Wie Wrabetz den ORF an die Europa-Spitze bringt

6. September 2009, 19:49

Die unter Wrabetz und Oberhauser gestiegene Unabhängigkeit der Redakteure könnte durch Quotensendungen abgesichert werden

Das war perfektes Wrabetz-Timing: in News anzukündigen, das ORF-Fernsehen unter die fünf besten Euro-Sender zu bringen, und gleichzeitig zu verlautbaren, Dominic Heinzl werde 2010 auf den Küniglberg zurückkehren. Weitere mutige Schritte sind zu erwarten.

Der erste wäre wohl, und das geistert zweifellos durch die Köpfe der Quotenmacher, Heinzl als Moderator der nächstjährigen Sommergespräche einzusetzen. Die ihm eigene Abfolge von launigen Einwürfen und knallharten Fragen wäre im Vergleich zu der heuer viel zu luftigen Ingrid Thurnher ein Fortschritt. Dazu kommen als Plus Heinzls Eklats wie das zuletzt wieder aufgehobene Einreiseverbot nach Kärnten. Der traut sich was.

Die unter Wrabetz und Elmar Oberhauser tatsächlich gestiegene Unabhängigkeit der Redakteure könnte durch Quotensendungen abgesichert werden. Beispielsweise durch politische Gäste in den Wettersendungen. Blauen Himmel könnte man durch Kanzler und Vizekanzler ansagen lassen, mehrere Tage Heiterkeit durch ausgewählte Regierungsmitglieder. Pollenflug könnte der Gesundheitsminister dementieren, Wanderwetter für Lehrer die Bildungsministerin.

Die Sendungen der deutschen Kanäle aus den Zoos in Ost und West wirken manchmal langweilig. Der ORF könnte mit einer Innovation aufhorchen lassen. Barbara Prammer beispielsweise besucht im Tiergarten die Erdmännchen und erklärt den TV-Zusehern das Matriarchat. Maria Fekter versucht einen illegal eingereisten Wildschwein-Frischling zu fangen. Josef Pröll reitet auf einer rotbraun gefleckten Kuh. Werner Faymann frisiert einen schwarzen Pudel.

Eine damit verwandte Sendereihe wäre Das wilde Minister-Büro unter Einbeziehung der Kabinettschefs und PressereferentInnen. Denn da braucht man Personal. Zum Beispiel: Man baut in der Löwelstraße eine Schlangengrube. Oder: Im Amt des Vizekanzlers widmet man ein Zimmer eierlegenden Rekordhühnern. Oder beim Gesundheitsminister eines für besonders gestörte Baxter-Affen. Sendezeiten: nach der ZiB 1 und nach einer Morgen-ZiB. Im Anschluss daran H.-C. Straches Sportübungen. Fünf vor sieben Grüne Gedanken.

Auf Österreich übertragen sollten die Programmmacher das deutsche Promi-Dinner. Nichts Opulentes natürlich, sondern Krisenessen, von Politikerfrauen konzipiert, von den Ehemännern genossen. Weitere Teilnehmer könnten Magazin-Journalisten sein, die sich gern im Fernsehen zeigen, Weinköniginnen und Wurstfabrikanten, die zum Unterschied von Marmeladenherstellern oder Käse-Erzeugern kaum bekannt sind, sowie SchauspielerInnen, die gerade in Krone, News oder Österreich promotet werden.

Um die Volksverbundenheit zu steigern, sollte die Nachdrücklichkeit der Nachrichtensendungen verstärkt werden. Auslandskorrespondenten beispielsweise sollten nur das wiederholen, was die Moderatoren vorher schon gesagt haben. Diskussionssendungen sollten ausnahmslos nach Mitternacht abrollen, dafür aber jeden Wochentag - dreimal Gerda Rogers, dreimal Peter L. Eppinger. Am Sonntag ist Pause, da rückt die Sterne-Sendung vom Radio ins Fernsehen. 22 bis 2 Uhr früh. (Gerfried Sperl/DER STANDARD; Printausgabe, 7.9.2009)

 

 

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Michael Jack Dundee
 
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Welcher Minister streichelt dann die Krokodile? *smile*

werwolfi
01

" Josef Pröll reitet auf einer rotbraun gefleckten Kuh."

warum nicht schwarz-braun? ;oP

Lord Schaumloeffel
00
jetzt hamma aber...

