Gewalt im Büro

Amokläufe in Firmen bahnen sich an

8. September 2009, 13:02

Studie weist mehrere Indizien für bevorstehende Gewaltausbrüche nach - Aktuelle Wirtschaftskrise steigert Risiko

Darmstadt - Schwere Gewalttaten am Arbeitsplatz zeigen fast immer im Vorfeld erkennbare Warnsignale. Zu diesem Ergebnis kommt die erste deutsche Studie zu schweren Fällen von Workplace Violence, wie das Phänomen fachsprachlich genannt wird. An der Arbeitsstelle für Forensische Psychologie der Technischen Universität Darmstadt wurden hierbei Ermittlungs- und Gerichtsakten von 20 Fällen von schwerer Gewalt am Arbeitsplatz in Deutschland ausgewertet.

Bei den untersuchten Taten starben 21 Menschen, mehr als zehn wurden zum Teil schwer verletzt. Neben Unternehmen fanden viele der Gewaltakte in Behörden und Gerichten statt.

Kein ausschließliches US-Phänomen

"Wir waren überrascht wie leicht es war, solche Fälle in Deutschland zu identifizieren. Sogar mehrere Amokläufe waren dabei. Ganz offensichtlich handelt es sich hierbei nicht nur um ein Phänomen aus den USA", meint der Leiter der Studie, der Kriminalpsychologe Jens Hoffmann.

Hoffmann gelang es mit seiner Kollegin Claudia Dölitzsch, eine ganze Reihe von Warnsignalen zu identifizieren. Fast alle der Taten waren geplant, und in der Mehrzahl der Fälle sprach der Täter im Vorfeld über seine Pläne oder äußerte sogar Gewaltdrohungen. So kündigte beispielsweise ein Mitarbeiter eines Handelskonzerns seinen späteren Amoklauf im eigenen Unternehmen gleich mehrfach gegenüber Kollegen an. Niemand nahm ihn ernst und so wurde nichts unternommen.

Konflikte im Vorfeld

Kurz vor der Tat kamen nahezu immer noch mehrere private und berufliche Krisen zusammen. Häufig zeigten die späteren Täter paranoide oder querulatorische Persönlichkeitszüge und kamen deshalb immer wieder in Konflikte mit ihrem Umfeld. Ihre Arbeitsgeschichte war oftmals durch Probleme und Unbeständigkeit charakterisiert. Die Täter attackierten häufig Personen, die Entscheidungsmacht über ihr Leben hatten, wie Vorgesetzte, Mitarbeiter der Verwaltung, Richter, Anwälte oder Behördenmitarbeiter. Als weitere Warnsignale traten Vorbereitungshandlungen auf wie Abschiedsbriefe oder das Beschaffen einer Waffe.

Wirtschaftskrise steigert Risiko

Das Wissen um solche Risikodynamiken hat unmittelbare Bedeutung für Unternehmen, Behörden und Universitäten. "Gerade in Zeiten wirtschaftlicher Krisen steigt das Risiko von schweren Gewalttaten, wie neue epidemiologische Studien nahe legen", gibt Jens Hoffmann zu bedenken. Er berät seit Jahren Firmen, Behörden und Universitäten, wie sie Gewalt verhindern können.

"Die Einrichtung eines systematischen Bedrohungsmanagements bewirkt, dass sich Warnsignale früh erkennen lassen und gegengesteuert wird, bevor es zu einer Eskalation kommt. Dadurch wird nicht nur Gewalt verhindert, sondern auch psychisches Leid und Arbeitausfall, der in Folge von Stalking und Drohungen entsteht. Wir führen ein solches Programm erfolgreich bereits an der TU Darmstadt durch", so Hoffmann. (red)


Link
Technische Universität Darmstadt: Vorboten der Gewalt

Kommentar posten
Posting 1 bis 25 von 56
1 2
kibi
01
14.9.2009, 13:37

naja, ist nicht verwunderlich, dass die gewalt proportional zur ohnmacht ansteigt. eigentlich eine "gesunde" reaktion in einer krankmachenden struktur. nur leider funktioniert diese katharsis durch gewalt ja nicht, wie uns die neurobiologie erklärt. die frage sollte doch eher sein, wie gestalten wir die arbeitswelten der zukunft, dass menschen sich mit ihren tätigkeiten wieder identifizieren können, sinn finden und nicht durch innere kündigung, aggressionsstau und -ausbruch sich selbst und die gesellschaft schädigen.

rough_rider
00
10.9.2009, 12:47
hatte auch schon den ein oder anderen wutanfall

natürlich ohne jemanden dabei zu verletzen.
für MICH gilt: alles reinfressen und nie das mowl aufmachen führt zu nichts.

a.) machen die leute immer weiter wenn nicht mal aufn putz haut
b.) schadet man sich selbst indem man einfach unrund wird, weil stress hingenommen und nicht abgebaut wird.

das gilt für privates als auch für berufliches. privat sollte ich es mir auch des öfteren trauen - es bewirkt wunder!

gustl
 
00
15.9.2009, 16:41
Habe auch schon einmal die Arbeit verweigert.

