"Angriff Mischung aus Leichtsinn, Fahrlässigkeit und Feigheit"

09. September 2009 16:37

Ajmal Samadi erklärt, warum bei dem Luftangriff in Afghanistan so viele Zivilisten getroffen wurden

Ajmal Samadis NGO "Afghanistan Rights Monitoring" (ARM) ist eine der wenigen Menschenrechtsorganisationen in Afghanistan. In Interviews mit 15 Familien ziviler Opfer des Luftangriffes lieferte ARM erste unabhängige Angaben zur Anzahl der bei dem Luftschlag vergangene Woche getöteten Zivilisten und brachte somit Nato, ISAF und Bundeswehr in Erklärungsnotstand. Im Interview mit derStandard.at erzählt er von der Begegnung mit den Hinterbliebenen und erklärt, warum auch die Provinzregierung den Anschlag begrüßte.

Er fordert Nato und ISAF (International Security Assistance Force), auf, ihre Strategie in Afghanistan den sich schnell ändernden Bedingungen anzupassen und auch kulturelle Normen in ihre Überlegungen einzubeziehen.

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derStandard.at: Ihre NGO, Afghanistan Rights Monitoring (ARM), führte Anfang dieser Woche Interviews mit 15 Bewohnern des Dorfes, in dem der Nato-Luftangriff auf die beiden Tanklaster stattfand. Basierend auf diesen Gesprächen veröffentlichten Sie konkrete Zahlen der Zivilisten, die bei dem Angriff ums Leben kamen. Ihre Schätzungen lagen bei 60 bis 70 toten Zivilisten. Was haben die Bewohner genau erzählt?

Ajmal Samadi: Wir interviewten 15 betroffene Familien und sie erzählten uns, dass ihre Angehörigen bei dem Luftangriff ums Leben kamen. Uns wurde erzählt, dass die Taliban in die Häuser gekommen sind und die jungen Männer zwangen, ihnen zu helfen, die im sumpfigen Flussbett hängengebliebenden Laster wieder herauszuziehen. Einige Dorfbewohner versuchten in der Zwischenzeit, den Benzin, der aus einem Leck im Tanker auslief, abzuzapfen. Mit der Erlaubnis der Taliban. Die Leute erzählten uns auch, dass sie sehr überrascht von dem Luftangriff waren, vor allem deswegen weil es in der Region bisher keinerlei Kampftätigkeiten gab.

derStandard.at: Was hatten die Bewaffneten Ihrer Meinung nach mit den Tanklastern vor?

Ajmal Samadi: Es ist unklar, was diese Leute tatsächlich mit den entführten Tanklastern vorhatten.  Vielleicht wollten sie das Benzin und die Wagen verkaufen, um Geld für ihre terroristischen Aktivitäten zu bekommen. Oder sie wollten die Laster für einen Großangriff auf afghanische und internationale militärische Ziele benutzen. Sie hätten das Benzin aber auch einfach für ihre eigenen Autos und Motorräder für verschiedenste Aktionen brauchen können. Die Tatsache, dass die Laster erst mal weg von der Hauptstadt gebracht haben legt allerdings nahe, dass noch keine genauen Angriffspläne existierten.

derStandard.at: Ein Sprecher der Provinzregierung sagte noch am Anfang der Woche, dass höchstens fünf Zivilisten bei dem Angriff ums Leben gekommen wären. Warum sollte er etwas Falsches behaupten?

Ajmal Samadi: Wie wir auch in unserem Bericht erwähnen: Die Schilderungen der Sprecher der Provinzregierungen sind natürlich auch politisch motiviert. Dieser Zwischenfall sollte als strategischer Sieg und Bestrafung der Taliban-Unterstützer im Char Dara District dargestellt werden. Der Provinzgouverneur ist der Meinung, dass ein Großteil der Menschen in seinem Distrikt mit den Taliban sympatisiert und deswegen eine Bestrafung verdient hat. Diese Einstellung ist natürlich absolut falsch. Die Taliban mögen Sympathisanten in der Zivilbevölkerung haben, die dürfen aber nicht Ziel von Bestrafungsaktionen durch die Regierung sein. Die afghanische Verfassung und internationale menschenrechtliche Standards garantieren das Recht, die politische Strömung zu unterstützen, die man will, solange man nicht in gewalttätige Aktionen verwickelt ist. Die Afghanen sind mehr und mehr frustiert über die zunehmende Korruption und die schlechte Regierung in ihrem Land. Da ist es nur logisch, dass viele sich um Alternativen umschauen. Dafür sollte niemand getötet werden.

