Höher qualifizierte Mitarbeiter haben in der Lebensmittelbranche trotz Wirtschaftskrise gute Jobchancen
In Österreich sind in der Lebensmittelwirtschaft rund 75.000 Personen beschäftigt. Laut AMS ist für 2009 zwar mit einer konjunkturbedingten Verschlechterung der Wirtschaftslage in der Branche zu rechnen. Diese falle aber immerhin weniger dramatisch aus als in anderen Industriegüterbranchen. Zudem hätten höher qualifizierte Arbeitskräfte trotz der Krise in manchen Berufen intakte Arbeitsmarktchancen.
Dazu gehören etwa die Bereiche Produktentwicklung, Qualitätssicherung und Lebensmitteltechnologie. Ein entscheidender Faktor ist dabei das gestiegene Gesundheitsbewusstsein bei den Konsumenten: Die Nachfrage nach qualitativ hochwertigen Lebensmitteln führe laut AMS zu einem Bedarf an gut ausgebildeten Mitarbeitern, die Zusatzkenntnisse haben und den Bio- und Qualitätsanspruch der Konsumenten umsetzen können.
Bio-Boom und Produktinnovationen
Grundsätzlich ist die Lebensmittelbranche eine dynamische, unter anderem durch den Bio-Boom, Exporterfolge und Produktinnovationen. Insgesamt kommen rund 14 Prozent der österreichischen Wirtschaftsleistung aus der Nahrungsmittelproduktion. Besonders in Wien, Nieder- und Oberösterreich gibt es viele Unternehmen, die Lebensmittel herstellen und folglich Bedarf an Arbeitskräften haben.
Verarbeitung von biologischen Rohstoffen
Beim Bachelorstudium Lebensmittel- und Biotechnologie an der BOKU (Universität für Bodenkultur) in Wien geht es laut Studienplan vor allem um die „Verarbeitung, Veredelung und Aufbereitung von Rohstoffen biologischen Ursprungs unter Anwendung biologischer und ingenieurwissenschaftlicher Prinzipien und Methoden zur Produktion von Werkstoffen oder zur Entsorgung spezifischer Substanzen zum Wohle der Gesellschaft und der Umwelt".
Es wird nach sechs Semestern mit dem Titel „Bakkalaureus der technischen Wissenschaften bzw. Bakkalaurea der technischen Wissenschaften (abgekürzt Bakk. techn.) beendet. Die Studenten müssen ein mindestens zweimonatiges Industriepraktikum absolvieren. Unterrichtsfächer sind etwa Chemie, Mikrobiologie oder Verfahrenstechnik. Das weiterführende Masterstudium ist in Biotechnologie und Lebensmittelwissenschaft und -technologie aufgeteilt und erfordert erneut das Absolvieren eines Praktikums.
Kurze Jobsuchphase
Die Jobchancen nach dem Studium sind gut, wie Gudrun Schindler, Geschäftsführerin des Alumnidachverbandes der BOKU, aus Erfahrungswerten ableitet: „Die Absolventen der Studienrichtung Lebensmittel- und Biotechnologie haben im Vergleich zu anderen Studienrichtungen eine kurze Jobsuchphase." Im Jahr 2008 kamen auf 88 Absolventen allein in der Jobbörse von Alumni 232 offene Stellen. „Nicht zu vergessen ist aber natürlich, dass auch Abgänger anderer Universitäten oder Fachhochschulen mit ähnlicher Ausrichtung sich auf diese Stellen bewerben können oder ins Profil passen", fügt Schindler hinzu.
Häufig werde den Studenten bereits während der Diplomarbeit, die oft in Zusammenarbeit mit Unternehmen entsteht, eine Beschäftigung in Aussicht gestellt. Der Arbeitsmarkt sei international und spiele sich stark in der Industrie ab. Große Konzerne mit biotechnologischer oder pharmazeutischer Ausrichtung würden die Nachfrage bestimmen, sehr gute Englischkenntnisse und belegte Semester im Ausland seien ein "must have".
Weitere Studienangebote
In Österreich werden im Bereich der Lebensmittel- und Biotechnologie außerdem die Bachelor- und Masterstudium Biotechnische Verfahren an der FH Wr. Neustadt in Tulln sowie Bio- und Umwelttechnik an der FH Oberösterreich in Wels angeboten. Auf universitärer Ebene gibt es in Graz das Masterstudium Biotechnologie, das auf Bachelorstudien wie Chemie oder Molekularbiologie aufbaut. In Salzburg wird das Bachelorstudium Biologie und Molekulare Biowissenschaften angeboten, dem man die Masterstudien Biologie oder Molekulare Biologie anhängen kann. Auch in Innsbruck und Wien gibt es ähnliche Studien. (red, derStandard.at, 8.9.2009)