Gebets-Werkstatt und Hyper-Moschee

6. September 2009, 13:04

Was war vor der Minarett-Debatte? Ein Fotoessay zeigt, wie Moscheen in Deutschland Teil des Stadtbilds wurden - und was Österreich davon lernen könnte

„Moschee adé“: Die Antwort mancher AnrainerInnen war heftig, als eine kleine Moschee in der Wiener Dammstraße beschloss, ihre Gemeinschaftsräume auszubauen. Dass sich an der Größe des Gebetsraumes gar nichts ändern sollte, war der Gegnerschaft egal: Kein Quadratmeter mehr für Menschen mit der „falschen“ Religion – so schien die Devise zu lauten.

Auch in Pforzheim gibt es eine Dammstraße. Auch hier steht eine Moschee – mit Kuppel und Minarett, und das seit fast zwanzig Jahren. „Es war damals selbstverständlich“, sagt der Kulturhistoriker Christian Welzbacher, der zur Eröffnung der Ausstellung „Moscheen in Deutschland“ am Freitag im Wiener Architekturzentrum referierte. Dietmar Steiner, Chef des Architekturzentrums, erinnert an Zeiten, da Richard Lugners Baufirma mit dem Spruch „Wir bauen nicht nur Moscheen“ für sich warb. Dass er als Baumeister für Wiens ersten klassischen Moscheebau am Floridsdorfer Hubertusdamm fungierte, schien Lugner eine Auszeichnung zu sein, mit der er sich allzu gern schmückte.

"Kulturkampf" in Bad Vöslau

Das war vor 25 Jahren. Spätestens seit dem 11. September 2001, so Welzbacher, würden Moscheen mit Bedeutungen überfrachtet. Er nimmt ein Beispiel aus Niederösterreich: Bad Vöslau, wo im Herbst eine neue Moschee eröffnet werden soll, stehe geradezu „pars pro toto für den clash of civilizations“, meint Welzbacher. „Das ist, wie mit Kanonen auf Spatzen zu schießen.“

Die Ausstellung „Moscheen in Deutschland“ ist nicht nur für Architekturinteressierte spannend. Ein Foto zeigt einen Tourismusbus in Hamburg, dessen „City Tour“ auch zur einer kleinen Moschee führt. Der Bau stammt aus dem Jahr 1960 – zu einer Zeit, da die Arbeitsmigration aus der Türkei und aus Bosnien gerade erst richtig begonnen hatte und niemand wirklich damit rechnete, dass die GastarbeiterInnen hierbleiben würden. Heute, fünfzig Jahre später, ist die Hamburger Moschee selbstverständlicher Teil der urbanen Architektur. Gleichzeitig wurde auch hier nie so viel über neue Moscheebauten gestritten wie heute.

Was auffällt, ist, dass nur wenige Moscheebauten zeitgenössischen Architekturstilen folgen. „Außen Kuppel und Minarett, innen florale Dekoration“ – so beschreibt Welzbacher das gängige Moschee-Modell in Deutschland. Er habe sich gefragt, warum das so sei, sagt Welzbacher, und habe mehrere Antworten gefunden: Einerseits ließen vor allem nichtmuslimische ArchitektInnen ihre persönlichen Islam-Klischees einfließen: Orientalismus, der lieber Moscheebauten aus dem 16. Jahrhundert zitiert, als neue, reduzierte Formen zu wählen, zeigt, wie sehr europäische, nichtmuslimische ArchitektInnen den Islam immer noch im Orient verorten.

Die Politik im Minarett

Andererseits stehe vor allem bei türkischen Gemeinden in Deutschland ein klarer, politischer Auftrag dahinter: Da an öffentliche Gelder oder große Spendensummen schwer heranzukommen sei, wären kleine türkischstämmige Gebetsgemeinschaften gezwungen, sich an die staatliche Religionsbehörde in Ankara zu wenden. Und dieses stelle Geld bereitwillig zur Verfügung – und verwende so „die Religion als Vehikel, die politischen Ziele eines laizistischen Staates unter Umgehung diplomatischer Beziehungen zu erreichen“, so formuliert es Welzbacher. Das Minarett als politisches Symbol - allerdings nicht als Ausdruck eines politischen Islam, sondern einer türkisch-nationalistischen Außenpolitik. Und das gilt wiederum nur für bestimmte türkische Vereine.

