Die Wahl des ungeliebten Präsidenten

9. September 2009, 21:27
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    foto: apa/schlager

    ... auch Ex-ÖVP-Chef Wilhelm Molterer hat nach wie vor gute Chancen.

Kommissionschef bleibt – EU-Außenminister als Gegenleistung - Abstimmung über Barroso im EU-Parlament am Mittwoch

Die Chancen des umstrittenen Präsidenten der EU-Kommission, José Manuel Barroso, sind deutlich gestiegen. Die Sozialdemokraten geben ihre Blockade auf. Aus Brüssel berichtet Thomas Mayer.

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Von der in Sonntagsreden oft gepriesenen Transparenz ist in diesen Tagen in der EU-Hauptstadt nicht viel zu sehen. Auch am vergangenen Mittwoch nicht.

Im Vorfeld war dieser Tag von den Gegnern des EU-Kommissionspräsidenten zum "Schicksalstag" hochstilisiert worden. Nach wochenlangen taktischen Scharmützeln um dessen Wiederwahl sollte sich José Manuel Barroso den "feindlichen" Fraktionen von Sozialdemokraten, Liberalen und Grünen stellen, am Ende den Linken. Erst dann werde man sehen, ob der "Frühstücksdirektor" (so der Grüne Daniel Cohn-Bendit) bestätigt wird oder Geschichte ist.

Christdemokraten und Nationalkonservative hatten ihn schon seit Montag unter Ausschluss der Öffentlichkeit abgehört - dann umso euphorischer als Mann "der Stabilität und Kontinuität" empfohlen. Geschlossene Türen. So blieb es auch bei Europas Roten und den Gelben, den Liberalen. Nur die Grünen machten eine Ausnahme. Sie zelebrierten die Sitzung mit Barroso öffentlich, via Internet - eine lebhafte, wechselseitig harte, aber faire Debatte. Am Schluss gab es dafür sogar viel Applaus für den "charmanten" Barroso.

Aber da waren die Würfel längst gefallen: "Ich gehe davon aus, dass die Enthaltung die wahrscheinlichste Entscheidung der Fraktion ist" , erklärte der EU-Abgeordnete Hannes Swoboda zu Mittag: "Eine Mehrheit im Präsidium wird sich dafür aussprechen, die Wahl Barrosos für Mittwoch nächster Woche anzusetzen." Damit hatte er praktisch alles gesagt.

Swoboda verfügt als parlamentarischer Geschäftsführer der SPE im EU-Getriebe über extrem guten Einblick und auch Einfluss. Nun ging seine Erklärung sofort als Eil-meldung um den Kontinent, die am Abend auch vom Liberalen-Chef Guy Verhofstadt bestätigt wurde.

Denn: Die Gegner Barrosos hatten bis dahin zwei Möglichkeiten, die Wiederwahl des von den Staats- und Regierungschefs einstimmig Nominierten zu verhindern. Zunächst, indem sie den Wahlgang (wie im Juli) durch ihre Mehrheit im Parlamentspräsidium wieder verschieben. Das aber wurde nun aufgrund von "Zugeständnissen in vier, fünf inhaltlichen Fragen" , die eine sozialere Politik zulassen sollen, fallengelassen.

Mit der Stimmenthaltung vieler Sozialdemokraten (184 Mandate) bei der Abstimmung am kommenden Mittwoch (16. September) aber fällt im Plenum die Mehrheit zur Verhinderung Barrosos. Er kann mit Unterstützung der Christdemokraten (265) und der Konservativen (53), wenn auch knapp, auf eine Mehrheit der abgegebenen Stimmen kommen. Ein deutscher Konservativer sagt: "Es wird mit Ächzen undStöhnen sein, aber Barroso wird Mittwoch gewählt."

Die SPE formulierte die Bedingungen, die dies begleiten: Man erwarte, dass der künftige "EU-Außenminister" , der nach dem Lissabon-Vertrag gleichzeitig Vizepräsident der Kommission ist, von den Sozialdemokraten gestellt wird - "der Ratspräsident reicht nicht als Kompensation" ; und inhaltlich, indem in Binnenmarkt und Wettbewerbspolitik, bei der Entsendungsrichtlinie, mehr soziale Handschrift sichtbar wird, so Swoboda.

Das hat Barroso zugesagt. Ein Christdemokrat: "Die Roten haben verstanden, dass der Außenbeauftragte neben dem Kommissionschef die Schlüsselrolle hat."

Tony Blair ist out

So ist in den Hauptstädten bereits das Rennen um die Top-Jobs im Gang. Bei der SPE ist einer der Favoriten der Regierungschefs, der frühere britische Premier Tony Blair, obwohl Parteifreund nicht erwünscht. Er hat viel über die EU geredet, aber wenig dafür getan. Dafür rückt Dänemarks Ex-Premier Poul Nyrup Rasmussen in den Vordergrund. Er ist Vorsitzender der Euro-Sozialdemokraten. Auch der Name Alfred Gusenbauer taucht auf, gegen ihn spricht, dass er aus einem neutralen Land kommt. Mit im Spiel auch der deutsche Außenminister Frank Walter Steinmeier: Verliert er die Wahl am 27. September gegen Angela Merkel, könnte er ohne Gesichtsverlust "umsteigen" .

