"Mangelnde Kampferfahrung"

Harte Kritik der USA an deutschem Einsatz

7. September 2009, 18:27

Vorwurf der "mangelnden Kampferfahrung" - Debatte über Abzug der Bundeswehr in Deutschland - Merkel verteidigt Engagement in Afghanistan

Berlin/Washington/Kabul - Nach dem umstrittenen Luftangriff in Nordafghanistan mit möglicherweise 130 Toten mehren sich die Schuldzuweisungen zwischen Berlin und Washington. Der neue Oberbefehlshaber der von der Nato geführten Internationalen Afghanistan-Truppe (Isaf), Stanley McChrystal, äußerte am Montag im afghanischen Fernsehen Bedauern über die von den Deutschen angeordnete Bombardierung zweier Tanklastzüge. Der Bundeswehr mangele es an Kampferfahrung, hieß es aus der US-Armee.

McChrystal habe ihn angerufen, sich entschuldigt und erklärt, er hätte keine Entscheidung für einen solchen Luftangriff gegeben, behauptete später der afghanische Präsident Hamid Karsai. Auch er kritisierte den Vorfall bei Kundus im Norden des Landes scharf.

Einem Bericht der Washington Post zufolge sollen nicht nur an die 50 "terroristische Taliban" getötet worden sein, wie der deutsche Verteidigungsminister Franz-Josef Jung zunächst anführte, sondern 125 Menschen, darunter zwei Dutzend Zivilisten. Auf Druck des US-Berichts musste Jung einräumen, es habe womöglich doch zivile Opfer gegeben. "Ich halte es geradezu für unanständig von einem Nato-Befehlshaber, dass er die Sicherheit und auch das Leben deutscher Soldaten in Gefahr bringt, indem er in die Öffentlichkeit geht und voreilig den Eindruck erweckt, hier seien Zivilisten getötet worden" , entgegnete der frühere Generalinspekteur der Bundeswehr, Harald Kujau. Die Kontroverse heizt den deutschen Wahlkampf an.

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EU-Vertrag und Rehabilitierung von Wehrmachtsdeserteuren - die heutige letzte Sitzung des deutschen Bundestags vor der Wahl hat sich Kanzlerin Angela Merkel eigentlich eher harmlos vorstellt. Doch nun muss Merkel auf Druck der Opposition zu einem heiklen Thema Stellung nehmen: Sie gab am Dienstag eine Regierungserklärung zu Afghanistan ab.

Am Montag war ja noch unklar, wie viele Menschen tatsächlich bei jenem Luftangriff getötet worden waren, den die deutsche Bundeswehr vergangenen Donnerstag in Afghanistan angeordnet hatte. Dabei waren zwei Tanklastzüge in Flammen aufgegangen.

Die Nato zählt 125 Tote, die afghanischen Behörden sprechen von bis zu 135 Opfer, darunter sollen auch Kinder sein. "60 bis 70 zivile Opfer" nennt die Menschenrechtsgruppe Afghanistan Rights Monitor (ARM). Im Berliner Verteidigungsministerium ging man zunächst von 56 Getöteten aus und betonte, sie seien allesamt Taliban-Kämpfer gewesen. Doch am Montag war Verteidigungsminister Franz-Josef Jung (CDU) schon vorsichtiger:Ihm scheine, "dass der überwiegende Anteil Taliban gewesen sei" .

Dennoch bleibt der Minister bei seiner Einschätzung, der Angriff sei "militärisch notwendig und richtig" gewesen. Sein Sprecher Thomas Raabe erklärt dies so: Mehrere Quellen, darunter Aufklärungsflugzeuge, hätten darüber informiert, dass um die beiden Lastwagen feindliche Kräfte versammelt seien. Man habe zuvor schon Hinweise erhalten, dass die Taliban einen größeren Anschlag planten, und dafür seien die Lastwagen gut geeignet gewesen. Die Washington Post berichtet, der zuständige Kommandeur, der deutsche Oberst Georg Klein, habe sich vor seinem Befehl nur auf eine einzige Quelle verlassen.

