Mach's gut, Sachsen!

Was bisher geschah: Florian Horwath war in Berlin ins Restaurant "Horváth" eingeladen. Aber auch in Hamburg ging KEINER hungrig nach Hause. Die Kombination aus österreichischer Küche und plattdeutscher Sprache bleibt aber umstritten!

Sonntag, 15.13 Uhr, Potsdam/Templin

Der Templiner See bei Potsdam: verwaist. Die Bootsvermietung: geschlossen. Die Wakeboarder und mit ihnen der Sommer: nicht da. Dabei hatte ich gehofft, hier auf Christian Komorowski zu treffen, den Christian Komorowski, Teufelsgeiger aus Lohr am Main, der hier sommers wie winters jeden Sonntag auf dem Wakeboard zubringt, "weil's ja zum Wörthersee so weit ist", wie er zu sagen pflegt, wieder und wieder und wieder, und niemand wagt ihm zu widersprechen, nicht einmal hier, bei Potsdam, der Hauptstadt des Landes Brandenburg, dem Herz des Preußischen Kernlandes, der Finsternis quasi, wo früher die schwulen Soldatenkönige zwischen zwei Flötenkonzerten Feldzüge gegen die arme Maria Theresia ausheckten und wo ich ihn aufsuchen wollte, um ihn um Rat zu fragen, das deutsch-österreichische Verhältnis betreffend, denn Christian Komorowski ist einer von denen, die da waren und wiederkamen und berichten können, er hat das Wakeboarden und das Wasserskilaufen (auch Monoski!), also quasi das Überwassergehen auf dem Wörthersee gelernt, und außerdem spielt er auf der neuen Platte von ELEMENT OF CRIME (Titel: "Immer da wo du bist bin ich nie", erscheint am 18. September) Geige auf den Tracks Nr. 3, 4, 6, 8 und 11, kein anderer Gastmusiker hat so viel Platz auf dieser Platte eingeräumt bekommen, und - aber Moment, da klingelt auch schon das Telefon und Hamburg-Heiner ist dran. Das wurde auch Zeit.

Hamburg-Heiner: Hör mit der Werbung auf. Das ist peinlich.
Sven: Das ist nicht peinlich. Wenn ein Deutscher versucht, wie ein Wiener zu reden, das ist peinlich.
HH: Das ist keine Einbahnstraße. Wenn ein Salzburger Schriftsteller Hamburgtümelei betreibt, ist das auch peinlich.
Sven: Wen meinst du denn damit?
HH: Ich nenne keine Namen, ich bin doch nicht verrückt!
Sven: Ich habe übrigens beschlossen, daß die fusion-Küche, auch in ihrer modernen Form, nicht der Weg ist, der weiterführt.
HH: Sicher nicht?
Sven: Nein, weil die Sache zu einseitig ist. Wohl kommen die Deutschen auf die Idee, "deutsch-österreichische Küche" anzubieten, aber die Österreicher würden das niemals tun.
HH: Zu recht nicht, das dürfte sich kaum lohnen für die!
Sven: Das hat auch irgendwie was aggressives, "deutsch-österreichische Küche", sowas einfach zusammenzuspannen! Auch in dieser Reihenfolge!
HH: Wir müssen da noch sensibler werden. Oder noch was drauflegen. Vielleicht Sachsen, das wäre räumlich naheliegend. Und geschichtlich: Bei Königgrätz waren sie auf österreichischer Seite.
Sven: Ich dachte, das wollten wir nicht mehr erwähnen.
HH: Entschuldigung.
Sven: Wir müssen trotzdem einen anderen Ansatzpunkt finden. Die Liebe der Österreicher kann man nicht kaufen, auch mit Sachsen nicht. Oder jedenfalls nicht mit Sachsen. Wir brauchen positive Vorbilder im deutsch-österreichischen Verhältnis, so im zwischenmenschlichen oder wenigstens beruflichen Bereich. Habe ich mir gerade überlegt. Weil ich hier in Potsdam bin. Mußte an Grissemann und Stermann denken, die sind da mehr als vorbildlich!
HH: Wieso Potsdam, was haben die mit Potsdam zu tun?
Sven: Die haben auch eine Sendung bei Radio 1. Das ist vom Rundfunk Berlin-Brandenburg.
HH: Aber so Paarungen gibt's nicht viele, so deutsch-österreichische. Das ist ja bei Grissemann und Stermann fast schon Alleinstellungsmerkmal!
Sven: Ich glaube, da gibt es mehr, als die meisten glauben.
HH: Fallen mir gerade nicht so viele ein.
Sven: Mir auch nicht, da muß ich erst mal drüber nachdenken.
HH: Und sonst?
Sven: Morgen flieg ich nach Wien. Wegen Interviews.
HH: Wirst du den Hannes Eder sehen?
Sven: Ich denke schon. Der Pappik ist schon da und assimiliert sich. Das geht schnell bei dem, weil er ja auch Italiener und Pole ist, da ist das für ihn ja quasi eine gemähte Wiese!
HH: Und du? Hast du da keine Angst?
Sven: Angst nicht, aber ein bißchen mulmig ist mir schon. Vor allem jetzt, wo die Austrian an die Lufthansa gegangen ist, da weiß man ja gar nicht, wie sich das auf den Luftverkehr auswirkt. Gottseidank flieg ich mit Air Berlin, da wird das immer von der Niki durchgeführt, dann klappt's auch mit dem Fluglotsen!
HH: Also keine Angst?
Sven: Nur so ein bißchen Paranoia, aber das wird schon noch schlimmer, da mach ich mir eigentlich keine Sorgen.
HH: Dann ist ja gut.

Und damit legte er auf. Nur um gleich wieder anzurufen.

HH: Mediengruppe Telekommander. DÖF. Udo Jürgens und Hans Beierlein. Thomas Bernhard und Claus Peymann. Und der Brahms soll heimlich bei der Beerdigung vom Bruckner gewesen sein und sogar geweint haben.
Sven: Aber die wichtigste Paarung hast du vergessen: Elisabeth von Bayern und Franz Joseph I.
HH: Die Sißi und der Franz!!
Sven: Wir sollten es vielleicht mit dem ß nicht übertreiben, Hamburg. Don't push your luck und so weiter. Die beiden jedenfalls.
HH: Das güldet aber nicht. Das war vor 1866, daß die geheiratet haben.
Sven: Ja, aber dies ist das Internet, und da hängt alles miteinander zusammen, und jetzt kommt's: An dem Tag an dem die Sisi ermordet wurde, war sie ja in Genf und wohnte im Hotel Beau Rivage, in dem 89 Jahre später der schleswig-holsteinische Minsterpräsident Uwe Barschel Selbstmord verübte.
HH: Da haben wir's wieder!
Sven: Tut mir ein bißchen leid wegen Sylt. Um Sylt wär's schade.
HH: Kann man nichts machen. Aber denk auch mal über Sachsen nach!

Und dann war er wieder weg. Ich weiß gar nicht, wie ich in Wien ohne ihn klarkommen soll... - nur gut, daß der Pappik da seit zwei Tagen für gute Stimmung sorgt!

In Sachsen ist schon alles vorbereitet!

(Sven Regener, derStandard.at, 07.09.2009)

Share if you care.