Bleibt das Ringen um Österreichs EU-Kommissar, laut Swoboda bisher "verbockt" . Die ÖVP beharrt auf den Posten. Ex-Parteichef Wilhelm Molterer hat in Europas informeller großer Koalition gute Chancen. Und: In Brüssel wird zunehmend vom Bleiben von Außenkommissarin Benita Ferrero-Waldner geredet. Barroso schätzt sie.  (DER STANDARD, Printausgabe, 10.9.2009)

Kommentar posten
Posting 1 bis 25 von 119
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T.h. omas
00
10.9.2009, 13:50
Barroso muss nicht gewählt werden!

Was soll das wieder für eine Volksverdummung sein?
Der Kommissionspräsident wird nicht gewählr, sondern bestimmt und vom Parlament abgenickt oder abgelehnt. Wahl heisst, eine Alternative zu haben. In diesem Fal ist diese aber auf ja oder nein beschränkt.

angehender Medientechniker
 
00
10.9.2009, 12:31
So gewinnt man Wahlen

Anscheinend wollen die Sozialdemokraten keine Wahlen mehr gewinnen. Wer sich nicht gegen einen Barroso stelle ist für mich nicht wählbar.

Die SPE agiert genau so wie man es bei uns schon von der SPÖ gewohnt ist. Sich nur nicht den Konservativen in den Weg stellen. Jede Konfrontation meiden. Nur lächeln und winken. Jawohl, so gewinnt man Wahlen. Auf Wiedersehen Sozialdemokratie.

derfalke
00
10.9.2009, 12:11
Die europäischen Sozialisten (SPE) sind als Tiger gesprungen und nun als Bettvorleger gelandet.

Den Sozialisten sollte schon stets klar sein, dass sie als die größten Wahlverlierer keine großen Ansprüche zu stellen haben.

Der künftige EU-Außenminister bleibt voll und ganz von den Entscheidungen der EU-Mitgliedsstaaten abhängig und ist somit nur ein "Frühstücksdirektor".

meineMeinung
00
10.9.2009, 12:01

Fehler!!

Markus1975
02
10.9.2009, 11:31
und dann heißt es immer

man soll seine Stimme gebrauchen, denn die Nicht Wähler helfen immer dem Gegner. Wie schauts denn da mit dem Demokratieverständnis der Sozis aus ? Enthalten sich einfach geschlossen der Stimme. Zusätzlich sind dann die ganzen Polit Versager abgebildet. Vielleicht qualifiziert sie allerdings exakt dieses Versagen in der heimischen Politik für die diversen EU- Ämter, man gewinnt langsam aber sicher den Eindruck. Ich denke, dass man endlich mal auch fähige Leute in die EU Kommission schicken könnte, und dafür die nationalen Vertretungen auf ein Kleinstmaß reduzieren kann. Dann würde auch das Ansehen des Verschwendervereines eventuell steigen. Dann würden sich vielleicht auch mal unsere Systemerhaltungsausgaben reduzieren, Geisterbahnverein ...

Christoph ************
00
10.9.2009, 13:00

Sie ignorieren absichtlich oder aus Unwissen, dass Barroso sich durchaus deutlich auf die SPE zubewegt hat. Soweit, dass man schon Murren unter manchen in der EVP verhören konnte.

Wenn man dann auch noch in Betracht zieht, dass die SPE eben die Wahl ziemlich harsch verloren hat, kann man nicht auch noch erwarten, dass sie dann Maximalforderungen aufstellen und durchbringen werden. Da würden dann andere wohl zurecht von wegen Demokratie herummurren.

Mercury12
00
10.9.2009, 11:06

Hauptsache uns immer predigen, dass wir nicht auf unsere demokratischen Rechte verzichten sollen und ja zur Wahlurne schreiten mögen. Selber sinds aber nichtmal aufrichtig genug ihren politischen Willen in der Abstimmung kund zu tun. Die Message? Für Gegenleistungen halten wir gerne die Pappn! Ein wahrer Lichtblick, diese Europäische Sozialdemokratie!

koelli
03
10.9.2009, 11:03
Stimmenenthaltung

die für den Bürger vorgelebte Demokratie....

Bürokratischer Sauhaufen - das ist das einziges was mir zu diesem "Konstrukt" einfällt

Der Anarchosyndikalist
 
10
10.9.2009, 10:19

DEmokratie ist Krise und Anarchie ist basisdemokratisch und das was wir brauchen.

Anuntiata
00
10.9.2009, 11:25
Gut amüsiert hab ich mich :-)

Demokratie ist Krise und Anarchie nicht, oder was? Basisdemokratisch im Sinne eines 8 Mio. Einwohner-Staates ist Krise - und zwar Dauerkrise :-D

WOCKNUP
02
10.9.2009, 09:57
Eine formidable Mischung - für eine Geisterbahn!

