinesen in den Mund? "Doch wies drinnen aussieht geht niemand was an"...

Jim Kirk
012
10.9.2009, 14:53

Eine Buchmesse, die auf politischen Druck Autoren auslädt ist einfach nur mehr peinlich und hat keinen Anspruch auf irgendwas was auch nur in der Nähe von Moral angesiedelt ist.

Juergen Hoffmann
 
10
10.9.2009, 14:20

Gut zu wissen; ich werde mich dann in ein paar Jahren daran zurück erinnern, wenn ich mir die Bücher aus dem Internet sauge.
Wichtig wäre natürlich die Möglichkeit, den Autoren ihren redlichen Lohn zukommen zu lassen. Aber auch da wird die Kreativität im Internet noch eine Möglichkeit finden. Sonst bleibt immer noch paypal...

RebelAngel
 
11
10.9.2009, 12:59
die Zensur-SchülerInnen auf standard.at

applaudieren ergriffen vor Ehrfurcht!

Kathi1609
 
00
10.9.2009, 13:42
Wo siehst du da wen applaudieren?

Die bisherigen Postings kommen wohl aus der gegenteiligen Ecke.

RebelAngel
 
20
10.9.2009, 14:26
grüß sie!

sie sind wohl neu hier...

Kathi1609
 
01
10.9.2009, 14:34

da sind 20 postings unter deinem.
da schreibt kein einziger "sehr gut buchmesse, weiter so."
im gegenteil.

RebelAngel
 
01
10.9.2009, 14:49
meine Frage

ist noch unbeantwortet...

na eigentlich nicht...

Ganerc-Callibso
00
10.9.2009, 12:40
na dann macht man eine Buchausstellung nur für die beiden direkt im Anschluß oder parallel im Nachbargebäude

dort brauchen die Chinesen dann ja auch nicht hingehen...

Dr. Lari and Mr. Fari
 
08
10.9.2009, 12:39
Windelweiche Arschlöcher!!

Denen sollte ein gewisser Schriftsteller namens Havel einmal erklären, was Rückgrat ist, unter ungleich schwioerigeren Umständen noch dazu.

diemeinungsfreiheit
01
11.9.2009, 18:29
Geld regiert die Welt

und da ist die Buchmesse eben trotz des hohen moralischen Podests den Verlage und viele derer Autoren betreten halt auch nicht anders. Ich haette eigentlich erwartet, das die uebliche Reihe der "Lautsprecher", also z.B. Walser, Jelinek, Grass etc. nun erklaeren wuerden, dass sie ihren Verlagen das Recht entziehen eigene Buecher auf einer solchen Buchmesse zu praesentieren und dass ein paar der sonst so ueberaus politisch korrekten Verlage ihre Staende schliessen wuerden. Da hatte ich wohl etwas zuviel Rueckgrat erwartet. Ja so ist es halt: den Mund aufreissen ist billig aber dann Ernst zu machen - dazu reicht das Geld in der Schatulle dann wohl doch nicht.

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