Was vom Sauren Regen übrig blieb

9. September 2009, 10:49

Schwefelbelastung in einigen Regionen um bis zu 80 Prozent zurückgegangen - Stickstoffeinträge übersteigern aber Bedarf der Wälder

Göttingen - Bis weit in die 90er Jahre galt ein großer Teil der Umweltschutzanstrengungen dem Kampf gegen den Sauren Regen. Gesetzliche Normen und der verpflichtende Einsatz von Anlagen zur Rauchgasentschwefelung und Katalysatoren zeigte über die Jahre Wirkung, das Schreckgespenst scheint gebannt. Aktuelle Untersuchungen in Deutschland offenbaren allerdings auch Spätfolgen, deren Auswirkungen noch länger spürbar sein werden.

Mit Messdaten aus drei Buchenwäldern in Göttingen, im Solling und bei Kassel können Göttinger Wissenschaftler nun belegen, dass seit den 1990er Jahren die Schwefelbelastung dieser Böden um 80 Prozent zurückgegangen ist. Während das Kalkgestein im Göttinger Wald heute insgesamt wenig beeinträchtigt ist, hat jedoch die Säure, die vor allem bis zu den 90er Jahren im Buntsandstein des Solling gespeichert wurde, diesen Waldboden nachhaltig gestört.

Zu hohe Stickstoffwerte

Die Auswertung weiterer Daten von Wäldern in ganz Deutschland ergab zudem, dass die Stickstoffeinträge den Bedarf der Wälder übersteigen. Dies kann zu Belastungen von Trinkwasser und der Atmosphäre führen. Das Forschungszentrum Waldökosysteme der Universität Göttingen hat die Untersuchungen koordiniert, an denen Zoologen, Mikrobiologen, Vegetationskundler, Klimatologen, Bodenkundler, Ertragskundler und Waldbauer der Universität und der Nordwestdeutschen Forstlichen Versuchsanstalt beteiligt waren. Die Ergebnisse der sich über einen Zeitraum von 40 Jahren erstreckenden Studie sind nun als Buch in der Reihe Ecological Studies veröffentlicht.

Zusätzlich zu den langjährigen Messreihen werteten die Forscher das Intensive Forest monitoring program, Level II aus - eine Deutschland-weite Erhebung über 53 Waldstandorte, an denen die Forstlichen Versuchsanstalten der Länder seit 1996 Stoffbilanzen sammeln. Ein zentrales Ergebnis ihrer Analyse: Die Belastung des Waldökosystems mit Stickstoffemmissionen ist zwar in den vergangenen Jahren zurückgegangen, liegt aber immer noch auf hohem Niveau.

Landwirtschaft als Luftverschmutzerin

Insbesondere die Landwirtschaft trägt mit der Viehhaltung neben dem Verkehr wesentlich zur Luftverunreinigung bei. Diese Speicherung des Stickstoffs im Boden hat zur Folge, dass auch Kohlenstoff vermehrt im Humus des Bodens und in den Pflanzen gebunden wird. Die Forscher nehmen deshalb an, dass viele Waldböden derzeit zur Verringerung von Kohlendioxid in der Atmosphäre beitragen.

Auf der anderen Seite zeigt die Studie aber auch, dass die Böden in knapp 30 Prozent der untersuchten Waldstandorte bereits mit Stickstoff gesättigt sind. "In diesen Wäldern wird der eingetragene Stickstoff als Nitrat ausgewaschen und belastet damit Trinkwasser und Gewässer. Oder er wird als Lachgas freigesetzt, das ein Treibhausgas mit der 320-fachen Wirkung des Kohlendioxids ist", erläutert Dr. Brumme die Folgen.

Kalk gegen Nährstoffungleichgewichte

Gegen die durch Überdüngung und Säurebildung verursachten Nährstoffungleichgewichte in Pflanzen haben die Forstlichen Versuchsanstalten bereits Maßnahmen ergriffen: Die betroffenen Wälder werden seit Mitte der 80er Jahre regelmäßig gekalkt. Dies verhindert die weitere Versauerung der Böden und liefert gleichzeitig wichtige Nährstoffe wie Kalzium und Magnesium.

