Denn sie wissen nicht, was sie tun

Regina Philipp
17. September 2009, 13:06
  • Schlafwandeln: Ungewollte nächtliche Aktivität
    foto: apa/dpa/patrick pleul

    Schlafwandeln: Ungewollte nächtliche Aktivität

Schlafwandler soll man nicht wecken, denn Weckversuche verlängern das nächtliche Treiben

"Schlafwandelepisoden passieren aus dem Tiefschlaf heraus", weiß Birgit Högl, Präsidentin der Österreichischen Gesellschaft für Schlafmedizin und Schlafforschung und leitende Oberärztin des Bereiches Neurologische Schlafmedizin der Universitätsklinik für Neurologie in Innsbruck. Die Gehirnaktivität ist in den üblicherweise zwanzigminütigen Tiefschlafphasen weitgehend reduziert, der Blutdruck sinkt, Atmung und Herzfrequenz sinken, die Muskulatur ist entspannt. Entscheidendes Merkmal dieser Schlafsequenzen: Sie verlaufen entgegen der REM-Phasen (Rapid eye movement) weniger traumintensiv.

Korrelierend mit dem Auftreten dieser Tiefschlafphasen tun Schlafwandler primär im ersten Drittel der Nacht mitunter gespenstige Dinge. Von gefährlichen Fensterstürzen wird immer wieder berichtet und vom Verzehr ungenießbarer Lebensmittel. Was bringt diese Menschen zu dieser ungewollt nächtlichen Aktivität? Da mehr Kinder als Erwachsene schlafwandeln, liegt die Vermutung nahe, dass es mit der Unreife des kindlichen Gehirns zu tun hat. Was Erwachsene zum schlafwandeln treibt, ist nicht restlos geklärt. Genetische Faktoren scheinen jedoch eine entscheidende Rolle zu spielen.

Gehirn schläft, Muskulatur ist putzmunter

"Was man sicher weiß ist, dass es sich um eine inkomplette Aufwachreaktion handelt", berichtet die Innsbrucker Schlafexpertin. Nächtliche Aufwachreaktionen sind an sich nichts Ungewöhnliches. Jeder schlafende Mensch ist nachts gelegentlich damit konfrontiert. Was jedoch den Schlafwandler vom Nichtschlafwandler unterscheidet: Während zweiter einfach weiterschläft oder aber vollkommen aufwacht, bleibt der Schlafwandler in einem Zwischenstadium stecken. Unvollständiges Erwachen lässt sein Gehirn schlafen, während die Muskulatur plötzlich putzmunter ist.

Mit offenen Augen beginnt Schlafwandler in diesem Zustand plötzlich herum zu gehen, allerdings nicht mit der vermeintlich schlafwandlerischen Sicherheit. Im Gegenteil: Abgründe oder Hindernisse sind für somnambule Menschen eine große Gefahr. „Schlafwandler nehmen ihr Umgebung nur sehr rudimentär wahr", weiß Högl. Am nächsten Morgen ist in der Regel vergessen was in der Nacht vorher geschah. Manche Patienten berichten im nach hinein von einer gewissen Anziehungskraft durch den Mond oder anderen Lichtquellen. Wissenschaftliche Beweise für einen möglichen Zusammenhang mit der berühmten Mondsüchtigkeit fehlen jedoch.

Bloß nicht aufwecken

Aufwecken und den Schlafwandler von seinem nächtlichen Treiben schnellst möglich befreien. Diesem Instinkt würde man als Zeuge nächtlicher Szenen gerne folgen. „Auf keinen Fall aufwecken, besser sanft am Ellbogen packen und den Schlafwandler mit sanftem Schub ins Bett zurück bugsieren", rät Högl. Davon abgesehen, dass Schlafwandler schwer zu wecken sind, ist nicht ein mögliches Erschrecken der Grund warum man auf Weckversuche besser grundsätzlich verzichtet. „Die Episode kann sich durch Weckreize noch verlängern", ergänzt die Schlafmedizinerin und spricht von einem Triggereffekt.

