Angeblicher syrischer Ex-Geheimdienstler illegal in die Vereinigten Emirate eingereist - Starke Zweifel an Glaubwürdigkeit
Abu Dhabi - In Abu Dhabi in den Vereinigten Arabischen Emiraten (VAE) hat ein Prozess gegen den Kronzeugen im Mordfall des ehemaligen libanesischen Ministerpräsidenten Rafik Hariri begonnen. Der angebliche ehemalige syrische Geheimdienstagent Zouheir Mohammad Assediq (Suheir al-Saddik) war 2008 in Frankreich untergetaucht. Im vergangenen April wurde er in den Vereinigten Emiraten aufgegriffen. Wie die in Abu Dhabi erscheinende Zeitung "The National" am Dienstag berichtete, erschien er am Montag erstmals vor dem Obersten Gericht der VAE. Er ist wegen illegaler Einreise angeklagt. Sowohl der Libanon als auch Syrien hatten seine Auslieferung gefordert.
Saddik hatte einst ausgesagt, Syriens Präsident Bashar al-Assad und der damalige libanesische Präsident Émile Lahoud seien an der Planung des Attentats auf Hariri im Februar 2005 beteiligt gewesen. Darauf hatte sich der erste UN-Sonderermittler Detlev Mehlis gestützt, bevor sich herausstellte, dass der "Kronzeuge" ein mehrfach verurteilter Betrüger war. Später kamen Zweifel an der Glaubwürdigkeit des Zeugen auf. Nach Angaben der Zeitung beschwerte er sich im Gerichtssaal in Abu Dhabi lautstark: "Ich werde wie ein Hund behandelt. Ich darf nicht telefonieren. Ich darf nicht mit einem Anwalt sprechen. Ich darf nicht einmal beten." Der Prozess wird fortgesetzt.
Hariri-Sondertribunal
Genährt wurde die Skepsis auch dadurch, dass der Kontakt zu Mehlis über den syrischen Dissidenten Rifaat al-Assad hergestellt worden sei, einen Onkel des Präsidenten Bashar al-Assad, der die Regierung in Damaskus bekämpft. Der Bruder des verstorbenen Staatschefs Hafez al-Assad und ehemalige Vizepräsident war nach einem Umsturzversuch verbannt worden.
Das auf UNO-Beschluss in den Niederlanden eingerichtete Hariri-Sondertribunal hatte verfügt, die vier im August 2005 festgenommenen pro-syrischen libanesischen Generäle freizulassen. Bei dem Attentat in Beirut im Februar 2005 kamen neben Hariri 22 weitere Menschen ums Leben. Hariri-Anhänger warfen dem Nachbarland Syrien vor, hinter dem Anschlag zu stecken. Syriens Militär zog sich nach der "Zedernrevolution", die durch den Mord ausgelöst wurde, im Frühjahr 2005 nach 29-jähriger Präsenz aus dem Libanon zurück. (APA)