Es gibt aber auch andere Beispiele. So der moderne Moscheebau in Penzberg, einer 16.500-Seelen-Gemeinde in Oberbayern (siehe Ansichtssache). Ein Cubus ohne Kuppel, ein quaderförmiges Minarett, das nicht auf den ersten Blick als solches wahrnehmbar ist – man könnte meinen, solche Formsprache würde MoscheegegnerInnen eher entgegen kommen als die klassische Bauform. Irrtum: Auch hier sei bald unterstellt worden, die Penzberger Gemeinde hätte sich nur deshalb für den modernen Stil entschieden, um ihre wahren, konservativistischen Ideale zu verschleiern.

"Muslimensteuer"

Moscheen werden zu einer bedeutenden europäischen Baugattung werden: Das steht für Welzbacher, dessen Buch „Euroislam-Architektur. Die neuen Moscheen des Abendlandes“ im Vorjahr erschienen ist,  fest. Um das architektonische Potenzial auszureizen, braucht es jedoch Finanzierung, die einerseits ermöglicht, erfahrene ArchitektInnen beizuziehen, und andererseits politische Einflussnahme verhindert. Eine geregelte finanzielle Basis für muslimische Gemeinden, etwa in Form einer an den Kirchenbeitrag angelehnten „Muslimensteuer“, würde den Gläubigen helfen, sich nicht von Spendengebern aus der Türkei oder aus der arabischen Welt abhängig machen zu müssen, meint Welzbacher.

Fotograf Wilfried Dechau hatte acht Wochen Zeit bekommen, um sein Bildessay über Moscheen in Deutschland zu vervollständigen. Von der umgebauten Autowerkstätte bis hin zur hypermodernen Moschee in Penzberg: Dechau gelang ein Abriss, der auf kleinstem Raum zeigt, dass es „den Islam“ in Europa nicht gibt. Auf AusstellungsbesucherInnen, so hofft Welzbacher, könnten die Bilder nachhaltigen Einfluss haben. Und zwar dann, wenn sie bewirken, „dass sich die Menschen auch einmal in eine Wiener Moschee hineintrauen. Und dass sie dann bemerken: Hoppla, mir passiert hier ja gar nix.“ (Maria Sterkl, derStandard.at, 6.9.2009)

Moscheen in Deutschland: Ein Fotoessay von Wilfried Dechau

mit Modellen und Plänen neuerer Moscheen.

Architekturzentrum Wien - Halle F3

5. September 2009 - 21. September 2009, täglich 10:00 - 19:00 Uhr

Link

Architekturzentrum Wien

Kommentar posten
Posting 1 bis 25 von 203
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Jan Sommer
00
9.12.2009, 10:42
Es gibt keinen unpolitischen Islam - der totale weltliche Machtanspruch


ist grundlegender Bestandteil dieser "Religion".

No na unterstützt das staatliche muslimische Religionsamt - das gebetsmühlenartig leugnet der Islam sei die einzige Staatsreligion der Türkei - die typische Eroberungspolitik durch die Hintertür.

Assimilieren und Integrieren sind aus dortiger Sicht natürlich selbstverständlich zu erbringende Leistungen der noch Ungläubigen.
js

Chem. Surfer
00
23.10.2009, 14:14
ulkig!

Hat jemand bemerkt, dass "Die Paepstin" als Werbung gleich drunter plaziert ist?

Wildhüter John
03
23.10.2009, 14:38

Tjo mit der hat man (von links) ja kein Problem. Mit den satanischen Versen schaut's für so manchen schon a bisserle anders aus...

jo eh
02
24.10.2009, 12:04

wegen der sat. verse hat dafür salman r. immer noch genügend probleme. die einst so hart erkämpfte meinungsfreiheit im westen ist teilweise nur noch eine chimäre
und die solidarität mancher linker mit grundrechten enden wollend, und zwar gerne dann, wenn es um eine bestimmte religion geht, deren state of the art schwer kompatibel mit westlichen errungenschaften (gleichberechtigung, schw.lenrechte, meinungsfreiheit, künstlerische freiheit(!) etc) erscheint.

josefa maier449
06
Ein Fotoessay zeigt, wie Moscheen in Deutschland Teil des Stadtbilds wurden

Links die 3 Fotos sind INNENansichten von Moscheen, wo seh ich da die tolle Integration ins Stadtbild, bitte?

