"Brain Port"

Blinde mit der Zunge zum Sehen bringen

9. September 2009, 16:58
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    foto: wicab, inc.

    Das Konzept von Brain Port, anhand einer Animation dargestellt: Die Kamera filmt eine Tasse, leitet die Information über ein Gerät an das Blättchen auf der Zunge weiter. Aus dem Prickeln, das dabei entsteht, formt das Gehirn ein Bild.

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    foto: wicab, inc.

    So sieht das System aus, wenn es von einem Menschen genutzt wird. Das Gerät in der Hand der Frau verwandelt die Daten der Kamera in elektronische Signale, die an ein Blättchen auf der Zunge weitergeleitet werden.

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    foto: wicab, inc.

    Das Blättchen, das sich der Benutzer auf die Zunge legt, hat die Größe einer Briefmarke.

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    foto: ap/gene j. puskar

    Der pensionierte US-Marinesoldat Korporal Mike Jernigan ist seit einer Explosion im Irak auf beiden Augen blind. Im Bild demonstriert er die Verwendung von Brain Port.

Eine US-Firma testet ein Gerät, das Kamerabilder als elektronische Signale an ein Blättchen auf der Zunge weiterleitet - die Stimulation lässt im Kopf Bilder entstehen

Ein kleines Blättchen, eine Kamera und eine Brille könnten Blinden schon bald zum "Sehen" verhelfen: Das vom angesehenen National Eye Institutes (NEI) in den USA entwickelte Gerät trägt den Namen Brain Port und ist nicht mehr weit von der Markteinführung entfernt.

Blinde können damit lernen, wieder zu "sehen" - jedoch nicht mit ihren Augen, sondern mithilfe der Zunge: Sie tragen eine dunkle Brille, an der eine Kamera angebracht ist. Die mit dieser Kamera aufgenommenen digitalen Bilder werden an ein Gerät - nicht größer als ein Mobiltelefon - weitergeleitet, das der Benutzer in der Hand hält. Dort werden die Botschaften in elektronische Signale umgewandelt und als Pixel an ein kleines Blättchen, das auf der Zunge liegt und nicht größer als eine Briefmarke ist, weitergegeben. Auf der Zunge nimmt der Benutzer die Signale als Prickeln wahr. Probanden berichten, die Übertragung fühle sich ähnlich wie Champagner-Bläschen an. Aus diesem Prickeln formt das Hirn Bilder: Weiße Kamerabilder werden als starke und graue als mittlere Stimulation wahrgenommen. Schwarze Bilder werden nicht als Stimulation erkannt.

Wie eine Sprache lernen

Das Formen der Bilder im Gehirn muss jedoch erst ähnlich wie eine Sprache gelernt werden. Angaben der US-Herstellerfirma Wicab zufolge bräuchten die Testpersonen zwischen zwei und zehn Stunden, um mit dem Gerät "sehen" zu können. Schon nach wenigen Minuten würden Benutzer aber verstehen, ob die Stimulation von oben, unten, links oder rechts komme und wohin die Bewegung gehe. Nach rund einer Stunde soll es möglich sein, nahe Objekte zu erkennen, danach zu greifen sowie die Entfernung dazu zu erkennen. Derzeit ist das System so weit ausgereift, dass Studienteilnehmer laut Wicab zum Beispiel kontrastreiche Objekte, ihre Umgebung und Bewegungen wahrnehmen können.

Defekte Sinne ersetzen

Durch den Einsatz von Brain Port sollen defekte Sinne ersetzt werden, denn das Hirn ist "formbar". Es lernt auch über Umwege, an Informationen zu kommen. Weil die Zunge ein extrem sensitives Organ ist, eignet sie sich dafür gut.

Zwölf Jahre Entwicklung

Insgesamt gehen dem Gerät zwölf Jahre Entwicklung voraus, derzeit ist es in den USA in der Testphase. Wie die Zeitung "The Guardian" berichtet, wird es demnächst auch an einem britischen Soldaten, der bei Kämpfen in Afghanistan erblindet ist, und somit erstmals auch an einem britischen Bürger getestet.

Der US-Herstellerfirma Wicab, die das Gerät in Kooperation mit der Universität Madison (Wisconsin) erarbeitet hat, steht noch die Prüfung durch die Kontrollbehörde „Food and Drug Administration" (FDA) bevor. Gibt diese grünes Licht, könnte Brain Port schon bald im Handel erhältlich sein - allerdings derzeit noch um rund 10.000 US-Dollar. (red, derStandard.at, 9.9.2009)

Kommentar posten
Posting 1 bis 25 von 44
1 2
M0hammed
00
3.10.2009, 15:04
Die Geschichte vom blinden Jungen der sich mit Zungenschnalzen zurechtfindet!

Die Echos lassen vor Bäumen und anderen Hindernissen ausweichen.

Wer den Bericht nicht gesehen hat, glaubt es nicht.

tilt
01
24.9.2009, 09:42
wenigstens tun die etwas...