derStandard.at: War der Luftangriff in Ihren Augen ein Notwendigkeit oder ein "Missverständnis"?

Ajmal Samadi: Ich denke, das war eine Kombination aus Leichtsinn, institutioneller Fahrlässigkeit und Feigheit. Leichtsinn seitens der US-Kommandanten, die allzu schnell dem Ruf der Bundeswehr nach Luftunterstützung folgten und blind das ausführten, worum ein Einzelner via Telefon bat. Feigheit seitens der deutschen Kräfte, die vollkommen panisch automatisch davon ausgingen, dass die Laster für einen Anschlag  gegen sie benutzt werden könnten und gleich ein Bombardement anforderten. Die Deutschen hätten die Lage erstmal genauer sondieren und eine schnelle Einsatztruppe schicken sollen, um die Entführer auszuschalten und einen eventuell geplanten Angriff auf ihre Basis zu vereiteln. Instutionelle Fahrlässigkeit sehe ich in Teilen der Nato-Kommandozentrale, die kürzlich zwar eine neue taktische Direktive zum Thema erließ, es aber versäumte, diese auch effektiv zu implementieren.   

derStandard.at: Ist die Nato-Strategie in Afghanistan eine falsche?

Ajmal Samadi: Die allgemeine Strategie der Nato ist in Ordnung, müsste allerdings den sich schnell verändernden Realitäten in Afghanistan angepasst werden. Damit meine ich taktische Veränderungen am Boden bezüglich Luftangriffen und Hausdurchsuchungen. Und wichtig wäre mehr Respekt für kulturelle Normen.

derStandard.at: Wie ist der Ruf der Bundeswehr in Afghanistan?

Ajmal Samadi: Die deutschen Einsatzkräfte sind Teil der Nato-Mission. Hier wird nicht großartig unterschieden. Manchmal wird aber der Eindruck geäußert, dass die Bundeswehr eigentlich nur ihre eigene Basis beschützt und nicht viel für den Schutz der Bevölkerung und die Verbesserung der Lebensumstände vor Ort tut.

derStandard.at: Der US-Militärexperte Anthony Cordesman hat den Deutschen fehlende Kampferfahrung attestiert. Sie wären gar nicht ausgebildet für eine direkte Konfrontation mit den Taliban.

Ajmal Samadi: Es ist naiv zu glauben, dass die deutschen Kräfte die gleichen Fähigkeiten wie die US-amerikanischen haben. Man kann von ISAF, einer Mischung aus verschiedensten Truppen, nicht erwarten, was man von den US-Truppen erwartet. Ich denke, dass ISAF eine institutionelle Reform bräuchte, um den Herausforderungen in Afghanistan wirklich gewachsen zu sein.  Zum Beispiel könnten Deutsche und andere Europäer allgemein nur als Friedenstruppen in den städtischen Gebieten eingesetzt werden, während die USA und Großbritannien die Kampfaktivitäten in den ländlichen Gebieten übernehmen. (Manuela Honsig-Erlenburg, derStandard.at, 9.9.2009)

Zur Person: Ajmal Samadi ist Direktor der NGO "Afghanistan Rights Monitoring", einer unabhängigen Menschenrechtsorganisation mit Sitz in Kabul.

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Johannes Benn
13.07.2010 15:54
.