Topfenbaby
615
Was mich bei dieser Moscheendiskussion am meisten stört:

Wenn man gegen die Errichtung einer Autobahn neben seinen Wohnort ist, gilt man nicht automatisch als sandalentragenden Autohasser.

Wenn man gegen eine Flugschneise über Wohngebiet ist, gilt man auch nicht automatisch als eine Gegner der Fliegerei.

Wenn man gegen die Errichtung des Einkaufszentrum ist, steht man auch nicht automatisch als Antikapitalist da.

Nur wenn es um die Errichtung einer Moschee geht und man ist dagegen, dann ist man "islamophob".

Warum ist das so?

Herr Unforgettable
20
2.12.2009, 12:36
...

nein nicht als islamphob...

sondern jemand der keine ahnung über die aufklärung.. ein aufklärungsverweigerer würd ich meinen...

Tuncay
83
10.10.2009, 21:46
Warum ist das so

Meistens weil es wahr ist.

Wildhüter John
16
12.10.2009, 09:02

Wahr ist höchstens, dass es ein Todschlagargument zum abwürgen jedweder Diskussion um oder über den Isl+m darstellt....

anders and
 
42
wie heftig Sie wieder einmal daneben liegen

zeigt die Tatsache, dass der Streit sich besonders an den Minaretten entzündet.
Am Schattenwurf wird´s doch nicht liegen?

frl.marty
64

autobahn und flugschneise verursachen lärm der ihrer gesundheit schadet

das ekz schadet mittelfristig ihrer nahversorgung

nur: wie schadet ihnen die moschee?

Piefke_in_Wien
12
16.10.2009, 01:33
Durch Muezzin-Rufe über Lautsprecher vom Minarett...

...wie sie in Deutschland immer öfter eingeführt werden (übrigens teilweise TROTZ vorheriger Versicherung durch islamische Verbände, dass nach dem Bau eines Minaretts KEIN Muezzin-Ruf ertönen würde).

Beispiel: Rendsburg. Da wurde 2008 noch versichert:

>>Die Arbeiten erledigen Mitglieder des Islamischen Zentrums, Ende 2008 soll die Großmoschee fertig sein. Ein Muezzin wird aber nicht zum Gebet rufen, dafür sind die Minarette ungeeignet - und das wäre wohl auch für die toleranten Rendsburger ein bisschen zu viel des Guten.<<

gidolf
21
22.10.2009, 23:11

Ich find die Glocken der Kirche bei mir ums Eck sehr oft sehr störend.

jo eh
00
24.10.2009, 14:07

naja, und deswegen brauchen sie zusätzlich noch den ruf des muezzins?

Wildhüter John
01
23.10.2009, 09:49

Tjo - das soll jetzt genau was relativieren? Und ich denke Relativismus ist ja das was Sie mit Ihrem Argument anstreben?!

M K
 
24
10.9.2009, 12:25
Ein Versuch?

Sie sollten zumindest für eine längere Weile in ein vom Islam beherrschtes Land ziehen.
Entsprechende Literatur würde auch schon genügen.

Wenn Sie dann noch immer an der Antwort auf Ihre Frage scheitern, liegts an Ihrer Intelligenz!

Hudri Wudri
51
14.9.2009, 12:52
Nein danke,

mir reicht schon die scheinheilige Doppelmoral der Christenheit und die Praktisierung deren ach-so-toleranten Naechstenliebe... Jesus ist ein fixer Bestandteil im Islam (Cave: Islam <> den Lehren einiger extremen Zellen), waehrend Christen von doch ziemlich radikalen Aussagen aus Rom gegen den Islam "vertreten" werden. Missbrauch der Religion fuer selbstsuechtige Machtspielchen - nein, DAFUER brauche ich nicht ins Ausland zu gehen...