Die Betroffenen selbst sollten über Triggerfaktoren jedenfalls Bescheid wissen. Denn neben Weckreizen können auch andere Dinge Schlafwandelepisoden verlängern beziehungsweise auslösen. Entscheidend ist, das Risiko eines nächtlichen Rundgangs steigt mit dem Schlafdruck. Ist dieser groß, sei es weil der Betroffene die letzte Nacht durchgefeiert hat oder er sich mitten im Jetlag befindet, dann verlängert sich beim ersten Nachholen des Schlafes die Tiefschlafphase. Gefeit vor den nächtlichen Ausflügen ist der Schlafwandler auch bei hervorragender Schlafhygiene allerdings nicht. Darum macht die Sicherung seines Schlafumfeldes in jedem Fall Sinn. „Komplexe Handlungsabläufe gehören nicht in das Programm eines Schlafwandlers", weiß Högl und schlägt daher vor die Haustüre abzusperren, den dazugehörigen Schlüssel in einer Schublade zu deponieren, die ihrerseits abgesperrt wird. (Regina Philipp, derStandard.at, 17.9.2009)

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11 Postings
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ein schelm, der sich böses dabei denkt ;-)

Das Gegenteil davon

bei mir passiert das Gegenteil davon: Ich wache auf (=nehme alles im Raum wahr), kann mich aber nicht rühren - sondern erst nach 2, 3 Minuten. Das geht, wenn man Rückenschläfer ist, am Bauch schlafe ich nie, weil ich sonst Angst habe, Panik zu bekommen. Geht es jemandem ähnlich? Konnte bislang nichts über diese "Krankheit" finten.

Ja, kenne ich. Das gelähmte Gefühl ist ungut. Aber lässig finde ich, dass ich die reale Umgebung sehe, sie aber falsch in einen Traum einbaue, was zu einem tollen Überraschungseffekt beim endgültigen Erwachen führt. Passiert v.a. bei Umgebungswechsel - zB während eines einwöchigen Segelkurs habe ich tagelang im Bett geträumt, ich liege im schaukelnden Segelboot :-)

Wikipedia: http://tinyurl.com/lc7rft

"Die Schlafstarre kann auch über den Traum hinaus in die Wachphase andauern. Bei wenigen Menschen geschieht dies regelmäßig. Zwar sind dabei alle Muskeln, auch die Augenlider, bewegungsunfähig, doch ist die Tiefensensibilität nicht länger mit einem Traumkörper identifiziert, sondern mit dem gelähmten physischen Körper. Nun ist möglich, dass sich die Augenlider unwillkürlich öffnen und in Folge reflextypisch blinzeln. Mit äußerster Willenskraft gelingt es möglicherweise auch, die Zehen zu bewegen. Dieser Zustand dauert üblicherweise nicht länger als 2 Minuten an, die Starre kann sich lösen, oder man fällt wieder zurück in den Schlaf."

Passiert bei mir auch (selten), hasse ich jedesmal.

Ja ich hab genau das und es dauert von 8 bis mittag ...

... Spass beiseite. Viele menschen vergewaltigen sich jeden Tag mit dem Aufstehen zu Unzeiten. Auch das kann nicht gesund sein.

vielen dank!

bei mir passierts vor allem, wenn der mond durchs fester scheint...

um auf mich aufmerksam zu machen ("rüttel mich auf"), gebe ich urlaute von mir. muss ich jeder partnerin neu erklären :-). einmal hab ich's vergessen, und die nuss hat sich in ihrem eifer auch noch auf mich draufgelegt, um mich zu "beruhigen". das resultat war ein unwillkürlicher faustschlag meinerseits im moment des aufwachens. also vorsicht!

Tja das kommt von häufigen Partnerwechsel ;-P

here you go...

http://en.wikipedia.org/wiki/Slee... _paralysis

kenn ich,hatte ich auch schon...(sofern es ihre englischkenntisse zulassen den englischen beitrag auf wikipedia lesen,der deutschsprachige ist leider sehr,sehr schwach...)

Die Eigenheiten des deutschen Artikels sind mir auch aufgefallen... ziemlich viel Esoterik-Wischiwaschi und nicht viel mehr

Unvollständiges Erwachen lässt sein Gehirn schlafen, während die Muskulatur plötzlich putzmunter ist.

Ich dachte, das sei seit Jahren geklärt, dass bei Schlafwandlern nicht das gesamte Gehirn, sondern eben nur der größte Teil "schläft" und jener Teil, der für die Steuerung des Bewegungsapparates zuständig ist, munter ist.

So wurde es auch heute wieder in der Früh auf Ö1 gesagt. Delphine haben da überhaupt eine perfekte Strategie, die dürfen nie einschlafen, weil sie immer an die Oberfläche müssen, um zu atmen, da schläft immer nur eine Hälfte des Gehirns.

"Die Muskulatur" kann nicht "munter" oder "schläfrig" sein, das sind "nur" Muskeln, die zuerst gereizt werden müssen, um überhaupt etwas zu tun. Und diese Reize kommen aus dem Hirn.

Inkomplett, Unkompetent und einsagekräftig,

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