Ablehnung in Brüssel

Rückschlag für Finanztransaktionssteuer

4. September 2009, 18:48

EU-Kommission lehnt Instrument ab - Nowotny dafür - Pröll sieht Finanzbedarf

Stockholm/Wien - Weil die Wirkung einer Steuer auf Finanztransaktionen aus ökonomischer Sicht nicht eindeutig die positiven Effekte gegen Spekulation belege, lehnt die Europäische Kommission die EU-weite Einführung einer solchen Steuer ab. Dies hat der für Steuern zuständige Kommissar László Kovács in einer Anfrage der grünen EU-Abgeordneten Ulrike Lunacek klargestellt.

Laut Kovács lasse sich "der Zusammenhang von Liquidität, Preisschwankungen und Spekulationen empirisch und theoretisch nicht erhärten" . Die von Österreich forcierte Abgabe könnte sogar eine Abnahme von Transaktionen und damit Liquidität bringen und zu stärkerer Volatilität auf den Märkten führen, schreibt Kovacs. Die Folge: "Die Steuer könnte die Kapitalkosten für Unternehmen erhöhen und damit dringend benötigte Investitionen verteuern."

In Schweden habe man beobachten können, dass Transaktionen in andere Teile der Welt verlagert würden, somit bestehe das Risiko, dass durch eine entsprechende Steuer die Finanzmärkte in Europa beschädigt werden könnten, argumentiert der zuständige EU-Kommissar. Daneben sieht er rechtliche Probleme, weil die Unionsländer aufgrund einer Richtlinie von 2008 keine indirekte Steuer irgendwelcher Art auf den Handel mit Aktien, Anteilen oder anderen Wertpapieren einheben dürften.

"Vorschläge seit einem Jahr auf dem Tisch"

Die Kommission ist laut Kovacs der Auffassung, dass eine Stabilisierung und Regulierung der Finanzmärkte effektiver über eine optimierte internationale Finanzmarktaufsicht erfolgen sollte. Lunacek kritisiert die starre Haltung der Kommission wie auch die Regierungen. Seit einem Jahr lägen die Vorschläge auf dem Tisch, aber der Rat habe sich noch immer nicht auf Maßnahmen einigen können. Dem widerspricht Finanzminister Josef Pröll, der von einer intensiven Diskussion seiner Amtskollegen berichtet. Pröll ist der Ansicht, dass die angespannte Budgetlage der EU-Staaten die Einführung einer Finanzsteuer beflügeln könnte. Er ortet einen wachsenden Widerstand der Nettozahler in Sachen EU-Finanzierung.

Im Gegensatz zu seinem Vorgänger Klaus Liebscher spricht sich Notenbank-Gouverneur Ewald Nowotny für die Abgabe aus (Interview S. 15). Er sieht mit Verweis auf Frankreich und Deutschland positive Signale. Nowotny spricht von einem "interessanten Instrument, aber man soll es nicht als Allheilmittel betrachten" . Klar ist für den Gouverneur, dass die Abgabe nur sinnvoll sei, "wenn alle europäischen Finanzmärkte integriert sind - speziell Großbritannien".  (Thomas Mayer, Andreas Schnauder, DER STANDARD, Print-Ausgabe, 5./6.9.2009)

Kommentar posten
14 Postings
also dann ...
00
und wieviel $....hat der eu-kommissar László Kovács

auf ein konto in jersey, cayman`s...erhalten.

die "neuen regulierungsvorschläge für fin.institute"...
werden von jenem gremium vorgeschlagen, die die krise m i t v e r u r s a c h t e ( ! ).
z.b. hr. issing, der makro-ökonom der ezb...

weder wurde dieses "kommission in der kommission"...
demokratisch bestellt - noch ist sie legitimiert
(es sind ja nur bank_S_ter... vertreten !)
hier lösungsvorschläge... zu erarbeiten.

wie weit geht denn die "verkorrumpierung der politik mit den banken"... noch ?

The Real Max
00

Ein ungarischer Bauerntölpel behauptet das, und der Standard macht eine solche Schlagzeile daraus?

Jetzt verstehe ich, warum Ungarn wirtschaftlich so in der Ecke steht.

Mario Gonzales
00
Pröll sieht Finanzbedarf

d.h. er braucht Geld.