... alle glaaaacht.

susi.j.
26
Wo bleibt der empörte Aufschrei von SOS ORF?

Oder war das am Ende doch nur eine parteipolitisch gesteuerte Umfärbeaktion, um die Roten und Grünen im ORF wieder zu installieren?!

spoiled ballot
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die jetzige führung ermöglicht

"Die unter Wrabetz und Elmar Oberhauser tatsächlich gestiegene Unabhängigkeit der Redakteure..",

dass der orf in heutiger zeit nicht mehr die quoten erbringen kann ist klar, und orf1 ist schon seit 15 jahren ein reiner unterhaltungskanal.

quapil2
00

die redakteure mögen zwar unabhängig sein, aber einseitig ausgesucht. ich kennen nur wirtschafeindliche und technik bzw. fortschrittskritische Redakteure die sich in einem seltsamen alt 68zigertum ergehen.

Franco Fratello
02

no na.

uncle sam3
23
was ist

den das für propaganda headline?

nur bei der ineffizienz ist der orf spitze in der EU.

marksu
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traurig mit der wahrheit konfrontiert zu werden

der orf traut sich nichts und die medienlandschaft im allgemeinen ist ein disaster!

allein die bloße vision die radiodeppen ala eppinger auch noch sehen zu müssen (beim upc-kratky isses leider eh schon passiert) bereitet mir würgreiz.

bitte lasst diese schreckensvision nicht wahr werden!

danke herr sperl für die abschreckung!

europa.eu
01

Also ich würd mir das Spektakel anschauen (zumindest eine Zeit lang) : )

Michael Jack Dundee
 
00

Doch, so könnten die Politiker wieder sich gut in Szene setzen.
Heinz Fischer würde dabei wahrscheinlich Murmeltiere dressieren, oder?

Milieubedingter-Hojac oder besser Saualm-Haider?
00
herrlich, wenn der Tag so und mit Sonnenschein beginnt.

Paolo64
01
es wäre vermutlich vielen lieber wenn...

Herr Wrabetz den ORF mal positiv bilanzieren würde oder zumindest die Reichweite halten würde.
Diese ist derzeit so niedrieg wie nie zuvor in der Bestandsgeschichte.

quapil2
00

wrabetz ist wie alle spö-manager nicht erfolgreich. das kann man auch als ministersekretär nicht lernen. die können alle gut quatschen aber haben keine eier in der hose wenns um entscheidungen geht.

Rotzpipn freche
05
also das mit dem Heinzl...

...und den Sommergesprächen würd ich mir wirklich überlegen. Wer die Thurher gesehen hat, weiß wovon ich red.

quapil2
00

bei den pragmatisierten orf-beamten geht man als anchor-woman in pension - so lange werden wir sie noch sehen....

suboptimal
 
02
jep

deswegen haben sich das viele politisch Interessierte heuer nicht mehr gegeben

Ernst Glantschnig
00
Großartig

Vielleicht könnte man das Ganze in Versform bringen, dann hätte auch DER STANDARD sein "In den Wind gereimt" und Traxler müßte für den Blattsalat nicht mehr den ganzen Boulevard durchforsten.

macindd
01

Wunderbar absurd!

Informatik-Studium in Klagenfurt? Nein, danke!
02
Na ja, es zeigt den aktuellen Zustand des ORF auf.

ich glotz nicht
14

Aber auch den des Standards.

suboptimal
 
04
*lach*

strawinskyi
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sprachmüll

trampolene
01

ist das aber lustig

lieblingsfarbe?
218
kann nur ich nicht lachen...

...oder geht es anderen auch so?

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