Es ging um ein Rüstungsprojekt für ein diktatorisches Regime, und da habe ich gesagt ich will daran nicht mitarbeiten, selbst wenn sie mich dadurch kündigen.

Man hat dann andere Leute dazu überredet etwas zu machen, und ich glaube sie haben es geschafft, das Projekt zu einem Exampel schlechter Ingenieursleistung beim äußeren Anschein guter Arbeit zu machen. Unser Beitrag zur Abrüstung also.

uncle_sam
10
11.9.2009, 12:51
belegen ...

... sie doch mal einen grundkurs "deutsch" in einer vhs ihrer wahl - es bewirkt wunder!

;-)

sag mir alles
00
und die welt wundert sich

als fleißiger angestellter immer die ars...karte
eine nummer, die kosten verursacht....
tja, wäre bei uns auch nicht schlecht, etwas mehr zivilcourage und mut gegenüber konzerne und bosse

Chronox
00
Soso...

"Gewalt am Arbeitsplatz" wird also in der Fachsprache "Workplace Violence" genannt. Wer hätte das gedacht.

sei la persona piu cara del mondo
 
60
EquinoxOmega
09
TäterInnen

meiner persönlichen Erfahrung kommt solchen Verhalten auch bei Frauen vor!

(bitte lieber Standard, wenn sie schon auf einer Gender-korrekte Schreibweise wert legen, dann bitte aber konsequent!!!)

annato
00
...Monty Python-The Meaning Of Life

anno 1983...

http://www.youtube.com/watch?v=KX61PUZ3xkI

Gramurcki
015
Sun Zu sagt zu dieser Problematik:

Wenn man wissen will, wie hart ein Mensch kämpfen kann, lasse man ihm keine Fluchtmöglichkeit oder Ausweg.

Der Lord
 
03
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02

eine familienpackung munition?

Der Lord
 
00

wird net reichen, arbeite in einem Konzern! vielleicht sollte ich doch auch Sprengstoff in Betracht ziehen? Hat jemand Kontakte zur Al Kaida?

mag2412
420
ich finds gut, dass sich die bosse

nicht ganz so sicher sein können.

die neoliberalen drecksschweine meinen mit ihren "sklaven" tun zu können was sie wollen

auch wenn SIE in Ihren artikel das verhalten von personen die in ihrer existenz bedroht werden, die von ihren chefs erpresst werden... (entweder sie gehen den weg mit uns, oder sie können ja auch einen anderen weg wählen)... als paranoid bezeichnen... ich finds eigentlich völlig normal.

jeder der mein leben zerstören will, muss damit rechnen, dass ich schneller, klüger, stärker, gerisssener bin und mich zur wehr setze.

wenn ich mich nicht wehren kann, dann muss der angreifer wenigstens damit rechnen das er mit mir gemeinsam in den abgrund stürzten könnte

ich wollte nicht die opferrolle spielen.

Dagmar Rehak
 
00
Genial!

Ich lass mir auch nix gfalln! Wär ja noch schöner!
Angefangen hat es mit den Kugelschreibern... Immer sind Kugelschreiber verschwunden, und ICH soll's immer gewesen sein. Und dann ganze Packen Kopierpapier. Es wissen doch alle, dass die Frau Kunz glaubt, sämtliches Büromaterial gehört ihr, weil sie mit dem Chef schläft, aber MICH haben sie immer verdächtigt. Mich beachtet der Chef überhaupt nicht, als Frau mein ich...
Aber morgen werde ich es allen zeigen! ALLEN!

AlBundyFan
 
11
ich glaub du solltest mal zu einem psychologen

wenn du das umbringen von menschen okay findest bist du ansich schon gestört.

bei diesen gewalttaten werden übrigens meist nicht irgendwelche wirtschaftsbosse mit millionengehältern umgebracht sondern die kollegen, die am arbeitsplatz aufzufinden sind und die sind meist auf gleicher rangstufe oder eine stufe darüber stehen.

Ganerc-Callibso
00
sehe ich nicht so

wenn man die Berichte der letzten Jahre so verfolgt, dann hat man das Gefühl, daß es sich die Manager und Politiker ja eh richten...

Verzetnitsch hat sich ja zB auch ohne Konsequenzen abseilen können und hat sicher auch so viel Dreck am Stecken wie der diebische Elsner...

ich würde es niemals gut heißen Selbstjustiz zu üben, aber verständlich finde ich es durchaus.
Großverdiener sehen ja nur zu gern auf Normalverdiener herunter - auch außerhalb der Firmen...