Wollte er nicht ausgabenseitig sparen?

Howard Beale
00
Die "Regierungen" sind heutzutage leider zu Vorfeldorganisationen der Banken geworden.

also dann ...
00
stimmt - aber wieso nennen sie es nicht beim namen :

die politik(ER)...sind verkorrumpiert !
auch nichts neues . . .

Melanie Kürbis
00
...innenpoiltisches Ablenken....

...und daher ist das innenpolitische Gerede von einer europaweiten Transaktionssteuer zur Bekämpfung der Bankenkrise und Rückführung der hergeschenkten Steuermilliarden larifari und schlicht Ablenkung ,weil man selber gar nichts tun kann..
Wer fragt schon einen Pröll oder Faymann ?

uni kum
10
Moment mal:

Die Kommission kann ablehnen, was sie will. Sie ist immer noch die Exekutive und hat das durchzuführen, was die Staaten beschließen.

Bertel Mann
00
Und das glauben Sie wirklich?

Im grössten Projekt zur Abschaffung der Demokratie gibt es natürlich keine Gewaltentrennung.

Paul Feuerstein
10
Die "EU-Finanztransaktionssteuer" ist ein Schwachsinn,

entweder sie wird von den G20 beschlossen, oder sie ist zahnlos, die Transaktion wird eben ausserhalb dieser "Steuerstaaten" abgewickelt. Nichts leichter als das. Lunacek sollte sich eher um ihre anderen Agenden kümmern, sie ist eine Ahnungslose. Letzteres kann aber nicht überraschen!

ikepod
17
daher bin ich gegen die EU

die eu kûmmert sich nicht um den menschen.
sie kûmmert sich um das kapital !

das ist fix
05

So eine Steuer bringt nichts.

Wenn man die Spekulationen eindämmen will, dann muss man das Total-Verlust-Risiko bei den handelnden Firmen/Investoren belassen, und nicht mit Staatsgarantien eingreifen.
Die Arbeitsplatzargumentation ist in Wirklichkeit eine Erpressung.

teifl eini
010
... weil eine richtlinie aus 2008 indirekte steuern verhindert ...

... was für ein totschlagargument!

0,1% tobin-tax werden wohl nicht so schlimm sein ... aber wichtiger als solche einnahmen, scheint mir die weltweite aufhebung von bankgeheimnissen und die trockenlegung von steueroasen zu sein. geldwäsche, korruption, steuerhinterziehung können unter dem deckmantel "freiheit der märkte" erschreckende blüten treiben.

das bailout-ruhekissen und die externen effekte freier finanzmärkte (wie konjunkturschwankungen, blasen, marktverzerrung, soziale zerrüttung, verschärfter nord-süd-konflikt, kriminalität usw.) rechtfertigen massivste regulierung, besteuerung, ja einschränkung "geleveragter" spekulation. das geld muss in die real-wirtschaft fließen, nicht in die kurzfristige abzocke!

Robert Bond
01
genau!

wir machen's nicht, weil wir vor einem Jahr gesagt haben, dass wir's nicht machen.

blanker Hohn...

also dann ...
04
stimmt - es ist eine reine schutz-behauptung - sonst nichts.

zum einen...
soll er die studie + deren annahmen... genau benennen (es kann ja nicht sein, dass 1 mann für alle länder der EU...entscheidet !)
zum 2.
gibt es nichts einfacheres, die zinsrichtlinie der eu (vor der auch die stiftungen...ausgenommen sind !!!)
a b z u ä n d e r n.

es ist eine "abgemachte, korrupte" ...sache.

Die Kommentare von Usern und Userinnen geben nicht notwendigerweise die Meinung der Redaktion wieder. Die Redaktion behält sich vor, Kommentare, welche straf- oder zivilrechtliche Normen verletzen, den guten Sitten widersprechen oder sonst dem Ansehen des Mediums zuwiderlaufen (siehe ausführliche Forenregeln), zu entfernen. Der/Die Benutzer/in kann diesfalls keine Ansprüche stellen. Weiters behält sich die derStandard.at GmbH vor, Schadenersatzansprüche geltend zu machen und strafrechtlich relevante Tatbestände zur Anzeige zu bringen.