Christian Schmidt (CSU), Staatssekretär im Verteidigungsministerium, rügt wiederum die Verbündeten Deutschlands, die nach dem Angriff vehemente Kritik geäußert hatten. "Mich irritiert, dass die Öffentlichkeit gesucht wird von anderen, obwohl sie wohl auch keinen anderen Informationsstand haben als wir. Ich finde sogar, dass Außenminister aus anderen EU-Ländern durchaus die Untersuchungen abwarten sollen." Wichtig seien jetzt klare Informationen, die die Bundeswehr gerade gemeinsam mit Nato und Isaf sammle. So hatte Frankreichs Außenminister Bernhard Kouchner nach dem Militärschlag gemeint, dieser sei ein "großer Fehler" gewesen.

Scharfe Kritik von Karsai

Scharfe Kritik kommt auch von Afghanistans Präsident Hamid Karsai: "Was für eine Fehleinschätzung! Mehr als 90 Tote für einen einfachen Tankwagen, der in dem Flussbett zudem bewegungsunfähig war", sagt er der französischen Tageszeitung Le Figaro und fragt: "Warum haben sie nicht Bodentruppen geschickt?"

Für FDP-Chef Guido Westerwelle ist die Informationspolitik des deutschen Verteidigungsministeriums "inakzeptabel" . Man höre "ganz verwirrende unterschiedliche Angaben von unterschiedlichen Regierungen aus der Welt". Jung, aber auch Außenminister Frank-Walter Steinmeier (SPD) müssten aufklären.

Grünen-Chefin Claudia Roth wirft Jung eine "verbohrte und zynische Kaltschnäuzigkeit" vor. Roth: "Es darf in Afghanistan keinen Krieg gegen die Zivilbevölkerung geben, der jedes Vertrauen in die internationalen Soldaten unterminiert und dem Afghanistan-Einsatz nachhaltig schadet." (Birgit Baumann aus Berlin/DER STANDARD, Printausgabe, 8.9.2009)

 

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kelchstein
00
11.9.2009, 13:30
USA hat viel Kritik einstecken müssen,

nun wollen die Amerikaner auch mal kritisieren.

schnurri (so heisst mein auto)
00
10.9.2009, 12:38

nach allen berichten waren 50% der getoeteten taliban kaempfer.
was ich jetzt nicht versteh:
diesen "50% der getoeteten sind zivilisten" schnitt, bringen das die usa jemals zusammen, sogar das hochprofessionelle israel liegt (in gaza) ueber dem bereich.
ich will jetzt gar nicht von den taliban und anderen gesindel reden, die eigentlich nur zivilisten toeten.
http://de.wikipedia.org/wiki/Krie... ahrhundert
ich sage: eine hoechst erfolgreiche militaerische operation mit wenigen zivilen opfern.

Gramurcki
00
die Kampferfahrung kommt mit dem Kampf...

... die Deutschen haben das schon mal bewiesen. Und das hat den Amis gar nicht gefallen.

Bibe
11
Ist das eigentlich eine Art höherer Dialektik,

was die Amerikaner da herumposaunen, die deutsche Truppe hätte zu wenig "Kampferfahrung"? Wollen sie, dass a) die deutsche Truppe ihre Waffen abgibt und nur noch Brunnen gräbt und Krankenhäuser baut, b) ganz aus Afghanistan abzieht, oder c) sich mehr "Kampferfahrung" holt, folglich mehr kämpft, folglich noch mehr durch die Gegend ballert und folglich auch noch mehr Zivilisten dabei Schaden nehmen können? Oder ist's am Ende nur ein plumpes Ablenkungsmanöver vor der eigenen Unfähigkeit, den Afghanistan-Einsatz zu einem vernünftigen Ende zu bringen?

glimmstengel
30
Eskalation einzig und alleine Obma zu verdanken

Die Amis haben die ganze Gegend angezündet - bald wird auch Pakistan an allen Ecken und Enden brennen.
Und die Börsenkurse der Waffen-Industrie steigen und steigen.

insertnamehere
 
00
10.9.2009, 11:02
KönnenS mir bitte sagen, an welche Papiere man sich da jetzt halten soll?