In Deutschland wurde verschwiegen, was das eigentliche Problem an der ganzen Aktion war:
die Deutschen waren schlicht und ergreifend feige.
Sie wollten für die eigenen Soldaten nichts riskieren und haben dafür jedes Risiko für die Zivilbevölkerung in Kauf genommen.
Bezeichnend dass darüber in Deutschland kaum diskutiert wurde.

Dr Mabuse
26.11.2009 19:12
Nick Tameer
04.12.2009 09:22

Ein interessanter Bericht, der der Parole "war on drugs" eine überraschende neue Dimension verleiht. Die Schnapsausgabe vor dem Sturmangriff hat eine der modernen Zeit adäquate Fortsetzung gefunden.

Dr Mabuse
26.11.2009 18:51
einfach nur schwerstbewaffnete schwerstverbrecher

http://video.google.com/videoplay... 237749825#

karli9
09.10.2009 23:45

Eines der Talibanpropagandasprachrohre in Afghanistan -> ARM als unabhängige
"Menschenrechtsorganisation" zu verkaufen
kann auch nur den depperten STANDART-
Redakteuren einfallen!!!!! Schön langsam
könnts Ihr euren STANDART umbenennen
wie wärs mit TALIBAN-Today oder Burkha-News

Dr Mabuse
26.11.2009 19:06
wie das schüsselchen

kannst du nicht mal den namen der zeitung hier richtig schreiben...und das gleich 2x!

war ich von solchen geistesathleten halte,
kann ich leider nicht posten,
da das den guten sitten widersprechen würde.

aber eins ist klar:
die NULL-politik der welt in diesen tagen kann nur funktionieren, wenn leute wie du in der mehrheit sind.

karli9
12.12.2009 14:23

Jemand der "war" und "was", "das" und "daß"
"eins" und "eines" nicht unterscheiden kann
ist selber (k)ein "Geistesathlet!

zimbo
 
26.11.2009 13:40
AlJazeera hat ebenfalls genau untersucht und die Opfer bestätigt.

Pech für Sie, ausnahmsweise nicht Kriegspropaganda der Besatzer.

Tokra Thaan
11.09.2009 11:53
Nö,

darum geht es in diesem Artikel eben nicht.
Und langsam nervt es, immer wieder "um den Sinn des Krieges zu diskutieren, wenn über eine Schlacht geredet wird."

zimbo
 
26.11.2009 13:41
Genaugenommen um eine Abschlacht.

msm
11.09.2009 00:15
Es geht hier nicht um Leichtsinn...

...oder Feigheit, sondern schlicht und einfach um:
DUMMHEIT....
Was haben Deutsche in Afghanistan verloren?
Sollen doch die Amis selbst die Kartoffeln aus dem Feuer holen

observer1002
26.11.2009 16:25
Sollen doch die Amis selbst die Kartoffeln aus dem Feuer holen

So enttarnt sich das 'neutrale' Trittbrettfahrertum. Die Finger verbrennen sollen sich die anderen. Wir begnügen uns damit, unserer Entrüstung zu verleihen. Ist ja viel moralischer. Und auch viel bequemer ....

msm
27.11.2009 06:22
Aha...

Gutewichte muß man also unterstützen, sonst ist man ein neutraler Trittbrettfahrer....
Oder das Opfer, das eben Papier-Kraniche zu falten beginnt, denn Bomben werfen ja diese Gutewichte nicht, nur strahlende Care Pakete

Tokra Thaan
10.09.2009 12:18
Naive Vorstelungen..

Leichtsinn der Amerikaner weil "ein Einziger" den Luftschlag per Telefon anforderte ?
Dieser Einzige war der ranghöchste Offizier vor Ort, der Entscheidungsträger, immerhin ein General.
Sollte der ´n Brief schreiben ?

"Lage genauer sondieren" "Schnelle Einsatztruppe schicken" ?!? Nachts ? In Talibangebiet ? Und dann ?
Auf alle schießen die böse gucken ? Da hoff ich doch die Bundeswehr bleibt feige und am Leben.

Achso: Wenn der afghanische Gouverneur selbst von so vielen Talibananhängern in seiner Region ausgeht, wieso musste dann jemand mit Waffengewalt zur Hilfe gezwungen werden ?

