Wechselstrom

Ein Denkmal für Johann Gottfried Piefke

07. September 2009 16:37
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    Foto: newald

    Christoph Theiler und Renate Pittroff widmen dem preußischen Komponisten Johann G. Piefke eine rostige Schallplatte.

"Piefke in Gänserndorf. Ein Kulturmanöver" - Das Künstlerduo Wechselstrom enthüllt sein Monument beim Viertelfestival Niederösterreich

Wien/Gänserndorf - "Popmusiker bekommen goldene Schallplatten, Militärmusiker rostige", ist die schlichte Erklärung des Komponisten Christoph Theiler für die Materialwahl des von ihm gemeinsam mit der Regisseurin Renate Pittroff ins Leben gerufenen Piefke-Denkmals: schnell rostender Corten-Stahl. Am Mittwoch wird das Monument feierlich präsentiert - in Gänserndorf (NÖ). Es erinnert an den Ur-Piefke: Johann Gottfried Piefke, geboren an jenem 9. September vor 194 Jahren in Schwerin, war Leiter des preußischen Musikkorps unter König Wilhelm I.

Als Preußen am düsteren 3. Juli des Jahres 1866 die Schlacht bei Königgrätz gegen Österreichs Armee gewann und damit den sogenannten Deutschen Krieg, komponierte Piefke umgehend den in Deutschland bis heute bei Polizei- und Militärmusikkapellen beliebten Königgrätzer Marsch.

Er sollte während der triumphalen Siegesparade des preußischen Heeres erklingen - auf dem Ring in Wien. Dies wusste Otto von Bismarck zu verhindern, um Österreich nicht über Gebühr zu demütigen: Der Marsch erklang, vor die Tore Wiens verbannt, am Marchfeld bei Gänserndorf vor 60.000 preußischen Soldaten.

Die feierliche Präsentation der rostigen Gedenk-Schallplatte für den Kapellmeister ist nur eine der eigenwilligen Aktionen, mit denen das Künstlerduo Renate Pitroff und Christoph Theiler unter dem Label Wechselstrom die geistige Beweglichkeit und andere unsichtbare Grenzen (etwa des Humors) ihrer Umgebung überprüft.

Nicht immer konfliktfrei. Ihr mit einigem Ernst vorgetragener Wunsch einer Kalbsembryonen-Verkostung mit geladenen Gästen in den Galerieräumen in der Grundsteingasse 44 führte unlängst zu aufgeregter Medien-Berichterstattung und einer Flut empörter parlamentarischer Anfragen an die Bundesministerien für Gesundheit, Kultur und Land- und Forstwirtschaft. Die Schlachtung einer trächtigen Kuh schien offenbar ein ungleich größeres Tabu als die alltägliche Tötung anderer Rinder im Land des Fleischkonsums.

Samenschleuder-Alarm

Auch ihr letztes Projekt einer Samenschleuder stieß auf den Widerstand der Behörden. Zweitausend winzige Pakete mit einer Mischung aus einheimischen und fremdländischen Pflanzensamen hatten Pittroff und Theiler abgepackt. Der Samen sollte, gemischt mit weißer Tonerde, auf Autoreifen gestrichen werden, sich im Fahrtwind lösen und an den Straßenrändern keimen. Nicht zufällig entsprach die Samenmischung den Bevölkerungsverhältnissen zwischen In- und Ausländern in Österreich.

Die beiden Künstler wollten "beobachten", so die hintergründige Auskunft, "wie sich die einheimische Pflanzenwelt mit der fremdländischen verträgt".

Das Experiment durfte nicht stattfinden, weil nicht garantiert werden konnte, dass "die Schönheit und Eigenart eines Landschaftsraums nicht nachhaltig beeinträchtigt wird". Was Vögel und Reisende täglich vollbringen, war als Kunstaktion unzulässig. Das nächste Projekt ist in Planung. (Cornelia Niedermeier, DER STANDARD/Printausgabe, 08.09.2009)

Hinweis:
"Piefke in Gänserndorf. Ein Kulturmanöver" : 9. 9. 2009 um 18 Uhr in Gänserndorf, Bahnstraße 31 u. 34, im Rahmen des Viertelfestivals NÖ.

Link:
http://www.wechsel-strom.net/

falzo1
11.09.2009 16:37

Schön wars! Blöd gschaut hams die Leut, als die an eine Dusche mit überdimensionalem Duschkopf erinnernde Stahlkonstruktion enthüllt wurde. Des Kaisers neue Kleider nichts dagegen! Auch Rede des Vizebürgermeisters allererste Sahne, geben wir den Piefke ihren Namen zurück.
Bravo Bravo Bravo

Leser103
09.09.2009 15:19
:)

ich mag kunst mit humor!

falzo1
08.09.2009 16:07

morgen Bürgerrevolte in Gänserndorf. Wir brauchen keinen Piefke in der Stadt!
)

TheJester
08.09.2009 13:36

also irgendwie imponieren mir die beiden

kanzlr
07.09.2009 18:26

das sind doch zwei Sinnlose...

Lokus et Loki
08.09.2009 09:16
Freilich, ist alles ein Dreck

was wir nicht verstehen. Oder geben wir uns einfach nur zu wenig Mühe über den Tellerrand zu blicken? Es gibt halt Menschen die Dinge hinterfragen und dann Aktionen setzen.

stadtstreicher unterwegs
07.09.2009 22:39
na, ganz im gegenteil

klingt interessant...

o glorioso pé de friedenreich
07.09.2009 21:28
jaja

alles was du nicht verstehst ist sinnlos

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