Ich würd mir das nämlich gern mal selber anschaun (zum Kaufen fehlt ma eh's Geld).

l.m.n.
01
scharfe Kritiik von Karzai - dem Obergauner

daß ich nicht lach.

Spielverderber1
02
Feststellung

Die Bundeswehr ist in Afghanistan weil die USA einen undifferenzierbaren Krieg in Afghanistan vom Zaun gebrochen hat, welcher genau so viele Terroristen schafft als er vernichtet. Deutschland wurde in diese Auseinandersetzung hineingedrängt und hat seit dem Krieg wahrlich sich nicht mehr im Kriegführen profiliert. Daher wäre auch die mangelnde Kampferfahrung zu erklären, welche im Hinblick auf das historische Erbe den Deutschen eh besser zu Gesicht steht als zu viel. Eine Lösung wäre es gewesen die Amerikaner ihre Geister selbst jagen zu lassen.

deNadie
12
Kritik der USA ist wohl die erste Selbstkritik, oder?

Wenn man sich die chronologoische Abfolge laut Tagesschau ansieht, haben US-Kampfflugzeuge Aufklärungsflüge durchgeführt und kamen zur Erkenntnis, es seien nur Talibankämpfer rund um die Tankwägen.
Von diesem Anteilnahme der USA wollen sie nichts wissen. Seltsam, hat da jemand irrtümlich einen Fehler gemacht.

also dann ...
22
w e r ...fürchtet sich vor : ACHMED THE DEAD TERRORIST ... ?

http://www.youtube.com/watch?v=1... ature=fvsr

Ed Sackbauer
57
Es tut mir ja auch leid um jedes zivile Opfer,..

.. aber sorry, wer sich in afghanistan nachts um 2 mit den netten jungs der taliban-gang um einen geklauten nato-tanker schart, muss mit einem gewissen erhoehten risiko rechnen.

krieg ist nunmal eine beschissene angelegenheit.

ich üb' ja auch nicht gerade unterm 3m-eiszapfen das hohe c.

Glod
11
Sie haben noch vergessen das der Tanker mehrere Kilometer

von der nächsten Ortschaft entfernt war.

Also eventuelle Zivilisten haben sich in tiefster Nacht irgendwo in der Pampa um zig Taliban und ihre geklauten Tanklaster geschart, um Benzin zu klauen.
Die Leute haben sich wissentlich in eine extrem gefährliche Situation begeben.

Sicher sind die zivilen Opfer trotzdem tragisch, aber die Aufregung find' ich extrem überzogen.

Stahlhoden
14

Tja, das gleiche gilt dann natürlich auch, wenn die Afghanen tatsächlich mal bei uns ein bisschen Terror zu machen. Genug da sind auf jeden Fall, da könnten ja auch der eine oder andere Sympathisant oder eingeschleuste Widerstandskämpfer dabei sein, der den Krieg auch zu uns nach Hause bringt.

Krieg ist nunmal eine beschissene Angelegenheit, wie du sagst, und wenn es dem Edi Sackbauer plötzlich beim Heurigen die Arme und Beine wegreißt, dann gehört das ja auch irgendwie zum Krieg dazu.

Captain Smoker
12

Die Frage ist nur ob man die ärmsten der Armen wirklich niederbomben muß nur weil sie Gratisöl von den Taliban angenommen haben? Ich fände es schon klüger etwas gegen die Armut zu unternehmen an statt die Leute mit solchen Aktionen noch mehr einzuschüchtern, abzuschrecken und noch mehr in die Arme der Taliban zu treiben.

Glod
11
Muß man nicht, aber ich nehme es den Verantwortlichen nicht übel,

dass sie bei zwei von zig Taliban gekaperten Tanklastern, um halb drei in der Nacht, mehrere Kilometer vom nächsten Ort entfernt, nicht mit Zivilisten gerechnet haben.

Captain Smoker
01

OK, mittlerweile ist ja scheinbar geklärt, dass mindestens die Häfte der Toten keine Taliban waren.