M K
 
18
14.9.2009, 15:47
Unterwerfungsideologie

Sie wollen Ihre Augen nicht selber öffnen. Es wird mir auch nicht gelingen, Ihnen da nachzuhelfen, einen Versuch mach ich trotzdem:

Islam - das ist die "Religion" (Gesellschaftsverfassung wäre treffender) der Unterwerfung.
Unterwerfung der Gläubigen unter die absolute Herrschaft ihres Allah und seiner Verkünder und
Unterwerfung anderer Völker und Kulturen.

Geschult wird diese Unterwerfung durch einschlägige Vorschriften, man schaue sich nur Bilder betender Moslems an!

Mutige Europäer haben sich lange genug dafür eingesetzt, dem Christentum die schlimmsten und unerträglichsten Giftzähne zu ziehen. Sollen wir tatenlos zusehen, wie eine Unterwerfungsideologie wie der Islam sich hier breit macht? Ich will das nicht!

Chien de Pique
14

Sie verursacht in einem gewissen Umfang Lärm und ein vestärktes Verkehrsaufkommen (trifft beides natürlich auch auf Kirchen zu - und ist wohl, außer bei direkten AnrainerInnen, die kleinste Sorge der GegnerInnen).
Außerdem hat sie in manchen Fällen Einfluss auf den Immobilienmarkt und die Bevölkerungsstruktur der Umgebung.

Sahin A.
10
10.9.2009, 12:52

"Außerdem hat sie in manchen Fällen Einfluss auf den Immobilienmarkt und die Bevölkerungsstruktur der Umgebung."

Dieser Einfluss existiert auch bei Einkaufszentren, Kindergärten, Autobahnen, Bahnhöfen, Kirchen, Jugendzentren, Sportstätten, Kneipengassen, etc etc.

Chien de Pique
01
20.9.2009, 19:58

Das stimmt schon - und alle diese Bauprojekte (vielleicht mit Ausnahme der Kindergärten) stoßen auch meistens auf einen gewissen Widerstand.

Wildhüter John
03
10.9.2009, 13:11

Und?
Im konkreten Fall gehts hier aber um Moscheen und nicht um Einkaufszentren udgl.! Oder was wollten Sie mit Ihrem Relativismus aussagen?

thecrystalship
92

weil sich die meisten leute in österreich, und ich schreibe österreich, weil es(er) ein phänomen unseres landes ist, in ihrer argumentation gegen moscheen auf einen rattenfänger wie hc strache verlassen, der es sehr gut versteht die wut einer benachteiligten österreichischen schicht zu kanalisieren.

wenns den leuten hier z.b. ums ortsbild geht dann kann meistens ohnehin eine konstruktive debatte geführt werden, aber der standpunkt der muslime lautet dann: ohne minarett keine moschee.
stimmt auch. die muslime haben eben eine andere vorstellung von ihren gotteshäusern, die sollte man ihnen auch lassen und nicht vor angst(phobie) davor, sie könnten unser land "kapern", verbieten.

politisch verfolgt
19
ach quatsch

in der dammstraße in wien 20 ging es den leuten ursprünglich einfach nur um ruhe in ihrem wohnviertel. und strache war der einzige, der das ernstgenommen und sich anschließend auf das thema "draufgesetzt" hat. noch wochen später war aus dem rathaus zu hören, daß es dort gar keine probleme gäbe.
politisch instinktloser und dümmer als in diesem fall kann man als stadtregierung kaum agieren. die legen strache einen elfer nach dem anderen auf. der braucht keine ratten zu fangen, die werden ihm rathaus regelmäßig vor die tür gelegt, um bei ihrem sinnbild zu bleiben.

Wildhüter John
08

Sie scheinen eine falsche Vorstellung eines Gotteshauses zu haben. Wie bereits mehrfach erwähnt, ist eine Moschee im ersteren Sinne eine Multifunktionseinrichtung und nicht Sakralbau. Das am allerwenigsten! Der Isl+m kennt keine Gotteshäuser.

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