derStandard.at-Interview

"Da bin ich in den Ring gestiegen"

11. September 2009 10:09

Hannes Missethon, ehemaliger Generalsekretär der ÖVP, über seinen "Abwehrkampf" gegen die SPÖ und die österreichische Integrationspolitik

Hannes Missethon sitzt in der Nähe des Rathauses im Cafe Einstein und isst ein Schinken-Käse-Brot. Der ehemalige Scharfmacher der ÖVP, der als Generalsekretär vor allem durch seine provokanten Äußerungen und seine bissigen Aussendungen gegen die SPÖ bekannt war, wirkt anfangs entspannt und umgänglich. Seitenhiebe gegen die SPÖ kommen ihm dann im Laufe des Gesprächs doch locker über die Lippen.

Er vermisse die Politik nicht, sagt er im Gespräch mit Saskia Jungnikl und Lukas Kapeller. "Ich genieße es, wieder Herr über meinen Terminplan zu sein." Außerdem redet Missethon über die Demonstrationen bei Schwarz-Blau und die Intergrationspolitik in Österreich.

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derStandard.at: Sie haben sich während Ihrer Amtszeit vor allem mit dem damaligen Generalsekretär der SPÖ, Josef Kalina gematcht. Fehlt Ihnen das?

Missethon: Nein, diese Phase meines Lebens habe ich weidlich ausgenützt. Aber ich muss sagen, ich schätze den Kalina sehr. Und ich glaube wir haben unsere damaligen Rollen leidenschaftlich gelebt.

derStandard.at: Wie sehen Sie aus damaliger Sicht heute die so genannte "Kuschel-Koalition"?

Missethon: Wir waren damals in einem völlig anderen Umfeld eingebettet. Die jetzige Koalition hat die Bedrohung der Wirtschaftskrise - einen Feind von außen sozusagen. Da wissen beide, was angebracht ist. Bei uns gab es zu Beginn gleich zwei Untersuchungsausschüsse der SPÖ gegen uns und da sind natürlich die Fetzen geflogen. Da bin ich in den Ring gestiegen. Es ging nicht darum sein Profil zu schärfen - für mich war das ein echter Abwehrkampf.

derStandard.at: Sie sind zwar aus der Politik ausgeschieden, wenn Sie sich aber die Arbeit der beiden Regierungsparteien ansehen, welche Meinung haben Sie dazu?

Missethon: Die ÖVP hatte immer Prioritäten, die jetzt - vor allem während der Wirtschaftskrise - helfen: Die Wirtschaftskompetenz oder die EU, ohne deren Unterstützung tut sich ein kleines Land wie Österreich sehr schwer. Da hat die SPÖ Erklärungsbedarf - der Europaschwenk war hier nicht richtig. Außerdem hatte sie in den vergangenen Jahren immer wieder herbe Verluste bei Landtagswahlen, was sich auf eine Bundespartei auswirkt. Und dann hat sie die FPÖ als Konkurrenten, die ihnen das Wählerpotential als Arbeiterpartei deutlich abnimmt.

derStandard.at: Die ÖVP tut sich in ihrer Linie zur FPÖ leichter.

Missethon: Als Wolfgang Schüssel 2000 Kanzler geworden ist und die Schwarz-Blaue Koalition geführt hat, ist für manche Gruppierungen ja die klein-österreichische Welt zusammengebrochen. Ich hab diese Demonstrationen miterlebt, "nur" weil es einmal was anderes gegeben hat als eine SPÖ geführte Regierung. Dabei ist das in anderen Ländern ganz normal, dass eine demokratisch legitimierte Partei regiert. Natürlich kann man über die politischen Ansichten der FPÖ diskutieren, aber bei dieser Aufregung war ich zum Teil fassungslos.

Meiner Meinung nach, sollte die Große Koalition immer die letzte Alternative sein und nicht die erste. Außerdem muss man schon sagen: die wirklichen Großen Koalitions-Kutscher sind die Oppositionsparteien. Weil von denen keiner in die Regierung will.

derStandard.at: Was war eigentlich Ihre Aufgabe damals? Die rechten Wähler einzufangen?

Missethon: Nein. Was ich damals im Bereich Zuwanderungs- und Ausländerpolitik formuliert habe, war meine Überzeugung.

derStandard.at: Aber die Partei hat Sie ja gekannt und gewusst, wenn man Sie in diese Position holt, was dann von Ihnen zu erwarten ist.

Missethon: Ich war immer einer, der die Philosophie vertreten hat: Man muss die Dinge auf den Punkt bringen. Und der Bereich Zuwanderung ist dreißig Jahre lang vernachlässigt worden und darum hab ich mich gekümmert. Ich hab auch keine ausländerfeindlichen Parolen formuliert sondern Dinge klargestellt.

derStandard.at: So wie: "In Ottakring schlafen gegangen, in Klein-Istanbul wieder aufgewacht"?

