Bei mehr als 90 Prozent der Probanden wurde eine Reduktion der Symptome erreicht - Auch kardiovaskuläre Einflüsse sollen "Tinnitus-Rauschen" beeinflussen
Heidelberg - Ergebnisse einer vom Deutschen Zentrum für Musiktherapie durchgeführten Pilotstudie belegen die Wirkung von Musiktherapie bei rauschendem Tinnitus. In Zusammenarbeit mit der Fakultät für Musiktherapie der SRH Hochschule Heidelberg wurde eine bereits wirksame Behandlungsmethode, die bei tonalem Tinnitus eingesetzt wird, auf das "Tinnitus-Rauschen" ausgeweitet. Bei mehr als 90 Prozent der Probanden wurde auf diese Weise eine zuverlässige Reduktion der Symptome erreicht, so das Deutsche Zentrum für Musiktherapie in einer Aussendung.
Chronischer Tinnitus ist eine sehr häufige Erkrankung. Bei der Beschreibung der Symptome werden grob die Kategorien "tonal" (Pfeifen, Klingeln, Summen, Zirpen) und "nicht-tonal" (Rauschen, Brummen, Surren, Knacken, Knistern, Rumpeln) unterschieden. Beide Formen können aber auch gemeinsam auftreten. Trotz Erfassung der Klangqualität wird in den gängigen Behandlungsmodellen des subjektiven, chronischen Tinnitus keine Unterscheidung nach der Klangqualität gemacht.
Symptomreduktion bei 90 Prozent der Probanden
Für Patienten mit tonalem Tinnitus wurde mit dem "Heidelberger Modell zur musiktherapeutischen Behandlung von chronisch-tonalem Tinnitus" bereits ein wirksames und neurowissenschaftlich überprüftes Therapiemanual entwickelt. Dieser musiktherapeutische Ansatz wurde nun auf den Bereich des "Tinnitus-Rauschen" ausgeweitet. In einer ersten Pilotstudie erreichten 21 der 23 untersuchten Probanden eine zuverlässige Reduktion der Symptome. Die Behandlungsdauer beträgt dabei nur 5 Tage. Der Behandlungserfolg bleibt auch über einen Zeitraum von 6 Monaten stabil, weitere Langzeiterhebungen erfolgen noch.
Kardiovaskuläre Einflüsse auf Tinnitus-Rauschen
Die Resultate der bildgebenden Verlaufsuntersuchungen zeigen neuroplastische Veränderungen der Gehirnstrukturen. Die aktive Auseinandersetzung mit dem missliebigen Ohrgeräusch bringt eine neuroplastische Veränderung in diesen Strukturen mit sich. Psychophysiologische Messungen geben Anhaltspunkte für kardiovaskuläre Einflüsse auf das "Tinnitus-Rauschen". So hatten 43 Prozent der untersuchten Patienten erhöhte Blutdruckwerte. Die effektive Kontrolle von Puls- und Blutdruckschwankungen scheint eine wichtige Vorhersagekraft für die weitere Entwicklung der Tinnitussymptomatik zu haben: je besser die Patienten ihren Kreislauf in der Abschlussmessung beeinflussen konnten, desto geringer war die Belastung der Probanden nach sechs Monaten.
Somit sei die Musiktherapie auch bei rauschendem Tinnitus eine schnell wirksame und lang andauernde Behandlungsalternative. Der Einfluss von kardiovaskulären Einflussfaktoren scheint eine wichtige Rolle zu spielen und sollte in weiterführenden Untersuchungen noch genauer evaluiert werden, so das Deutsche Zentrum für Musiktherapie abschließend. (red, derStandard.at)