Jetzt zu sagen die Verantwortlich hätte da richtig gehandelt, ist ja wohl das Unnötigste was geht. Man hätte vielleicht zuerst mal ordentlich aufklären sollen und nicht "He, da ist eine Menschenmenge, die bomben wir weg." sagen sollen. Genau von dieser Strategie sind die USA schon lange abgerückt weil man fast immer Hochzeitsgesellschaften, Reisegruppen, ... erwischt hat. Und auch hier hätte vorheriges Überlegen nicht geschadet. Vor allem da Luftangriffe nur mehr als allerletztes Mittel zur Rettung der eigenen Leben eingesetzt werden dürfen - was hier auch nicht der Fall war.

Glod
21
In diesem Fall wars aber eine Menschenmenge

um zwei von einigen Dutzend Taliban entführten Tanklastern!

Um halb drei in der Nacht!

Irgendwo in der Wildnis!

Also ich habe starke Zweifel dass da so viele unschuldige Zivilisten waren, die einfach nur ein bisschen Sprit absahnen wollten, nicht gezwungen wurden zu kommen und keine Unterstützer der Taliban sind.
Und wenn doch, haben diese grob fahrlässig gehandelt.

Der Vergleich mit dem Sprengen von Hochzeiten hinkt extrem.
Hier handelte es sich nicht um eine Versammlung von Zivilisten, sondern einen größeren Trupp Taliban mit mehreren Tonnen 'Sprengstoff', wo (mMn überaschenderweise) auch Zivilisten waren.
(Mitten in der Nacht, kilometer vom nächsten Ort entfernt).

slartibartfaß der Umwandler
02

ziehe mal nach afghanistan, dann schau mal, was du alles machen würdest unter diesen miserablen lebensumständen.

Glod
00
10.9.2009, 10:18
Gute Frage, aber ich denke ich würde mich auf jeden Fall von Bewaffneten fernhalten.

Das man sich in Gefahr begibt von der NATO oder den Taliban gesprengt oder erschossen zu werden, wenn man mit den jeweils anderen herumhängt, sollte eigentlich jedem Afghanen klar sein.

susi strolcher
00
10.9.2009, 15:33
"ich würde mich auf jeden Fall von Bewaffneten fernhalten."

da werden sie sich schnell ziemlich einsam fühlen;-)

Captain Smoker
01

Das ist in etwa so wie wenn in Österreich mitten in der Nacht wo ein LKW stehen bleibt und Computer verschenkt. Ich bin mir sicher es würde sich auch innerhalb kürzester Zeit eine Menschenmenge bilden obwohl alle wüßten, dass da was stinkt bei der Geschichte.

Sie können noch so oft posten, dass es mitten in der nacht und etwas außerhalb geschehen ist. Auch das ist in meinen Augen noch immer keine sinnvolle Begründung für das Töten von Zivilsten.

Glod
10
10.9.2009, 10:21
In Österreich ist kein Krieg, also ist ihr Vergleich hinfällig.

Und ich habe auch nicht gesagt, dass das töten von Zivilisten dadurch gerechtfertigt ist, nur dass die Fahrlässigkeit desjenigen der den Luftangriff angefordert hat, extrem übertrieben wird.

Captain Smoker
00
10.9.2009, 10:42

Der Vergleich sollte auch nur dazu dienen um zu zeigen, dass sich immer eine Menschenmenge bilden wird wenn es etwas Brauchbares gratis gibt.

Nach bisherigen (vorläufigen) Untersuchungsergebnissen war der Angriff vollkommen unverhältnismäßig da keine Gefahr für Soldaten bestand. Luftangriffe sind nur erlaubt wenn Soldaten in direkter Gefahr sind. Außerdem ist ja auch schon geklärt, dass Klein gar nicht berechtigt war alleine diesen Luftangriff anzufordern.

Glod
00
10.9.2009, 18:26
Die NATO hat die Existenz dieser vorläufigen Unterschuchungsergebnisse dementiert.

http://www.spiegel.de/politik/a... 66,00.html

Captain Smoker
00
10.9.2009, 20:27

So wie immer wenn etwas an die Öffentlichkeit kommt was nicht an die Öffentlichkeit kommen sollte.

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