Entführte Tankwagen sollen laut Untersuchungsbericht als "rollende Bomben" eingesetzt werden
Kundus - Der von der deutschen Bundeswehr angeforderte
Luftangriff auf zwei entführte Tankwagen in Afghanistan war nach Ansicht
afghanischer Ermittler legitim. Bei dem Angriff seien 45 bewaffnete Taliban
getötet worden, außerdem seien verbrannte Waffen und Munition gefunden worden,
sagte der afghanische Generalleutnant Mirsa Mohammad "Yarmand" am Dienstag in
Kundus. "Das ist der Beweis, dass dieses Ziel kein ziviles, sondern ein
militärisches Ziel war", sagte der Ermittler weiter, der seinen Bericht am Mittwoch Präsident Hamid Karzai übergeben will.
"Es wurde kein Dorf bombardiert, sondern es wurden Kämpfer angegriffen",
sagte er laut Übersetzer weiter. Nach Erkenntnissen der Untersuchungskommission
wurde niemand unter 18 Jahren getötet. Auch wenn Zivilpersonen unter den Toten
sein sollten, habe das allein der örtliche Taliban-Kommandeur Mullah Abdur
Rahman zu verantworten, der auch hinter der Entführung des Tankwagens stehe. Die
ISAF oder die Führung des Regionale Wiederaufbauteams seien nicht
verantwortlich.
Rahman habe sechs bewaffnete Männer angewiesen, die Fahrzeuge zu entführen
und die Fahrer zu töten. Als die Tanklastwagen am Ufer des Kundus
steckengeblieben seien, habe Rahman mit seinem Mobiltelefon aus mehreren Dörfern
"Verbündete und wahrscheinlich auch Sympathisanten" angefordert. Nach Berichten
von Augenzeugen seien dann mehr als 45 bewaffnete Taliban-Kämpfer und andere
Personen aus den Dörfern zusammengekommen.
Insgesamt bezifferte der Ermittler die Zahl der Toten auf 82. Weitere 20
Menschen wurden verletzt, vier werden noch vermisst.
Das Dorf in der Nähe der feststeckenden Tankwagen sei bekannt als Teil der
sogenannten befreiten Zone der Taliban, sagte Yarmand weiter. Es stehe unter der
Kontrolle von Rahman. "Dieser Ort ist bekannt. Wenn es dunkel wird, verkehren
dort nur kriminelle Banden, nicht die normalen Menschen - um diese Zeit um 02.00
Uhr morgens". Es wäre schwer zu beweisen, dass um diese frühe Morgenstunde, dem
Zeitpunkt des Angriffs, unbeteiligte Menschen anwesend gewesen seien. Ein Bub,
der unter den Verletzten sei, habe vermutlich seinen Vater oder einen anderen
Verwandten begleitet.
Die Aufständischen hätten die entführten Tankwagen vermutlich als "rollende
Bombe" gegen die Regierungstruppen oder deren Verbündete einsetzen wollen. Oder
sie hätten das Benzin verkauft, um Ausrüstung und Munition zu finanzieren, sagte
der Generalleutnant weiter. (APA/AP)