Andreas Schneider
02
10.9.2009, 09:53

man sollte all jene genau unter die lupe nehmen, die tony blair forcieren.

der verdacht des hochverrats drängt sich auf.

zimbo
 
01
10.9.2009, 09:53
Jawoll, Vertag von Lissabon und einen Kriegsverbrecher als Außenminister.

Die EU in voller Ausbaustufe.

Genowo
00
10.9.2009, 09:42
In einer demokratischen EU würde der Kommissionspräsident vom Volk gewählt.

?und
00
10.9.2009, 09:35
stimmenthaltung

man stelle sich mal vor, die eu-befürworter in irland
enthalten sich der stimme.

Lalai Dama
01
10.9.2009, 09:23
Bitte nicht den Pudel

Abgesehen davon, dass ihm sein Herrchen abhanden gekommen ist, frage ich mich schon, was an diesem Herrn links bzw. sozialdemokratisch ist. (Was nicht heißt, dass links eine notwendige oder gar ausreichende Qualifikation für den Posten wäre)

asinus
01
10.9.2009, 09:30

Man hat immer mehr das Gefühl, wenn man links die Politikerfotos sieht, dass die EU-Posten von gescheiterten Politikern sehr begehrt sind, noch einmal einen letzten politischen Frühling zu erleben, noch einmal etwas zu sagen zu haben, und noch einmal viel zu verdienen.
Die Postenpackelei ist schon ziemlich widerlich.

Dreistein
 
02
10.9.2009, 09:22
Doch nicht den Toni Blärr!

Der Toni Blärr ist sicherlich kein Sozialdemokrat, für den sich die Sozis im EU Parklament stark machen dürften. Und wenn ja, dann war meine Entscheidung richtig, sie diesesmal nicht zu wählen. Schon gar nicht so einen wie den Swoboda, der heute so sagt und morgen anders tut.

asinus
00
10.9.2009, 14:48

Toni Blair ist der, welcher mit seine Lügengeschichten und falschen Untersuchungen den Irak-Krieg kräftig angeheizt, wenn nicht "schmackhaft" gemacht hat.

Der Alte vom Berge
00
10.9.2009, 11:59
Förderer und Gesinnungsgenossen...

...von Mr.Blair sind zu grossen Teilen Aktionäre und Profiteure von BP,auch als Blair Petroleum bekannt.

Ein Erfüllungsgehilfe und Nickesel der Konzerne der Herrn Barroso um nichts Nachsteht. ^^

didi111
013
10.9.2009, 09:04
Eigentlich ist Molterer ein Phänomen!!


http://de.wikipedia.org/wiki/Wilh... m_Molterer

Hat von NICHTS eine Ahnung und quiescht fröhlich mit.

Er war mal Landwirtschaftsminister!

Okay, seine Qualifikation scheint er davon zu haben, auf einem Bauernhof aufgewachsen zu sein.

Er war einmal Finanzminister:

Okay, wahrscheinlich hat er eine Bankomatkarte.

Jetzt ist er ÖVP-Verfassungssprecher bei der Schulreform:

Okay, er kann wahrscheinlich das Wort Verfassung richtig schreiben.

Jetzt ist er im Gespräch als EU-Außenminister:

Er wird wahrscheinlich wissen, daß Amerika nicht an Frankreich grenzt.

DAS Problem dabei ist, daß die Akzeptanz der Gesellschaft für diese Art von Postenschacher immer mehr fällt, und Wut und Aggressivität um sich greift.

ceterum censeo faymanem esse d...
10
10.9.2009, 10:33
Ihre "Wut und Aggressivität" würde sich sehr schnell legen, wenn Sie..


.. ihre Parteibrille abnähmen:

Während Molterers Amtszeit als Landwirtschaftsminister war das Einkommen der Bauern im erträglichen Rahmen: die Milchbauern erhielten beispielsweise ca. 40 Cent pro Liter - während sie heute trotz gestiegener Kosten nur mehr 28 Cent bekommen und kurz vor dem Aus stehen.

Als Finanzminister hat er sein Budget nicht nur eingehalten, sondern auch in Rekordzeit ausverhandelt. Er war nämlich bei den Verhandlungen weitaus besser über die einzelnen Ressorts informiert als die ihnen vorstehenden Minister.

Ich bin sicher, Ihre ohnmächtige Wut auf Molterer und alles Schwarze kommt daher, dass selbst eine wenig charismatische und glücklose Figur wie er immer noch bei weitem mehr drauf hat, als der beste SPÖ Kandidat.

Felix Schoitl
05
10.9.2009, 09:36

Danke für diese nette Auflistung, die zeigt, dass ÖVP und EVP naturgemäß WEIT über jeden hier von den Sozialistenbashern angeprangerten "Postenschacher" erhaben ist.

WOCKNUP
01
10.9.2009, 09:35
"Okay, er kann wahrscheinlich das Wort Verfassung richtig schreiben."

Als österreichischer Politbonze lässt man schreiben. Ich sage nur "Standart".

Ui Jessasna
00
10.9.2009, 09:57

jaaaaaaaaaaaa, hahaha, war auch irgendwie typisch damals...;), natürlich grün für diese Erinnerung...

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