Missethon: Dass in Wien manche Dinge aus der Ordnung gekommen sind, sehen die Menschen hier auch so. Sonst würden die Wahlergebnisse nicht so ausschauen, wie sie ausschauen. Und wenn ich mir die SPÖ so anschaue, wird das Konzept der FPÖ weiter für Zulauf sorgen. Aber der Strache (Heinz-Christian, FPÖ-Obmann, Anm.) war für mich nie der Maßstab für Politik. Josef Bucher (BZÖ-Obmann, Anm.) hat das schön formuliert: Der wird erst an die Zukunft denken, wenn er den Zweiten Weltkrieg gewonnen hat.

derStandard.at: Wenn man so wie Maria Fekter oder Sie Asylwerber immer mit steigender Kriminalität gleichsetzt, verändert allein der Sprachgebrauch schon die Stimmung, oder?

Missethon: Ja, aber dieser Zusammenhang kommt nicht von ungefähr. Ich würde mir hier mehr Selbstbewusstsein in Österreich wünschen. Wir formulieren viel zuwenig klar, was wir wollen und bieten damit Zuwanderern auch viel zuwenig Orientierungshilfe. Zuwanderer müssen Deutsch lernen, das ist essentiell und davon gehe ich auch nicht ab.

derStandard.at: Sebastian Kurz, neuer Chef der Jungen ÖVP, hat vorgeschlagen, die Kinder von Migranten, die noch kein Deutsch sprechen, in ein eigenes Zentrum zu stecken. Segregation statt Integration?

Missethon: Da geht es um das Ziel und das Ziel ist, dass die Kinder möglichst schnell Deutsch lernen. Wie, das müssen die Experten entscheiden. Aber ich mag keine vorgefassten Kastln, wie Segragation oder Integration. Es gibt auch Schulen in denen österreichische Kinder alleine in der Klasse sind, was ist das dann? Wir neigen dazu, es uns unnötig schwer zu machen. Wenn die Kinder im ersten Jahr ausschließlich Deutsch lernen, soll mir das recht sein.

derStandard.at: Sind Sie für eine Null-Zuwanderung?

Missethon: Ich bin dafür, dass wir unsere Bedingungen klarer ausformulieren. Menschen nach Österreich holen, die an unsere Arbeitsplatzsituation angepasst sind. Außerdem muss das Asylverfahren möglichst schnell abgewickelt werden. Ich hätte auch nichts gegen ein Schubhaftzentrum in Leoben - das sind 180 Arbeitsplätze, eine sichere Branche.

derStandard.at: Vergangene Woche gab es vor dem Rathaus eine Konfrontation zwischen Abtreibungsbefürwortern und -Gegnern. Auf welcher Seite wären Sie gestanden?

Missethon: Ich wäre zur Perspektivengruppe der ÖVP gegangen - da haben wir eine vernünftige Position formuliert. Mit Fundamentalisten ist es immer schwer eine Lösung zu finden: Ob das die Frau Heinisch-Hosek (Gabriele, SPÖ, Anm.) ist oder der Herr Stadler (Ewald, BZÖ, Anm.).

derStandard.at: Überlegen Sie sich manchmal einen Wiedereinstieg in die Politk?

Missethon: Nein, das Kapitel ist für mich abgeschlossen. Aber die Politik hat schon eine eigene Faszination. Da hat man Einblicke, die man als Normalbürger nicht kriegt. Und natürlich ist die Arbeit sehr anstrengend. Man muss unglaublich diszipliniert sein. (Saskia Jungnikl und Lukas Kapeller, derStandard.at, 11.9.2009)

Zur Person: Hannes Missethon (50) war ab 2002 Abgeordneter der ÖVP im Nationalrat und von Jänner 2007 bis November 2008 Generalsekretär. Als solcher fiel er vor allem durch seine bissigen Aussendungen und sein Hick-Hack mit seinem SPÖ-Pendant Josef Kalina auf. Heute ist er Unternehmensberater in Leoben.

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the cato eater
16.09.2009 09:14
na, der hat gerade noch gefehlt!

Papp Kamerad
14.09.2009 10:33
Misse wer?

Beobachter zweiter Ordnung
14.09.2009 00:08
Warum holt man den Wadlbeisser dieser unsäglichen neoliberalen Schüssel-Partei aus der Mottenkiste hervor?

Die Schüsselei ist vorbei, die schrecklichen Folgen haben wir ohnehin noch Jahre zu tragen: Verfall der politischen Kultur, Lügen als politisches Instrument, Einschränkungen der Demokratie, eine sich stetig öffnende Einkommensschere, blindwütige Verstaatlichungen, Braune in allen Spitzenposition der Republik und und und. Statt diesen Dödel zu interviewen sollte der Standard lieber Leute vors Mikro holen, die uns sagen, wie wir diesen Politmüll der Schüsselei wieder schnell neutralisieren können.

Hubert Ungeist
15.09.2009 07:27
Stimmt es wurde niemals vor Schüssel in der Politik gelogen..

gell.

Wiie wurde übrigens die Demokratie eingeschränkt? Meinen sie de 5jährige Legislaturperiode? Das geschah nach Schüssel. bei den blindwütigen Verstaatlichungen dürfte sie sich sowieso vertan haben

Ihr hass auf Schüssel kommt aber ganz gut raus

Peter Hammer 06
15.09.2009 06:50
>Missethon< UND das >Schüsselbuch<....