AlBundyFan
 
00
10.9.2009, 07:27
wie ich schrieb

die leidtragenden in den fällen um die es hier geht sind kein verzetnitsch, elsner oder sonstige manager sondern leute, die am gleichen level sind wie du.

NotDarkYet
41
Wenn Sie "schneller, klüger, stärker, gerisssener" wären,

dann hätten Sie es gar nicht notwendig so ein Posting zu verfassen.

Dann wären Sie entweder selbst ein Boss oder Sie hätten zumindest einen Job, mit dem Sie zufrieden sind.

Amokläufer sind immer - ohne jede Ausnahme - Versager, die es nicht schaffen auf normale Weise mit normalen Frustrationen fertig zu werden!
Und meist - so wie es im Artikel steht - psychisch gestört (Paranoiker, etc.)

SOKO "Most": Taubenabwehr u.Tierschützerbekämpfung
31
Ihre Wut ist verständlich und mag z.T. auch berechtigt sein.Aber zwischen Bossen und Angestellten zu polarisieren, führt uns nicht unbedingt weiter.


Die "Bosse" sind oft (in menschlicher Hinsicht) die ärmsten Schweine -sie müssen sich in Hinsicht auf ihre humanen Möglichkeiten oft vollkommen aufgeben und unterliegen genauso der Knute des Kommerzwahnsinns.

Wir müssen also glaube ich viel tiefer ansetzen- ei der falschen Haltung und dem mangelnden Empfindungsvermögen in uns selbst.

Denn im Kleine verhält sich der Kleinbürger oft genauso zerstörerisch wie ein Konzernboss: Er will durch AKtien und bankgeschäfte am großen Schweinekuchen mitnaschen. Durch seine Kleinanlagen verursacht auch er Ausbeutung und Tod rund um die Welt. Auch durch sein Kaufen von Billigklumpert,Unterhaltung und Pornoscheixxeartikel.

Der Wurm ist auch in uns selbst, nicht nur in irgendwem Bösen da draußen.

Der Lord
 
00
Die Bossen sind oft die ärmsten Schweine???

DAS lasse ich keinesfalls gelten!!! Habe unsere Bosse, und auch die tolle HR Abteilung (das sind überhaupt die Schlimmsten!!!) auf kiloweise Schiefstände und grobe Schweinerein bei uns aufmerksam gemacht, sie meinten nur, das komme ja nicht von ihnen, sondern von weiter oben. Es ist jetzt nicht schlechter, sondern nur anders blablablabla. Würg!

Ich vergleiche diese Schxxxxx mit dem 3. Reich, da haben auch die Bosse sich jeweils auf ein noch größeres Axxxloch ausgeredet, und was ist passiert?

Irgendwann muss einfach auch mal ein Manager Hoden beweisen und sagen, halt stop, diesen Müll trag ich nicht runter!

Oder etwa nicht?

Dieses Duckmäusertum und Ausreden ist echt das Letzte!

hab ich schon erwähnt, daß ich eine Pumpgun suche?

;-)

SOKO "Most": Taubenabwehr u.Tierschützerbekämpfung
00
Nachsatz:

Damit ich nicht falsch verstanden werden:
Die Bosse "müssen" sich selbstverständlich nicht human aufgeben.

Keiner MUSS das, jeder, der sowas tut, tut es freiwillig und wird auch die Folgen davon zu verantworten haben - für sich und für die anderen.

sektionschef vom salzamt
18

ist so was auch schon die ankündigung eines amoklaufes?

korrekt unkorrekt
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nicht nur die Amis?

Gibt dazu ein sehr gutes Buch von Mark Ames;"Going Postal".Darin werden nicht nur die Amokläufe erklärt, die seit den 80ern in den USA auftauchen,sondern auch Massaker á la Columbine.Ausserdem stellt das Buch eine interessante Verbindung her zwischen dem Sklaventum der Südstaaten im 19.Jahrhundert und der heutigen Situation in den Großbüros der schönen neuen kapitalistischen Arbeitswelt

Wr. Bezirksrätin 83
 
03
diese abwertenden psychologischen Begründungen/Erklärungen sind leider typisch

für die psycho-fachtypische Individualisierung von Problemen.

Nur der Einzelne (offensive Gewaltausübung ist meist `männlich`) wird als `zu Behandelnder`angesehen.
Per `fachlicher`Beurteilungsmaschinerie noch mehr entmündigt, zum Verrückten erklärt.

Das diesen umgebende soziale Beziehungsumfeld nicht.

Das wird im Text implizit als `sakrosankt` hingestellt.

Got bisserl mehr Krise, hm?
Zur Normalisierung, reihum?

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