Nochwas: Seit wann sind NGOs unabhängig ? Wie finden NGOs immer genau die Menschen, die objektiv und politisch unmotiviert Bericht erstatten ?

Nathaniel Winerib
10.09.2009 11:18
Wo gehobelt wird, fallen Spähne

Oder um mit Thomas Mann zu sprechen: "Alles muss bezahlt werden".

5 Sterne General
10.09.2009 11:16
Sicher man kann Afghanistan und Pakistan sofort alleine im Talibanschlamassel lassen ist ja nicht unser problem.

Aber bevor wir so denken sollten uns bewusst sein das die Taliban in Afghanistan wieder an die Macht kommen werden und die Frauenrechte wieder unter Null sind und die Menschen wieder voll isoliert leben müssen. Auserdem muss man beim Afghanistankonflikt immer Pakistan mit einrechnen wenn wir heute abziehen dann lassen wir die schwache Regierung mit den Problemen in stich und die Pakistanische Taliban übernimmt ohne zweifel die Macht und damit auch die Atomwaffen.
Und Atomwaffen in den Händen von Talibans denen es selbst egal ist ob sie getötet werden hauptsache soviele "Feinde" wie möglich sterben dabei auch halt ich für sehr Gefährlich.

Peter Bösling
10.09.2009 10:58
Einfach zum Nachschenken



talibanpropaganda im standard? wird immer skuriller ...

Dr Mabuse
26.11.2009 19:19
voll gratuliere!

du hast voll überrissen wie propaganda funktioniert.

propaganda sind nachrichten vom feind,
UNSERE nachrichten sind reine tatsachen- und erfolgsberichte,
stimmts?

...schade...
NICHTS gelernt in 100 jahren...

Simon Peters
10.09.2009 10:51

redet sich sehr leicht aus dem bequemen bürosessel.

Josef A.
10.09.2009 10:47
Einsatz war nicht notwendig ! Die getöteten Zivilisten wirken konterproduktiv auf den ganzen Einsatz.

Der Befehl zur Bombardierung von zwei durch die Taliban entführten Tanklastern in Afghanistan war laut Nato offenbar eine Fehlentscheidung. Der deutsche Oberst Georg Klein habe seine Kompetenz überschritten und die Lage falsch eingeschätzt. Dies ergebe sich aus einem vorläufigen Bericht der Internationalen Schutztruppe Isaf zu dem Angriff bei Kundus, hieß es am Mittwoch in hochrangigen Kreisen der Nato. Es sei "sonnenklar", dass Klein den vorgeschriebenen Befehlsweg nicht eingehalten habe, erklärte ein führender Nato-Offizier. Zu einer Entscheidung von solcher Tragweite sei er ohne Rücksprache mit dem Isaf-Hauptquartier nicht befugt gewesen. Es habe keine unmittelbare Bedrohung für Isaf-Truppen gegeben.

C R
10.09.2009 13:04
bitte vollständig zitieren:

SZ: "Ein Sprecher des Bundesverteidigungsministeriums sagte, die Aussagen des Nato-Offiziers stützten sich auf einen ersten Bericht der Isaf, der als "eine Art Reisebericht" mit unbestätigten Spekulationen zu werten sei. Vor dem Abschluss der Untersuchungen werde das Ministerium nicht zu derartigen Spekulationen Stellung nehmen. (rtr)"

peace & love
10.09.2009 10:34
man sieht ganz klar :


höchste zeit, dort abzuziehen. lasst doch die armen leute dort einfach in frieden ...

Peter Bösling
10.09.2009 10:59
in Frieden



sterben?

WAB6
10.09.2009 10:42

vollkommen richtig! die taliban werden für friedliches und humanes zusammenleben sorgen.

peace & love
10.09.2009 10:45
vermutlich besser ...


... als ein paar paranoide germanische generäle, die regelmässig hochzeitsgesellschaften in die luft sprengen und dann noch 'was von 'erfolgen' sabbern ...

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