Zusammenschluss "könnte Medienvielfalt weiter einschränken" - Wettbewerbsbehörde auf STANDARD-Anfrage: Empfehlung fließt in ihre Analyse ein
Österreichs größter Verlagskonzern Styria will die Mehrheit an der Tiroler Moser Holding übernehmen. Freitag hat die Wettbewerbskommission empfohlen: Die Fusion soll zur vertieften Prüfung vor das Kartellgericht. Die Bundeswettbewerbsbehörde kann diese Prüfung bis 14. September beantragen. Auf Standard-Anfrage hieß es dort am Freitag: Die Behörde werde die Empfehlung in ihre Analyse der Causa einfließen lassen.
Die Kommission bilden etwa Kartellrechtler Norbert Gugerbauer, der Institutschef für Volkswirtschaft an der Wiener Wirtschaftsuni, Christoph Weiss, Kammer- und Gewerkschaftsvertreter. Sie begründen ihre Empfehlung mit:
- „Aller Voraussicht negative Auswirkungen auf Beschäftigungsmöglichkeiten für Journalisten."
- „Allein aufgrund seiner Größenordnung und Bedeutung für die österreichische Medienlandschaft vertiefend zu prüfen."
- „Auswirkungen auf den Anzeigenmarkt, der für das wirtschaftliche Überleben der Zeitungen von größter Bedeutung ist."
- Styria-Kontrolle über die schon mit der Moser Holding vereinten Gratisblätter „mit mehr als 100 Titeln und wöchentlich vier Millionen Lesern" und deren Auswirkungen auf den Anzeigenmarkt.
- Regionale Marktbeherrschung der Styria (Kleine Zeitung) neben Steiermark/Kärnten auch in Tirol.
- „Der Gesetzgeber verlangt zur Sicherstellung der Medienvielfalt unabhängige wirtschaftliche Einheiten. In diesem Sinne könnte der Zusammenschluss geeignet sein, die Medienvielfalt in Österreich weiter einzuschränken."
Styria (Kleine Zeitung, Presse) und Moser (Tiroler Tageszeitung) wollen all ihre Regionalmedien zusammenlegen. An dem Konzern soll die Styria 68 Prozent halten;die Moser-Eigner 27, Raiffeisen Oberösterreich fünf. (fid, DER STANDARD Printausgabe 5./6. September 2009)