Protestbrief des Redakteursrats

25. Jänner 2011 01:04

Sehr geehrter Herr Generaldirektor,

aus den verschiedensten Bereichen des Unternehmens ist in den letzten Wochen eindringlich darauf aufmerksam gemacht worden, dass die Art und Weise, in der (zweifellos notwendige) Sparmaßnahmen geplant und längst auch schon in Angriff genommen sind, zu unübersehbaren Einschränkungen im ORF-Programmangebot führen müssen. Da nun auch einigermaßen feststeht, wer in den nächsten Wochen und Monaten den ORF verlässt, ist es endgültig unübersehbar geworden, dass unter den dadurch drohenden Gegebenheiten selbst Informationskernbereiche wie die ZiBs, die Radio-Journale und -Nachrichten oder die Landesstudios die gewohnte Qualität und Quantität nicht mehr anbieten könnten. Wird das Realität, würde das nachhaltige, kaum mehr wieder gut zu machende Beschädigungen der Substanz des ORF bedeuten. Mit weitestreichenden Folgen, denn ein ORF, der nicht mehr im Stande wäre, öffentlich-rechtliche Kernaufgaben zu erfüllen, hätte seine Legitimation verloren.

Damit das „Sparkonzept" zu keinem ORF-Zerstörungskonzept wird, muss nun endlich raschest konkret festgelegt werden, welche Aufgaben/Sendungen für den ORF unverzichtbar sind, welches Personal dafür unbedingt nötig ist und wo das herkommt. Die Erfüllung dieser Aufgaben hat die Geschäftsführung bisher trotz mehrfacher Aufforderung durch die ORF-JournalistInnen verabsäumt. Nun wird in Redakteursversammlungen genau darzulegen sein, was der jeweilige Bereich unter den neuen personellen Gegebenheiten weiter liefern kann und was nicht. Dann liegt es an den Verantwortlichen klarzustellen, welche Konsequenzen geplant sind: das Streichen von Sendungen, Personalumschichtungen (die dann zwangsläufig wieder in anderen Bereichen Angebotskürzungen bedingen), Schemaänderungen, usw. Zu diesen Plänen werden die Redakteursversammlungen (wie im ORF-G/Redakteursstatut vorgesehen) ihre Vorschläge machen. Selbstverständlich werden die ORF-JournalistInnen dabei, wie auch bisher immer, die extrem schwierige Lage des Unternehmens berücksichtigen, ebenso selbstverständlich sind sie allerdings nicht für Einschränkungen der Informationsqualität zu haben, denn gäbe es da keine wesentlichen Unterschiede mehr zu den Angeboten von Kommerzanstalten, würde sich der öffentlich-rechtliche Rundfunk selbst in Frage stellen.

Die ORF-Journalistinnen und Journalisten erwarten, endlich konkret und detailliert in die Umsetzung notwendiger Maßnahmen einbezogen zu werden, denn sie sind es, die täglich produzieren, was die Kernkompetenz des ORF ausmacht, als solche vom Publikum wahrgenommen wird. Mit dem Erlassen von „Spar"-Vorgaben, die offenbar von Leuten kommen, denen sowohl Programmnotwendigkeiten als auch die tagtägliche Arbeitspraxis fremd sind, ist die Gefährdung des öffentlich-rechtlichen Rundfunks jedenfalls nicht abzuwenden.

 

maria reibach
05.09.2009 17:23
Qualitätsjournalismus in Gefahr

meine volle Solidarität mit den JournalistInnen! In der gesamten Medienlandschaft hört frau das gleiche: Es gibt immer weniger Zeit für Recherche bzw. immer mehr Druck von Anzeigenabteilungen.
Finde merkwürdig, dass der Großteil der Postings so hasserfüllt gegen engagierte RedakteurInnen ist. Guter Journalismus bedeutet transparente gesellschaftliche Strukturen. Und der Redakteursrat (die ORF-Manager scheinbar nicht, die interessiert wohl nur die eigene Karriere) will genau das!!!

sociovation
05.09.2009 10:31
Wenn es nicht anders geht,

würde ich zum Erhalt der Qualität von Ö1 eine Gebührenerhöhung von 10 Euro in Kauf nehmen.
Dafür fordere ich dann aber auch, dass Ö1 in allen Tunnels zu hören ist.

Difool
 
06.09.2009 16:26

ja, es ist wirklich schwer zu verstehen, dass gerade Ö1 sehr oft besonders schwer zu empfangen ist (von submersen Straßenabschnitten ganz zu schweigen) :(

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