...zwei "Glanzereignisse" an einem Tag.
Was wird uns hier morgen geboten?

Placebo
 
12.09.2009 18:58
Bei der ÖVP heissen alle wie sie sind.

Aguirre74
12.09.2009 13:45

Man sollte eine neue liberale Partei gründen, die nicht an Pfründen interessiert ist und ausschließlich am Wohl und Fortschritt des Landes interessiert ist. Und am besten aus Experten gebildet wird.

also dann ...
12.09.2009 13:37
w e r ... ist MIS - t- ON ... ?

wakeup
12.09.2009 12:05
Dem Kleinen ist alles klein

Die "klein-österreichische Welt" ist aber während der Regierungszeit des ach so großen Schüssel nicht größer geworden. Sie ist nach wie vor so groß, wie sie ist.
Um die Rolle des Scharfmachers zu spielen muss "man" freilich diszipliniert sein.
Würde "man" nämlich Ver-ant-wort-ung für sein Reden und Handeln übernehmen, wäre es aus mit dem Scharfmachen und so "mancher" käme darauf, dass auch er ein sanftes Lämmchen ist, dass gerne liebevoll mit sich selbst und anderen umgehen möchte.

systemfehler1
12.09.2009 10:43
"Da bin ich in den Ring gestiegen"

"Und jetzt ist er am Hüftspeck hängen geblieben!"

Fred Fido
12.09.2009 09:08
Es muss auch wadelbeisser geben

Sonst könnten wir aufgeklärte uns nicht von ihnen unterscheiden. In dem sinne danke, lieber Missethon.

Christiane Amanpour
 
12.09.2009 08:40
Zwei Fragen

1. Die ÖVP ist eine christlich-soziale Partei. Wo ist das Christliche und das Soziale in den Äusserungen dieses Herren?
2. Mit welchem Rat kann dieser Herr aus Leoben einem Unternehmen zur Seite stehen?

papst
12.09.2009 08:17
missethons stirnhöhlenecho

der begriff "selbst enttarnung" verliert bei diesem dödl echt jegliche bedeutung....

roterbruder1
12.09.2009 08:17

ob er die von ihm beratenen unternehmen vor illegal beschäftigten warnt??

Sanuk Sana
12.09.2009 05:57

Ein extremer Unsympatler, mehr faellt mir zu dem Menschen nicht ein.


1116er
12.09.2009 05:07
die groesste politische leistung missethons war es,

(zusammen mit anderen) einen echt miesen ton salonfaehig zu machen.

Knut Ogris
11.09.2009 23:33
Ich bin seLber Steirer und der tut mir weh - weil er leider ein "weh " ist! Man braucht nur seine Sätze ein bisschen analysieren, nicht tief - aber das reicht - der hat einen mir nicht zugänglIchen Code, der allerdings an andere zeiten erinnnernt!

trace route
11.09.2009 20:49
Dem Absatz "Zur Person" könnte man noch hinzufügen:

"Ein Gutteil der ÖsterreicherInnen hat den Namen schon längst wieder vergessen. Und vermissen tut ihn sowieso niemand."

PS: Die FPÖ rechts überholen zu wollen, ist nicht möglich. Dort ist nur der Abgrund...

asinus
11.09.2009 23:34

Deswegen heißt er "Misse-"thon....keine große Leuchte.

Jo H
11.09.2009 20:02

nichts gelesen.
wenn ich den sehe -
pfui!

Peter Langhammer
11.09.2009 18:58
da bin ich in den ring gestiegen ...

und kurzerhand ko gegangen. sein bestes interview - lang nach dem ausscheiden aus der funktion und macht. für die politik war er nicht geschaffen, so findet er danach doch wieder seinen frieden. als steirer kann er uns über wien und integration nicht wesentliches sagen - warum er es doch immer wieder versucht weiß er allein.

bluebeard's 8th wife.
11.09.2009 18:26
der war noch tiefer als lowpatka,

und das will was heißen.

byron sully
11.09.2009 23:23
das stimmt,

zu missethons zeiten hatte ich wirklich sehnsucht nach lopatka. letzterer war zwar auch tief, aber der blieb wenigstens im keller, während missethon, was seine tiefe betrifft, den erdkern zu erreichen suchte.

Wien gehört nicht zu Deutschland!
11.09.2009 18:24
Tschuldign Armer Narr!

ancona
11.09.2009 17:52
warum wird dieses thema ignoriert?

in österreich wird auch in den nächsten 30 Jahre Stillstand, Ideen- und Gestaltungsverbot rund um das Thema Migration herrschen!
Warum das seitens der politik so ist, bleibt mir allerdings ein Rätsel!
Relativ klar ist jedoch das eine emotionsfreie, sachliche Diskussion durch die zunehmende polarisierung dieses Themas( es wird tatsächlich jedes wort auf die "goldene Waagschale" gelegt und danach die jeweilige Schublade geöffnet) immer schwieriger wird!

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