In China steht die dreimal aufeinanderfolgende Neun für "immer und ewig"
Die Hochzeitsgäste des Nankinger Pärchens Chen He und seiner Frau Feng Jiejin fühlten sich wie im Krieg. Braut und Bräutigam gingen den Bund des Lebens unter Pulverqualm, inmitten martialischer Schlachtszenen, ein. Die beiden, die eine Vorliebe für Militärisches teilen, hatten mit einer Filmcrew ihre Romanze als Kriegsgetümmel inszeniert und führten sie bei ihrer Hochzeit vor. Fotos davon überfluteten in den vergangenen Wochen das Internet.
Das Pärchen gehört zu einer steigenden Zahl Liebender, die sich in besonderer Weise das Jawort geben.
Besonders viele Eheschließungen wurden für Mittwoch erwartet, weil im Datum des 9. September 2009 drei Neunen aufeinanderfolgen, eine Glückszahl für Heiratswillige, weil sie chinesisch ausgesprochen "jiu-jiu-jiu" "immer und ewig" bedeutet. Allein in Schanghai wollten 5000 Paare heiraten, in der Stadt Kanton in Südchina waren 6106 Paare zur Trauung angemeldet.
Drei-Minuten-Hochzeit
Pekings Behörden machten eineinhalb Stunden früher auf, schlossen später und öffneten Extraschalter. Sie versprachen zügige Trauungen am laufenden Band. "Alle, die vorab ihre Unterlagen komplett eingereicht haben, erhalten ihre Ehe-Urkunde innerhalb von drei Minuten."
Heiraten kennt keine Krise
10,5 Millionen Paare ließen sich 2008 trauen. China zählte mit 2,26 Millionen Trennungen aber auch die meisten Scheidungen der Welt. Tendenz bei beiden steigend. Den Spaß am Heiraten, das wieder zum "wichtigsten Ereignis" im Leben chinesischer Bürger wurde, hat nicht einmal die Weltwirtschaftskrise trüben können. Hochzeiten sind die einzigen Konjunkturanreize, die ohne staatliche Subventionen die Binnenwirtschaft beleben.
Umgerechnet 30 Milliarden Euro ließen sich die Verlobten 2008 ihre Heiratsarrangements kosten, die gleiche Summe, die China in seine Olympischen Spiele 2008 und die Runderneuerung Pekings investiert hatte. "76 Branchen verdienen am Heiratsgeschäft - von Anbietern für Honeymoon-Reisen bis zu den Herausgebern einer Flut von Monatsmagazinen zu dem Thema", stellte der jüngste Jahresreport Chinas Heiratsgewerbe fest.
Die heutigen Eheschließer sind die Babyboomer der 80er-Jahre. In dieser Generation ist Originalität gefragt, wie nicht nur die Nankinger "Kampfhochzeit" zeigt: Vergangene Woche holte etwa ein Bräutigam seine Zukünftige bei der Stadt Bingzhou mit dem Fahrrad ab und radelte sie, begleitet von 99 Freunden, zum 50 Kilometer entfernten Elternhaus. In Jilin trug wiederum im August eine Braut einen 2162 Meter langen Schleier. ( Johnny Erling, DER STANDARD Printausgabe, 9.9.2009)