Mit regelmäßigen Messungen konnten die Wissenschaftler bereits in den 80er Jahren auf die steigende Belastung durch Luftschadstoffe wie Schwefel und Stickstoffoxide hinweisen und später deren Rückgang aufzeichnen. Zudem beobachteten sie, wie unterschiedlich die Böden der drei Versuchsflächen - Kalkgestein, Buntsandstein und Basaltgestein - die Schadstoffe speichern, umwandeln und abbauen. "Beobachtungen über einen solch langen Zeitraum sind sinnvoll, weil das Waldökosystem langsam auf Veränderungen reagiert. Sie liefern uns wichtige Erkenntnisse über die komplexen Zusammenhänge zwischen Schadstoffeinträgen, dem Klimawandel und den vielfältigen Funktionen der Wälder", erläutert Bodenkundler Rainer Brumme von der Fakultät für Forstwissenschaften und Waldökologie. (red)

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13 Postings
Girgl Galgenstein
00
18.9.2009, 10:09
Einer der Hauptgründe für den Rückgang sauren Regens ist

der verschwundene Ostbock. Die größten Dreckschleudern Europas stellten ihren Betrieb nach der Wende entweder ein oder bekamen die notwendigen Filter verpasst. In sozialistischer Zeit war Umweltschutz verpönt. Massentierhaltung, Monokulturen und das Fehlen jeglicher Umweltschutzmaßnahmen prägten das Bild dieser Staaten.

Shadow
01

auch zur klimaerwärmung gibts neue erkenntnisse...

http://tinyurl.com/muzpmz

Muhu
 
41
Wenn die Durchschnittstemperaturen wieder sinken und die Gletscher wachsen,

werden wir hier lesen: Durch enorme Anstrengungen ist es der Menschheit gelungen, die Klimakatastrophe abzuwenden :-)

Michael Bakunin
13

na hoffentlich.

cpt. lightyear
07
der saure Regen und der Saurier Reagan

die zwei highlights in meiner Jugend

AlterEgo
 
35

Wäre schön, wenn es gelänge, mit derartigen Studien denjenigen Verschwörungstheoretikern den Wind aus den Segeln zu nehmen, die in Anbetracht der dichten Bewaldung Österreichs sagen, das Waldsterben hätte nie existiert und wäre nur eine Panikmacherei gewesen.

Aber andererseits ist die Widerlegung von Verschwörungstheorien der beste Beweis für die Richtigkeit von Verschwörungstheorien :-D

graeslein
 
00
12.9.2009, 20:32

Vor rund 30 Jahren drohte der Kürnbergerwald vis a vis der VÖEST (Gemeinde Steyregg) endgültig abzusterben. Inzwischen erholt er sich wegen enormer luftverbessender Maßnahmen der Schwerindustrie wieder.

Wir hatten Nebel in Linz, dass die Öffis ihren Betrieb einstellten, und der Verkehr absolut lahmgelegt war. Linz ist immer noch kein Luftkurort, aber die Luftqualität ist erheblich verbessert... nicht zuletzt dank des begründeten Geschreis der gegenüber von Linz (und der VÖEST) liegenden Gemeinde Steyregg, die von den industriellen Abgasen besonders betroffen war.

Das war keine Verschwörungstheorie, die damals ablief, sondern eine begründete Warnung und ein Aufschrei, der zum Erfolg geführt hatte.

Gramurcki
02
hinzuzufügen wäre

das das Baumsterben noch nicht ganz vom Tisch ist. In Österreich ist die Problematik von Monokulturen (Schädlingsbefall, Auslaugung des Bodens) an erster Stelle zu nennen.

Aber es ist seit den 80ern tatsächlich etwas besser geworden, wenn auch nicht gut.

Albert Hofmann II
62
Das "Waldsterben" hat auch nie existiert

Das Absterben alter Bäume ist kein "Waldsterben".

Hätten Sie`s Baumsterben genannt wär es korrekt.

Solange keine Jungbäume sterben, gibts kein Problem.

graeslein
 
00
12.9.2009, 20:34



Sie brauchen nur durch die Wälder rund um Linz zu gehen und zu vergleichen, wie sie vor 30 Jahren aussahen und jetzt....

Michael Bakunin
02

beim waldsterben ging es ja auch nicht um das absterben alter bäume, sondern bäumer aller altersgruppen. darum auch der ausdruck waldsterben.

Sol´kanar -The Swamp King
10
Das Sterben auf der Baumgartner hat nix mit Waldsterben zu tun...

AlterEgo
 
13

Na also, geht doch :-P

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