Die unter Wrabetz und Oberhauser gestiegene Unabhängigkeit der Redakteure könnte durch Quotensendungen abgesichert werden
Das war perfektes Wrabetz-Timing: in News anzukündigen, das ORF-Fernsehen unter die fünf besten Euro-Sender zu bringen, und gleichzeitig zu verlautbaren, Dominic Heinzl werde 2010 auf den Küniglberg zurückkehren. Weitere mutige Schritte sind zu erwarten.
Der erste wäre wohl, und das geistert zweifellos durch die Köpfe der Quotenmacher, Heinzl als Moderator der nächstjährigen Sommergespräche einzusetzen. Die ihm eigene Abfolge von launigen Einwürfen und knallharten Fragen wäre im Vergleich zu der heuer viel zu luftigen Ingrid Thurnher ein Fortschritt. Dazu kommen als Plus Heinzls Eklats wie das zuletzt wieder aufgehobene Einreiseverbot nach Kärnten. Der traut sich was.
Die unter Wrabetz und Elmar Oberhauser tatsächlich gestiegene Unabhängigkeit der Redakteure könnte durch Quotensendungen abgesichert werden. Beispielsweise durch politische Gäste in den Wettersendungen. Blauen Himmel könnte man durch Kanzler und Vizekanzler ansagen lassen, mehrere Tage Heiterkeit durch ausgewählte Regierungsmitglieder. Pollenflug könnte der Gesundheitsminister dementieren, Wanderwetter für Lehrer die Bildungsministerin.
Die Sendungen der deutschen Kanäle aus den Zoos in Ost und West wirken manchmal langweilig. Der ORF könnte mit einer Innovation aufhorchen lassen. Barbara Prammer beispielsweise besucht im Tiergarten die Erdmännchen und erklärt den TV-Zusehern das Matriarchat. Maria Fekter versucht einen illegal eingereisten Wildschwein-Frischling zu fangen. Josef Pröll reitet auf einer rotbraun gefleckten Kuh. Werner Faymann frisiert einen schwarzen Pudel.
Eine damit verwandte Sendereihe wäre Das wilde Minister-Büro unter Einbeziehung der Kabinettschefs und PressereferentInnen. Denn da braucht man Personal. Zum Beispiel: Man baut in der Löwelstraße eine Schlangengrube. Oder: Im Amt des Vizekanzlers widmet man ein Zimmer eierlegenden Rekordhühnern. Oder beim Gesundheitsminister eines für besonders gestörte Baxter-Affen. Sendezeiten: nach der ZiB 1 und nach einer Morgen-ZiB. Im Anschluss daran H.-C. Straches Sportübungen. Fünf vor sieben Grüne Gedanken.
Auf Österreich übertragen sollten die Programmmacher das deutsche Promi-Dinner. Nichts Opulentes natürlich, sondern Krisenessen, von Politikerfrauen konzipiert, von den Ehemännern genossen. Weitere Teilnehmer könnten Magazin-Journalisten sein, die sich gern im Fernsehen zeigen, Weinköniginnen und Wurstfabrikanten, die zum Unterschied von Marmeladenherstellern oder Käse-Erzeugern kaum bekannt sind, sowie SchauspielerInnen, die gerade in Krone, News oder Österreich promotet werden.
Um die Volksverbundenheit zu steigern, sollte die Nachdrücklichkeit der Nachrichtensendungen verstärkt werden. Auslandskorrespondenten beispielsweise sollten nur das wiederholen, was die Moderatoren vorher schon gesagt haben. Diskussionssendungen sollten ausnahmslos nach Mitternacht abrollen, dafür aber jeden Wochentag - dreimal Gerda Rogers, dreimal Peter L. Eppinger. Am Sonntag ist Pause, da rückt die Sterne-Sendung vom Radio ins Fernsehen. 22 bis 2 Uhr früh. (Gerfried Sperl/DER STANDARD; Printausgabe, 7.9.2009)