... ihr Besserwisser sitzt nur da und belustigt euch an Dingen die in meinen Augen Hochachtung verdient haben. Und ja, ich glaub schon das es möglich ist. Wenn du einen Menschen eine Brille aufsetzt die alles auf den Kopf stellt, dann lernt das Gehirn dazu, und irgendwann empfindet man es als normal. Und so können auch über den empfindlichen Tastsinn der Zunge Informationen an das Gehirn gesendet werden.

matthaeus
40
17.9.2009, 08:20
pixel, die die zunge als prickeln wahrnimmt, mhm

soviel zum Thema 'seriöser Journalismus', Frau Föderl-Schmid. Herr Heinzel macht sich zumindest nicht seriöser, als er ist...

alte frau
20
12.9.2009, 11:53

ich würde gerne mal das hotte babe auf dem foto mit meiner zunge sehen.

Mr. Bubbles
10
10.9.2009, 18:21

schmecken dann schirche menschen grauslich?

AtArAx
00
24.9.2009, 00:16
nein, eher hellfärbige!

cc2cc
00
10.9.2009, 15:31

gibts keine version fuer raucher?

m m 10
00
10.9.2009, 12:28
"Übertragung fühle sich ähnlich wie Champagner-Bläschen an"

wie darf man sich das vorstellen? was ist wenn man dann champagner trinkt oder einfach was isst od. in den mund nimmt? sieht man dann lustige bilder? bzw. "schmecken" bestimmte personen / farben formen nach bestimmten gerichten? ich vermute, dass die geschmacksnerven doch auch was mitbekommen von elektrischen reizen, oder?

BTW: find ich eine ganz tolle erfindung und soll keine krititk sein, interessiert mich einfach nur wie das abläuft...

AtArAx
00
24.9.2009, 00:18

versuch einmal eine 9v batterie abzuschlecken...

ps wesentlich angenehmer wenn du es schaffst eine 1,5v an die zunge zu kriegen ;)

m m 10
00
24.9.2009, 07:42
hm...

...das würd ich nicht so sehen und beantwortet auch nicht wirklich meine frage:
1. steht "fühlt sich ähnlich champagner-bläschen an" und nicht " wie 9 volt batterie"
2. kommt es jetzt zu einer vermischung des seh & geschmacksinnes oder nicht?

ugu.su
01
10.9.2009, 11:41
wens interessiert:

http://www.uni-bielefeld.de/psycholog... ch2003.pdf


Bach-y-Rita, P., Kercel, S. W. (2003) Sensory substitution and the human–machine interface.
Trends in Cognitive Sciences

Chaos ThEoRy
00
10.9.2009, 11:32
Gute erfindung...

aber noch ned perfekt. derStandard.at auf am flachen bildschirm surfen wird nicht funktionierne

knievel
02
10.9.2009, 10:16
hm

hoffentlich ist das gerät nicht allzu genau.
wenns dann auf einmal die ganzen schirchen leut sehen, bzw. schmecken wird ihnen der appetit schnell vergehen...

ilrio xxxxx
 
60
10.9.2009, 09:56
bald werden taubstumme mit der nase sprechen

und mit ohren niessen.

Herman M
00
10.9.2009, 17:03

es heißt "gehörlose"

Mind |
40
10.9.2009, 09:53

Wie aus einem blinden Menschen auch ein stummer wird.

Innovation ist wichtig, aber das ist einfach nur dumm und erinnert mich an diverse nicht funktionierenden Fitnessgeräte im Dauerwerbe Fernsehen wo es nur ums Kohle machen geht.

Dr. Geiger
01
11.9.2009, 13:10

und da sie ein besonders unansehnlicher mensch sind, haben sie angst davor, dass das nun sogar blinde erkennen können.

HerrRossi
30
10.9.2009, 09:02

darf ich ihnen kurz das gesicht ablecken, damit ich weiß wie sie aussehen?

herr_rechtsausleger
34
10.9.2009, 03:55

kann man sich das teil nicht auch an den sack klemmen? es hätte damit noch eine weiteren lebensbejahenden zusatznutzen ;)

Queen of Sheba
 
00
10.9.2009, 00:06
"Brain port" - eine irreführende Bezeichnung für eine Schnapsidee.

Die Zunge ist das am denkbar wenigsten geeignete Organ für die Ortung von Stimulation.

Bekka
 
02
10.9.2009, 10:36
schnapsidee

hättens das denen nicht schon vor 12 jahren sagen können?

die forscher hätten sich viel mühe erspart.

Queen of Sheba
 
00
10.9.2009, 12:31
Hunderte Arbeitsgruppen beschäftigen sich mit Bildaufbringung auf Haut und Nervus opticus.

Nope
00
10.9.2009, 09:52
wo denn sonst?

nur die Zunge ist genauso dicht mit Nervenenden besetzt wie die Fingerspitzen...
wobei ich aus Ihrem Posting schließe, dass Sie sogar am Rücken mehr Nervenenden haben als im Gehirn.

Queen of Sheba
 
00
10.9.2009, 12:33
Es geht nicht um die Anzahl, sondern um die Lokalisierbarkeit der Nervenenden.

Und die spielt bei Geschmacksnerven untergeordnete Rolle.

Nope
00
10.9.2009, 13:25
um die Geschmacksnerven gehts gar nicht

... auch der Tastsinn ist auf der Zunge hochentwickelt, sonst könnten Sie die Konsistenz und Oberflächen von Lebensmitteln nicht so fein unterscheiden. Achten Sie mal drauf...

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